Raubtiere

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Raubtiere
Rohrkatze (Felis chaus)

Systematik
Reich: Tiere (Animalia)
Stamm: Chordatiere (Chordata)
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere
Wissenschaftlicher Name
Carnivora
Bowdich, 1821

Raubtiere (Carnivora) zählen innerhalb der Klasse der Säugetiere (Mammalia) zur Teilklasse der Höheren Säugetiere (Eutheria).

Inhaltsverzeichnis

Diversität

In rund 15 (18 nach ITIS, 15 nach Wilson & Reeder, 2005) rezenten Familien werden je nach Autor etwa 270 Arten geführt. In der Roten Liste der IUCN werden 285 Arten geführt (Stand 3/2009). Unterteilt werden Raubtiere in Hundeartige (Caniformia) und Katzenartige (Feliformia). Raubtiere sind eine erfolgreiche Gruppe von Säugetieren, deren Wurzeln bis weit ins Paläozän hineinreichen. Der Begriff Carnivora bezieht sich zwar auf die fleischfressende Lebensweise, jedoch ernähren sich einige Raubtiere wie der Große Pandabär (Ailuropoda melanoleuca) rein pflanzlich. Er frisst fast ausschließlich Sprossen und Blätter bestimmter Bambusbäume. Andere Raubtiere nehmen neben der fleischlichen Nahrung auch pflanzliche Kost zu sich. So fressen einige Arten der Bären (Ursidae) zu einem Großteil auch Beeren. Auf der anderen Seite gibt es auch in zahlreichen anderen Säugetierordnungen reine Fleischfresser. Hier sind beispielsweise Wale (Cetacea), Primaten (Primates), Raubbeutler (Dasyuridae) aus der aus der Unterklasse der Beutelsäuger (Metatheria), Igelartige (Erinaceomorpha) oder auch zahlreiche Fledermäuse (Microchiroptera) zu nennen.

Evolution, Fossile Funde

Prähistorisches Raubtier: die Säbelzahnkatze (Smilodon californicus)
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Prähistorisches Raubtier: die Säbelzahnkatze (Smilodon californicus)

Die ersten Raubtiere ähnelten im Habitus den Urraubtieren (Creodonta). Mit diesen sind Raubtiere jedoch nicht weiter verwandt. Raubtiere sind wahrscheinlich im Paläozän aus den Mesonychia hervorgegangen. Sowohl im Paläozän als auch im Eozän waren Raubtiere eher klein und spielten im Gegensatz zu den Creodonta nur eine untergeordnete Rolle. Bemerkenswert ist, dass Raubtiere und die Urraubtiere ein Brech-Scheren-Gebiss entwickelten. Es handelt sich hierbei jedoch nicht um ein Abstammungsmerkmal, sondern um eine konvergente Evolution. Die älteste Familie innerhalb der Raubtiere sind die Schleichkatzen (Viverridae) und die ausgestorbenen Vertreter der Viverravidae. Die ältesten Schleichkatzen lassen sich vom frühen Paläozän bis ins mittlere Eozän nachweisen.

Zahlreiche Forscher gehen davon aus, dass die ersten Raubtiere aus der Überfamilie der Miacoidea hervorgegangen sind. Bei den Miacoidea handelte es sich um reine Waldbewohner. Man weiß heute aufgrund fossiler Funde, dass sie flexible Pfoten und die für Raubtiere typischen Reißzähne aufwiesen. Das Kahnbein (Os scaphoideum und Os naviculare) sowie das Mondbein (Os lunatum) waren jedoch noch nicht miteinander verwachsen. Im Eozän und ob Oligozän, also vor 45 bis 26 Millionen Jahren, teilten sich die Miacoidea in die heutigen Raubtierfamilien. In älteren Systematiken unterscheidet man zwischen Landraubtiere (Fissipedia) und Wasserraubtiere (Pinnipedia). Man geht davon aus, dass sich die Pinnipedia vor etwa 25 Millionen Jahren im frühen Oligozän von den Fissipedia trennten.

Habitus und innere Anatomie

Maße

Raubtiere treten in allen Größen auf. Die kleinste Art dieser Ordnung ist das Mauswiesel (Mustela nivalis). Es erreicht eine Körperlänge von 135 bis 185 mm, eine Schwanzlänge von 30 bis 40 mm und ein Gewicht von 35 bis 70 Gramm. Die mit Abstand größte Art der Landraubtiere ist der Grizzlybär (Ursus arctos horribilis). Er erreicht eine Körperlänge von bis zu 2.800 mm und ein Gewicht von bis zu 780 Kilogramm. Noch größer werden einige Wasserraubtiere: der Südliche Seeelefant (Mirounga leonina) erreicht eine Körperlänge von 2.800 bis 5.000 mm sowie ein Gewicht von 600 bis fast 4.000 Kilogramm. Weibchen sind in der Regel kleiner und leichter als Männchen. Bei einigen Arten ist das Verhältnis jedoch umgekehrt. Bei den Tüpfelhyänen (Crocuta crocuta) bleiben die Männchen kleiner rund leichter. Bei einigen Arten zeigt sich zudem ein Dimorphimus im Habitus. Hier ist beispielsweise die Mähne der Löwenmännchen (Panthera leo) oder der aufblasbare Kehlsack der Seeelefanten (Mirounga) zu nennen.

Gebiss und Schädel

besonderes Schädelmerkmal bspw. beim Rotfuchs (Vulpes vulpes): Fangzähne (Canini) ragen bis über den Unterkiefer (Dentale)
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besonderes Schädelmerkmal bspw. beim Rotfuchs (Vulpes vulpes): Fangzähne (Canini) ragen bis über den Unterkiefer (Dentale)

Die meisten Raubtiere, zumindest alle Landraubtiere, verfügen über ein Brech-Scheren-Gebiss. Dabei arbeiten P4, also der vierte Prämolar und der ersten Molar (M1) in Form einer Schere zusammen. Die Zusammenarbeit beider Zähne findet im Zerteilen von Fleisch und Sehnen Verwendung. In jeder Kieferhälfte ist je eine Brechschere zu finden. Besonders kräftig ist die Brechschere Hyänen (Hyaenidae) ausgeprägt. Sie sind in der Lage selbst sehr kräftige Oberschenkenknochen aufzubrechen. Die Anzahl der Zähne variiert je nach Familie. Ausgehend von der Grundformel i3/3, c1/1, p4/4, m3/3 ergeben sich zahlreiche Abweichungen. Eckzähne (i1/1) sind bei Landraubtieren immer vorhanden. Sie sind groß und meist kegelförmig. Die Anzahl der Schneidezähne, der Prämolaren und der Molaren kann familienabhängig variieren. Die äußern Schneidezähne sind meist hundeartig vergrößert, der erste Schneidezahn ist immer der kleinste. Die Zähne aller Raubtiere sind tief verwurzelt. Zudem ist das Gebiss diphyodont, Raubtiere weisen in ihrer Entwicklung demnach 2 Sätze Zähne auf. Dies sind die Milchzähne und die bleibenden Zähne. Bei vorwiegend vegetarisch lebenden Raubtieren sind die Reißzähne in Mahlzähne umgestaltet.

Der Schädel der Katzenartigen (Feliformia) ist eher klein und die Arten weisen ein kurzes Gesicht auf. Der Grund für das kurze Gesicht liegt auf der Hand: die Nasenbeine und die Kiefer sind deutlich verkürzt. Fast alle Katzenartigen weisen eine einheitlichen Zahnformel auf. Sie lautet i3/3, c1/1, p3/2, m1/1. Das Gebiss besteht demnach aus 30 Zähnen. Es treten in dieser Gruppe nur 2 Ausnahmen auf. Dies sind die 4 Arten der Luchse (Lynx) sowie der Manul (Otocolobus manul). Bei beiden Arten fehlt jeweils der erste obere Prämolar. Das Gebiss weist daher nur 28 Zähne auf. Auch Katzenartige verfügen über typische Reißzähne. Hier zeigt sich jedoch eine Doppelfunktion. Der obere Reißzahn verfügt über eine scharfe Kante, wobei der vordere Zahnhöcker recht breit ist. Durch den breiten Zahnhöcker sind die Katzen in der Lage auch Knochen zu zermalen. Die Eckzähne der Katzenartigen sind lang und dienen in erster Linie zum Fassen von Beutetieren. Der Unterkiefer kann nur in vertikaler Richtung bewegt werden, jedoch ist die Kaumuskulatur ausgesprochen kräftig ausgebildet. Mahlzähne sind keine vorhanden, jedoch ist die Zunge mit spitzen Papillen besetzt. Damit können Katzenartige Fleisch förmlich von den Knochen raspeln.

Bei den Hundeartigen zeigt sich bis auf wenige Ausnahmen ebenfalls eine einheitliche Zahnformel. Sie lautet i3/3, c1/1, p4/4, m2/3 und das Gebiss besteht demnach aus 42 Zähnen. Nur drei Arten weichen von diesem Muster ab. Dies sind der Löffelhund (Otocyon megalotis) mit 48 Zähnen, der Rothund (Cuon alpinus) mit 40 Zähnen und der Waldhund (Speothos venaticus) mit 38 Zähnen. Alle Hundearten weisen einen langen Fang und ausgeprägte Kiefer auf. Sowohl die schneidenden Reißzähne (P4/M1) als auch die mahlenden Molaren sind gut entwickelt. Abgesehen vom Löffelhund sind die Molaren die größten Zähne im Gebiss der Hunde.

Körperbau

Raubtiere haben in der Regel einen kraftvollen und dennoch geschmeidigen Körperbau. Das Skelett ist meist auf ein schnelles Laufen ausgerichtet. Auch die Elle und das Wadenbein sind besonders kräftig ausgebildet. Zudem ist die Elle mit der Speiche fest verwachsen, was letztlich eine Verdrehung verhindert. Raubtiere sind entweder Sohlengänger oder Zehengänger. Zu den Zehengängern gehören beispielsweise die Katzen (Felidae), zu den Sohlengängern die Bären (Ursidae). Alle Raubtiere weisen jedoch ein gemeinsames Merkmal auf. Es ist die Verwachsung der Handwurzelknochen. Es handelt sich hierbei evolutionsgeschichtlich um ein sehr altes Skelettmerkmal. Man geht davon aus, dass die Verwachsung der Handwurzelknochen damit erklärt werden kann, dass beispielsweise Hunde (Canidae) die Belastung abfängt, die den Fuß beim Laufen trifft. Das Schlüsselbein (Clavicula) ist bei Raubtieren nur rudimentär vorhanden. Es liegt innerhalb der Muskeln und hat keine Verbindung zur Schulter. Ohne ein funktionierendes Schlüsselbein sind Raubtiere zu deutlich größeren Schritten oder Sprüngen in der Lage. Bei anderen Tieren wie beispielsweise den Primaten (Primates) dient das Schlüsselbein der Stabilisierung und dem Halten der Muskeln, die eine freie Seitwärtsbewegung ermöglichen. Die restliche Anatomie ist ausgesprochen vielfältig. Die beispielsweise für Katzen typischen einziehbaren Krallen sind ansonsten nur noch bei Schleichkatzen (Viverridae) anzutreffen. Vertreter der Unterordnung der Hundeartigen (Caniformia) verfügen über breite und stumpfe Krallen. Derartige Krallen machen vor allem beim Vergraben von Nahrung Sinn.

Lebensweise

Raubtiere weisen artabhängige oder familienabhängige Anpassungen an die verschiedensten Lebensräume auf. Die Arten sind terrestrisch oder aquatisch wie Hundsrobben (Phocidae), wieder andere sind semi-aquatisch und leben sowohl im Wasser als auch an Land. Viele an Land lebende Raubtiere sind gute oder sogar exzellente Läufer, Wasserraubtiere sind meist schnelle und gewandte Schwimmer. Einige Arten der an Land lebenden Raubtiere zeichnen sich durch gute Kletterkünste aus und verbringen große Teile ihrer aktiven Zeit in Bäumen. Hier sind insbesondere Pardelroller (Nandiniidae) zu nennen, die nur sehr selten einen Fuß auf den Waldboden setzen. Bären (Ursidae) bewegen sich üblicherweise eher langsam durch ihren Lebensraum. Dennoch sind auch sie zu kurzen und schnellen Sprints in der Lage. Das Sozialleben ist artabhängig höchst unterschiedlich ausgeprägt. Bären leben beispielsweise einzelgängerisch, andere Arten wie Wölfe leben in Rudeln, Wasserraubtiere leben üblicherweise in großen Kolonien. Bei einigen Arten wie den Südamerikanischen Nasenbären (Nasua nasua) leben die Weibchen in Gruppen, die Männchen leben einzelgängerisch und treffen nur zur Paarungszeit auf die Gruppen mit den Weibchen. In Gruppen lebende Raubtiere zeichnen sich in der Regel durch eine strikte Hierarchie aus, die meist auf Dominanz beruht. Die sozialen Bindungen zwischen den Mitgliedern einer Gruppe sind meist recht stark. In der Regel sind Raubtiere standorttreu und leben dauerhaft in ihrem Revier. Einige Arten folgen jedoch den saisonalen Wanderungen ihrer Beute. Zu beobachten ist dies unter anderem bei Wölfen. Raubtiere belegen meist sehr große Reviere, wobei es sich meist um Streifreviere handelt. Da die Reviere sehr groß sein können, werden sie nicht aktiv verteidigt, da die energetischen Kosten ausgesprochen groß wären. Raubtiere sind artabhängig tagaktiv oder in der Nacht aktiv. Während der Ruhephasen halten sie sich meist an geschützter Stelle auf. Dies können neben natürlichen Höhlen auch Bäume, Felsen oder ähnliche Orte sein. Die meisten Raubtiere sind ganzjährig aktiv. Nur in kaltgemäßigten und arktischen oder subarktischen Regionen halten einige Arten eine Winterruhe. Hier sind beispielsweise einige Vertreter der Bären (Ursidae) zu nennen.

Die Sinne der Raubtiere sind meist hoch entwickelt. Dies trifft vor allem auf den Sehsinn und das Gehör zu. Einige Arten, insbesondere zahlreiche Vertreter der Katzen (Felidae), sind in der Lage sogar Töne im Ultraschallbereich zu hören. Dies macht sich besonders bei der Jagd auf Nagetiere (Rodentia) bezahlt. Neben dem Gesichtssinn nutzen zahlreiche Arten auch die taktile Wahrnehmung über die Tasthaare (Vibrissen) im Bereich der Schnauze. Gut entwickelt ist mitunter auch der Geruchssinn. So dient beispielsweise die Abgabe von Urin und Kot der Reviermarkierung. Auch Sekrete aus Hautdrüsen oder dem Analogenitalbereich können der Reviermarkierung dienen. Neben der Reviermarkung dienen Hautsekrete auch der Kommunikation untereinander. Die Düfte geben den Individuen Auskunft über den sozialen Status, die Identität einzelner Individuen oder auch die Paarungsbereitschaft. Im Nahbereich dienen akustische Laute der Kommunikation.

Katzenartige können sowohl räumlich gut sehen als auch Farben erkennen. Katzen können insbesondere in der Dunkelheit hervorragend sehen. Durch schnell reagierende Irismuskeln können sich Katzen zudem rasch an die Dunkelheit anpassen. Die hinter der Netzhaut liegende Schicht, das sogenannte Tapetum lucidum, erhöht zusätzlich die Bildschärfe. Das Licht, das durch die Rezeptoren ins Augeninnere dringt, wird reflektiert und durchläuft die Sinneszellen ein zweites Mal. Man kann demnach von einer Art Restlichtverstärker sprechen. Durch das Tapetum lucidum zeigt sich in der Dunkelheit das charakteristische Leuchten der Augen. Neben dem Sehsinn ist auch das Gehör der Katzen hervorragend ausgebildet. Die meist großen Ohrmuscheln fungieren als Trichter und leiten die Töne ins Innenohr weiter. Einige Arten können auch hochfrequente Töne hören. Dies ist insbesondere bei Kleinkatzen der Fall. Ein weiterer, ebenfalls hoch entwickelter Sinn, ist der Gleichgewichtssinn. Fallen Katzen beispielsweise von Bäumen, so landen sie immer auf den Pfoten. Der Vestibularapparat ist für den Gleichgewichtssinn verantwortlich und liegt im Innenohr.

Verbreitung

Raubtiere sind auf allen großen Landmassen beheimatet. Lediglich in Australien, Neuseeland und in der Antarktis fehlten Raubtiere ursprünglich. Der Mensch führte Raubtiere jedoch in fast allen Regionen ein. Dies ist in Australien beispielsweise der Dingo (Canis lupus dingo). Im Wasser treten Raubtiere in allen Ozeanen und größeren Meeren auf. Raubtiere sind zudem in allen Klimazonen der Erde beheimatet. Die Lebensräume reichen von tropischen Regenwäldern, über Savannen, Grasland, Wälder, der Tundra und Taiga, vom Meeresspiegel bis zum Hochgebirge sowie hoch im Norden bis zum Nordpol. Im Wasser sind Raubtiere sowohl im Salz- auch im Süßwasser anzutreffen. Wasserraubtiere sind völlig an das Leben im Wasser angepasst, andere Arten, wie der Seeotter (Enhydra lutris), führen eine semiaquatische Lebensweise. Im Binnenland werden mitunter See und Teiche, Flüsse, in Küstennähe auch Brackwasser und Küsten besiedelt. Zahlreiche Arten, wie der Rotfuchs (Vulpes vulpes), haben sich an das Leben in der Nähe des Menschen angepasst und sind demnach auch auf landwirtschaftlichen Flächen, ländlichen Regionen oder sogar in Vorstädten anzutreffen.

Biozönose

Prädatoren und Parasiten

Die meisten größeren Raubtiere stehen am oberen Ende der Nahrungskette und brauchen daher keine natürlichen Feinde zu fürchten. Dies gilt jedoch nur für große adulte Raubtiere. Jungtiere stehen durchaus häufig auf der Speisekarte anderer Räuber. Hier sind insbesondere größere Greifvögel (Falconiformes) zu nennen.
Prädator von Wasserraubtieren: der Weiße Hai (Carcharodon carcharias)
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Prädator von Wasserraubtieren: der Weiße Hai (Carcharodon carcharias)
Im Wasser lebende Raubtiere sind deutlich mehr gefährdet. Ihnen stellen vor allem große, räuberisch lebende Knorpelfische (Chondrichthyes) wie der Weiße Hai (Carcharodon carcharias) oder auch große Wale (Cetacea) wie der Große Schwertwal (Orcinus orca). Der größte Feinde aller Raubtiere ist hingegen der Mensch. Er stellt, nicht selten mit kommerzieller Absicht, Raubtieren nach. Begehrt sind Trophäen, das Fleisch und das Fell. Diverse Körperteile spielen auch in der traditionellen asiatischen Medizin eine große Rolle. Raubtiere sind, wenn sie von anderen Tieren angegriffen werden, durchaus wehrhafte Gegner. Insbesondere die Krallen und das Gebiss dient der Abwehr von natürlichen Feinden. Einige Raubtiere, insbesondere die im Wasser lebenden Raubtiere, verlassen sich bei der Feindabwehr auf ihre recht hohe Fluchtgeschwindigkeit und hohe Beweglichkeit. An Land lebende Raubtiere schützen vor allem ihren Nachwuchs, indem er an unzugänglichen Orten wie unterirdische Bauten versteckt wird. Die Neugeborenen sind bei fast allen Raubtieren bei der Geburt ausgesprochen unselbständig und sind daher auf den Schutz durch die Mutter bzw. die Eltern angewiesen. Zahlreiche Raubtiere heben sich durch ihre Fellfärbung kaum vom Substrat ab und sind so gut getarnt. Viele Arten sind gestreift, gefleckt, getupft oder anders gemustert. Einige Raubtiere wie beispielsweise Stinktiere (Mephitidae) weisen im Analogenitalbereich spezielle Drüsen auf, die der Feindabwehr dienen. Raubtiere sind Wirte für zahlreiche Endoparasiten wie Fadenwürmer (Nematoda), Saugwürmer (Trematoda), Bandwürmer (Cestoda) sowie verschiedene Eukaryoten (Eucaryota). Auch Ektoparasiten treten häufig im Fell oder auf der Haut der Raubtiere auf. Dies sind insbesondere Flöhe (Siphonaptera) und Tierläuse (Phthiraptera) sowie Zecken (Acari) und andere Milben (Acari, Acarida).

Ernährung

Auch wenn einige heutige Raubtiere Aasfresser oder Vegetarier sind, ernährten sie sich ursprünglich von Fleisch. Fleisch ist zwar leichter verdaulich, es ist jedoch deutlich schwieriger an Fleisch zu kommen als an pflanzliche Nahrung oder Aas.

Opportunistischer Allesfresser: der Braunbär (Ursus arctos)
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Opportunistischer Allesfresser: der Braunbär (Ursus arctos)
Grundsätzlich kann man jedoch sagen, dass es sich bei den Raubtieren um Fleischfresser handelt. Raubtiere ernähren sich von Fleisch von Säugetieren (Mammalia), Vögeln (Aves), Lurchen (Amphibia) oder Kriechtieren (Reptilia), aber auch mitunter von Fisch, Eiern oder Insekten (Insecta). Im Meer lebende Raubtiere fressen neben Fisch artabhängig auch Weichtiere (Mollusca), Krebstiere (Crustacea) und Plankton. Kleinere Landraubtiere nehmen auch kleine Beutetiere wie Schnecken (Gastropoda) und Wenigborster (Oligochaeta) wie Regenwürmer (Lumbricidae). Einige Arten gelten als Allesfresser, die neben pflanzlicher Kost auch Aas nicht verschmähen. Dies trifft beispielsweise auf einige Arten der Bären (Ursidae) zu. Überhaupt ist der Braunbär (Ursus arctos) ein opportunistischer Allesfresser. Artabhängig ernähren sich Raubtiere auch von Früchten und Beeren, Knollen und jungen Trieben. Andere Arten wie der Große Pandabär (Ailuropoda melanoleuca) leben ausschließlich vegetarisch und fressen ausschließlich einige Arten des Bambus. Eine andere Art, der Wickelbär (Potos flavus), ernährt sich im Wesentlichen von Früchten. Es werden überwiegend saftige und wasserreiche Früchte gefressen, wobei diese auch den gesamten Wasserbedarf decken. Außerhalb der Reifezeit der Früchte ernähren sich Wickelbären von Blättern, Blüten, Honig, Eiern von Vögeln (Aves) sowie gelegentlich von Insekten (Insecta) und deren Larven. Zu den größten Raubtieren, die es ausschließlich auf Kleingetier wie Ameisen, Termiten und andere Insekten abgesehen haben, gehört der Lippenbär (Melursus ursinus). Darüber hinaus ernährt sich der Lippenbär auch von Früchten, Blüten und Honig.

Raubtiere wenden artabhängig unterschiedliche Jagdmethoden an. Einige jagen aktiv hinter Beutetieren her, andere legen sich auf die Lauer und greifen aus dem Hinterhalt an. Gepard (Acinonyx jubatus) schleichen sich beispielsweise an ein Beutetier heran und versuchen dieses in einem kurzen Sprint zu überwältigen. Mit ihren Pranken reißen sie das Beutetier zu Boden und töten es mit einem Kehlbiss. Im Gegensatz zum Biss anderer Großkatzen, die die Luftröhre oder das Genick der Beutetiere durchbeißen, drückt ein Gepard die Kehle des Beutetieres aufgrund der geringen Größe seines Mauls und der geringen Muskelkraft der Kiefer lediglich zu. Das Beutetier erstickt förmlich. Die Jagd erfolgt beim Geparden einzelgängerisch. Getötet werden Beutetiere artabhängig auf recht unterschiedliche Weise. Marderartige (Mustelidae), Mangusten (Herpestidae) oder auch Schleichkatzen (Viverridae) beißen Beutetiere gezielt in den Kopf. Der Biss in den Kopf stellt eine Instinkthandlung dar. Nicht selten handelt es sich bei Beutetieren um mehr oder weniger wehrhafte Tiere, die einem Raubtier durchaus gefährlich werden könnten. Ein Biss in den Kopf eliminiert diese Gefahr. Andere Arten wie beispielsweise Katzen beißen Beutetiere in den Nacken. Der Wolf (Canis lupus) ist ein Hatzjäger, der im Rudel Beutetieren nachstellt. Meist stellen Wölfe einem Beutetier über längere Strecken nach. Einige Arten bewegen sich langsam schnüffelnd durch ihren Lebensraum und haben es auf Kleingetier abgesehen. Skunks (Mephitidae) stellen Beutetieren entweder aktiv nach oder graben im Boden nach Verwertbarem. Die wichtigsten Sinne bei der Nahrungssuche der Skunks sind das Gehör und der olfaktorische Sinn.

Wasserraubtiere wie Hundsrobben (Phocidae) jagen ausschließlich im Wasser nach Beute. Sie ernähren sich überwiegend von kleiner und weicher Nahrung. Aufgrund dieser Tatsache unterscheidet sich die Anordnung der Prämolaren und Molaren der Wasserraubtiere zu den Landraubtieren. Die Prämolaren und Molaren sind auf Reihen gleichförmiger Zähne verringert. Bei den meisten Arten der Wasserraubtiere erfolgt die Nahrungssuche und -aufnahme in Tiefen von bis zu 100 Metern, gelegentlich auch in Tiefen von 200 bis 300 Metern. Einige Arten tauchen bis in Tiefen von 400 bis 600 Metern und erreichen dabei artabhängige Tauchzeiten von bis zu 70 Minuten. Absoluter Rekordhalter unter den Hundsrobben sind die Nördlichen Seeelefanten (Mirounga angustirostris), die eine Tauchtiefe von bis zu 1.500 Metern und eine Tauchzeit von von weit mehr als 70 Minuten erreichen. Durch die Verlangsamung des Herzschlages wird die Blutversorgung auf ein Minimum beschränkt und somit Sauerstoff gespart. Während eines Tauchvorganges sind Nasen- und Ohrenöffnung verschlossen.

Fortpflanzung

Das Paarungsverhalten unterscheidet sich je nach Art zum Teil erheblich. Artabhängig treten monogame, polygame und polyandrische Paarungsformen in Erscheinung. Bei dem Südlichen Seeelefanten (Mirounga leonina) zeigt sich sogar eine extreme Polygynie, wobei es unter den Männchen zu erbitterten Gefechten um das Paarungsrecht mit den Weibchen eines Harems gibt. Monogame Strukturen lassen sich vor allem bei den Hundeartigen Raubtieren wie dem Wolf nachweisen. Zahlreiche andere Arten leben einzelgängerisch und die Geschlechter treffen nur zur Paarungszeit aufeinander. Dies ist beispielsweise bei Katzen, Mardern oder auch Bären der Fall. Je nach Verbreitungsgebiet und klimatischen Bedingungen pflanzen sich Raubtiere ganzjährig oder nur saisonal fort. Bei einer saisonalen Fortpflanzung in gemäßigten und subarktischen Regionen kommen die Jungtiere für gewöhnlich im Frühjahr zur Welt. Bei einigen Arten kommt es aufgrund ungünstiger Klimabedingungen zu einer Keimruhe, bei der die Embryonalentwicklung erst einsetzt, wenn die Bedingungen günstiger sind. Die Keimruhe setzt im Entwicklungsstadium der Blastozyste (gr. blastos = Keim; kystis = Blase) ein. Eine Keimruhe kann durchaus mehrere Monate andauern. Bei Arten, die sich ganzjährig fortpflanzen kann es mitunter in einem Jahr zu 2 bis 3 Würfen kommen. Dies ist insbesondere bei kleinen Raubtieren wie Wieseln (Mustela) der Fall. Große Raubtiere bringen nur einen Wurf pro Jahr zur Welt oder benötigen für die Aufzucht eines Wurfes bis zu 2 Jahren.

Die Tragezeit erstreckt sich je nach Art über 35 bis 475 Tage. Kleine Raubtiere weisen üblicherweise eine deutlich kürzere Tragezeit als große Raubtiere auf. Die Wurfgröße variiert artabhängig zwischen 1 und 15 Jungtieren. Die Säugezeit erstreckt sich über 60 bis 120 Tage, die Betreuungszeit des Nachwuchses kann insgesamt bis zu 2 Jahren betragen. Auch der Zeitpunkt der Geschlechtsreife unterscheidet sich zum Teil sehr deutlich. Kleine Räuber sind bereits gegen Ende des ersten Lebensjahres geschlechtsreif, große Wasserraubtiere erst mit 7 bis 8 Jahren oder noch später. Um die Aufzucht des Nachwuchses kümmert sich in der Regel nur das Weibchen. Bei einer monogamen Paarbindung sorgt auch das Männchen für Nahrung und Schutz. Bei Arten mit einem polygamen Fortpflanzungssystem spielt das männliche Geschlecht bei der Aufzucht keine Rolle. Jungtiere sind meist Nesthocker, bei einigen Arten der Wasserraubtiere sind die Jungen weit entwickelt und können als Nestflüchter bereits kurz nach der Geburt schwimmen. Bei Arten, die in Rudeln leben, kümmern sich mitunter alle Mitglieder um die Aufzucht des Nachwuchses. Hier ist beispielsweise die Tüpfelhyäne (Crocuta crocuta), der Löwe (Panthera leo) oder die Wölfe (Canis lupus) zu nennen. Die Lebenserwartung der Raubtiere unterscheidet sich stark und liegt bei Wieseln zwischen 2 und 5 Jahren, bei größeren Arten der Wasserraubtiere bei mehr als 40 Jahre.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Das Verhältnis zum Menschen

Die Beziehung zwischen Mensch und Raubtier ist zweifelsohne von Extremen geprägt. Hunde und Katzen gehören seit Jahrtausenden zu den treuen Begleitern des Menschen. Die Domestizierung von Wölfen erfolgte wahrscheinlich bereits vor mehr als 14.000 Jahren. Katzen wurde nach einhelliger Meinung erst vor rund 4.000 Jahren domestiziert. Hunde und Katzen bilden heute für ihre wilden Verwandten eine große Gefahr. Die Gefahren liegen insbesondere in der Kreuzung und in der Übertragung von Krankheiten. Raubtiere sind in der Nähe des Menschen keine gern gesehenen Gäste, da auch Haustiere und Nutzvieh auf der Speisekarte der Raubtiere stehen. In einigen Regionen gelten Raubtiere wie der Tiger (Panthera tigris) als Menschenfresser, der problemlos einen Menschen töten könnte. In der Regel sind dies dann alte oder geschwächte Tiger, die nicht mehr selbständig jagen können. Ansonsten gehen Tiger dem Menschen grundsätzlich aus dem Weg. Ähnliches sagt man auch über Große Bären. Dieses ist jedoch falsch und beruht lediglich auf Missverständnissen und Furcht vor diesen Tieren. Auch bei Wölfen wird von Übergriffen auf den Menschen immer wieder berichtet. Jedoch ist es in Wirklichkeit so, dass der Wolf die Nähe zum Menschen meidet und bei Kontakt die Flucht ergreift. Auf der anderen Seite sind Raubtiere ein wichtiges Glied in einem intakten Ökosystem, da sie insbesondere die Populationen von Nagetieren und anderen Schädlingen kontrollieren.

Bedrohung

Der Mensch stellt zahlreichen Arten der Raubtiere wegen des Fleisches, der Felle oder bestimmten Körperteilen nach. Einige Arten werden verfolgt, da sie gelegentlich Haustiere reißen, als Ernteschädling gelten oder Krankheiten auf Haustiere übertragen. Hier ist insbesondere die Tollwut zu nennen. Arten wie der Amerikanische Nerz (Mustela vison) oder der Europäische Nerz (Mustela lutreola) wurden und werden vor allem wegen der hochwertigen Felle gejagt. Innere Organe und Körperteile des Tigers (Panthera tigris) sind begehrt und spielen in der traditionellen asiatischen Medizin eine wichtige Rolle. Zur Reduktion der Raubtierpopulationen trägt in nicht unerheblichem Maße auch die Vernichtung der natürlichen Lebensräume bei. Zahlreiche Raubtierarten sind heute stark gefährdet oder stehen unmittelbar vor der Ausrottung. In der Roten Liste der IUCN werden 7 Arten als kritisch gefährdet geführt.

Kritisch gefährdet: der Insel-Graufuchs (Urocyon littoralis)
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Kritisch gefährdet: der Insel-Graufuchs (Urocyon littoralis)
Zu den kritisch gefährdeten Raubtierarten gehören:

Systematik der Raubtiere

Ursprünglich wurden die Wasserraubtiere als eigene Unterordnung innerhalb der Raubtiere geführt. Neuere Forschungsergebnisse belegen jedoch, dass es sich bei den Wasserraubtieren um eine monophyletische Gruppe innerhalb der Hundeartigen (Caniformia) handelt.

Ordnung: Raubtiere (Carnivora)

ohne Rang:
Gattung: Dormaalocyon
Art: Dormaalocyon latouri gilt als der Vorfahre der Hunde und Katzen und lebte vor rund 55 Millionen Jahren im frühen Eozön in Westeuropa. Vgl. Solé, F., R. Smith, T. Coillot, E. De Bast, T. Smith. 2014. DENTAL AND TARSAL ANATOMY OF 'MIACIS' LATOURI AND A PHYLOGENETIC ANALYSIS OF THE EARLIEST CARNIVORAFORMS (MAMMALIA, CARNIVORAMORPHA). Journal of Vertebrate Paleontology 34(1): 1-21
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Gattung: Adelpharctos
Gattung: Adracon
Gattung: Allocyon
Gattung: Amphicynodon
Gattung: Drassonax
Gattung: Enaliarctos
Gattung: Kolponomos
Gattung: Nothocyon
Gattung: Pachycynodon
Gattung: Parictis
Gattung: Plesiocyon
Gattung: Pteronarctos
Familie: Katzenbären (Ailuridae)
Familie: Amphicyonidae
Familie: Hundeartige (Canidae)
Familie: Hemicyonidae
Familie: Stinktiere (Mephitidae)
Familie: Miacidae
Familie: Marderartige (Mustelidae)
Familie: Walrosse (Odobenidae)
Familie: Ohrenrobben (Otariidae)
Familie: Hundsrobben (Phocidae)
Familie: Kleinbären (Procyonidae)
Familie: Bären (Ursidae)
Unterordnung: Katzenartige (Feliformia)
Gattung: Aeluropsis
Gattung: Mellivorodon
Gattung: Palaeogale
Familie: Madagassische Raubtiere (Eupleridae)
Familie: Katzen (Felidae)
Familie: Mangusten (Herpestidae)
Familie: Hyänen (Hyaenidae)
Familie: Pardelroller (Nandiniidae)
Familie: Nimravidae
Familie: Viverravidae
Familie: Schleichkatzen (Viverridae)
Familie: Linsangs (Prionodontidae)

Anhang

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Literatur und Quellen

'Persönliche Werkzeuge