Riesenschlangen im Terrarium

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Die Haltung von Riesenschlangen ist nicht immer einfach und erfordert bei vielen Arten ein hohes Maß von Geduld und fachlicher Kenntnis. Dieser Artikel soll lediglich eine Einführung zu den Grundsätzen der Haltung von Riesenschlangen bieten. Beim Kauf einer Riesenschlange sollte man sich unbedingt artspezifische Fachliteratur zulegen.

Blutpython (Python curtus) in einem Terrarium
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Blutpython (Python curtus) in einem Terrarium

Inhaltsverzeichnis

Zu den Riesenschlangen

Die Riesenschlangen (Boidae) bilden mit 23 Gattungen und rund 90 Arten eine Familie in der Ordnug der Schuppenkriechtiere (Squamata). Zu ihnen zählen die größten und längsten Schlangen der Welt, viele jedoch werden nicht einmal zwei Meter lang.

In diesem Artikel werden neben den eigentlichen Riesenschlangen auch die Pythons (Pythonidea), die systematisch nicht zu den Riesenschlangen zählen und eine eigene Familie darstellen, mit einbezogen.

Sinnesorgane

Schlangen können im eigentlichen Sinne von Hören nicht hören. Ein Aussenohr fehlt, das Innenohr ist verkümmert. Aber sie können Schallwellen über den Bodengrund oder aus dem Wasser wahrnehmen. Ihr Sehvermögen ist zumindest auf kurzen Distanzen bei vielen recht gut entwickelt. Man nimmt an, dass nachtaktive Riesenschlangen sogar Farben erkennen können. Riechen tun Schlangen nicht durch die Nase, sondern mit Hilfe des sogenannten Jakobsonschen Organs: Beim Züngeln bleiben Geruchsteilchen an der Zunge kleben. Beim Zurückziehen der Zunge bleiben Geruchsmolekühle am Gaumen und im Kopf sitzenden Jackobsonschen Organ hängen. Dort werden Gerüche dann identifiziert. Zusätzlich haben viele Riesenschlangen ein Wärmesinn, mit dem sie sozusagen infrarot sehen können.

Die größten Arten

Besonders beliebt: Königspython (Python regius)
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Besonders beliebt: Königspython (Python regius)

Es gibt sechs Riesenschlangenarten die länger als 5 Meter werden können:

  • Netzpython (Python reticulatus): bis 10 Meter, Regenwälder in Asien (Indonesien)
  • Große Anakonda (Eunectes murinus): bis 9 Meter (mit bis über 250 kg die schwerste Schlange der Welt), Regenwälder und Sümpfe in Südamerika
  • Felsenpython (Python sebae): bis 7,60 Meter, Steppen und Savannen in Afrika
  • Amethystpython (Python amethistina): bis 6,70 Meter, Wälder, Wüsten und Steppen in Australien
  • Tigerpython (Python molurus): bis 6,10 Meter, tropisches Asien
  • Abgottschlange (Boa constrictor): bis 5,60 Meter (meist weit darunter), Regenwälder und Savannen Südamerikas

Geeignete Arten für die Haltung in Terrarien

Gesetzliche Bestimmungen

Herkunftsnachweis

Der Herkunftsnachweis ist Pflicht für Tiere des Anhang B der Bundesartenschutzverordnug und muss folgendes beinhalten:

  • Ort und Datum: ---
  • Art und Unterart der Schlange: ---
  • Geschlecht: ---
  • Schlupf- bzw. Geburtsdatum: ---
  • Schutzstatus: ---
  • Herkunft: --- (zusätzlich Daten der Einfuhrgenemigung).
  • Käufer: ---
  • Adresse des Käufers: ---
  • Besondere Kennzeichen der Schlange (z.B Zeichnung): ---

Kennzeichnungspflicht

In der Neuverfassung der Bundesartenschutzverordnug ist die Kennzeichnungpflicht für besonders geschützte Arten (Anhang A) geregelt. Die Tiere aus Anhang A der Bundesartenschutzverordnug müssen durch einen Chip gekennzeichnet sein oder die Zeichnung muss genaustens dokumentiert sein.

Streng geschützt: Heller Tigerpython (Python molurus molurus)
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Streng geschützt: Heller Tigerpython (Python molurus molurus)

Seit dem 1.1.2001 sind folgende Arten Kennzeichnungspflichtig:

Vorsicht im Umgang

Riesenschlangen sind zwar alle ungiftige Würgeschlangen, haben aber spitze, nach hinten gerichtete Reißzähne, welche tiefe, und schlecht heilende Wunden reißen können. Bei Schlangen von über drei Metern müssen mindestens zwei Personen, der Halter und einer der Hilfe hohlen und leisten könnte (sollte was passieren), bei der Pflege dabei oder zumindest in der Nähe sein. Vor dem Öffnen des Terrariums immer erst schauen, wo die Schlange liegt. Wenn die Schlange aggressiv reagiert, dann sollte man sie lieber in Ruhe lassen! Sollte es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem Biss kommen, dann vorsichthalber einen Arzt aufsuchen. Es kann auch passieren, dass die Schlange sich um Gliedmaßen wickelt und nicht locker läßt (von der Größe der Schlange abhängig). Dann ist es am effektivsten die Schlange unter kaltes Wasser zu halten, sie wird dann loslassen oder nach einigen Minuten erschwächen (die Körpertemperatur von Kaltblütern ist von der Umgebungstemperatur abhängig) und ihren Würgegriff lockern. Zu einem Biss kann es auch kommen, wenn die Hand des Pflegers nach Beute (zum Beispiel Mäuse, Ratten, ...) riecht.

Die Haltung

Riesenschlangen kommen aus den unterschiedlichsten Orten der Welt, demnach muss das Terrarium den jeweiligen Bedürfnissen der Arten angepasst werden.

Die Maße für:

  • Baumbewohner: ab 0,5x0,5x0,75 (Länge mal Breite mal Höhe) cm der Gesamtlänge der/des Tiere/s.
  • Bodenbewohner: ab 0,75x0,5x0,5 cm der Gesamtlänge der/des Tiere/s. Die Maße gelten für maximal zwei Tiere, sowohl bei den Baum- als auch bei den Bodenbewohnern.

Die Einrichtung

Die allgemeine Einrichtung sollte aus einer Versteckmöglichkeit für jedes Tier, Klettermöglichkeiten, einem Badebecken und den Klimaüberwachungsgeräten bestehen. Regenwaldterrarien können mit stabilen Pflanzen begrünt werden, auch Wurzeln eignen sich gut. Für Trockenterrarien eignen sich nicht stachelige, größere Sukkulenten. Es gibt eine Vielzahl an Terrariendekoration in Zoofachgeschäften.

Das Richtige Klima

Beliebter Snack: Meerschweinchen (Carviinae)
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Beliebter Snack: Meerschweinchen (Carviinae)
  • Regenwaldterrarium: Temperaturen am Tage bei 25 bis 28 Grad Celsius, (lokal bis 32 Grad Celsius) in der Nacht um 20 Grad Celsius, die Luftfeuchtigkeit sollte immer zwischen 75 und 90 Prozent betragen, nachts auch höher, es sollte abends Wasser gesprüht werden.
  • Trockenterrarium: Temperaturen 25 bis 32 Grad Celsius, lokal 30 bis 40 Grad Celsius am Tage, nachts 18 bis 22 Grad Celsius. Luftfeuchte 50 bis 60 Prozent, nachts durch abendliches Sprühen bis 80 Prozent. Es empfiehlt sich in beiden Terrarientypen UV-Leuchten anzubringen.

Hinweis: Diese Angaben sind verallgemeinert. Um sicher zu stellen, dass gekaufte Tiere richtig gepflegt werden können, muss man sich artspezifische Fachliteratur zulegen.

Ernährung

Jungschlangen werden wöchentlich mit entsprechend großen Mäusen, Ratten oder Küken gefüttert. Alttiere können alle zwei bis vier Wochen mit ensprechend großen Säugetieren (Mammalia) und Vögeln (Aves) (Meerschweinchen, Ratten, Hühner, ...) ernährt werden. Es sollte mindestens bei jeder zweiten Fütterung eine Vitaminlösung oder ein Vitaminpulver (am besten eignet sich Corvimin) mitgegben werden.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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