Riesenhirsch

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Riesenhirsch

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mamalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Familie: Hirsche (Cervidae)
Unterfamilie: Echte Hirsche (Cervinae)
Gattung: Megaloceros
Art: Riesenhirsch
Wissenschaftlicher Name
Megaloceros giganteus
Blumenbach, 1799

Der Riesenhirsch (Megaloceros giganteus) zählt innerhalb der Familie der Hirsche (Cervidae) zur Gattung Megaloceros.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Riesenhirsch erreichte eine Körperlänge von 230 bis 270 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 200 bis 210 Zentimeter, ein Gewicht von 500 bis 600 Kilogramm sowie eine Geweihgröße von 300 bis 360 Zentimeter. Das Fell war dicht und lang, die Färbung reichte von braun über rotbraun bis hin zu grau. Der Kopf war sehr groß und leicht lang gestreckt. Die Augen waren vermutlich braun gefärbt und lagen seitlich am Kopf, was eine 360 Grad Rundumsicht ermöglichte. Das Sehvermögen war nicht sonderlich ausgeprägt. Dafür war der Geruchssinn sehr fein. Die langen Beine endeten in Hufe, die jeweils aus 2 Paar langen Schalen bestanden. Markantes Merkmal war jedoch das mächtige Geweih. Es erreichte eine Breite von bis zu 380 Zentimeter und wog bis zu 50 Kilogramm. Das Geweih wuchs zwischen drei und vier Zentimeter am Tag. Es wurde nach der Paarungszeit abgestoßen. Riesenhirsche waren sowohl tag- als auch nachtaktive Einzelgänger.

Verbreitung

Der Riesenhirsch lebte hauptsächlich in weiten Teilen des heutigen Europas. Er lebte im mittleren und oberen Pleistozän vor 400.000 bis 9.500 Jahren. Sein Lebensräume waren insbesondere lichte Wälder, Moore und Sumpfgebiete. Fossile Funde stammen aber auch aus Sibirien, China und dem nördlichen Afrika. Während der letzten Eiszeit starb der Riesenhirsch aus. Die nachweislich letzten Populationen lebten bis vor rund 9.500 Jahren im heutigen Irland. Über die genauen Ursachen wird unter Forschern noch heftig diskutiert. Einer der Hauptgründe dürfte die Klimaerwärmung gewesen sein. Dadurch breiteten sich die Wälder dramatisch aus und reduzierten so den Lebensraum des Riesenhirsches. Der Riesenhirsch stand auch auf der Speisekarte des Menschen. Er jagte den Riesenhirsch und erlegte ihn mit primitiven Speeren.

Ernährung

Der Riesenhirsch war ein Pflanzenfresser. Er ernährte sich von Gräsern und Kräutern. Wahrscheinlich nahm er auch junge Triebe, Moose und Flechten zu sich. Auf der Nahrungssuche streifte er insbesondere in den frühen Morgen- und Abendstunden durch die lichten Wälder. Je nach Geschlecht und Jahreszeit brauchte ein Riesenhirsch zwischen 10 und 30 Kg Nahrung am Tag.

Fortpflanzung

Wie bei den heutigen Elchen und Hirschen begann die Paarungszeit im Herbst und zog sich teilweise bis in den frühen Winter hin. Das Geweih, das bei den Bullen zu Beginn der Brunftzeit ausgewachsen war, wurde mit Ende der Paarungszeit abgestoßen. Es wurde jedes Jahr erneuert. Bei den Kämpfen unter rivalisierenden Bullen spielte das mächtige Geweih eine tragende Rolle. Es kam regelmäßig zu Kommentkämpfen, die nicht selten blutig endeten. Die Tragzeit betrug zwischen 230 und 260 Tage. Nach dieser recht langen Tragezeit brachte die Hirschkuh ein, selten zwei Kälber an geschützter Stelle im Wald zur Welt. Bereits nach kurzer Zeit konnte das Kalb stehen und der Mutter folgen. Das Geburtsgewicht bei Zwilligsgeburten lag wahrscheinlich bei etwa zehn Kilogramm. Einzelkinder konnten durchaus ein Gewicht von bis zu 15 Kilogramm erreichen. Die Geburtshöhe lag bei 80 Zentimeter, die Länge bei 80 bis 100 Zentimeter. Das Fell der Kälber war wollig und wies eine rötliche Färbung auf. Nach drei Monaten wurde das Fell zum ersten Mal gewechselt. Die Jungtiere blieben wahrscheinlich für ein Jahr bei der Mutter. Mit sechs bis acht Jahren waren die Tiere ausgewachsen. Die Lebenserwartung lag bei günstigen Bedingungen bei rund 25 Jahren.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Familie der Hirsche (Cervidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
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