Rotbuche

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Rotbuche
Rotbuche (Fagus sylvatica)

Systematik
Klasse: Zweikeimblättrige (Magnoliopsida)
Unterklasse: Kätzchenblütige Pflanzen (Hamamelidae)
Ordnung: Buchenartige Gewächse (Fagales)
Familie: Buchengewächse (Fagaceae)
Gattung: Buchen (Fagus)
Art: Rotbuche
Wissenschaftlicher Name
Fagus sylvatica
Linnaeus, 1753

Die Rotbuche (Fagus sylvatica) zählt innerhalb der Familie der Buchengewächse (Fagaceae) zur Gattung der Buchen (Fagus). Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde sie im Jahre 1753 von dem schwedischen Naturwissenschaftler Carl von Linné. Im Englischen wird die Rotbuche European beech oder Common beech genannt. Für das Jahr 1990 wurde die Art zum Baum des Jahres gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Botanik

Pflanzenbeschreibung

Wuchs, Stamm und Krone
Die Rotbuche ist ein großes Laubgehölz. Sie erreicht in einem Wald in der Regel eine Wuchshöhe von um die 20 Metern, kann jedoch deutlich darüber liegen. Maximal ist eine Höhe zwischen 30 und 40 Metern, einigen Literaturangaben zufolge sogar bis 45 Metern Höhe vom Boden bis zur Spitze der Krone zu erwarten. Der Stamm wächst gerade nach oben. Er weist eine glatte,
Keimling der Rotbuche
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Keimling der Rotbuche
dünne Borke (äußerste Schicht der Rinde) mit einer grauen bis silbergrauen, bei Algenbewuchs graugrünen Färbung auf. Bei jüngeren Rotbuchen kann die Borke des Stammes etwas rötlich sein. Sein Umfang kann weit über drei, der Stammdurchmesser 1,5 bis zwei Meter betragen, in der Regel jedoch weniger. Die Borke der Unterart Fagus sylvatica quercoides, der Steinbuche, ist rissig und dicker. Der Stamm verzweigt sich zumeist in einer gewissen Höhe zu mehreren dicken Ästen. Bei großen, alten Rotbuchen im Wald, die entfernt von Wegen, Lichtungen und dem Waldrand stehen, liegen die ersten begrünten Äste in der Regel in großer, teilweise über 20 Metern Höhe. Im Gegensatz dazu sind einzelne Rotbuchen auf Feldern nahezu rundum begrünt und die laubtragenden Äste beginnen in greifbarer Höhe. Der Grund dafür ist das Sonnenlicht. Im Wald dringt das Sonnenlicht kaum durch das Kronendach, Blätter unterhalb der Baumkronen würden nicht effektiv genug Energie durch Fotosynthese produzieren, aber dennoch Energie verbrauchen. Also werden unterhalb der Kronen keine Laubblätter gebildet. Auf einem Feld jedoch kann ein einzeln stehender Baum den ganzen Tag lang Sonnenlicht aufnehmen, von der Baumspitze bis zum Boden. Hier lohnt es sich für den Baum also eine umfangreiche, kegelförmige Krone anzulegen. Die Kronen der Rotbuchen in den alten Wäldern sind flach, oft eher waagerecht und auf der Oberseite tellerartig ausgebreitet, um das Sonnenlicht über möglichst große Fläche aufnehmen zu können. Die Krone steigt von den Seiten beispielsweise trichterförmig nach oben. Auf diese Weise wird auch der Abstand zu anderen Bäumen gehalten. In jüngeren Wäldern ist die Krone oftmals eher senkrecht aufgebaut. Selten erreicht die Baumkrone einen Durchmesser zwischen 20 und über 30 Metern, durchschnittlich liegt der Durchmesser zwischen acht und 20 Metern. Die Laubkrone einer einzeln als Solitärpflanze gepflanzten Rotbuche kann je nach Sonnenstand bis weit über 600 Quadratmeter auf einmal beschatten. Rotbuchen an Weg- und Waldrändern sind auf der sonnenreicheren Seite wesentlich stärker und weiter in Richtung des Bodens begrünt, als auf der dem Schatten zugewandten Seite. Der Stamm geht entweder gerade in den Boden und in das Wurzelwerk über oder endet auf dem Boden in einer Art breitem Fuß, der durchaus deutlich über zwei Meter Durchmesser haben kann, auch wenn der Stammdurchmesser etwa in Schulterhöhe nur knapp 1,5 Meter beträgt. Dieser Fuß des Stammes ist der tiefste, oberirdische Teil des Baumes und der Übergang zum Wurzelwerk. Er kann große Löcher und Bögen aufweisen, welche auch als Verstecke für verschiedenste kleinere Waldtiere dienen können. Zusammen mit der Stieleiche (Quercus robur) und ferner auch mit der Traubeneiche (Quercus petraea) ist die Rotbuche der größte einheimische Laubbaum.

Es gibt verschiedene Mutationen hinsichtlich des Wuchses. Einige beispielsweise wachsen sehr kurzstämmig und nicht hoch, gehen dafür aber beeindruckend in die Breite und bilden gewaltige Kronen mit dicken, verdrehten Ästen (sog. Süntelbuche) aus oder lassen ihre Äste vom Stamm aus im Bogen zum Boden herabhängen (sog. Hänge- oder Trauerbuche). Daneben gibt es noch einige weitere Varietäten und Züchtungen, zum Beispiel solche, die ihr Leben lang nicht größer als zwei oder drei Metern werden und somit auch für kleinere Gärten geeignet sind.

Laub
Die Rotbuche treibt etwa ab Ende April oder Anfang Mai ihr Laub aus. Die Zeige der Baumkrone wachsen in dieser Zeit etwa einen Halben Meter. Die für den Blattaustrieb benötigte Energie wird aus einem Glucosevorrat aus dem letzten Jahr gezogen. Anfangs hängen die Blätter der Rotbuche noch schlapp nach unten und ähneln denen der Hainbuche (Carpinus betulus) aus der Familie der Birkengewächse (Betulaceae) noch stärker, da sie in noch nicht voll ausgebreitetem Zustand ein ähnliches Aussehen aufweisen. Allerdings lassen sich beide Arten leicht anhand der am Blattrand stark gezahnten Kanten bei der Hainbuche unterscheiden, wenn man die jungen Blätter mit der Hand vorsichtig auseinander dehnt. Die Blätter der Rotbuche sind ledrig, anfangs hell, später sehr dunkel, glänzend grün auf der Oberseite, die Unterseite bleibt heller. Sie zeigen in voll ausgebildetem Zustand allgemein eine ovale Form auf und können bis zehn Zentimeter lang werden, sie sind kurz (bis etwa 0,5 Zentimeter) gestielt. Das Laubblatt einer Rotbuche ist vorne spitz zulaufend und hinten stumpf, es ist ganzrandig, nicht gezahnt und am Rand etwas wellig, jedoch nicht gebuchtet, wie bei den meisten Arten der Eichen (Quercus).
Rotbuche: Laub
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Rotbuche: Laub
Etwa ab Mitte bis Ende Oktober färbt sich das Laub bis in den November. Die Herbstfarbe ist zumeist leuchtend gelb, orange oder rot-orange. Im Laufe des November werden alle Blätter abgeworfen, einige braune, welke Blätter bleiben über den Winter am Baum. Die Blätter werden über den Winter abgeworfen, um den Baum vor Austrocknung zu schützen, denn die Blätter verdunsten ständig Wasser. Ist der Boden nun gefroren, während die voll entwickelten Blätter daran hängen, kann kein Wasser mehr nachkommen und der Baum würde austrocknen. Man kann an der Rotbuche bei den Blättern zwischen größeren und etwas helleren Schattenblättern und kleineren, dunkleren und ein wenig dickeren Sonnenblättern unterscheiden. Schatten- und Sonnenblätter sind an die jeweiligen Lichtverhältnisse angepasst (Sonnenblätter auf dem Dach der Baumkrone in vollem Sonnenlicht; Schattenblätter in tieferen Ebenen der Krone, mit weniger Lichtausbeute), um das Licht bestens nutzen zu können. Im Laufe des Sommers kann bei der Rotbuche ein Johannistrieb, also ein zweiter Blattaustrieb, zu beobachten sein. Es gibt verschiedene Mutationen unter den Bäumen, eine davon sind die sogenannten Blutformen, die von einigen Baumarten bekannt sind. Bei der Rotbuche kommt diese Mutation ebenfalls vor, man bezeichnet die entsprechenden Bäume als Blutbuchen. Ihr Laub weist eine dunkelrote, gelegentlich fast schwarzrote Färbung auf. Zurückzuführen ist diese Mutation auf das Fehlen eines Enzyms, welches bestimmte pflanzliche Farbstoffe, die sogenannten Anthocyane, im äußeren Teil der Blatthaut, der Epidermis, abbaut. Eigentlich ist die Epidermis durchsichtig, eben weil die Farbstoffe von dem Enzym abgebaut werden. Durch das Fehlen des Enzyms reichern sich die Farbstoffe in der Epidermis an und überdecken die grüne, chlorophyllhaltige Schicht des Blattes.
Blüte der Rotbuche
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Blüte der Rotbuche
Weitere Formen mit interessantem Laub sind ´Asplenifolia´, welche schmale Blätter mit tief eingeschnittenen und schlanken Lappen aufweist, ´Riversii´ mit tief violett farbenen Blättern, welche durch Pfropfung vermehrt wird, um die Laubfarbe beizubehalten sowie ´Zlatia´, welche als Jungpflanze erst gelbliches, über den Sommer tief grünes und im Herbst kräftig gelbes Laub trägt.
Fortpflanzung
Ab einem Alter zwischen etwa 20 und 50 Jahren können Rotbuchen Blüten ausbilden. Zusammen mit dem Laub öffnen sich ihre Blüten aus den braunen, spindelförmigen und spitzen Knospen, welche jeweils von zwei oder drei schuppig angeordneten Hüllblättern umgeben sind. Da die Rotbuche durch den Wind bestäubt wird und damit nicht auf Tiere wie Insekten (Insecta) angewiesen ist, sind die Blüten recht unscheinbar. Die Blüten stehen in Büscheln mit weiblichen und Büscheln mit männlichen Blüten, nicht in gemischten Büscheln. Die drei bis fünf Zentimeter langen, männlichen Blüten hängen herab und bestehen hauptsächlich aus den Staubblättern. Die weiblichen Blüten stehen aufrecht und haben je drei rötliche bis rosafarbene Narben. Fagus sylvatica ist einhäusig, das heißt, an einem Baum kommen männliche und weibliche Blüten vor. Die männlichen Blüten produzieren in den Staubbeuteln ihrer schnell herangereiften Staubblätter die männlichen Keimzellen, den Pollen. Noch bevor das Laub völlig entfaltet ist, entlassen die männlichen Staubbeutel die Pollenkörner zu Tausenden, so kann der Wind die Pollen in Form von "Pollenwolken" ungehindert durch die Kronen der Bäume zu den Weiblichen Blüten tragen. Weil die Rotbuche zu den Bedecktsamern gehört, ist die weibliche Samenanlage völlig in einem Fruchtknoten eingeschlossen. Damit ist ein Pollenkorn, das auf einem Griffel einer weiblichen Blüte gelandet ist, gezwungen, einen Pollenschlauch in den Fruchtknoten hineinwachsen zu lassen. Ist das Pollenkorn in eine Verbindung mit der Eizelle im Inneren des Fruchtknotens eingegangen, ist die Befruchtung und die Zusammenfuhr der Erbanlagen geglückt. Nun bildet sich ein Samen, der reich an Oxalsäure ist und Trimethylamin ("Fagin") enthält, was ihn leicht giftig macht. Er wird während seiner Entwicklung von der Fruchtknotenwand vor Fressfeinden und Austrocknung geschützt. Die Fruchtknotenwand bildet später die Schale der Frucht, also von der Buchecker. Damit die Bucheckern reifen können, muss das Laub sich erst vollständig entwickelt haben, erst dann kann genügend Energie aufgebracht werden. Nach einem besonders günstigen, warmen und trockenen Sommer produziert die Rotbuche sehr große Mengen an Bucheckern. In den jüngeren Folgejahren fällt die Bucheckernproduktion jedoch dann auch unter günstigen Bedinungen geringer aus. Über den Sommer und vor allem im Herbst füllen sich die Bucheckern mit fettreichen Reservestoffen und Glucosen (Zucker). Oft werden sie von einigen Waldieren bereits fortgetragen und gefressen, bevor sie zu Boden fallen. Einige Tiere Verstecken die Buchenfrüchte äußerst gerne als Wintervorrat, vergessen über den Winter jedoch viele Verstecke und tragen somit auch zur Verbreitung der Rotbuche und zur natürlichen Verjüngung des Waldes bei. Der Keimling, der mithilfe des Glucosevorrats gekeimt ist, hat zwei fleischige Keimblätter. Jungbäume der Rotbuche sind in der Lage, im Schatten der großen Bäume zu leben. Über Jahrzehnte können sie in der Strauchschicht des Waldes wachsen.
Fuß einer knapp 30 Meter hohen Rotbuche
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Fuß einer knapp 30 Meter hohen Rotbuche
Macht ein alter Baum Platz, beginnt unter den Jungbäumen ein knadenloser Konkurrenzkampf um den frei gewordenen Platz. Nur die stärksten nehmen den Platz ein, es setzen sich nur wenige Bäume bis in die oberste Kronenschicht durch, manchmal nur ein einziger.
Wurzel

Die Rotbuche verfügt über ein Herzwurzelsystem. Dieses weist eine sehr hohe Feinwurzeldichte auf. Die Tiefe, in die die Wurzel vordringt, hängt stark von dem Durchlüftungszustand des Bodens ab. Ist der Boden gut durchlüftet, wurzelt sie relativ tief und steht feste, auf Tonböden und bei Staunässe bildet sie jedoch sehr flache Wurzeln aus und es besteht die Gefahr eines Windbruchs. Die Wurzel eines Baumes erfüllt neben der Aufgabe, für halt zu sorgen, auch die Aufgabe der Wasserbeschaffung sowie der damit verbundenen Nährstoffaufnahme aus dem Boden. Das Wasser wird dazu durch bestimmte Zellen der Wurzeln aufgenommen und hoch in den Stamm und das Laub geleitet. Allerdings ist es nicht so, dass die Wurzel das Wasser hoch durch den Stamm pumpt (der Wurzeldruck ist viel zu gering), sondern vielmehr dass das Wasser wie durch einen Strohhalm nach oben gesaugt wird. Grund dafür ist ein Transpirationssog. Aus den Blättern des Baumes verdunstet ständig Wasser durch verschließbare Spaltöffnungen, wobei in den Kanälen für den Wassertransport ein Vakuum entsteht, welches weiteres Wasser nach oben zieht. Eine Rotbuche kann bis 400 Liter, große Exemplare 600 bis etwa 1.000 Liter Wasser am Tag verdunsten.

Verbreitung

Die Rotbuche hat europaweit ein großes Verbreitungsgebiet. Das natürliche Vorkommen reicht heute vom südlichen Skandinavien im Norden bis an das Mittelmeer im Süden. Je nach Klimabedinungen kommt die Art bis in unterschiedliche Höhen vor, zwischen 800 und 1.000 Metern über dem Meeresspiegel beträgt ihre Höhenverbreitung. Die West-Ost-Ausbreitung reicht von der Atlantikküste Frankreichs bis hin in den Osten Polens. In den sehr heißen und trockenen Gebieten Südosteuropas und Westeuropas (Portugal und Spanien) fehlt die Rotbuche weitestgehend, in Spanien kommt sie nur im Norden entlang der Küstenregionen des Atlantiks vor. Der Grund für das Fehlen der Rotbuche in den heißen und trockenen Gebieten ist ihre Anfälligkeit gegenüber der Trockenheit, sie bekommt schnell Schwierigkeiten mit der Wasserversorgung, da ihr Laub schlecht gegen die Verdunstung geschützt ist und sie die Spaltöffnungen schließen muss, um sich vor der Austrocknung zu schützen. Dies ist auch der Grund dafür, dass die Biomasse-Produktion der Rotbuche ihren Höhepunkt nicht im warmen Sommer erreicht, denn umso wärmer es ist, umso geschlossener halten sich die Spaltöffnungen, was zum Nachteil hat, dass weniger Wasser verdunstet (also weniger Transpirationssog = weniger Wasser aus dem Erdboden). Die Häufigkeit von Reinbeständen der Rotbuche nimmt klimabedingt nach Osten zu ab, vor allem in Polen. Große Bestände mit Rotbuchen in Form zusammenhängender, natürlicher Waldgebiete findet man heute noch in der Bundesrepublik Deutschland zum
Laubmischwälder mit vorrangigem Rotbuchenbestand im Nationalpark Hainich
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Laubmischwälder mit vorrangigem Rotbuchenbestand im Nationalpark Hainich
Beispiel noch auf der Ostseeinsel Rügen, im Hainich in der Mitte Deutschlands (der Hainich ist der größte zusammenhängende, deutsche Laubwald), im Bayerischen Wald im Südosten der Bundesrepublik sowie im Kellerwald im nördlichen Hessen und in einigen anderen Gebieten.

Standort

Die Rotbuche ist allgemein äußerst anpassungsfähig. Allerdings hat auch sie Vorlieben für den Boden. Sie bevorzugt gut drainierte, mäßig fruchtbare und kalkreiche Böden, deren Säuregrad (pH-Wert) auf der pH-Skala (von 0 bis 14; 7 neutral; unter 7 sauer und über 7 alkalisch) knapp unter 7 liegt, also leicht sauer ist. Staunässe meidet dieser Baum. Rotbuchen weisen im jungen Alter gegenüber Schatten eine äußerst große Toleranz auf, sie gehören zu den wenigen Pflanzen, die im Schatten großer Rotbuchen-Reinbestände wachsen können. In fortgeschrittenerem Alter steigt der Bedarf an Sonnenlicht allerdings, nicht zuletzt wegen der beginnenden Produktion von Bucheckern. Die Blutbuchen benötigen volles Sonnenlicht, um eine möglichst kräftige Blattfarbe ausbilden zu können, Rotbuchenzüchtungen und -mutationen mit gelblichem Laub sollten im Halbschatten stehen. Die Rotbuche ist auf feuchte Gebiete mit regelmäßigem Regenniederschlag, im Jahresdurchschnitt nicht zu tiefer Temperatur und nicht zu hohen Temperaturen mit länger anhaltender Trockenheit über den Sommer angewiesen, auf die Dauer verträgt sie diese Klimabedinungen nicht.

Heilpflanze

Inhalts- und Wirkstoffe

Neben dem bereits erwähnten, gesundheitsschädlichem Trimethylamin (C3H9N), das auch als "Fagin" bekannt ist und in den Bucheckern in einer geringen Konzentration vorkommt, und dem hohen Gehalt an Oxalsäure (C2H2O4) in den Baumfrüchten sind in dem Holz des Baumes Öle, das in rohem und reinem Zustand mindergiftige Guajacol (C7H8O2) und (ebenfalls giftige) Kresole aufzufinden. Hauptsächlich diese Stoffe können für die medizinische Wirkung verantwortlich gemacht werden. Für medizinische Zwecke wird nahezu ausschließlich der Buchenteer genutzt, pharmazeutisch als Fagi pix (dt. „der Teer der Buche“; Altlatein: Pix Fagi) bezeichnet.

Heilwirkung und Anwendung

Als Einreibung oder als Salbe fand die Rotbuche früher Anwendung bei unterschiedlichen Hautleiden. Aber auch bei Gicht und rheumatischen Beschwerden wurde sie durchaus mit Erfolg
Frucht der Rotbuche: die Buchecker
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Frucht der Rotbuche: die Buchecker
verwendet. Allerdings wird die Rotbuche heutzutage kaum noch in der Schulmedizin verwendet und auch in der Homöopathie und in der Naturheilkunde findet sie kaum Verwendung.

Holzindustrie

Forstwirtschaft

Die Rotbuche erreicht ein Alter von inetwa 150 bis 300 Jahren, in seltenen Fällen wird sie bis 500 und laut einigen, fraglichen Angaben sogar bis maximal 900 Jahre alt. Weil sie nur in den ersten Jahrzehnten relativ schnell wächst und mit höherem Alter nur noch langsam, wurde sie vom Menschen weitestgehend durch allgemein schneller wachsende Baumarten ersetzt, beispielsweise durch die Fichte (Picea abies). Allerdings ist ihr Holz wertvoll, weshalb sie doch bis heute Verwendung findet. Die Wachstumsgeschwindigkeiten der Art kommen einigen Wirtschaftformen nur recht, sie brauchen das Holz junger Bäume. So etwa die Haubergswirtschaft des Siegerlandes und des Lahn-Dill-Berglandes, ferner auch des Sauerlandes, bei der es auf die Gewinnung von Gerblohe, Holzkohle und Brennholz ankam und ankommt. Dabei wird der Wald in sogenannte Lose eingeteilt, welche dann nach der Zuteilung der Lose bewirtschaftet werden. Ein Los wird nach etwa 16 bis 20 Jahren kahlgeschlagen, einige Bäume bleiben stehen. Rotbuchen sind machen nur einen kleinen Teil der Haubergsbäume aus, zumeist sind es andere Arten (z. B. Eichen). Beim Kahlschlag messen die Buchen einen Stammdurchmesser von etwa 15 bis 25 Zentimetern und knapp acht bis 12 Metern Höhe. Das Holz wird auf circa einen Meter geschnitten und dann zumeist vorerst im Wald, je nach dem unter Schutz durch Planen, gestapelt. Es existieren mancherorts auch Flächen mit Reihenpflanzungen der Rotbuche. Oft lässt man die Rotbuche jedoch ohne Reihenpflanzungen wachen, häufig pflanzt man aber dennoch nach, um für möglichst viel Ertrag zu sorgen. Um Bauholz zu bekommen, müssen alte Wälder mit altem Buchenbestand bewirtschaftet werden. Sie weisen in der Regel einen weitestgehend naturnahen Wuchs auf. Um wirtschaftlich wertvolle Bäume garantieren zu können, ist eine regelmäßige Durchforstung der Rotbuchenwälder nötig. Die Buchen der Hallenwälder liefern wertvolles Holz für den Möbelbau, da die Bäume im unteren Teil unbeastet sind. Es kommt jedoch auf den Abstand der Bäume an, je nach Abstand werden unterschiedliche Kronen ausgebildet. Unter extremem Konkurrenzdruck bilden die Bäume unregelmäßige Kronen, was starke Spannungen im Holz hervorruft, aufgesägtes Holz arbeitet stark nach und spaltet oder verzieht sich gegebenenfalls. Weit auseinander stehende Bäume verasten stark, das Holz wird ungeeignet für eine hochwertige Verwendung.

Holzeigenschaften

Der Name der Rotbuche stammt von dem Holz, welches an der Schnittstelle in frischem Zustand leicht rötlich gefärbt ist, nicht, wie oft angenommen, von der gelegentlich leicht rötlichen (letztendlich dennoch mehr orange-gelben) Färbung des Laubes im Herbst. Das feinporige, gleichmäßig gemaserte und gut bearbeitbare Holz der Rotbuche weist nur einen geringen Anteil an Gerbsäure auf, ist also für die Verwendung im Freien ungeeignet. Bei der Rotbuche wird stark verzögert Kernholz ausgebildet. Das ist ein falscher Kern, der sich in den Holzpartien bildet, in
Holzstapel, Rotbuchenholz
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Holzstapel, Rotbuchenholz
denen im Stamm der Gehalt an Wasser bis unter circa 60 Prozent abgenommen hat. Wirtschaftlich und auch verarbeitungstechnisch ist kernhaltiges Buchenholz eher nachteilig. Allerdings steigt die Nachfrage nach solchen Kernbuchen für speziellen Gebrauch in der Möbelherstellung. Buchenholz hat eine große Härte, ist äußerst biegfest und kann aufgrund kurzer Holzfaserlänge durch Dämpfung elastisch gemacht werden. <1>

Verwendung des Holzes

Das Holz der Rotbuche findet eine vielfältige Verwendung. Da es gute Brennqualität hat, wird es als Brennholz verwendet. Außerdem verwendet man es zur Herstellung von Parkett, Furnieren sowie beim Bau in Form von Brettern, Balken und Ähnlichem und verarbeitet es zu Möbeln. Die Möbelindustrie verwendet das Holz der Rotbuche bei Betten, Schränken, Tischen und Schreibtischen, Regalen, Stühlen und vielen anderen. Michael Thonet erarbeitete 1830 ein Verfahren zum Biegen des Buchenholzes und stellte mit dem die heute weltweit bekannten Thonet-Stühle her. Von großer Bedeutung ist die Rotbuche auch in der Zellstoffindustrie, wo ihr Holz zu Papier, Karton, Filtertüten, Watte, Papiertaschentüchern, Hygieneprodukte (Tampons, ect.) und viele weitere Produkte verarbeitet wird. Des Weiteren verarbeitet man das Holz zu Spielzeugprodukten.

Rotbuchen im Winter
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Rotbuchen im Winter

Ökologie

Geschichte

In diesem Absatz soll bis auf das Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren zurückgeblickt werden. Zu dieser Zeit stand in dem gesamten Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland kaum ein Baum, im zentralen Mitteleuropa konnten in den Weiten der Tundra lediglich Flechten, Moose sowie einige kleine Sträucher wachsen und gedeihen. Die Bildung vereinzelter Wälder begann wohl erst mit dem Verschwinden der letzten Eisdecken. Zu den Pionieren zählten damals (wie auch heute auf neuen Waldflächen, zusammen mit anderen Baum- und Buscharten) vor allem Birken (Betula), aber auch Kiefern (Pinus). Etwa um das Jahr 5.000 vor Christus hatten Eichen (Quercus) die Birken-Kiefern-Wälder in weiten Teilen des Gebietes abgelöst, langsam setzten sich nun auch empfindlichere Baumarten durch, unter anderen Ahorne (Acer), Linden (Tilia), Eschen (Fraxinus) und Ulmen (Ulmus). Die Rotbuche zog vor etwa 5.000 Jahren in die Gebiete ein und verdrängte in großflächigem Ausmaß Eichen und andere Waldbäume. Zur damaligen Zeit waren etwa 90 Prozent der heutigen deutschen Fläche mit Wald bedeckt. Im Mittelalter begann die Nutzung des Waldes in größerem Umfang stattzufinden, Wälder wurden gerodet, Äcker wurden angelegt und Eichenwälder wurden für die Schweinemast genutzt. Der Wald musste Häusern und Siedlungen weichen, Bauholz fand sich schnell nur noch in Hochwäldern, Niederwälder wurden für Brennholz und den Gewinn von Flechtmaterial verwendet. Im 19. Jahrhundert löste die Kohle viele Aufgaben des Holzes ab und große Waldflächen verloren ihre Aufgabe. Forste mit dichtem Monokulturbestand an Fichten (Picea) wurden angelegt, um mehr Ertrag für das Grubenholz zu erzielen. Die Fichte verdrängte somit durch den Eingriff des Menschen in ihre Verbreitung viele Bäume. Allerdings weist sie eine geringe Widerstandkraft gegenüber Wind auf und ihre Wurzeln sind für anderen Boden ausgebildet, würde der Mensch die Eingriffe in Fichtenwaldbestand sofort abbrechen, wäre die Fichte in den Mittelgebirgen der erste Baum, der weitestgehend von der Landkarte verschwinden würde. Heute werden wieder naturnahe Mischwälder angestrebt. Die große Erkenntnis über die Geschichte des Waldes kann man mittels mikroskopischer Analysen aus konservierten Pollen verschiedenen Gesteins und Torfschichten ermitteln.

Herbstlaub der Rotbuche
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Herbstlaub der Rotbuche

Waldbauliche Eigenschaften

Ökologisch gesehen ist es so, dass der Boden bestimmt, welche Bäume auf ihm wachsen und die Bäume bestimmen, was unter ihnen wächst. Sind die Bedingungen des Bodens ausreichend für die Rotbuche, wird sie sich zu einer dominierenden Baumart entwickeln. Sie verdrängt nahezu alle anderen Baumarten, selbst die ebenfalls mächtigen Eichen. Dies jedoch liegt weniger an der Größe der Rotbuche, es liegt vielmehr daran, dass sie sich unter den gegebenen Bedinungen besser entwickeln kann, als alle anderen Laub- und Nadelbäume Mitteleuropas. Während die jungen Eichen (Quercus) im Schatten der Rotbuchen mangels Licht eingehen, weil sie einen hohen Bedarf an Sonnenlicht haben, entwickeln sich Rotbuchen im Schatten ihrer Artgenossen brächtig. Auch ohne menschliche Eingriffe kommt es zu Monokulturen (nur eine einzige, vorherrschende Baumart in einem Wald). Damit bildet die Rotbuche so ziemlich als einzigster Laubbaum in den Mittelgebirgen auf natürliche Weise Monokulturen aus. Grund dafür ist, dass sie nach und nach die anderen Baumarten verdrängt, indem sie deren Jungpflanzen das Licht raubt. Dies führt dazu, dass regelmäßig sogenannte Rotbuchen-Hallenwälder zu beobachten sind. Dies sind Waldformen, in denen die Rotbuche ein extrem dichtes Kronendach ausbildet. Darunter wachsen keine anderen Baumarten außer einige kleinere Rotbuchen. Dies lässt den Wald als eine riesige Halle, mit bis unter die Kronen kahlen Stämmen als mächtige Säulen, die das Dach tragen, erscheinen. Zum Boden dringt dann unter Umständen nur noch ein Prozent des Sonnenlichtes durch. Hier ist dem entsprechend kaum eine Strauchschicht vorhanden, sie wird stellenweise von jungen Rotbuchen gebildet. Außerdem finden sich in der Strauchschicht solcher Waldformen noch einige sehr wenige andere Sträucher, beispielsweise das Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus).

Die Rotbuche und andere Pflanzen

Durch ihre bei günstigem Boden extreme Durchsetzungskraft und dem daraus hervorgehenden, großen Einfluss auf den Waldbau, bestimmt die Rotbuche auch das Wachstum und Vorkommen vieler anderer Pflanzen. Mit der Zeit verdrängt sie die anderen (unterlegenen) Baumarten. Dann sind im Sommer in den Hallenwäldern kaum noch andere Pflanzen zu beobachten, es ist dunkel und unterhalb der Kronen grünt es nur wenig. Allerdings drügt der Schein einer nahezu pflanzenlosen Strauch- und Krautschicht. Insbesondere je nach Bewuchs der Krautschicht unterscheidet man verschiedene Typen von Buchenwäldern.
Allee
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Allee
Der Hainsimsen-Buchenwald ist eine davon. Auf nährsalzarmen und sauren Böden im Bergland findet man in der Krautschicht Hainsimsen (Luzula), Draht-Schmiele (Deschampsia flexuosa), Sauerklee (Oxalis) und Zweiblatt (Listera) sowie einige andere. Ein anderer Typ von Rotbuchenwald ist der Perlgras-Buchenwald, der vor allem auf den Lehm- und Lößböden des norddeutschen Tieflandes und in kalkreichen Mittelgebirgslagen entstehen kann. Hier kann die (botanische) Artenvielfalt, die sogenannte Biodiversität, höher sein, als im Hainsimsen-Buchenwald. Unter anderem kommen hier einige Perlgräser (Melica) (vor allem Einblütiges Perlgras), Waldmeister (Galium odoratum), Goldnessel (Lamium galeobdolon), Waldveilchen (Viola reichenbachiana), Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis), Buschwindröschen (Anemone nemorosa), Hain-Rispengras (Poa nemoralis), Glockenblumen (Campanula), Bärlauch (Allium ursinum), Hohe Schlüsselblume (Primula elatior), Sanikel (Sanicula), Aronstab (Arum), Lerchensporne (Corydalis) und viele andere Kräuter vor. Im Orchideen-Buchenwald, der vor allem in Süddeutschland und an machem Südhang eines Kalkberges in Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen vorzufinden sein kann, finden sich nahezu die gleichen Kräuter, wie im Perlgras-Buchenwald. Allerdings können hier einige weitere, in den Augen vieler Naturfreunde besondere Schönheiten der heimischen Flora vorkommen. Damit sind verschiedene Orchideen (Orchidaceae) gemeint. Dies können zum Beispiel Weißes Waldvöglein (Cephalanthera damasonium) und Rotes Waldvöglein (Cephalanthera rubra) oder einige der Knabenkräuter (Orchis) sein. Charakteristisch für die meisten Pflanzen in der Krautschicht der Rotbuchenwälder ist die Tatsache, dass sie größtenteils Frühblüher sind. Grund dafür ist das Licht, was je nach Dichte des Laubes der Baumkronen an Intensität variiert. Je nach Jahrezeit tragen die Rotbuchen unterschiedlich dichtes Laub, im Januar / Februar liegt die Lichtintänsität am Boden zwischen 90 und 100 Prozent, da es fehlt. Über den März hält sich dies noch und auch über den April ist die Lichtausbeute noch groß. Von Mai bis Juni sinkt sie jedoch extrem, Ende Juni ist das Minimum von minimal zwei (ein) Prozent Lichtintänsität am Waldboden erreicht. Von Mitte Oktober an steigt mit dem Fallen der Blätter die Lichtausbeute wieder an, bis sie im Winter bis Frühjahr wieder ihren Höhepunkt erreicht. Frühblüher sind Pflanzen, die im Frühjahr die noch große Lichtausbeute ausnutzen. Das Buschwindröschen beispielsweise zeigt sein grünes Laub bereits ab Mitte Februar, es beginnt dann mit der Fotosynthese und der Energiegewinnung für die Blüte und Samenproduktion. Von April bis Mai blüht es dann. Bis zum Juni sind die oberflächlichen Pflanzenteile dann wieder verschwunden. Ähnlich, aber mit durchaus längerer Blütephase verhält es sich bei Pflanzen wie dem Scharbockskraut. Der Sauerklee hingegen weist das gesamte Jahr über Laubblätter auf, blüht jedoch nur von Mitte April an bis in den Mai hinein. Wenn die Bäume ausschlagen,
Große und alte Rotbuche
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Große und alte Rotbuche
lohnt es sich für die meisten nicht mehr, Energie in das Wachstum zu stecken oder Fotosynthese zu betreiben. Frühblüher verfügen über gute Vorratsspeicher für die ersten Tage der neuen Wachstumsperiode im Frühjahr.

Beziehungen zu den Tieren

Die Rotbuche stellt für viele Tiere eine Nahrungsquelle dar. Unzählige Waldtiere fressen die herabgefallenen oder noch hängenden Bucheckern oder auch das grüne Laub. Darunter etliche Vögel (Aves) des Waldes, Wildschweine (Sus scrofa) und nicht zu vergessen auch sehr viele Insekten (Insecta) oder deren Larven. Vor allem Eichelhäher (Garrulus glandarius), Europäische Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) und einige Nagetiere (Rodentia), beispielsweise die Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis), fressen die Buchenfrüchte gerne von den Ästen aus. Eichhörnchen, Gelbhalsmäuse und einige weitere kleine Säugetiere (Mammalia) legen sich auch Vorratslager mit Bucheckern über den Winter an. Viele der Verstecke werden jedoch vergessen. Die vergessenen Bucheckern haben nun im günstigsten Fall ideale Bedinungen zur Keimung. Auf diese Art und Weise tragen die entsprechenden Tiere erheblich zur Ausbreitung der Rotbuche sowie zur natürlichen Verjüngung des Waldes bei. Um für ein Gleichgewicht bei der Verwertung der Bucheckern und deren Produktionsmengen zu sorgen, kommt es unter Rotbuchen regelmäßig zu sogenannten Mastjahren. Das sind Jahre, in denen nach einem besonders warmen und trockenem Sommer übermäßig viele Bucheckern produziert werden. Da dies jedoch sehr viel Energie kostet, kommt es die nächsten paar Jahre auch unter günstigen Bedinungen nicht zu einem weiteren Mastjahr. Außerdem wäre damit das durch die eigentlich unregelmäßigen Mastjahre hergestellte, erwähnte Gleichgewicht nicht mehr vorhanden, denn die Waldtiere würden ihre Fortpflanzungsrate dem höheren Nahrungsangebot anpassen, dem entsprechend würde wieder im gleichen Verhältnis gefressen und produziert. Die Mastjahre dienen den Bäumen, um gelegentlich eine höhere Anzahl an Jungbäumen sicher zu stellen. Die Rotbuche stellt aber nicht nur Nahrung für viele Tiere bereit, sie bildet oft auch Lebensraum. Unzählige Vogelarten, beispielsweise diverse Spechte (Picidae), sind auf lebende, stehend sterbende oder stehend tote Laubbäume angewiesen, um darin ihre Nistplätze anlegen zu können. Einige Insekten, insbesondere bestimmte Käfer (Coleoptera), sind auf Rotbuchen spezialisiert, die Larven ernähren sich nur von totem oder geschwächtem Buchenholz. Unter der Rinde toter Rotbuchen finden sich unmengen an Gliederfüßern (Arthropoda), die sich von dem toten Holz ernähren (zum Beispiel der Schwarze Schnurfüßer (Cylindroiulus caeruleocinctus)) oder solche, die sich von anderen Gliederfüßern ernähren (zum Beispiel die Fensterspinne (Amaurobius fenestralis)). Und zwischen den Wurzeln und in den von ihnen gebildeten Löchern und Mulden finden viele weitere Tiere Versteckplätze. Des Weiteren bildet die Laubschicht Versteckmöglichkeiten und zugleich Nahrungsquelle und Grundlage für die "Düngung des Waldes". In Rotbuchen-Mischwäldern finden sich im Boden mitunter die größten Mengen
Rotbuchen-Hecke
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Rotbuchen-Hecke
an mikrobiologischen Destruenten (Zersetzer), also Mikroorgansimen, die tote Materie (wozu auch das Falllaub gehört) fressen und zersetzen sowie Mineralien (Nährstoffe für lebende Pflanzen = "Düngung") freisetzen. Größere Destruenten sind beispielsweise der Gerandete Saftkugler (Glomeris marginata), der Gemeine Regenwurm (Lumbricus terrestris) oder Kellerasseln (Porcellio scaber).

Schädlinge

Zu den Schädlingen der Rotbuche zählen verschiedenste Lebewesen. Häufig kann man den Zunderschwamm (Fomes fomentarius), einen Pilz, an Buchen beobachten. Er dringt durch Verletzungen im Holz in den Baum ein, sein Parasitismus führt an dem Wirtsbaum zu einer starken Weißfäule im Kernholz. Durch Pustelpilze der Gattung Nectria wird bei Rotbuchen der sogenannte Baumkrebs hervorgerufen. Zu den Tieren, die der Rotbuche schaden können, zählen besonders Insekten (Insecta) wie zum Beispiel der Buchenprachtkäfer (Agrilus viridis), der Schiffswerftkäfer (Lymexylon navale), die Nonne (Lymantria monacha), der Buchen-Zahnspinner (Stauropus fagi) sowie die Buchengallmücke (Mikiola fagi). Außerdem sind kleinere Rotbuchen durch Wildverbiss gefährdet.

Schädliche Abgase, gegenüber denen die Rotbuche besonders empfindlich ist, sind Fluorwasserstoff (HF) sowie Schwefeloxide (SxOy).

Gartenrecht

Will man die Rotbuche in einem großen Garten anpflanzen, muss neben den botanischen Aspekten wie den Nährwert des Bodens auch die juristische Ansicht einer solchen Pflanzung beachtet werden. Es ist insbesondere wichtig, den gesetzlichen Mindestabstand zum Nachbargrundstück zu kennen. Dieser hängt vor allem von dem Bundesland ab, in dem der Baum gepflanzt werden soll sowie von der Höhe der Pflanzen. Als Beispiel dient das Verhältnis Baden-Württembergs und Bayerns: in Bayern darf man Bäume und Sträucher allgemein deutlich näher an das Nachbargrundstück heran anpflanzen, als in Baden-Württemberg. In Baden-Württemberg liegt der maximale Abstand bei acht Metern, in Bayern bei zwei Metern, wird das Nachbargrundstück landwirtschaftlich genutzt, müssen vier Meter Abstand gehalten werden. In Baden-Württemberg ist es zudem wichtig die Rotbuche von der Hainbuche (Carpinus betulus) unterscheiden zu können, denn für beide gelten unterschiedliche Mindestabstände zum Nachbargrundstück (Rotbuche 8 Meter, Hainbuche 4 Meter). In den Ländern Bremen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern wurden bisher keinerlei Regelungen
Die Hainbuche (Carpinus betulus) aus der Familie der Birkengewächse (Betulaceae)
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Die Hainbuche (Carpinus betulus) aus der Familie der Birkengewächse (Betulaceae)
für den Mindestabstand zum Nachbargrundstück erlassen, generell frei von Bestimmungen für den Mindestabstand sind krautige Pflanzen (auch hochwüchsige wie einige Sonnenblumen (Helianthus)).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Wolfram Franke, Dr. Reinhold Kaub, Maria & Christoph Köchel, Marie-Luise Kreuter, Ulrike Leyhe, Karl H. C. Ludwig, Robert Markley, Ulrike Schäfner, Martin Stangl, Gisela Zinkernagel, Siegfried Stein, Eva Ott, Hans Martin Schmidt und Herta Simon: Handbuch Garten, BLV Buchverlag GmbH & Co. Kg, München, ISBN 9783828917866
  • M. Pahlow: Das grosse Buch der Heilpflanzen, Bechtermünz Verlag, ISBN 3-8289-1839-5
  • GEO Themenlexikon: Tiere und Pflanzen: Geschöpfe, Arten, Lebensräume; Teil 3 / Bd. 35. ISBN 3765394652
  • W. Eisenreich, A. Handel und U. Zimmer: BLV-Handbuch Tiere und Pflanzen, BLV Verlagsgesellschaft mbH, ISBN 3-405-16740-X
  • M.Bergau, P.Habbe und B. Schäfer: Umwelt:Biologie, Ernst Klett Verlag, ISBN 3-12-029200-1
  • B. Sombecki-Hansen, U. Beckman: Einblicke Biologie 9/10, Ernst Klett Verlag, ISBN 3-12-030730-0
  • Michael Jütte: Biologie Heute entdecken 2, Schroedel-Verlag, ISBN 3-507-86104-6
  • W. Stichmann, U. Stichmann-Marny: Der Kosmos Pflanzenführer, Franckh Kosmos, ISBN 3-440-07364-5
  • Wunderbare Pflanzenwelt, Wissen für Kinder, 2004 by Helmut Lingen GmbH & Co. KG, 50679 Köln
  • [1] de.Wikipedia
'Persönliche Werkzeuge