Rotbrauner Bandfüßer

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Rotbrauner Bandfüßer

Systematik
Klasse: Doppelfüßer (Diplopoda)
Ordnung: Bandfüßer (Polydesmida)
Familie: Polydesmidae
Gattung: Polydesmus
Art: Rotbrauner Bandfüßer
Wissenschaftlicher Name
Polydesmus angustus
(Latzel, 1884)

Der Rotbraune Bandfüßer (Polydesmus angustus), auch unter der Bezeichnung Großer Westlicher Bandfüßer bekannt, zählt innerhalb Familie der Polydesmidae zur Gattung Polydesmus. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Männchen erreicht eine Körperlänge von etwa 16,0 bis 21,0 (28,0) Millimeter und eine Körperbreite von etwa 2,0 bis 3,0 (3,4) Millimeter, während das Weibchen eine Körperlänge von etwa 15,0 bis 19,0 (22,0) Millimeter erreicht und eine Körperbreite von etwa 2,3 bis 3,0 (3,7) Millimeter. Der Körper ist glänzend braun oder rostbraun gefärbt und mit derben, zahnartig zugespitzten Rückenpatten und glattrandigen Seitenkanten versehen. Der Halsschild am Vorderrand fast gerade, an den Seitenwinkeln gerundet, die Fläche derb höckerig. Im Verhältnis zur Länge etwas schmal, die Rückenschilde über der Körperrundung nur wenig gewölbt, mit ziemlich großen, nur an dem Hinterrandwinkel etwas aufwärts gebogene Seitenlappen. Der Kopf glänzend, ein etwas tiefes Grübchen über jedem Vorderrandwinkel. Die Stirn gewölbt mit kerbartiger, sehr feiner Längsfurche, der Halsschild nicht so breit als der Kopf, am Vorderrand kaum wenig gerundet, an den Vorderrandwinkeln aber stark gerundet, an den Hinterrandwinkeln kaum oder nur wenig geschärft, am Hinterrand flach gerundet, ohne Schweifung.
Rotbrauner Bandfüßer
vergrößern
Rotbrauner Bandfüßer
In der Mitte am Vorderrand und am Hinterrand eine tiefe Querrinne, dazwischen eine nierenförmige Beule mit vier kleinen Höckerchen in einer Querreihe, am Vorderrand vor der Querrinne sehr feine Höckerchen, am Hinterrand stärkere, in Querreihen geordnet. Die drei Querreihen der Rückenpatten deutlich, die der zwei hinteren Reihen derber ausgedrückt als die der vorderen, die der zwei hinteren Reihen in ein zahnartiges Höckerchen sich ausspitzend. <1>


Die Seitenlappen an den Vorderrandwinkeln gerundet, am Hinterrand ausgebogen und in eine zahnartige Spitze verlängert, die Spitze der hinteren Schilde stufenweise größer, auch die Seitenränder etwas gerundet und nicht gezahnt, sondern glattkantig. Die äußere Beule der Seitenlappen kegelförmig. Zwischen dieser Beule und den geschärften Seitenkanten eine geglättete Rinne. Die innere Beule etwas aufgeblasen, auf dieser sehr feine Höckerchen auf der hinteren und vorderen Erhöhung. Der Endring wie gewöhnlich geschwänzt, oben und an den Seiten des Schwänzchens kleine Höckerchen mit einer Borste. Die Afterklappe etwas gewölbt, mit erhöhten Klappenrändern und mit einer ziemlich grossen Grube. Die Fühler lang, das zweite Glied fast so lang als das vierte, das dritte das längere, das Endglied verdickt, vom dritten an die folgenden seidenartig behaart. Kopf, Hals und Rückenschilde glänzend braun, die Seitenlappen kaum ein wenig heller, nur die, welche keine Saftlöcher haben, mit Ausnahme der vorderen, ins Erdfarbende oder Gelbliche übergehend. Die Unterseite heller als die obere, der Bauch der Länge nach gelblich weiß. Die Beine bräunlich mit weißlichen Hüften. Die Fühler braun, an den drei Endgliedern dunkler als der Körper, an den vorderen heller vom Gelblichen ins Braune übergehend. <2>

Lebensweise

Die einzigen Landstriche, auf denen Doppelfüßer nicht vorkommen, sind die Polarregionen. Sie sind nicht vor Austrocknung geschützt und außerdem lichtempfindlich. Aus diesen Gründen verlassen sie die feuchte Erde und die Unterschlüpfe nur in der Dämmerung oder in der Nacht und zu feuchten Zeiten. Sie kommen in Wald- und Wiesengebieten unter Rinden und in Baumstümpfen sowie in morschen Bäumen vor. In Trockengebieten werden die Doppelfüßer erst in der Regenzeit aktiv, außer bei Morgennebel, den die Tiere für ihre Aktivitäten nutzen.

Verbreitung

Rotbrauner Bandfüßer
vergrößern
Rotbrauner Bandfüßer

Der Rotbraune Bandfüßer kommt in folgenden Ländern vor: Deutschland, Norwegen, Dänemark, Niederlande, Belgien, Luxemburg, Tschechien, Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich, Großbritannien, Irland sowie Spanien.

Ernährung

Der Rotbraune Bandfüßer ernährt sich von Laubstreu und Holz. Gelegentlich nimmt der Rotbraune Bandfüßer auch Moos zu sich.

Fortpflanzung

Treffen zwei geschlechtsreife Tiere aufeinander, so wird das Männchen auf dem Rücken des Weibchens mit trommelnden Antennen das Weibchen stimulieren. Ist das Weibchen paarungsbereit wird sie ihn gewähren lassen, andernfalls rollt sie sich einfach zusammen. Das Männchen stülpt seine Gonopoden aus und schiebt sie in die Geschlechtsöffnung des Weibchens. Während der Paarung bewegen sie die Beine wellenförmig und betasten sich ständig mit den Antennen. Die Weibchen können das Sperma speichern und erst bei optimalen Umweltbedingungen zur Befruchtung der Eier einsetzen. Die Eier werden in eine Erdhöhle gelegt, die mit Sekret verhärtet oder ausgesponnen wird. Dies können zehn bis hundert Eier sein. Nach einigen Tagen bis Wochen schlüpfen die Larven. Sie sind durchsichtig und haben anfangs erst sieben Beinpaare, die sich von Häutung zu Häutung steigern. Bis zum elften Häutungsintervall ist das männliche Geschlecht ausgebildet und somit geschlechtsreif.

Weitere Synonyme

  • Polydesmus complanatus var. angustus - Latzel, 1884
  • Polydesmus verhoeffi angustatus - Attems, 1940
  • Polydesmus chapultepecus - Chamberlin, 1943
  • Polydesmus platynotus - Pocock, 1894
  • Polydesmus savonensis - Verhoeff, 1907
  • Polydesmus verhoeffi - Lohmander, 1925

Anhang

Literatur und Quellen

  • [1] [2] Die myriapoden: getreu nach der natur, abgebildet und beschrieben, Band 1 von Carl Ludwig C. Koch. Halle, Druck und Verlag von H. W. Schmidt. 1863
  • Heiko Bellmann: Der große Kosmos Tierführer - 1.000 Arten Mitteleuropas, Franckh Kosmos Verlag, ISBN 3-440-10093-6
  • Eisenreich, Handel und Zimmer: Tiere und Pflanzen; BLV Verlagsgesellschaft mbH, ISBN 3-405-16740-X
'Persönliche Werkzeuge