Raubbeutler

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Raubbeutler
Großer Pinselschwanzbeutler (Phascogale tapoatafa)

Systematik
Reich: Tiere (Animalia)
Unterreich: Bilateralsymmetrische Tiere (Bilateria)
Stamm: Chordatiere (Chordata)
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Überklasse: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Beutelsäuger (Metatheria)
Ordnung: Raubbeutlerartige (Dasyuromorphia)
Familie: Raubbeutler
Wissenschaftlicher Name
Dasyuridae
Goldfuss, 1820

Raubbeutler (Dasyuridae) zählen innerhalb der Klasse der Säugetiere (Mammalia) zur Unterklasse der Beutelsäuger (Metatheria) und zur Ordnung der Raubbeutlerartigen (Dasyuromorphia). In der Familie werden 71 rezente Arten in 2 Unterfamilien und 17 Gattungen geführt. Die bekannteste Art ist zweifelsohne der Beutelteufel (Sarcophilus harrisii).

Inhaltsverzeichnis

Evolution und Entwicklung

Ihre Blütezeit hatten Raubbeutler im frühen bis mittleren Miozän, vor etwa 24 bis 15 Millionen Jahren. Im Pleistozän, vor rund einer Millionen Jahren traten auch zahlreiche Riesenformen in Erscheinung, von denen heute jedoch keine Art mehr rezent ist. Die Riesenformen starben gegen Ende des Pleistozäns aus. Wahrscheinlich aufgrund der Bejagung der Ureinwohner Australiens. Ursprünglich ging man davon aus, dass es sich bei den Raubbeutlern wegen ihrer konservativen Körperform um strukturell alte Beuteltierformen aus der Zeit vor der Ausbreitung in Australien handelte. Neuere fossile Funde belegen jedoch, dass sich vor allem die kleineren Raubbeutler erst im mittleren Miozän vor etwa 16 Millionen Jahren entwickelten.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Raubbeutler erreichen je nach Art und Geschlecht eine Körperlänge von 4,6 bis 62,5 Zentimeter, eine Schwanzlänge von wenigen 6 bis 55 Zentimeter sowie ein Gewicht von 2 Gramm bis 13 Kilogramm. Die kleinste Art ist der Pilbara-Ningaui (Ningaui timealeyi). Er erreicht eine Körperlänge von 4,6 bis 5,7 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 6 bis 8 Zentimeter sowie ein Gewicht von 2 bis 9,4 Gramm. Der Beutelteufel (Sarcophilus harrisii) ist mit einer Körperlänge von 53 bis 65 Zentimeter, einer Schwanzlänge von 20 bis 25 Zentimeter, einer Schulterhöhe von gut 30 Zentimeter sowie einem Gewicht von 6 bis 13 Kilogramm. Bei zahlreichen Arten bleiben Weibchen ein wenig kleiner und leichter als Männchen. Das kurze Fell ist meist grau, graubraun, bräunlich bis hin zu schwarz gefärbt. Artabhängig zeigen sich oftmals Flecken, Streifen und ähnliche Markierungen im Fell. Die rundlichen Ohren sind meist nur spärlich behaart. Bei den meisten Arten zeigen sich trotz der zum Teil enormen Größenunterschiede zwischen den einzelnen Arten mehr oder weniger einheitliche morphologische Übereinstimmungen. Sie verfügen über eine spitz zulaufende Schnauze, drei Paar untere Schneidezähne, gut entwickelte Eckzähne sowie 4 bis 6 gut entwickelte Backenzähne. Das Gebiss besteht je nach Art aus 42 oder 46 Zähnen. Die zahnmedizinische Formel lautet i4/3, c1/1, p2-3/3-3, m4/4.
Beutelteufel (Sarcophilus harrisii)
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Beutelteufel (Sarcophilus harrisii)
Die Extremitäten sind bei den meisten Arten ausgesprochen kurz. Sie sind also keine sehr schnellen und ausdauernden Läufer. Die Füße sind an den Sohlen mit derben Ballen versehen und reichen bis zu den Hand- und Fußwurzeln. Die Füße der Vorderpfoten enden in jeweils 5 Zehen, die hinteren Pfoten verfügen über 4 bis 5 Zehen. Bis auf die jeweils erste Zehe verfügen alle Zehen über scharfe Krallen. Einige Arten verfügen über längere und buschige Schwänze, die mitunter in einer Quaste enden. Die Funktion der Schwänze ist weitestgehend unklar, man geht jedoch davon aus, dass die Schwänze eine Signalfunktion haben.

Lebensweise

Raubbeutler leben in aller Regel einzelgängerisch und führen eine meist verschwiegene Lebensweise. Die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander, wobei sich ein Weibchen mit mehreren Männchen paart. An den Nahrungsplätzen kann es mitunter auch zu größeren Ansammlungen kommen. Die Aktivität erstreckt sich artabhängig über die Dämmerung oder die Nacht. Einige Arten sind jedoch auch am Tage aktiv. Während der Ruhephasen ziehen sich Raubbeutler an geschützten Stellen zurück. Dies kann eine Baumhöhle oder aber auch ein Erdloch oder schützende Vegetation sein. Raubbeutler sind nur wenig territorial und dulden in ihrem Streifrevier auch Artgenossen oder andere Raubbeutler. Innerhalb ihres Streifreviers markieren Raubbeutler markante Punkte durch Kot und Urin. In der Regel werden separate Kotplätze unterhalten. Man geht davon aus, dass bei der Kommunikation untereinander der olfaktorische Sinn die größte Rolle spielt. Einige Arten wie die Beutelteufel setzen Duftmarken, indem sie ihre Kloake an markante Punkte reiben. Raubbeutler geben je nach Art eine Vielzahl an Lauten von sich. Besonders eindrucksvoll setzt sich der Beutelteufel durch lautes Knurren, Kreischen, leises Bellen bis hin zu Schnarchgeräuschen in Szene. Bei einige Arten wie den Beutelmarder (Dasyurus) spielen auch Keuch- und Zischlaute eine Rolle.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Raubbeutler erstreckt sich über Australien, Tasmanien, Neuguinea und Indonesien. Beliebte Lebensräume sind neben tropischen Regenwäldern auch lichte Wälder wie Eukalyptuswälder, landwirtschaftliche Flächen, felsige Regionen, steinige Wüsten und Savannen bis hin zu Heidelandschaften und subalpine Graslandschaften. Das heutige Verbreitungsgebiet vieler Arten ist stark eingeschränkt. Ursprünglich kam zum Beispiel der Beutelteufel in weiten Teilen Australiens vor. Heute ist die Art auf dem Kontinent ausgestorben und kommt nur noch auf Tasmanien vor.

Prädatoren

Prädator aus vergangener Zeit: der Beutelwolf (Thylacinus cynocephalus)
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Prädator aus vergangener Zeit: der Beutelwolf (Thylacinus cynocephalus)

In dem natürlichen Verbreitungsgebiet auf Tasmanien, in Australien und Neuguinea haben Raubbeutler nur wenige natürliche Feinde. Kleinere Raubbeutler stehen bei Riesenbeutelmardern (Dasyurus maculatus), Dingos (Canis lupus dingo) oder auch Beutelteufel (Sarcophilus harrisii) auf der Speisekarte. In der Vogelwelt gehören einige Greifvögel (Falconiformes) und Eulen (Strigiformes) wie beispielsweise die Neuhollandeule (Tyto novaehollandiae) und einige Arten der Habichte und Milane (Accipitrinae) zu den ärgsten Feinden. Die natürlichen Fleischfresser stellen im Grunde aber kein Problem für die Raubbeutler dar. Deutlich gravierender sind die negativen Auswirkungen durch Neozoa wie Rotfüchse (Vulpes vulpes), verwilderte Haushunde (Canis lupus familiaris) und Hauskatzen (Felis catus). In der Vergangenheit galt der heute ausgestorbene Beutelwolf (Thylacinus cynocephalus) als gefährlichster Gegner. Aufgrund der verborgenen Lebensweise fallen jedoch nur wenige Raubbeutler Fleischfressern zum Opfer. Es sind in der Regel alte und schwache oder auch junge und unerfahrene Tiere. Neben den bereits erwähnten Fleischfressern, stehen Raubbeutler auch im Fokus einer Reihe von Ekto- und Endoparasiten. Dazu gehören beispielsweise verschiedenste Saugwürmer (Trematoda), Bandwürmer (Cestoda), Fadenwürmer (Nematoda), Trichinen (Trichinella) sowie Schildzecken (Ixodidae) und Flöhe (Siphonaptera).

Ernährung

Raubbeutler ernähren sich im Wesentlichen von Fleisch, einige Arten zusätzlich auch von Aas. Aufgrund des kräftigen Gebisses sind beispielsweise Beutelteufel auch in der Lage Knochen zu verzehren. Die kurze, stark bemuskelte Schnauze des Beutelteufels kann sehr fest zubeißen und mit den kräftigen Molaren knacken sie selbst härtere Knochen. Meist bleiben von einem Beutetier nur die kräftigen Oberschenkelknochen übrig, der Rest wird mit Haut und Haaren verspeist. Raubbeutler sind je nach Art in der Lage kleine bis mittelgroße Wirbeltiere (Vertebrata) zu erlegen und zu fressen. Einige Arten, vor allem die kleineren haben sich auf Insekten (Insecta) und andere Gliederfüßer (Arthropoda) spezialisiert. Die Eckzähne und die Kaumuskulatur sind an die jeweilige Ernährungsweise angepasst. Die Eckzähne sind oval geformt und stehen in der Form zwischen den schmalen Eckzähnen der Hunde (Canidae) und den runderen Eckzähnen der Katzen (Felidae). Beutetiere werden bei allen Arten der Raubbeutler mit einem Biss in das Genick oder in den Schädel getötet. Raubbeutler konkurrieren in weiten Teilen der Verbreitungsgebiete mit eingeschleppten Hauskatzen (Felis catus).
Doppelkamm-Beutelmaus (Dasyuroides byrnei)
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Doppelkamm-Beutelmaus (Dasyuroides byrnei)
Je nach Art erfolgt die Nahrungssuche am Boden oder zum Teil auch hoch oben in Bäumen. Die meisten Arten, vor allem die insectivoren Raubbeutler sind nicht auf Trinkwasser angewiesen, da Insekten bis zu 60 Prozent an Wasser enthalten. In Zeiten geringer Nahrung sind Raubbeutler in der Lage, ihre Stoffwechselrate zu reduzieren. Die Körpertemperatur sinkt dabei um bis zu 10 Grad Celsius. Dieser Zustand wird auch als Torpor bezeichnet und kann bis zu 10 Stunden anhalten.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird im Alter von 6 bis 12 Monaten erreicht. Je nach Lebensraum und Verbreitungsgebiet erstreckt sich die Paarungszeit über das ganze Jahr, in gemäßigten Regionen in der Regel über das Frühjahr. Unmittelbar nach dem Verlassen des Geburtskanals legen Jungtiere eine erstaunliche Reise vom Geburtskanal bis in den Beutel zu den Zitzen zurück. Durch schwimmartige Bewegungen der Vorderbeine kriecht ein Jungtier vorwärts. Der Nachwuchs kann aufgrund geschlossener Augen zwar nicht sehen, er orientiert sich anhand der Schwerkraft, indem er sich entgegen der Schwerkraft bewegt. Ein Weibchen bringt nach einer artabhängigen Tragezeit von 10 bis 40 Tagen zwischen 4 und 12 Junge. Mit bis zu 55 Tagen weisen Fettschwanz-Beutelmäuse (Pseudantechinus) die längste Tragezeit unter den Raubbeutlern auf. In der Regel kommt es in einer Saison nur zu einem Wurf. Nur bei den Schmalfuß-Beutelmäusen (Sminthopsis) kann es auch zu 2 bis 3 Würfen kommen. Der Nachwuchs bleibt zwischen 2 und 5 Monaten im Beutel der Mutter, ehe er entwöhnt wird und in die Selbständigkeit entlassen wird. Hier weisen die Schmalfuß-Beutelmäuse mit nur 8 Wochen die kürzeste Verweilzeit im Beutel auf. Die Weibchen der Breitfuß-Beutelmäuse verfügen über bis zu 25 Zitzen. Andere Arten weisen deutlich weniger Zitzen auf.

Eine Besonderheit ist beim Paarungsverhalten der Braunen Breitfußbeutelmaus (Antechinus stuartii) zu beobachten. Bei den Männchen der Braunen Breitfußbeutelmäuse steigen aufgrund gestiegener Stresswerte während der Paarungszeit die Spiegel verschiedener Steroidhormone wie Corticosteroide und Sexualhormone wie Androgene dramatisch an. Stress wird insbesondere durch die Konkurrenz unter den Männchen und die eigentlichen Paarungsaktivitäten ausgelöst. Corticosteroide sind ein Produkt der Nebennierenrinde. Durch die Überproduktion dieses Steroidhormons sind globuläre Proteine nicht mehr in der Lage den Spiegel zu regulieren.
Tüpfelbeutelmarder (Dasyurus viverrinus)
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Tüpfelbeutelmarder (Dasyurus viverrinus)
Der starke Anstieg des Androgenspiegels hat eine immunosuppressive Wirkung zur Folge, an deren Ende ein Zusammenbruch des Immunsystems steht. Gegen Ende der Paarungszeit sterben die Männchen an den Auswirkungen. Dies bedeutet, dass die Gesamtpopulation nach der Paarungszeit ausschließlich aus Weibchen besteht. Die Lebenserwartung liegt je nach Art zwischen 1 und 6 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die meisten Arten der Raubbeutler gehören heute noch nicht zu den gefährdeten Arten. Bei einigen Arten ist die Bestandssituation unklar. Diese Arten werden in der Roten Liste der IUCN als "Data Deficient" (DD) geführt. Alle Arten sind durch die Einwirkung des Menschen in ihrer Zahl und der Verbreitung stark zurückgegangen. Nicht selten werden Raubbeutler als vermeindliche Geflügeldiebe verfolgt und getötet. Dies trifft insbesondere auf den Beutelteufel und auf Beutelmarder (Dasyurus) zu. Auch Lämmer und kranke Schafe sollen diese Räuber schon gerissen haben. In der Regel meiden Raubbeutler jedoch die Nähe zum Menschen. Gejagt werden die Tiere mit Schusswaffen, Fallen und Giftköder. Die größte Bedrohung für Raubbeutler geht jedoch vom Schwund der Lebensräume und der Einschleppung von plazentalen Säugetieren aus, insbesondere plazentaler Fleischfresser wie dem Rotfuchs (Vulpes vulpes) oder auch verwilderten Hauskatzen (Felis catus). Eingeschleppte Räuber töten Raubbeutler als Beute oder durch Konkurrenz. Der Schwund der Lebensräume geht meist auf Erosion oder auf eine intensive Land- und Fortwirtschaft zurück. Der Verlust von altem Baumbestand macht vor allem den Riesenbeutelmarder (Dasyurus maculatus) zu schaffen.

Als gefährdet (VU, Vulnerable) gelten die Doppelkamm-Beutelmaus (Dasyuroides byrnei), die Kammschwanz-Beutelmaus (Dasycercus cristicauda), der Neuguinea-Beutelmarder (Dasyurus albopunctatus), der Schwarzschwanz-Beutelmarder (Dasyurus geoffroii), Riesenbeutelmarder (Dasyurus maculatus), Dasyurus spartacus, die Neuguinea-Flachkopfbeutelmaus (Planigale novaeguineae), Pseudantechinus mimulus und Sminthopsis butleri.

Dasycercus hillieri, die Sprenkelbeutelmaus (Parantechinus apicalis), Sminthopsis aitkeni, Sminthopsis douglasi, Sminthopsis psammophila und der Kleine Pinselschwanzbeutler (Phascogale calura) gelten sogar als stark gefährdet (EN, Endangered).

Systematik der Raubbeutler

Riesenbeutelmarder (Dasyurus maculatus)
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Riesenbeutelmarder (Dasyurus maculatus)
Sprenkelbeutelmaus (Parantechinus apicalis)
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Sprenkelbeutelmaus (Parantechinus apicalis)
Fettschwanzbeutelmaus (Pseudantechinus macdonnellensis)
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Fettschwanzbeutelmaus (Pseudantechinus macdonnellensis)
Braune Breitfußbeutelmaus (Antechinus stuartii)
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Braune Breitfußbeutelmaus (Antechinus stuartii)
Großer Pinselschwanzbeutler (Phascogale tapoatafa)
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Großer Pinselschwanzbeutler (Phascogale tapoatafa)
Kleiner Pinselschwanzbeutler (Phascogale calura)
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Kleiner Pinselschwanzbeutler (Phascogale calura)

Anhang

Siehe auch

Lesenswerte Einzelartikel

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
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