Ringschnabelmöwe

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Ringschnabelmöwe

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
Unterordnung: Lari
Familie: Möwen (Laridae)
Gattung: Larus
Art: Ringschnabelmöwe
Wissenschaftlicher Name
Larus delawarensis
Ord, 1815

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Ringschnabelmöwe (Larus delawarensis) zählt innerhalb der Familie der Möwen (Laridae) zur Gattung Larus. Im Englischen wird die Ringschnabelmöwe ring-billed gull genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Ringschnabelmöwe erreicht eine Körperlänge von 43 bis 48 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 120 bis 131 Zentimeter sowie ein Gewicht von 400 bis 650 Gramm. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen. Namensgebend war für die Art das vertikale, schwarze Band im vordern Teil des Schnabels, der ansonsten eine gelbliche Färbung aufweist. Die Rückenseite ist bis zu den Schulterblättern gräulich gefärbt, der Kopf und die komplette Bauchseite sind rein weiß. Der vordere Teil der Flügel ist gräulich, die äußeren Flügelspitzen sind schwarz und bilden vor allem im Flug einen gut sichtbaren Kontrast. In den schwarzen Gefiederbereichen zeichnen sich einige weiße Punkte ab. Die Extremitäten und die Füße mit den Schwimmhäuten weisen eine gelbliche bis leicht gelblichgrüne Färbung auf. Das Obergefieder juveniler Ringschnabelmöwen ist deutlich dunkel, meist graubraun gefärbt. Erst im dritten Lebensjahr bildet sich das adulte Gefieder aus.

Verhalten

Ringschnabelmöwen sind eine tagaktive Möwenart. Sie leben in zum Teil großen Gruppen. Dies zeigt sich insbesondere während der Paarungszeit. Ringschnabelmöwen gelten als gesellige Kolonienbrüter. Innerhalb einer Kolonie wird allerdings ein kleines Revier rund um das Nest verteidigt. Die einzelnen Nester liegen dabei meist nur eine Flügellänge voneinander entfernt. Ringschnabelmöwen sind relativ sesshafte Möwen, die jedoch auf der Nahrungssuche größere Wanderungen unternehmen können.

Ähnliche Arten

Die Ringschnabelmöwe läßt sich jedoch anhand des schwarzen Längsbandes im Schnabelbereich eindeutig von der Heringsmöwe unterscheiden. Die Heringsmöwe hat an gleicher Stelle am Unterschnabel einen rötlichen Fleck.

Verbreitung

Die Ringschnabelmöwe ist im nördlichen Teil Nordamerikas weit verbreitet. Die Brutgebiete liegen in Alaska, Kanada und in nordöstlichen Teilen der USA. Ringschnabelmöwen sind Zugvögel, die im Herbst in südliche Gefilde ziehen. Die Winterquartiere liegen zum einen im südlichen Kanada und zum anderen in Kalifornien und rund um den Golf von Mexiko. Die Brutgebiete liegen an Süßgewässern wie Seen, Binnenmeeren und gelegentlich größeren Flussläufen. Sandige Flächen nahe des Wassers werden von den Möwen als Brutplatz bevorzugt. Außerhalb der Brutzeit sind Ringschnabelmöwen auch in der Nähe des Menschen anzutreffen, wo sie nach Nahrung aller Art suchen. Hier sind sie vor allem auf landwirtschaftlichen Flächen anzutreffen.

Prädatoren

Vor allem die Eier und die Küken stehen auf der Speisekarte einer Reihe von Fressfeinden. Dazu gehören neben Raubvögeln auch räuberisch lebende Säugertiere. Zu den bekanntesten Fressfeinden unter den Vögeln gehören unter anderem der Virginia-Uhu (Bubo virginianus), die Amerikanerkrähe (Corvus brachyrhynchos), der Kolkrabe (Corvus corax), die Schnee-Eule (Bubo scandiacus) und die Kaliforniermöwe (Larus californicus). Unter den Säugern haben es insbesondere der Rotfuchs (Vulpes vulpes), der Kojote (Canis latrans), Waschbären (Procyon), der Streifenskunk (Mephitis mephitis), der Langschwanzwiesel (Mustela frenata) und der Amerikanische Nerz (Mustela vison) auf die Ringschnabelmöwe und deren Brut abgesehen. Gegen Fressfeinde innerhalb der Brutkolonien gehen Ringschnabelmöwen gemeinschaftlich vor. Wildes Flügelschlagen und Drohrufe schrecken den einen oder anderen Fressfein ab.

Ernährung

Ringschnabelmöwen gelten als Allesfresser. Neben Fisch, anderen im Wasser lebenden Tieren und neben der Brut von Vögeln fressen sie auch kleinere Säuger wie Mäuse sowie Insekten und Larven. Aber auch Sämereien, Körner aller Art und Früchte stehen auf der Speisekarte. Selbst Aas und menschlicher Abfall wird nicht verschmäht. In Grunde genommen wird alles gefressen was genießbar erscheint.

Fortpflanzung

Die Ringschnabelmöwe erreicht die Geschlechtsreife mit durchschnittlich zwei bis drei Jahren. Als Kolonienbrüter nisten Ringschnabelmöwen in zum Teil großen Gruppen. Die Brutzeit beginnt in den meisten Verbreitungsgebieten Ende April oder im Mai. Die Geschlechter führen dabei eine monogame Saisonehe. Die Brutplätze liegen meist auf sandigen Flächen nahe dem Wasser. In Ermangelung dessen können sie aber durchaus auch auf steinigen Untergründen nisten. Das Nest wird von beiden Geschlechtern aus Reisig, Blättern und anderen weichen Pflanzenteilen errichtet. In das fertige Nest legt das Weibchen drei bis vier bläuliche bis blaugrüne Eier, die eine Größe von 63 bis 46 Millimeter aufweisen. Die Eier werden von beiden Geschlechtern über einen Zeitraum von 25 bis 28 Tagen ausgebrütet. Die Küken gelten als Nestflüchter, halten sich aber immer in der Nähe des Nestes auf. Beide Elternteile kümmern sich um die Versorgung mit Nahrung. Im Alter von gut fünf Wochen haben die Jungvögel ihre Flugfähigkeit erreicht. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei rund zehn Jahren. Der älteste Ringfund belegte ein Alter von über 20 Jahren. Ein solch hohes Alter ist allerdings sehr selten.

Gefährdung und Schutz

Die Ringschnabelmöwe gilt als eine noch nicht bedrohte Möwenart. Sie hat ein weites Verbreitungsgebiet und ist in Bezug auf ihren Lebensraum und die Nahrung sehr anpassungsfähig. In der Roten Liste der IUCN wird die Ringschnabelmöwe als nicht bedroht geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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