Rehantilope

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Rehantilope

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Böckchen (Neotraginae)
Gattung: Pelea
Art: Rehantilope
Wissenschaftlicher Name
Pelea capreolus
Forster, 1790

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Rehantilope (Pelea capreolus) zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung Pelea. Im Englischen wird die Rehantilope Vaal Rhebuck oder Gray Rhebok genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Rehantilope erreicht eine Körperlänge von 110 bis 125 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 70 bis 80 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 15 bis 20 Zentimeter sowie ein Gewicht von 20 bis 30 Kilogramm. Das ausgesprochen wollig wirkende Fell weist eine graubraune Grundfärbung auf. Ventral ist das Fell überwiegend cremefarben bis weißlich gefärbt, die Extremitäten und auch das Gesicht zeigen sich meist in einer gelblichbraunen Färbung. Die Innenseiten der Extremitäten können weiß gefärbt sein. Das Hinterteil ist charakteristisch weißlich gefärbt und ist vor allem auf der Flucht zu sehen. Markantes Merkmal sind die sehr langen und spitz zulaufenden Ohren. Sie sind innen und außen dicht mit Fell besetzt. Der Hals ist durchaus als sehr lang zu bezeichnen und endet in einem deutlich langgezogenen Kopf, der in einer schlanken Schnauze endet. Die großen Augen weisen oberhalb einen markanten weißen Überaugenstreif auf. Die Augen sitzen unterhalb der gewölbten Stirn seitlich am Schädel. Über Hörner verfügen ausschließlich die Männchen. Die Hörner sind gerade geformt und weisen leicht nach hinten. Sie erreichen für gewöhnlich eine Länge von 20 bis 25 Zentimeter und weisen eine schwarze Färbung auf. Weibchen verfügen zum Säugen des Nachwuchses über vier Zitzen.

Lebensweise

Die tagaktiven Rehantilopen leben in kleinen Haremsgruppen mit durchschnittlich 10, selten bis 15 oder mehr Individuen. Eine Haremsgruppe besteht aus mehreren Weibchen, deren Nachwuchs sowie einem dominanten Männchen. Adulte und geschlechtsreife Männchen ohne eigenen Harem leben entweder mit zunehmendem Alter einzelgängerisch oder in jungen Jahren in Junggesellengruppen. Mit dem Erreichen der Geschlechtsreife verlassen Männchen ihre Geburtsgruppe, Weibchen verbleiben für gewöhnlich ein Leben lang in ihrer Geburtsgruppe. Die Nahrungssuche erfolgt in der Regel in den frühen Morgenstunden oder am Nachmittag. Während der Mittagszeit rasten die Tiere an geschützten und schattigen Plätzen. Rehantilopen sind ausgesprochen wachsame Tiere. Mindestens ein Mitglied einer Gruppe ist immer auf der Hut und warnt seine Gruppe bei nahender Gefahr. Rehantilopen sind gute und ausdauernde Läufer, die sich auch in felsigen und steinigen Regionen sicher und schnell bewegen können. Auf der Flucht halten die Tiere ihren Schwanz charakteristisch in die Höhe, so daß das weiße Hinterteil zu sehen ist. Je nach Gruppengröße und Habitatqualität erstreckt sich das Revier einer Gruppe über 20 bis 40, zuweilen auch über bis zu 80 Hektar. Im Sommer ist Nahrung reichlich vorhanden, daher sind die Reviere im Sommer meist etwas kleiner gehalten.

Verbreitung

Rehantilopen sind in Südafrika endemisch. Hier kommen sie ausschließlich im Hochland oberhalb von 1.000 Metern über NN vor. Im Winter steigen die Tiere jedoch in die Täler hinab, um den zum Teil eisigen Temperaturen und dem Nahrungsmangel zu entgehen. Zu den natürlichen Lebensräumen gehören Hochlandwiesen, Hochplateaus, felsige und steinige Regionen. Natürliche Felshöhlen oder schützende Felsvorsprünge bilden nicht selten einen Unterschlupf. Hier bringen Weibchen auch ihren Nachwuchs zur Welt.

Prädatoren

Prädator: Tüpfelhyäne (Crocuta crocuta)
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Prädator: Tüpfelhyäne (Crocuta crocuta)

In freier Wildbahn stehen Rehantilopen auf der Speisekarte zahlreicher Fleischfresser. Dazu gehören insbesondere Löwen (Panthera leo), Leoparden (Panthera pardus), Afrikanische Wildhunde (Lycaon pictus), Schabrackenhyänen (Hyaena brunnea) und Tüpfelhyänen (Crocuta crocuta). Jungtiere können auch einem Schabrackenschakal (Canis mesomelas) zum Opfer fallen. Der einzige Schutz vor Fleischfressern ist das Leben in Gruppen und eine hohe Aufmerksamkeit. Grunzende Lautäußerungen dienen innerhalb einer Gruppe als Warnsignal.

Ernährung

Rehantilopen sind reine Pflanzenfresser. Sie ernähren sich im Wesentlichen von Gräsern und Blättern, die sie von Büschen und niedrigen Bäumen zupfen. Bis zu 90 Prozent ihrer Nahrung stammt aus der paraphyletischen Gruppe der Bedecktsamer (Magnoliophyta), insbesondere aus dem Taxon der Zweikeimblättrigen (Dicotyledoneae). Die Nahrungssuche und -aufnahme erfolgt ausschließlich am Tage, in der Regel in größeren Gruppen.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht die Rehantilope mit gut 18 Monaten. Die Paarungszeit beginnt in Südafrika für gewöhnlich im April und kann sich über zwei Monate erstrecken. Paarungsberechtigt ist nur das dominante Männchen in einer Herde. Seine Dominanz wird durch Kommentkämpfe gefestigt. Zudem verteidigt das Männchen sein Paarungsrecht auch gegen andere Männchen, die sich seiner Gruppe nähern. Die Kämpfe können sehr heftig ausfallen und enden nicht selten in lebensbedrohlichen Verletzungen. Rehantilopen leben ausgesprochen polygam, da ein dominantes Männchen alle geschlechtsreifen Weibchen in seiner Herde begattet. Ein Weibchen bringt nach einer Tragezeit von durchschnittlich 250 Tagen ein Kalb zur Welt. Zu den Geburten kommt es während der Regenzeit im November oder im Dezember. Das Kalb kommt an einer geschützten Stelle, meist zwischen Felsen oder in natürlichen Höhlen zur Welt. Die ersten Wochen verbleibt das Jungtier zum eigenen Schutz an dieser Stelle. Die Mutter kommt mehrmals am Tag zum Säugen vorbei. Erst im Alter von rund vier bis sechs Wochen folgt das Kalb der Mutter. Die Säugezeit erstreckt sich über knapp sechs Monate. Die Lebenserwartung in Freiheit liegt unter günstigen Umständen bei etwa 10 Jahren.

Gefährdung und Schutz

Das Verbreitungsgebiet der Rehantilopen ist in Südafrika mit etwa 20.000 Quadratkilometer eher klein. Insgesamt ist dieses Verbreitungsgebiet sehr zersplittert. Die Ursache liegt in der Vernichtung der natürlichen Lebensräume, insbesondere durch die Ausweitung der landwirtschaftlichen Flächen. Die Gesamtpopulation wird auf etwa 10.000 Individuen geschätzt. In der Roten Liste der IUCN wird die Rehantilope als nicht gefährdet geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

Links

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