Rotaugenlaubfrosch

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Rotaugenlaubfrosch

Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)
Familie: Laubfrösche i.w.S. (Hylidae)
Gattung: Rotaugenlaubfrösche (Agalychnis)
Art: Rotaugenlaubfrosch
Wissenschaftlicher Name
Agalychnis callidryas
Cope, 1862

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Rotaugenlaubfrosch (Agalychnis callidryas) gehört innerhalb der Familie der Laubfrösche i.w.S. (Hylidae) zur Gattung der Rotaugenlaubfrösche (Agalychnis). Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde die Art im Jahre 1862 von dem US-amerikanischen Wissenschaftler Edward Drinker Cope. Im Englischen wird der Rotaugenlaubfrosch Red-eyed Treefrog genannt.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeine Evolution

Die Lurche (Amphibia) entwickelten sich vor 374 bis 360 Millionen Jahren im oberen Devonzeitalter aus im Süßwasser lebenden Quastenflossern (Coelacanthiformes), so die Annahme, und waren die ersten Wirbeltiere (Vertebrata), die sich des Lebens auf dem Land ermächtigten, auch wenn sie bis heute Wasser zur Fortpflanzung benötigen, was ein entscheidender Unterschied zu den Kriechtieren (Reptilia) ist, welche ihre Eier immer an Land ablegen müssen, allerdings gibt es auch lebende Junge gebärende, im Wasser lebende Reptilien, die das Wasser nicht mal zur Eiablage verlassen müssen. So gibt es aber auch Amphibien, die das Wasser niemals verlassen, so z.B. das Axolotl (Ambystoma mexicanum), welches das Wasser aber auch nicht verlassen kann. Während der Blütezeit der Herpetofauna im Karbon- und Permzeitalter erreichten die Amphibien ihre wohl größte Diversität, also Artenvielfalt. Es traten alle Formen auf, von solchen mit knöchernen Panzern die Krokodilen (Crocodilia) ähnelten bis hin zu solchen, die kaum anatomische Unterschiede zum heutigen Feuersalamander (Salamandra salamadra) aufweisen, beispielsweise Karaurus sp. Die heutigen Lurche haben sich über Millionen von Jahren kaum verändert, allerdings sind solch bizarre Formen wie Diplocaulus sp. mit seinem Hammerhai-ähnlichen Kopf oder vier Meter lange Labyrinthodonthia sp. zusammen mit vielen anderen Gruppen im Permzeitalter in einer Art Massenexitus ausgestorben. Die genaue stammesgeschichtliche Herkunft der heutigen Amphibien-Ordnungen ist umstritten.

Der Rotaugenlaubfrosch zählt zu der Ordnung der Froschlurche (Anura) und damit zur bis heute erfolgreichsten Gruppe der Amphibien, er ist eine Art unter rund 5.400 weiteren Spezies.

Geschichtliches

Der Entdecker dieses baumbewohnenden Kletterkünstlers war im Jahre 1862 Edward Drinker Cope. Er hat auch im selben Jahr noch die wissenschaftliche Erstbeschreibung des Rotaugenlaubfrosches unter dem heute noch geltenden wissenschaftlichen Namen Agalychnis callidryas veröffentlicht. Agalychnis callidryas bedeutet so viel wie "Leuchtend schöne Baumnymphe" und ist auf die Färbung des Frosches zurückzuführen. Mittlerweile hat sich der Frosch zum gefragten Wohnzimmer-Mitbewohner in Terrarien, zum begehrtesten Fotomotiv vieler Naturfotografen und zu dem Logo einer Restaurant-Kette entwickelt. Außerdem schmückt der Frosch als Motiv viele Buchumschläge, Kaffeetassen und Duschvorhänge, auch in der Werbung ist er gelegentlich zu sehen, sei es im Fernsehen oder auf Plakaten.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Rotaugenlaubfrosch macht seinem Namen Agalychnis callidryas, leuchtend schöne Baumnymphe, alle Ehre. Seine allgemeine Grundfarbe ist ein tiefes aber zumeist helles grün, was fast schon neonfarben strahlt. Einzelne Populationen oder Individuen können auch dunkler, leicht olivgrün gefärbt sein. Die Augen sind leuchtend rot mit schwarzen, schlitzartig oder rund geformten Pupillen, die leicht aus den Augenhöhlen hervortreten. Die Unterseite der Vorder- und Hinterbeine ist orange, auch die Füße mit den "Saugnäpfen" an den Zehen sind orangefarben. Auch können blaue Felder an Vorder- und Hinterbeinen sichtbar sein. An den Flanken des Rotaugenlaubfrosches sind blaue und weiße bis weißlichgelbe, unregelmäßige Streifen zu erkennen. Sein Bauch ist immer sehr hell, meist weiß bis weißgrau. Alles in allem wirkt der Körper sehr zierlich, von hinten nach vorne in Richtung Kopf wird der Körper breiter, nach hinten ist der Körper sehr schmal. Die Beine sind ebenfalls sehr zart und verletzlich, die Hinterbeine, die als Sprungbeine dienen, sind stark in die Länge gezogen, wie es für Frösche (Anura) halt üblich ist. Der Mund lässt je nach Blickwinkel ein ständiges "Lächeln" erkennen, da die Mundwinkel etwas nach oben gebogen sind. Die Augenhöhlen gehen seitlich und hoch zu buckelartig über das Schädeldach hinaus, dadurch und durch das Heraustreten der Augen entsteht ein glubschiger Blick. Jedes Auge hat zwei Lider, eine bräunlich gelb gestreifte Membran, die das auffällige Rot der Augen verschleiert aber noch gerade so genügend Durchblick lässt und ein grünes Lid, welches nochmals darüber geklappt werden kann und die Sicht nimmt. Außerdem ist er nun durch die nicht mehr sichtbaren roten Augen besser getarnt. Die Körperlänge ist je nach Geschlecht unterschiedlich. Ein Männchen erreicht maximal 55 Millimeter und ist somit deutlich kleiner als die massigeren und bis zu 70 Millimeter messenden Weibchen.

Rotaugenlaubfrosch mit verschlossenem, erstem (durchsichtigem) Lid
vergrößern
Rotaugenlaubfrosch mit verschlossenem, erstem (durchsichtigem) Lid

Die auffällige Färbung des Auges und der Flanken dient wahrscheinlich der Abschreckung von Feinden, im Liegen mit dicht an den Untergrund gepresstem Bauch und verschossenen Augen ist nur noch die grüne Haut zu sehen, zumeist ist nicht mal das Orange von Beinen und Füßen erkennbar. So ist der Rotaugenlaubfrosch im grünen Laub bestens getarnt, trotz bunter Farben.

Lebensweise

Allgemeine Verhaltensbiologie

Der Rotaugenlaubfrosch ist ein sehr scheuer Bewohner des tropischen Regenwaldes und in freier Wildbahn ein extrem seltener Anblick. Er hält sich den gesamten Tag über in den Kronen der dreißig bis achtzig Meter hohen Urwaldriesen auf, wo er dann grundsätzlich einzeln auf und unter Laubblättern anhaftend den Tag verschläft. Um unerwünschten Besuchern, die ihm gefährlich werden könnten, nicht aufzufallen, verbirgt er sein buntes Outfit unter den dicht am Körper angelegten Beinen und die roten Augen unter geschlossenen Lidern, so ist er als schlafendes, grünes "Häufchen" so gut wie unsichtbar.

Wesentlich interessanter ist das nächtliche Leben der kleinen, knallgrünen "Geister". Sobald es dämmert, machen sich die Frösche auf Nahrungssuche und die männlichen Tiere gehen außerdem auf Brautschau. Bei den Weibchen gibt es je nach Individuum unterschiedliche Paarungszeiten, sie sind nicht jede Nacht fruchtbar respektive können nicht jede Nacht Eier legen. Nachts werden die Rotaugenlaubfrösche sehr aktiv und streunen zwischen dem Blattwerk umher. In der Dunkelheit weiten sich die bei Lichteinfall schlitzartig zusammengezogenen Pupillen sehr weit, um selbst kleinste Lichtquellen nutzen zu können. Sogar bei geringstem nächtlichem Dämmerlicht finden sie Geschlechtspartner und Beute, genauso, wie den Weg dort hin, wobei zu erwähnen ist, dass Geschlechtspartner sich vor allem über Laute finden.

Fortpflanzung

Der Weg zum Balzplatz

Die Männchen machen sich während der Regenzeit, der Paarungszeit, jeden Abend auf den Weg zu ihren Balzplätzen an einem stehenden Gewässer am Waldboden, Weibchen nur etwa zweimal. Wie die Rotaugenlaubfrösche dort hin gelangen, konnten sie Jahrzehnte lang geheim halten. Laut eines Augenzeugenberichts aus dem Jahre 1964 soll der Frosch wie ein Fallschirmspringer mit weit gespreizten Schwimmhäuten als Segel die Bäume hinunter gleiten. In den Neunziger-Jahren des 20. Jahrhunderts wollte man diese Methode genauer unter die Lupe nehmen und sie beweisen. Unter der "Regie" von Crista Lundberg wurden mehrere Versuche mit Rotaugenlaubfröschen gestartet, von einem fünf Meter hohen Balkon. Aufgezeichnet wurde das Ereignis mit zwei Kameras, die Forscher ermittelten mittels Maßband und Stoppuhr Fallgeschwindigkeit und Flugwinkel. Aber als nach mehreren Versuchen nichts passierte, man wollte die Frösche nicht zum Sprung drängen, beschloss man den Versuch mit einem nahen Verwandten, genauer mit dem Kleinen Rotaugenlaubfrosch (Agalychnis saltator), zu wagen. Mehrfach ließ er sich hinunter fallen, in "Adlerpose", wie es Lundberg beschrieb. Dies war der Beweis, diese Technik wenden sie sicherlich auch bei der Partnersuche und dem Aufsuchen der Laichplätze an, sie gleiten durch das Blätterdach und zwischen den Stämmen der Urwaldriesen und den langen Lianen in Richtung Erdboden. Inzwischen konnte dies auch am Rotaugenlaubfrosch selbst nachgewiesen werden.

Balz, Paarung und Eiablage
Die Rotaugenlaubfrösche sind nicht die einzigen, die nach Einbruch der Dunkelheit erst so richtig aktiv werden. Jeden Abend und jede Nacht ist im tropischen Regenwald mehr los, als in einem deutschen Wald das ganze Jahr, vor allem in der Regenzeit. Dem entsprechend ist es auch laut: Bis zu 120 Dezibel sind nachts im Wald von Panama zu messen. Die Geräuschkulisse setzt sich aus den Lauten tausender Spezies zusammen, von dem hohen Pfeifen des Großtinamu (Tinamus major) bis zum "Huhu" des Südamerikanischen Ochsenfrosches (Leptodactylus pentadactylus) reicht die Palette. Zwischen all diesen sind oft die leiseren aber dennoch
Rotaugenlaubfrosch in Ruhestellung
vergrößern
Rotaugenlaubfrosch in Ruhestellung
deutlich hörbaren "Tschak-tschak"-Laute des männlichen Rotaugenlaubfrosches zu vernehmen. Im Vergleich zum Rest seiner lauten Mitbewohner des Regenwaldes ruft das Männchen des Rotaugenlaubfrosches allerdings recht leise. Und dies nicht mehr, als achtmal in einer Minute. Er hat kein großes Repertoire, genauer kennt er nur zwei Arten von Lauten, ein klickendes "tschakl", was andere Männchen warnen soll, ihm nicht in die Quere zu kommen und ein schnarrendes "tschak", um die Damenwelt auf sich aufmerksam zu machen, was wie durch ein Wunder auch gelingt, es gibt viele andere Arten in den Wäldern, die ebenfalls auf dieser Frequenz auf sich aufmerksam machen wollen. In den Morgenstunden hebt er seine Stimme nochmal an, und dies in einem regelrechten "Tschak-Sakkato". Die Tageszeit ist dann besonders günstig ausgewählt, da dann die meisten anderen Frösche bereits schweigen. Der Biologe Stanley Rand beschäftigt sich bereits seit einem halben Jahrhundert mit der Herpetofauna Mittelamerikas und wirft dabei besonders ein Auge oder eher noch zwei Ohren auf die Laute der Lurche am Panamakanal. Auch dem Rotaugenlaubfrosch hat er seine Arbeit gewidmet, leider mit wenig Erfolg. An zwei gegenüberliegenden Wänden hängen Lautsprecher, aus denen unterschiedliche Laute von Tümpelfröschen ertönen. In der Mitte der beiden Wände sitzt ein Froschweibchen in einer Kammer. Rand erforscht nun, welchen Lautsprecher sie ansteuert. So erfährt er, wie die Weibchen "ticken" und die Männchen sich beliebt machen können. Doch die Rotaugenlaubfrosch-Dame kletterte nur ziellos an den Wänden der Kammer rauf und runter. Wie die Paare sich letzten Endes finden war, wenn man sich dies auch denken konnte, schwer eindeutig herauszufinden. Das sie jedenfalls nicht lange allein bleiben, soll nicht wundern, wenn man bedenkt, dass ein Weibchen nur ein- bis zweimal je Regenzeit zu den Laichplätzen kommt, während die Männchen jede Nacht dort aufkreuzen. Auch sind Weibchen mit 15 Prozent Populationsanteil wesentlich weniger repräsentiert. Am Laichplatz sind daher zumeist nur bereits Paare aufzufinden, sie befinden sich schon im sogenannten Amplexus. Dies ist die Paarungsstellung der Froschlurche, bei welcher das Weibchen das Männchen Huckepack trägt, die Eier ins Wasser oder an einen feuchten Gegenstand ablaicht und das Männchen diese gleichzeitig außerhalb des weiblichen Organismus besamt. Während des Amplexus umklammert das Männchen das Weibchen. Man fand bereits Männchen, die aus einer Art Frust heraus Steine, Blechdosen oder ähnliche Gegenstände umklammerten.

Fakt ist, dass die Männchen sich ihre Partnerinnen nicht aussuchen, sondern umgekehrt. Sie sucht sich die Männchen nach den Rufen aus, nähert sich diesen und kommt einem Männchen dann endgültig entgegen. Das Männchen umklammert sie dann und die beiden steigen zuerst gemeinsam ins Wasser, wo dann der Laich genässt wird, damit die Gallerthülle der Eier an der Luft nicht verkrustet. Dazu wird das Wasser in die Harnblase des Weibchens aufgenommen. Zwischendurch macht sie sich immer wieder, genauer bis zu fünfmal in einer Nacht, auf, Bäume und Äste über dem Wasser zu erklimmen und dort jeweils 30 bis 50 Eier abzulaichen, die dann von dem die ganze Zeit mitgeschleppten Männchen befruchtet werden. Die Eier werden an der Baumrinde oder an ein Blatt angeheftet. Während des gesamten Laichaktes ist das Männchen sehr wachsam und versucht Mitstreiter durch aggressive Laute und Drohgebärden loszuwerden, dennoch kommt es oft vor, dass die Partner der Weibchen sich zwischendurch austauschen. Wenn dann das Weibchen mit dem Laichen beginnt, unterbrechen die Männchen ihre Kämpfe und halten inne, sie sitzen Seite an Seite zum Weibchen und befruchten die Eier, jedes einen Teil des Laiches, was DNA-Analysen bewiesen haben. Doch umso mehr das Männchen das Weibchen mit sich trägt, desto weniger Eier legt es, vermutlich in Folge des Stresses.

Die Eier

Die Eier des Rotaugenlaubfrosches sind etwas ganz besonderes. Sie kleben sieben Tage lang an einem Baum, Ast oder einem Blatt, völlig ungeschützt und scheinbar absolut wehrlos. Doch genau dies ist ein Irrtum, die Eier sind nicht passiv sondern aktiv. Die Rotaugenlaubfrosch-Spezialistin Prof. Karen Warkentin, die sich seit nunmehr 15 Jahren mit Agalychnis callidryas auseinandersetzt, entdeckte und beschrieb 1995 die Verteidigungsstrategie des Laiches. Wenn Gefahr droht, sprengen die Embryonen sich förmlich aus ihrer Gallerthülle und fallen dann in den unter ihnen liegenden Teich. Sie sind bereits ab dem fünften Tag fähig zu diesem Fluchtverhalten. Sie haben die Wissenschaft dazu inspiriert, sich andere Froscheier sowie Eier anderer Tiere ebenfalls genauer unter die Lupe zu nehmen, heute weiß man, dass auch viele andere Amphibien, Fische, Eidechsen und auch Spinnen wehrhafte Eier legen können. Der Froschlaich wirkt fast schon intelligent, je nach Ernst der Lage reagieren die Embryonen unterschiedlich. So flüchten bei einer Wespe, die einen Embryo raubt, nur deren unmittelbare Nachbarn, bei einem sich ausbreitenden Pilz fliehen die Embryonen erst kurz bevor sie selbst erreicht werden und bei einer Schlange, die einen beherzten Bissen genießen will, oder wenn der gesamte Laichballen ins Wasser fällt, schlüpfen allesamt gleichzeitig aus der Gallerthülle, die Schlange hat dann nur eine gallertartige Substanz im Maul, die dann auch noch zwischen den Zähnen entgleitet. Allerdings bleiben sie bei Regen, Sturm und Erdbeben und sogar bei einem Transport von einem Menschen unbehelligt in der Gallerthülle. Mittels Untersuchungen im Labor fand Prof. Warkentin heraus, dass die Eier respektive die Embryonen sich dabei die verschiedenen Schwingungen und Vibrationsmuster der verschiedenen Einflüsse, beispielsweise durch eine Schlange, zu Nutze machen.

Entwicklung

Nachdem die Embryonen sich sieben Tage lang, je nach dem auch fünf bis sechs Tage, in der Gallerthülle über dem Wasser entwickelt haben, sind die Larven darin schlupfreif. Sie lassen sich dann schlicht ins Wasser fallen. In diesem Morph-Stadium werden sie als Kaulquappen bezeichnet und weisen Merkmale von Fischen auf, sie haben Flossen und atmen durch Kiemen. Nahrung nehmen die Kaulquappen durch filtrieren des Wassers auf, sie fressen allerlei Mikroorganismen. Nach achtzig bis hundert Tagen setzt die Umwandlung, die Metamorphose, ein. Dabei entwickeln sich die Kiemen zurück, die Lungen reifen aus, die Beine entwickeln sich, die Färbung geht über vom tristen graubraun in ein tiefes Grün und der Schwanz verschwindet. Nach etwa insgesamt zehn Wochen im Wasser lassen sich die Jungfrösche kurz an Land blicken, suchen dann aber schnellstmöglich die oberen Etagen des Waldes auf. Die gesamte Entwicklung des Rotaugenlaubfrosches wird als vollständige Metamorphose bezeichnet. Die Geschlechtsreife erreichen sie nach ein bis zwei Jahren, ihre Lebenserwartung liegt wahrscheinlich bei über fünf Jahren.

Ernährung

Beute und Beuteerwerb

Wie alle Lurche (Amphibia) ist auch der Rotaugenlaubfrosch ein reiner Fleisch-, genauer ein Insektenfresser. Es gibt nur wenige Lurche, die nicht ausschließlich Insekten (Insecta), Würmer (Annelida) und Spinnentiere (Arachnida) fressen, einige verschlingen beispielsweise noch kleine Fische (Actinopterygii). Der Rotaugenlaubfrosch jedoch gehört nicht zu diesen. Im Schutz der Dunkelheit erbeutet er kleine Insekten aller Art, zum Beispiel Ameisen (Formicoidea) oder Laubheuschrecken (Tettigoniidae), die er zwischen den Zweigen mit einem Satz erbeutet und mit der fleischig klebrigen Zunge festhält und ins Maul zieht. Da er ausschließlich lebende Beute zu sich nimmt, wird er still sitzende Insekten kaum ausmachen. Es werden wohl auch kleine Webspinnen (Araneae) von ihm gefressen, wenn der Frosch diese zu Fassen bekommt. Die Größe der Beutetiere spielt keine Rolle, da alles gefressen wird, was ins Maul passt.

Verbreitung

Tropischer Regenwald in Costa Rica
vergrößern
Tropischer Regenwald in Costa Rica

Vorkommen

Der Rotaugenlaubfrosch findet sein Verbreitungsgebiet in Mittelamerika, genauer auf der Karibikseite Mittelamerikas, von Südmexiko, über Belize, Guatemala und Honduras, bis nach Nicaragua, Costa Rica und Panama. Auch Teile des nördlichen Kolumbiens sowie viele Gebiete des südlichen Mittelamerikas auf der Pazifikseite, vor allem El Salvador, welches als einziger Staat nur an der Pazifikküste liegt, sind als Verbreitungsgebiete zu nennen.

Lebensräume

Der Rotaugenlaubfrosch ist ein reiner und typischer Regenwaldbewohner des tropischen Mittelamerikas. Dort ist er tagsüber in mindestens fünf Metern Höhe, in der Regel aber wesentlich höher und zum Teil auch in den obersten Baumkronen der Überständer, das sind Bäume, die die durchschnittliche Baumhöhe deutlich überragen, zu finden, wenn man denn vermag ihn dort zu suchen. Bevorzugte Bäume sind mit Epiphyten, also auf Bäumen gedeihenden, luftwurzelnden Pflanzen (in der Regel tropische Orchideen (Orchidaceae)), bewachsene in unmittelbarer Gewässernähe stehende, aber auch andere Bäume werden gerne genommen. Die Art des Baumes spielt keine Rolle, es kann sich genauso gut um einen Paranussbaum (Bertholletia excelsa), wie auch um einen Kanonenkugelbaum (Couroupita guianensis) oder einen ganz anderen handeln. Er teilt sich diesen Lebensraum mit hunderten von anderen Lurchen (Amphibia), die oftmals ebenfalls in die oberen Etagen des Waldes vordringen. Dass in tropischen Wäldern Frösche so weit oben im Wald überleben können, verdanken sie vor allem der hohen Luftfeuchtigkeit, denn ohne diese würde ihre Haut schnell austrocknen und die Frösche bekämen Sauerstoffprobleme, da sie einen Großteil des benötigten Sauerstoffes über die Haut einatmen. Auch Wasser nehmen sie vorwiegend über die Haut auf, sie beziehen es aus der Luftfeuchtigkeit selbst.

Rotaugenlaubfrösche kommen in Höhenlagen von bis zu 1.000 Metern vor, bevorzugen allerdings Tiefland-Regenwälder.

Ökologie und Ökonomie

Parasiten und Prädatoren

Unter den Parasiten lassen sich bei Lurchen wie dem Rotaugenlaubfrosch häufig Zwergfadenwürmer (Strongyloides stercoralis) im Darmtrakt oder verschiedene Lungenwürmer feststellen. Beide können dem kleinen Frosch sehr zusetzen und ihm das Leben kosten, im Terrarium sind sie jedoch behandelbar.

Gefährlich werden können dem Frosch in der Natur zahlreiche andere Tiere, seine Prädatoren, oder umgangssprachlich Fressfeinde. Der Rotaugenlaubfrosch produziert zwar Abwehrstoffe, die sich dann im Schleim auf der Haut befinden, diese jedoch sind für die Prädatoren nicht giftig, wie es bei den Pfeilgiftfröschen (Dendrobatidae) der Fall ist. Diese Sekrete verhindern lediglich die Ansiedlung kleiner krankheitserregender Mikroorganismen. Ihre beste Verteidigung liegt in der Tarnung. Am Tag legen sie ihre Beine so an, dass die bunte Flankenfärbung überdeckt ist, die roten Augen verdecken sie durch die geschlossenen Augenlider. Sollten sie dennoch entdeckt werden, hilft oftmals nur noch ein schneller Sprung, doch solch hektische Manöver liegen dem Rotaugenlaubfrosch nicht besonders gut, weshalb er einmal entdeckt, aber das Finden des Frosches ist ja bereits eine Meisterleistung, oft ein wahrlich gefundenes Fressen darstellt. Zu seinen Todfeinden zählen vor allem verschiedene Schlangen (Serpentes) wie die Erzspitznatter (Oxybelis aeneus), eine Trugnatter. Abgesehen von diesen gibt es nicht viele weitere Tiere, die der Rotaugenlaubfrosch im Laub der Bäume fürchten muss. Im Wasser jedoch können ihm große Fische und Alligatoren (Alligatoridae) sowie Geierschildkröten (Macrochelys temminckii) und andere wasserbewohnende Kriechtiere (Reptilia) nachstellen. Die Kaulquappen gehen Gefahr aus
Erzspitznatter (Oxybelis aeneus): Ein Prädator des Rotaugenlaubfrosches
vergrößern
Erzspitznatter (Oxybelis aeneus): Ein Prädator des Rotaugenlaubfrosches
von Zitteraalen (Electrophorus electricus) und anderen Aalen, größeren Strahlenflossern (Actinopterygii) wie Schomburks Vielstachler (Polycentrus schomburgki), im Wasser lebenden Spinnen (Araneae) und den Larven einiger Käfer (Coleoptera) gefressen zu werden.

Terraristik

Haltungsbedinungen

Für ein bis drei Individuen des Rotaugenlaubfrosches benötigt man ein hohes Vollglasterrarium mit entsprechender Lüftung, um ein Regenwaldklima zu ermöglichen. Es sollte eine Grundfläche von mindestens 60 mal 50 Zentimeter und eine Höhe von achtzig Zentimetern aufweisen, um drei Tieren ein immerhin fast schon artgerechtes Heim bieten zu können, wirklich artgerecht ist einzig und allein die Natur. In dem Terrarium darf ein großes Wasserbecken, besser ein Wasserteil nicht fehlen, am besten ist dieses mindestens acht Zentimeter tief und dreißig Zentimeter breit. Dickere und dünnere, stabile und fest eingerichtete Kletteräste dürfen genauso wenig fehlen, wie mehrere großblättrige Pflanzen. Hier bieten sich besonders die Diffenbachie (Diffenbachia sp.), deren Saft allerdings giftig ist und, zumindest beim Menschen, beim Austreten aus Verletzungen der Pflanze und Kontakt mit der Haut Hautreizungen hervorrufen kann, oder der Baumfreund (Philodendrodon) an. Auch die Efeutute (Epipremnum pinnatum) und Fensterblätter (Monstera) eignen sich hervorragend als Begrünung und Unterschlupf. Weitere Versteckmöglichkeiten sind nicht notwendig, sie würden eh unbenutzt bleiben. Allerdings ist eine Ausstattung des Terrariums mit einer Rückwand anzuraten, schon allein der Optik wegen. Die Temperatur sollte zwischen 24 und 28, lokal bis 32 Grad Celsius liegen, in einer nachgeahmten Regenzeit lässt man Temperaturen von lokal 32 Grad Celsius ausbleiben. Nachts sollte die Temperatur auf 18 bis 22 Grad Celsius abfallen. Die Luftfeuchtigkeit sollte während der immitierten Trockenzeit 60 bis 70 Prozent, nachts auch dann bis 80 Prozent und in der Regenzeit immer 80 bis 100, nachts 90 bis 100 Prozent betragen.

Pflege

Das künstliche Urwald-Klima erzeugt man mittels täglichem Sprühens, am besten mit Leitungswasser oder sauberem Regenwasser, und durch in der Wattzahl entsprechend angepasste Heizstrahler. Ultraviolettes Licht, UV-Licht, ist ebenfalls notwendig, allerdings weniger der Frösche wegen, eher benötigen dieses die Pflanzen. Der Rotaugenlaubfrosch bekommt in der Natur dank seiner nachtaktiven Lebensweise auch nicht UV-Licht ab, dennoch: ein bisschen benötigt auch er! Das Wasser im Wasserteil oder Wasserbecken muss spätestens nach drei bis sechs Tagen, bei hineingefallenem Kot oder Futter noch am selben Tag gewechselt werden, das Becken selbst muss ebenfalls gelegentlich gereinigt werden, was aber nicht mit chemischen Mitteln geschehen darf, höchstens mit sanften Mitteln und anschließendem guten Ab- und Auswaschens der Reinigungsmittel aus dem Wasserbecken! Futter wird in Form verschiedenster kleiner bis mittelgroßer Insekten gereicht, zum Beispiel Heimchen (Acheta domestica), welche in fast jedem Zoofachhandel erhältlich sind. Bei unhygienischer Haltung, also zu hoher Keimzahl, sind die Rotaugenlaubfrösche oft sehr hinfällig.

Krankheiten

Falsche Haltung und unsachgemäßer Umgang sind oft Gründe für das Ausbrechen einer Krankheit. Die Abwehrkräfte der Terrarieninsassen werden durch falsches Klima, oft zu hohe Temperaturen, Überbesatz, mangelnde Hygiene und falsche Ernährung geschwächt. Außerdem vermehren sich bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit grundsätzlich viele Mikroorganismen besser, als bei geringer Temperatur und Luftfeuchte. Da dieses Klima beim Rotaugenlaubfrosch jedoch unumgänglich ist, muss extrem auf die Hygiene geachtet werden, denn besonders diese kleine Froschart ist sehr an- und hinfällig beim Ausbrechen einer Krankheit innerhalb des Bestandes im Terrarium. Oft treten Ödeme, Hautrötungen, Hautblutungen und Bauchwassersucht auf. Bei der Red-Leg-Disease sind die Gliedmaßen in der Regel gerötet. Zumeist ist für eine eindeutige Erkennung beim Ausbrechen einer Krankheit bereits alles zu spät, die Diagnose des Tierarztes durch Untersuchungen von Kot-, Schleimhaut- und Blutproben im Labor würde zu lange dauern, da die Tiere häufig bereits nach zwei Tagen allesamt eingegangen sind. Beim Ausbruch einer Krankheit trotz guter Hygienemaßnahmen sollten alle Individuen schnellstmöglich isoliert werden, dann könnte eine schnelle Erkennung und Behandlung einige Tiere retten. Dazu werden in Absprache mit einem Tierarzt die Tiere beispielsweise in Antibiotika-Bädern eingetaucht oder ihnen werden oral Antibiotika verabreicht. Hautrisse können mit Antibiotika in Puderform behandelt werden.

Auch Pilzerkrankungen sind nicht selten bei Lurchen in Gefangenschaft. Allerdings kann eine solche nur vom Tierarzt mittels mikroskopischer Untersuchungen festgestellt werden, zumeist heilt eine Pilzerkrankung mit einer entsprechenden Behandlung aber wieder aus, wirklich große Verluste sind nur selten zu fürchten.

Oft tritt auch das sogenannte Streichholzbeinchen, eine Verstümmelung der vorderen Gliedmaßen, auf. Diese kann die Folge einer Mutation im Erbgut oder auch eine Folge falscher Ernährung der Kaulquappen sein, zum Beispiel aufgrund mangelnder Vitamine im Laufe der Entwicklung. Auch kann die Wassertemperatur und allgemeine Wasserbeschaffenheit während des Kaulquappen-Stadiums der Grund der Verstümmelung sein.

Gefährdung und Schutz

Rotaugenlaubfrosch
vergrößern
Rotaugenlaubfrosch

Der Rotaugenlaubfrosch ist beim IUCN als "Least Concern", also (noch) nicht gefährdet aufgeführt. Bedroht ist er neben seinen natürlichen Prädatoren, vor allem durch die im Wasser, besonders durch Chemikalien, die negativen oder gar tödlichen Einfluss auf die Kaulquappen haben, durch das Einsammeln von Wildtieren für den Terraristikbedarf und ganz besonders durch den ständigen und fortschreitenden Rückgang der tropischen Regenwälder. Wenn das Abholzen und Niederbrennen der Regenwälder auf diesem bisherigen "Kurs" weiter geht, steht auch dem eventuellen Aussterben dieser Art womöglich nicht mehr viel im Wege. Geschützt wird der Rotaugenlaubfrosch vor allem durch den Verzicht auf Wildfänge oder anders gesagt: Kaufen sie sich nur Tiere, bei denen sie sich sicher sein können, dass es Terrariennachzuchten sind, bitte! Auch der Schutz der Regenwälder trägt zum Schutz dieses Frosches bei. Dazu gehört es auch, auf Tropenhölzer zu verzichten.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • GEO Themenlexikon: Tiere und Pflanzen: Geschöpfe, Arten, Lebensräume; Teil 1 / Bd. 33. ISBN 3765394638
  • GEO Themenlexikon: Tiere und Pflanzen: Geschöpfe, Arten, Lebensräume; Teil 3 / Bd. 35. ISBN 3765394652
  • Uwe Dost: Das KosmosBuch der Terraristik, Franckh Kosmos Verlag, ISBN 3-440-10129-0
  • Andrea Mertiny: Der Regenwald, Tessloff Verlag, ISBN 3-7886-0632-0
'Persönliche Werkzeuge