Raufußbussard

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Raufußbussard

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Bussardartige (Buteoninae)
Gattung: Bussarde (Buteo)
Art: Raufußbussard
Wissenschaftlicher Name
Buteo lagopus
(Pontoppidan, 1763)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Raufußbussard (Buteo lagopus), auch unter dem Synonym Falco lagopus bekannt, zählt innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zur Gattung der Bussarde (Buteo). Im Englischen wird der Raufußbussard rough-legged hawk, roughleg oder rough-legged buzzard genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Raufußbussard ist ein mittelgroßer, breit geflügelter Greifvogel und erreicht eine Körperlänge von etwa 53,0 bis 60,0 Zentimeter und eine Spannweite von etwa 130,0 bis 134,0 Zentimeter. Das durchschnittliche Gewicht beträgt etwa 1.026 Gramm. Das Weibchen ist in der Regel größer als das Männchen. Der Raufußbussard weist acht verschiedene Morphen auf, die mit Geschlecht, Alter und Standort variieren. Beide Geschlechter zeigen helle und dunkle Morphen, die zwischen den Jugendlichen und Erwachsenen unterschiedlich sein können. Verglichen mit dem Mäusebussard (Buteo buteo) ähnelt der Raufußbussard eher einem Adler (Aquila). Seine Füße sind bis zu den Zehen befiedert, daher die Bezeichnung Raufußbussard, als Anpassung an seine arktischen Heimatgebiete. Die Zehen sind im Verhältnis zu seiner Größe ziemlich kurz geraten. Das Obergefieder weist eine braune Färbung auf, während die Unterseite heller erscheint. Der Bauch ist ebenfalls dunkler getönt. Der Kopf ist in der Regel von einer blassen Färbung. Der Schwanz weist eine weiße Färbung mit einem dunklen Terminalband auf. Bei einigen Exemplaren ist das Gefieder insgesamt dunkel gefärbt.

Lebensweise

Raufußbussarde leben einzelgängerisch oder paarweise. Zur Brutzeit ziehen sich einzelne Paare in die Brutreviere zurück, die zwar erbittert verteidigt werden, jedoch andere Brutpaare in Sichtweite zulassen. Einzelne Horste sind unter Umständen kaum 600 bis 800 Meter voneinander entfernt. Dies gilt sowohl für Artgenossen als auch für andere Greifvögel. Raufußbussarde unterhalten in ihrem Brutrevier meist mehrere Horste, die im Wechsel genutzt werden. Es wird also selten ein Nest über mehrere Jahre am Stück genutzt. Die Jagd erfolgt in der Regel von einer Ansitzwarte aus. Auf Nahrungssuche gehen die Vögel hauptsächlich in den frühen Morgen- und Abendstunden. Gepackt wird ein Beutetier mit den kräftigen Fängen, getötet wird es durch die Klauen und einem Biss mit dem kräftigen Schnabel. Der Raufußbussard ist einer der wenigen großen Greifvögel, der über einer Stelle schweben kann. Die Hauptaktivität auf die frühen Morgen- und Abendstunden entfällt. Die Brutgebiete befinden sich im nördlichsten Europa, Asien und Nordamerika. Im Winter wandert der Raufußbussard weiter nach Süden.

Unterarten

Raufußbussard
vergrößern
Raufußbussard
  • Buteo lagopus lagopus - (Pontoppidan, 1763) - Europa. Kontinental-Europa. Westeuropa. Großbritannien und Irland. Britische Inseln. Vereinigtes Königreich. Luxemburg. Frankreich. Spanien. Spanien (Festland). Katalonien. Liechtenstein. Italien. Molise. Asien. Russland. Russland (Asien). Sibirien. Turkestan. Kasachstan. Holarktis. Palearktis. Westpaläarktis.
  • Buteo lagopus menzbieri - Dementiev, 1951 - Europa. Asien. Russland. Russland (Asien). Sibirien. Turkestan. Kasachstan. China. Korea (Nord und Süd). Republik Korea. Japan. Holarktis. Palearktis. Westpaläarktis.
  • Buteo lagopus sanctijohannis - (Gmelin, 1788) - Nordamerika. Nordamerika (USA + Kanada). Amer. Ornithol. Union. Kanada. Alberta. British Columbia. Manitoba. New Brunswick. Neufundland-Labrador. Neufundland. Neuschottland. Northwest Territories. Nunavut. Nunavut (Festland). Nunavut (Arctic Islands). Nunavut (Hudson Bay Islands). Ontario. Prince Edward Island. Québec. Saskatchewan. Yukon. Pacific. Alaska.
  • Buteo lagopus kamtschatkensis - Dementiev, 1931 - Nordamerika. Nordamerika (USA + Kanada). Amer. Ornithol. Union. Pacific. Alaska. Asien. Russland. Russland (Asien). Kamtschatka. Kurilen-Inseln.
  • Buteo lagopus pallidus - (Menzbier, 1888) - Diese Unterart ist nicht mehr gültig.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN kommt der Raufußbussard in folgenden Ländern vor: Albanien, Armenien, Österreich, Aserbaidschan, Belarus, Belgien, Bhutan, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kanada, China, Kroatien, Tschechische Republik, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Islamische Republik Iran, Italien, Japan, Kasachstan, Demokratische Volksrepublik Korea, Republik Korea, Kirgisistan, Lettland, Litauen, Luxemburg, ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Mexiko, Moldawien, Mongolei, Niederlande, Norwegen, Polen, Rumänien, Russische Föderation, Saint Pierre und Miquelon, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden, Schweiz, Taiwan, Tadschikistan, Türkei, Ukraine, Vereinigtes Königreich, USA und Usbekistan. Als Durchzügler ist der Raufußbussard in folgenden Ländern anzutreffen: Bermuda, Zypern, Färöer, Island, Irland, Israel, Jordanien, Libanon, Libyen, Liechtenstein, Malta, Spitzbergen und Jan Mayen sowie Tunesien. Gelegentlich ist er auch in Afghanistan, Montenegro und in Serbien zu finden. Des Weiteren lebt der Raufußbussard in folgenden Lebensräumen: Boreale Wälder, boreale Heideflächen, gemäßigte Heideflächen, Grünland mit Tundra, gemäßigtes Grünland, Feuchtgebiete (Inland) wie Moore, Sümpfe, Torf-Moor-Landschaften, Gebirgsregionen, wie Inlandklippen und Berge sowie Ackerflächen.

Ernährung

Raufußbussard
vergrößern
Raufußbussard

Die Raufußbussarde sind reine Fleischfresser und hauptsächlich reine Ansitzjäger, die nur selten aus dem Suchflug heraus jagen. Im offenen Gelände geht der Raufußbussard meist dann im niedrigen Suchflug auf die Jagd, was aber sehr selten geschieht. Beutetiere werden über den hoch entwickelten Sehsinn lokalisiert. Selten wird beim Suchflug eine Höhe von mehr als 100 Metern erreicht. Der Raufußbussard ist einer der wenigen Greifvögel, der über einer Stelle schweben kann. Die Hauptnahrungsquelle besteht aus Nagetieren wie Lemminge, Kaninchen, Mäuse und Ratten. Ist ein Beutetier erspäht, so fliegt er es im langsamen Sinkflug an und greift dann blitzschnell zu. Darüber hinaus werden aber auch Reptilien und Vögel erjagt. Gelegentlich wird auch Aas nicht verschmäht. Das Jagdrevier ist mit ein bis zwei Quadratkilometer sehr klein. Insgesamt ist der Raufußbussard, was sein Nahrungsverhalten angeht, sehr anpassungsfähig und daher wohl auch so erfolgreich. Die Jagd erfolgt in der Regel von einer Ansitzwarte aus. Auf Nahrungssuche gehen die Vögel hauptsächlich in den frühen Morgen- und Abendstunden. Gepackt wird ein Beutetier mit den kräftigen Fängen, getötet wird es durch die Klauen und einem Biss mit dem kräftigen Schnabel. In Abhängigkeit von der Größe wird ein Beutetier im Ganzen verschlungen oder mit dem Schnabel in mundgerechte Brocken zerteilt.

Fortpflanzung

Der Raufußbussard ist mit drei Jahren geschlechtsreif. Die Paarungszeit beginnt in seinen natürlichen Verbreitungsgebieten für gewöhnlich im zeitigen Frühjahr. Raufußbussarde leben in monogamer Einehe. Diese Ehe hält meist über mehrere Jahre, wenn nicht sogar bis zum Lebensende. Das eigentliche Brutrevier ist mit rund zwei bis drei Quadratkilometer relativ klein. Während der Balz kommt es zu filigranen Balzflügen, die sich durch kreisende Rundflüge auszeichnen und an deren Ende die eigentliche Kopulation steht. Die eigentliche Kopulation dauert meist nur wenige Sekunden. Ihren Horst bauen die Raufußbussarde in mittlere Höhen in Bäume, die sich meist im Wald oder an deren Ränder befinden. Die Horste werden von beiden Altvögeln aus Ästen, Reisig und Rinde gebaut und weisen einen Durchmesser von 60 bis 70 Zentimeter auf. Das Weibchen legt zwischen zwei und vier Eier, die überwiegend vom Weibchen über einen Zeitraum von rund 35 Tagen ausgebrütet werden. Vier Eier werden nur gelegt, wenn das Nahrungsangebot reichlich ist, vor allem wenn Lemminge in einer großen Anzahl vorkommen. Die Jungvögel werden vom Weibchen in den ersten drei oder vier Tagen gehudert. Mit 45 bis 50 Tagen sind die Jungvögel flugfähig, werden aber weitere sechs Wochen von den Eltern mit Nahrung versorgt. Mit etwa zehn bis zwölf Wochen sind sie dann endgültig selbständig. In Freiheit erreichen Raufußbussarde meist nur ein Alter von bis zu 20 Jahren, in Gefangenschaft haben sie eine Lebenserwartung von durchaus 25 bis 30 Jahren.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört der Raufußbussard heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Der Raufußbussard ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt der Raufußbussard selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird der Raufußbussard als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge