Rokokokröte

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Rokokokröte
Männchen

Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Unterklasse: Nacktlurche (Lissamphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)
Überfamilie: Laubfrösche, Echte Kröten und Verwandte (Hyloidea)
Familie: Kröten (Bufonidae)
Gattung: Rhinella
Art: Rokokokröte
Wissenschaftlicher Name
Rhinella schneideri
(Werner, 1894)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Rokokokröte (Rhinella schneideri), auch unter den Synonymen Chaunus schneideri, Bufo schneideri, Bufo paracnemis, Bufo pisanoi bekannt, zählt innerhalb der Familie der Kröten (Bufonidae) zur Gattung Rhinella. Im Englischen wird die Rokokokröte rococo toad oder schneider's toad genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Rokokokröte ist eine große, runde Kröte, wobei das Weibchen eine Körperlänge von etwa 25,0 Zentimeter erreichen kann und das Männchen eine Körperlänge von etwa 18,0 Zentimeter. Die Beine sind im Verhältnis zur Körperlänge recht kurz geraten. Die Hinterbeine erscheinen ziemlich schlank. Zwischen den Zehen der Hinterfüße zeigt sich sehr wenig Schwimmhaut, während die Schwimmhaut zwischen Zehen der Vorderfüße fehlt. Am Kopf und an der Schnauzenspitze ist die Warzenhaut von einer gelblichen bis bräunlichen Färbung. Ferner zeigen sich in der Mitte des Rückens dunkle braune Flecken oder Querstreifen. Die Seiten weisen weiße Flecken auf. Die Kaulquappen sind von einer einer grauen Färbung. Der Schwanz und die Flossen sind eher dunkel durchscheinend. Die maximale Körperlänge der voll ausgebildeten Kaulquappen beträgt etwa 2,5 Zentimeter.

Lebensweise

Laut der Roten Liste der IUCN ist die Rokokokröte in Argentinien (Misiones, Corrientes, Chaco, Entre Ríos, Formosa, Jujuy, Salta, Santiago del Estero, Cordoba, Santa Fe, und Tucumán), in Bolivien (Beni, Cochabamba, Chuquisaca, Santa Cruz und Tarija), in Brasilien (von Ceará bis Río Grande do Sul), in Paraguay sowie in Uruguay (Artigas, Salto, Paysandú, Río Negro und Soriano) beheimatet. Sie kommt in Höhen von 2.000 Meter über dem Meeresspiegel vor. Die Rokokokröte ist in verschiedenen Lebensräumen weit verbreitet, einschließlich Chaco Canyon, Cerrados (Savannen in Zentral-Brasilien) und Regenwald-Regionen. Sie tritt vor allem in offenen und städtischen Gebieten auf. Die Laichzeit erfolgt in permanenten und temporären Teichen, wo die Kaulquappen sich entwickeln können.
Rokokokröte - Männchen
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Rokokokröte - Männchen
Bevorzugt werden dabei Gewässer mit wenig oder gar keiner Vegetation. Die Männchen rufen in der Nacht vom Uferrand oder im Wasser. Die Rokokokröte kann sich gut anthropogenen Störungen anpassen. Die Rokokokröte wird hauptsächlich von verschiedenen Schlangen gejagt. Als Verteidigung bläht sich die Rokokokröte auf und hat gegenüber den Prädatoren eine abschreckende Wirkung. Das Gift der Rokokokröte enthält das Bufotoxin.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN ist die Rokokokröte in Argentinien, Bolivien, Brasilien, Paraguay und in Uruguay verbreitet. Die Rokokokröte kommt im Norden von Cordoba und Jujuy, Argentinien häufig und die Populations-Entwicklung ist zunehmend.

Ernährung

Die Rokokokröte ernährt sich hauptsächlich von Insekten (Insecta) und von anderen Gliederfüßern (Arthropoden), die sie in der Laubstreu findet. Die Hauptnahrung der Rokokokröte sind insbesondere Bienen.

Fortpflanzung

Die Laichzeit findet in den Monaten zwischen Oktober und April statt. Die Paarung erfolgt im stehenden Wasser mit wenig Vegetation. Hat ein Männchen ein Weibchen erobert, so klettert das Männchen auf den Rücken des Weibchens und klammert sich mit seinen sehr langen Vorderbeinen am Körper des Weibchens fest.
Das Weibchen ruht sich auf dem Rücken des Männchens aus
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Das Weibchen ruht sich auf dem Rücken des Männchens aus
Nach wenigen Tagen kommt es im Wasser zur Eiablage. Das Weibchen stößt Stränge von Eiern durch Muskelkontraktion aus. Das Männchen bemerkt diese Muskelkontraktion und gibt gleichzeitig sein Sperma ab, um die Eier zu befruchten. Die Anzahl der Eier variiert stark mit dem Alter des Weibchens. Nach rund zehn bis vierzehn Tagen der Embryonalentwicklung schlüpfen die Kaulquappen. Sie weisen insgesamt eine graue Färbung auf. Die maximale Körperlänge der voll ausgebildeten Kaulquappen beträgt etwa 2,5 Zentimeter. Sie leben gesellig und schwimmen meist in größeren Schwärmen umher. Dabei halten sie sich wegen der Wärme meist in den oberen Wasserschichten auf. Sie ernähren sich hauptsächlich von Kleinstlebewesen, Algen und totem organischem Material. Sie verschmähen dabei selbst Aas nicht. Auch tote Artgenossen bleiben nicht verschont. Die Metamorphose zur Jungkröte ist nach rund 70 bis 90 Tagen abgeschlossen. Zu diesen Zeitpunkt begeben sich die jungen Rokokokröten dann an Land und geben ihr amphibisches Leben auf.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört die Rokokokröte heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Sie ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt die Rokokokröte selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird sie als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Dr. Wolf-Eberhard Engelmann, Jürgen Fritzsche, Dr. sc. Rainer Günther und Dipl.-Biol. Fritz Jürgen Obst: Lurche und Kriechtiere Europas. Neumann Verlag Radebeul 1993. ISBN 3-7402-0094-4
  • Dr. Josef Blab und Hannelore Vogel: Amphibien und Reptilien erkennen und schützen. Alle mitteleuropäischen Arten, Biologie, Bestand, Schutzmaßnahmen. BLV Verlagsgesellschaft mbH München Wien Zürich 1996. ISBN 3-405-14936-3
  • Andreas Nöllert und Christel Nöllert: Die Amphibien Europas. Bestimmung - Gefährdung - Schutz. Kosmos Naturführer, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH Stuttgart 1992. ISBN 3-440-06340-2
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • Kurt Brauer, Annette Bromma: Kröten. Urania, Freiburg (1991). ISBN 3332003798

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