Riesen-Kängururatte

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Riesen-Kängururatte

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Familie: Taschenratten (Geomyidae)
Unterfamilie: Heteromyinae
Tribus: Dipodomyini
Gattung: Dipodomys
Art: Riesen-Kängururatte
Wissenschaftlicher Name
Dipodomys ingens
Merriam, 1904

IUCN-Status
Endangered (EN)

Die Riesen-Kängururatte (Dipodomys ingens) zählt innerhalb der Familie der Taschenratten (Geomyidae) zur Gattung Dipodomys. Im Englischen wird die Art Giant Kangaroo Rat genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Riesen-Kängururatte erreicht eine Körperlänge von 14,5 bis 14,8 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 16 bis 20 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 4,6 bis 5,5 Zentimeter, eine Ohrlänge von 1,5 bis 1,85 Zentimeter sowie ein Gewicht von 130 bis 180 Gramm. Weibchen bleiben ein wenig kleiner als Männchen. Während der Tragezeit können Weibchen jedoch ein wenig schwerer sein. Innerhalb der Gattung Dipodomys ist die Riesen-Kängururatte die größte Art. Im Gegensatz zu den Hinterbeinen wirken die Vorderbeine und Füße gerade zu winzig. Auch wenn es das deutsche Synonym andeutet, Riesen-Kängururatten sind nicht mit den Beuteltieren verwandt. Ihren Namen haben sie aufgrund der überdimensionierten Hinterbeine erhalten. Der massige Kopf setzt sich nur wenig vom Hals ab und läuft zur Nase hin spitz zu. Oberhalb der Nase befinden sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen. Die relativ großen Augen sind dunkel gefärbt und sitzen seitlich am Kopf, die Ohren sitzen weit hinten am Kopf und sind unbehaart. Markantes Merkmal ist der sehr lange und nur spärlich behaarte Schwanz. Dorsal zeigt sich auf dem Schwanz ein bräunlicher Streifen, der sich über die gesamte Länge erstreckt. Seitlich ist der Schwanz gräulich gefärbt. Der Schwanz endet im Bereich der Spitze in einer dunklen Quaste. Die hinteren Füße enden in fünf Zehen, die vorderen Füße in vier Zehen. Das dichte und weiche, fast seidene Fell weist eine graubraune bis gelblichbraune Färbung auf, ventral ist das Fell weiß gefärbt. Dorsal beträgt die Länge des Felles etwa 12 bis 13 Millimeter, die einzelnen Haare weisen dabei eine Durchmesser von rund 45 µm auf. Das Gebiss weist 20 Zähne auf, die medizinische Gebissformel lautet 1/1 - 0/0 - 1/1 - 3/3.

Lebensweise

Riesen-Kängururatten leben in größeren Kolonien und sind ausgesprochen territorial. Jedes Tier verfügt in einer Kolonie über einen eigenen Bau, der aktiv gegenüber Artgenossen verteidigt wird. Eine Kolonie kann aus 10 bis 50 Individuen und entsprechend vielen Erdbauen bestehen. Die Reviere können 60 bis über 300 Quadratmeter groß sein, wobei die Reviere der Weibchen deutlich kleiner sind. Die Reviere von Männchen und Weibchen überschneiden sich dabei. Riesen-Kängururatten sind ausschließlich in der Nacht aktiv, am Tage halten sie sich in ihren Erdbauten auf. Die Aktivitätsphase beginnt kurz nach Einbruch der Nacht. Die Nahrungssuche an der Erdoberfläche nimmt nicht viel Zeit in Anspruch. Meist sind sie deutlich unter eine Stunde am Tag auf Nahrungssuche. Ausgediente Erdbauten der Riesen-Kängururatten werden gerne von anderen Tieren wie dem Nelson-Antilopenziesel (Ammospermophilus nelsoni) genutzt.

Verbreitung

Die Riesen-Kängururatte ist am westlichen Rand des San Joaquin Valley, Kalifornien, USA, endemisch. Dieses entspricht einem sehr kleinen Verbreitungsgebiet und erstreckt sich über kaum 30 Quadratkilometer. Riesen-Kängururatten leben in wüstenähnlichen Habitaten, in Dünenbereichen und an den Rändern lichter Wälder. Ihre Habitate sind zumeist spärlich mit Sträuchern und Felsen durchsetzt, der Boden besteht überwiegend aus lehmhaltigen Sand. Im Durchschnitt fällt in diesen kargen Gegenden kaum 15 Zentimeter Niederschlag pro Jahr, die Regenzeit erstreckt sich von November bis April. Die Temperaturen können im Sommer 38 Grad übersteigen, im Winter auf unter 10 Grad sinken. Die Flora umfasst einige widerstandsfähige Pflanzen, die mit wenig Wasser auskommen. Dazu gehören insbesondere Schwingel (Festuca), Meerträubel (Ephedra), Bocksdorne (Lycium), Reiherschnabel (Erodium cicutarium), Kressen (Lepidium) und Trespen (Bromus). Aufgrund der Kultivierung dieses kleinen Areals stehen die Riesen-Kängururatten kurz vor der Ausrottung.

Prädatoren

Trotz ihrer nächtlichen Lebensweise haben Riesen-Kängururatten eine Reihe von Fressfeinden. Unter den Säugetieren (Mammalia) stellen ihnen vor allem Kojoten (Canis latrans), Kitfüchse (Vulpes velox), Silberdachse (Taxidea taxus) und Langschwanzwiesel (Mustela frenata) nach. Aus der Vogelwelt gelten nachtaktiven Eulen (Strigiformes) zu den Hauptfeinden. Hier sind insbesondere die Schleiereule (Tyto alba) und der Virginia-Uhu (Bubo virginianus) zu nennen. Aber auch einige Schlangen (Serpentes) stellen den Riesen-Kängururatten nach. Hier gelten Prärieklapperschlangen (Crotalus viridis), Kiefernattern (Pituophis melanoleucus), Gewöhnliche Königsnattern (Lampropeltis getula) und Gewöhnliche Kutscherpeitschennattern (Masticophis flagellum) zu den ärgsten Feinden.

Ernährung

Riesen-Kängururatten ernähren sich von Gräsern, Kräutern und Sämereien. In der Nähe des Menschen werden auf landwirtschaftlichen Flächen, insbesondere Getreidefeldern, auch Körner gefressen. Sie legen für magere Zeiten in ihren Erdbauten Vorräte an. Von diesen ernähren sich die Riesen-Kängururatten, wenn die Nahrung knapp wird. Gespeichert werden insbesondere Sämereien und Körner, da diese relativ lange haltbar sind. Dazu gehören beispielsweise die Samen von Erodium und Lepidium. Trinkwasser benötigen sie nicht, da der Wasserbedarf ausschließlich über die Nahrung gedeckt wird. Die Tiere haben sich exzellent an die trockenen Lebensräume angepasst. In den Nieren wird dem Urin viel Wasser entzogen, so dass beim Urinieren nur hoch konzentrierter Urin abgegeben wird. Riesen-Kängururatten stehen in Nahrungskonkurrenz zu dem Vieh der Farmer. Dazu gehören insbesondere Rinder und Schafe. Beide Arten weiden Gräser und andere Pflanzen bis kurz über die Wurzeln ab. Dies wirkt sich dann nachteilig auf Riesen-Kängururatten aus, die dann nicht selten zu wenig Nahrung finden.

Fortpflanzung

Geschlechtsreif sind Riesen-Kängururatten bereits im Alter von gut drei Monaten. Die Paarungszeit erstreckt sich über das zeitige Frühjahr, meist von Januar bis in den Mai hinein. Das Weibchen bringt nach einer Tragezeit von 28 bis 31 Tagen ein bis sechs Jungtiere zur Welt. Im Durchschnitt liegt ein Wurf bei vier bis fünf Jungtieren. Zum Säugen verfügt ein Weibchen über sechs Zitzen. Die Entwöhnung von der Muttermilch erfolgt meist in der vierten Lebenswochen. Im Alter von drei Monaten verlassen die Jungtiere den Bau der Mutter und sind selbständig. Die Lebenserwartung liegt unter günstigen Umständen bei sieben bis neun Jahren.

Ökologie

In der Nähe des Menschen werden Riesen-Kängururatten nicht gerne gesehen, da sich das Vieh der Farmer in den Eingängen oder Tunneln der Erdbauten die Beine brechen oder anderweitig verletzen kann. Über viele Jahrzehnte hat man die Tiere verfolgt. Nicht umsonst steht die Art heute kurz vor der Ausrottung. Auf der anderen Seite gelten Riesen-Kängururatten als Samenverbreiter und helfen so die Vegetation in ihrem Lebensraum zu erhalten.

Gefährdung und Schutz

Riesen-Kängururatten gelten heute als eine der gefährdetsten Nagetier-Arten. Die Art gilt als kritisch gefährdet. Mit ein Grund dafür ist in jedem Fall das sehr kleine Verbreitungsgebiet und der sensible Lebensraum. Im Laufe der Zeit wurde fast das gesamte Verbreitungsgebiet vom Menschen kultiviert. Heute leben die Tiere nur noch in einem kleinen Teil, der gerade mal zwei Prozent des ursprünglichen Verbreitungsgebietes umfasst. Mittlerweile sind seitens des U.S. Fish and Wildlife Service (USFWS) Schutzmaßnahmen angelaufen. Bleibt abzuwarten, ob die Maßnahmen greifen, denn die Population ist bereits so klein, dass ein Überleben kaum noch möglich ist. In der Roten Liste der IUCN wurde die Art bis 2008 als kritische gefährdet geführt. Seit 2008 wird die Riesen-Kängururatte in der Kategorie Endangered gelistet.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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