Rentier

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Rentier

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hirsche (Cervidae)
Gattung: Rangifer
Art: Rentier
Wissenschaftlicher Name
Rangifer tarandus
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Rentier (Rangifer tarandus) zählt mit seinen Unterarten innerhalb der Familie der Hirsche (Cervidae) zur Gattung Rangifer.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Je nach Unterart kann sich Größe und Gewicht deutlich unterscheiden, wobei die eurasischen Unterarten generell kleiner sind. Rentiere erreichen eine Körperlänge von 120 bis 220 cm, eine Schulterhöhe von 90 bis 140 cm sowie ein Gewicht von 90 bis 300 Kg. Das Fell ist überwiegend bräunlich, im Winter jedoch bei allen Unterarten deutlich heller. Eine dichte Unterwolle schützt die Tiere dabei vor Kälte. Das Ren ist die einzige Hirschart, bei der beide Geschlechter ein Geweih tragen, wobei das der Männchen deutlich größer ausfällt als das der Weibchen. Die Geweihe sind stangenförmig, weit verzweigt und relativ asymmetrisch. Der basale Rosenstock ist etwas abgeflacht. Der vordere Geweih-Ast gabelt sich ein zweites Mal, was bei keiner anderen Hirschart vorkommt. Am Ende einer Stange zeichnet sich eine kleine Schaufel ab. Die Länge kann beim Männchen 50 bis 130 cm betragen, beim Weibchen zwischen 20 und 60 cm. Nach der Brunft im November oder Dezember stoßen Männchen ihre Geweihe ab, die der Weibchen werden im Frühjahr abgestoßen. Die Hufe des Rentieres sind unverhältnismäßig groß und breit, so kann es besser über den Schnee oder durch sumpfiges Gelände laufen. Rentiere können auch sehr gut schwimmen.

Rentiere leben in zum Teil riesigen Herden, die keine sehr feste Struktur aufweisen. Jedes Individuum kann die Herde ohne weiteres verlassen oder sich in sie eingliedern. Ausgenommen davon ist die Brunftzeit. Sie wandern aus der Tundra nach Süden, um den Winter im Schutz der Wälder zu verbringen. Während der Wanderungen kann es zu Herden von über 100.000 Tieren kommen. Jedes Jahr legen Rentiere dabei Entfernungen von über 5.000 km zurück. Außerhalb der Wanderungen leben Rentiere in kleinen Gruppen von fünf bis fünfzehn Tieren. In der Regel bestehen die Gruppen nur aus einem Geschlecht. Nur während der Paarungszeit kommt es zu Haremsbildungen. Die Hierarchie innerhalb einer Gruppe ist ziemlich komplex. Die erwachsenen Männchen sind den jüngeren und den sehr alten Männchen, als auch den Weibchen überlegen. Die Stärke des Geweihs spielt für die Rangordnung der Männchen, aber auch der Weibchen untereinander eine bedeutende Rolle. Die Weibchen sind sogar den Männchen bis zum Alter von zwei Jahren überlegen. Die Rangordnung spielt besonders bei Nahrungsknappheit im Winter eine Rolle. Zu den natürlichen Feinden gehören Eisbären, Braunbären, Wölfe, Europäischer Luchs und der Vielfraß. Rentiere werden von Fliegen und Stechmücken in großem Maße heimgesucht. Eine Fliegenart der Gattung Oedemagena legt ihre Eier sogar an die Haarwurzeln, von wo aus die Larven in die Haut eindringen und große Schmerzen verursachen.

Unterarten (Auswahl)

Männchen mit Bast auf dem Geweih
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Männchen mit Bast auf dem Geweih

Verbreitung

Rentiere kommen in weiten Teilen der polaren und subpolaren Gegenden der Welt vor. Vor allem in Nordamerika, in den nördlichen USA, Kanada und Alaska sind diese Tiere verbreitet. In Nordamerika wird das Rentier meistens als Karibu bezeichnet. In Eurasien, auch in Skandinavien und Sibieren, ist es heimisch. Die Wanderungbewegungen und zurückgelegte Entfernungen variieren stark unter den verschiedenen Unterarten. Sie bevorzugen Tundren, die Taiga und subarktische boreale Wälder. Während des Pleistozäns waren Rentiere auch im gemäßigten Mitteleuropa zu Hause und verschwanden erst im Mittelalter restlos. In Schottland und Island ist es inzwischen wieder eingeführt worden. Als Haustier ist das Ren in Skandinavien weit verbreitet. Diese Tiere unterscheiden sich aber farblich von der Wildform.

Rentier - Männchen
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Rentier - Männchen

Ernährung

Rentiere ernähren sich hauptsächlich von verschiedenen Gräsern, außerdem von Riedgras, Schößlingen und Blättern. In der kalten Jahreszeit begnügen sie sich auch mit Flechten, Moosen, sowie Pilzen. Im Winter finden weite Wanderungen auf der Suche nach Nahrung statt. Mit Hilfe ihrer Hufe scharren Rentiere eingeschneite Futterpflanzen frei und graben anschließend mit den Vorderhufen weiter, um an die darunterliegenden Pflanzenteile zu gelangen.

Fortpflanzung

Weibchen der Rentiere erreichen die Geschlechtsreife mit rund 16 Monaten, Männchen erst sehr viel später mit 28 Monaten. Die Paarung findet in den meisten Verbreitungsgebieten im Oktober statt. In der Paarungszeit scharen Männchen kleine Harems von fünf bis fünfzehn Weibchen um sich. Unter den Hirschen kommt es regelmäßig zu erbitterten Kämpfen um die Weibchen. Nach einer Tragezeit von rund 228 Tagen bringt das Weibchen ein Jungtier zur Welt, gelegentlich auch zwei. Je nach Unterart wiegen die Kälber bis zu zwölf kg und sind kurz nach der Geburt in der Lage, der Mutter und der Herde zu folgen. Ab dem 45. Tag nehmen sie zusätzlich auch schon feste Nahrung zu sich. In Gefangenschaft können Rentiere ein Alter von 15 bis 20 Jahren erreichen, in Freiheit selten über fünf oder sechs Jahren.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Familie der Hirsche (Cervidae)

Literatur und Quellen

  • Arnoldo Mondadori: Königreich der Tiere. Bechtermünz, Eltville am Rhein
  • Faktum Lexikon Institut: Enzyklopädie der Natur - Die Geheimnisse der Natur entdecken, entschlüsseln, erklären. Orbis,Niedernhausen/Ts., 2001
  • Michael Chinery: Natur Enzyklopädie - Pflanzen und Tiere in Europa. Unipart, Reimseck bei Stuttgart
  • Rote Liste der IUCN – Rentier (Rangifer tarandus)
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