Rote Baumwühlmaus

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Rote Baumwühlmaus
Unten: Rote Baumwühlmaus (Arborimus longicaudus)

Systematik
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Teilordnung: Myodonta
Überfamilie: Hamster- und Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Wühler (Cricetidae)
Unterfamilie: Wühlmäuse (Arvicolinae)
Gattung: Baumwühlmäuse (Arborimus)
Art: Rote Baumwühlmaus
Wissenschaftlicher Name
Arborimus longicaudus
(True, 1890)

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Die Rote Baumwühlmaus (Arborimus longicaudus) zählt innerhalb der Familie der Wühler (Cricetidae) zur Gattung der Baumwühlmäuse (Arborimus). Im Englischen wird die Art Red Tree Vole genannt. Es sind 2 Unterarten bekannt (Hayes, 1996).

Inhaltsverzeichnis

Erkennung und Unterschiede

Die Rote Baumwühlmaus kann von anderen sympatrischen Wühlmäusen (Arvicolinae) aufgrund eines fehlenden dorsalen Mittelstreifens, der rötlichen Fellfärbung sowie eines stark behaarten Schwanzes unterschieden werden. Zudem zeigt sich ventral eine Mischung aus rötlich-orangenen Haaren. Innerhalb der Gattung ist die Schädelmorphologie und die Anzahl der Chromosomen ein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal zwischen den 3 rezenten Arten (Hayes, 1996).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Rote Baumwühlmaus ist eine eher kleine Wühlmaus. Zwischen den Geschlechtern zeigt sich ein deutlicher Dimorphismus. Weibchen sind deutlich größer und schwerer als Männchen. Männchen erreichen eine Gesamtlänge von 158 bis 176 (166) mm, eine Schwanzlänge von 60 bis 72 (67) mm, eine Hinterfußlänge von 19 bis 21 (20) mm, eine Schädellänge von 24,42 bis 25,38 mm, eine Jochbeinbreite von 13,8 bis 14,5 mm sowie eine Hirnschädeltiefe von 6,93 bis 7,16 mm. Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 170 bis 187 (182) mm, eine Schwanzlänge von 66 bis 83 (73) mm, eine Hinterfußlänge von 21 bis 22 (21) mm, eine Schädellänge von 24,81 bis 26,08 mm, eine Jochbeinbreite von 14,11 bis 14,72 mm sowie eine Hirnschädeltiefe von 7,02 bis 7,23 mm. Das Gewicht liegt bei 25 bis 50 g. Das Fell ist dorsal zimtbraun bis rostigbraun gefärbt, die Haarspitzen können je nach Unterart schwarz sein. Ventral zeigt sich eine weißliche Färbung. Der Schwanz ist lang stark stark bräunlich bis schwärzlich behaart. Jungtiere sind insgesamt matter und bräunlicher gefärbt. Melanistische Formen können bei der Arborimus longicaudus silvicola auftreten. Das Gebiss besteht aus 16 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i1/1, c0/0, p0/0, m3/3 (Hayes, 1996).

Lebensweise

Die Rote Baumwühlmaus ist hauptsächlich nachtaktiv und lebt im Geäst der Bäume. Den Waldboden betreten die Tiere nur gelegentlich. Die Nester werden meist von anderen Tieren wie dem Nördlichen Gleithörnchen (Glaucomys sabrinus), dem Douglas-Hörnchen (Tamiasciurus douglasii), dem Westlichen Grauhörnchen (Sciurus griseus), Neotoma fuscipes oder der Hirschmaus (Peromyscus maniculatus) übernommen. Auch Vogelnester sind durchaus beliebt. Männchen und Weibchen besetzen grundsätzlich unterschiedliche Nester. Eine Ausnahme bildet hier nur die Paarungszeit. Die Nester der Weibchen sind größer als die der Männchen oder subadulter Weibchen. Das Innere eines Nestes ist mit Rinde, Moosen und anderen weichen Teilen ausgepolstert. Die Nester befinden sich meist in Höhen von 1,5 bis 30 m in Bäumen wie der Sitka-Fichte (Picea sitchensis), Westamerikanischen Hemlocktannen (Tsuga heterophylla) oder Mammutbäume (Sequoioideae) (Hayes, 1996).

Verbreitung und Lebensraum

Die Rote Baumwühlmaus ist westlich des Kammes des Kaskadengebirges in Oregon und dem nördlichen Kalifornien, USA, beheimatet. In den südlichen Regionen kommt es zur Überschneidung mit Vorkommen der Sonoma-Baumwühlmaus (Arborimus pomo). Die Entwicklung der Arten der Gattung Baumwühlmäuse (Arborimus) begann im Pliozän im nördlichen Bereich des Verbreitungsgebietes der Roten Baumwühlmaus, fossile Funde der Art sind jedoch nicht bekannt. Die Art besiedelt im Wesentlichen Nadelwälder von Seehöhe bis in Höhen von gut 1.300 m über NN. Zu den typischen Bäumen im Lebensraum der Tiere gehören Douglasien (Pseudotsuga menziesii), Küsten-Tannen (Abies grandis), Sitka-Fichten (Picea sitchensis) und Westliche Hemlocktannen (Tsuga heterophylla) (Hayes, 1996).

Unterarten

  • Arborimus longicaudus longicaudus (True, 1890)
  • Arborimus longicaudus silvicola (Howell, 1921)

Biozönose

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Sonoma-Baumwühlmäuse zählen insbesondere Eulen (Strigiformes) wie der Fleckenkauz (Strix occidentalis), die Waldohreule (Asio otus), der Virginia-Uhu (Bubo virginianus) und der Sägekauz (Aegolius acadicus). Aber auch einige kleinere Raubtiere (Carnivora) stellen den Tieren nach. Hier sind vor allem der Nordamerikanische Waschbär (Procyon lotor), Fichtenmarder (Martes americana) und der Fischermarder (Martes pennanti) (Hayes, 1996).

Ernährung

Die Rote Baumwühlmaus ernährt sich hauptsächlich von jungen Tannennadeln. Trinkwasser nehmen die Tiere in Form von Tau zu sich (Adam & Hayes, 1998).


Fortpflanzung

Der Östrus der Weibchen ist variabel und unregelmäßig. Die Tragezeit erstreckt sich über 27 bis 48 (31) Tage. Ein Wurf besteht aus 1 bis 5, typischerweise aus 2 Jungen. Das Geburtsgewicht der Jungtiere liegt bei 2,0 bis 2,8 g. Die Haut ist bei der Geburt spärlich behaart, die Augen öffnen sich nach 18 bis 23 (20) Tagen. Zu diesem Zeitpunkt wiegen die Jungen zwischen 7,5 und 10,5 g. Nach dem Öffnen der Augen werden die Jungen agil und nehmen rasch an Gewicht zu. Nach spätestens 46 Tagen werden die Jungtiere von der Muttermilch abgesetzt (Hayes, 1996).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die Rote Baumwühlmaus gehört heute zu den gering gefährdeten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher in der Kategorie NT, Near Threatened, geführt. Die größte Bedrohung geht heute von der Fragmentierung der natürlichen Lebensräume aus. Wälder werden für die Holzgewinnung, zu Gunsten der Landwirtschaft, wegen dem Bau von Stromleitungen oder den Bau von Straßen gerodet. Durch die Fragmentierung können zudem Inselpopulationen entstehen, die von genetischer Armut bedroht sein können (IUCN, 2013).

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Unterfamilie der Wühlmäuse (Arvicolinae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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