Rote Usambara-Vogelspinne

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Rote Usambara-Vogelspinne

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
Unterfamilie: Harpactirinae
Gattung: Pterinochilus
Art: Rote Usambra Vogelspinne
Wissenschaftlicher Name
Pterinochilus murinus
Pocock, 1897

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:002389]

Die Rote Usambara-Vogelspinne (Pterinochilus murinus) zählt innerhalb der Familie der Vogelspinnen (Theraphosidae) zur Gattung Pterinochilus. Im Englischen wird die Rote Usambra Vogelspinne mombasa golden starburst tarantula genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Rote Usambara Vogelspinne kann als Weibchen eine Körperlänge von etwa 4 bis 6 Zentimeter erreichen und als Männchen eine Körperlänge von etwa 3 bis 4 Zentimeter erreichen. Das Prosoma, das Opisthosoma und die Beine weisen dieselbe Färbung auf. Auf dem Carapax ist ein markantes sternförmiges Muster zu erkennen. Der Carapax selbst ist eher dunkelbraun bis schwarz gefärbt und das sternförmige Muster besteht aus goldgelben Härchen, die charakteristisch für die Vogelspinne sind. Auf dem Opisthosoma zeigt sich ein attraktives fischgrätenartiges Muster, das mit gelb-oliv-braunen Härchen bedeckt ist. Die langen Härchen auf dem Opisthosoma weisen einen deutlichen senffarbenen Farbstich auf. Die Spinnwarzen heben sich farblich nicht von den übrigen Körperteilen ab. Der Augenhügel befindet sich auf einem leicht erhöhten Teil des vorderen Carapax. Insgesamt ist der Körper gleichmäßig kurz behaart. Die Beine weisen verschiedene weiße Haarbüschel sowie eine helle Beringelung auf. Alle Segmente der Beine sind mit gelben streifigen Linien versehen. Das Männchen ist im Vergleich zum Weibchen etwas schlanker und besitzt auch längere Beine als das Weibchen. Des Weiteren weist das Männchen keinen Tibialhaken für die Paarung auf.

Lebensweise

Rote Usambara-Vogelspinne
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Rote Usambara-Vogelspinne

In den meisten Fällen weist diese Art eine goldene Färbung auf. Je nach Verbreitungsgebiet und geografischer Lage reichen die Variationen in dieser Färbung von einem Braun bis zu einem hellen Goldorange. Diese Art ist eine der häufigsten afrikanischen Vogelspinnen und kommt in zahlreichen Farbmorphen vor, die unter Umständen bei der Bestimmung dieser Art schnell zu Verwirrungen führen können. Die beliebtesten Exemplare scheinen die hellen goldorangefarbenen Exemplare zu sein. Die Rote Usambra Vogelspinne ist eine terrestrische Art und kann fast überall leben. Sie neigt, wenn die Bedingungen es erlauben, zu einer grabenden Spinne und kann bis zu 40 Zentimeter lange Wohnröhren in die Erde graben. Wenn der Untergrund nicht ausreichend für eine Grabung ist, dann kann die Rote Usambra Vogelspinne auch Netze in Sträuchern, in niedrigen Pflanzen oder an ähnlichen Plätzen weben. Die Spinne ist sehr schnell und ziemlich aggressiv. Wenn die Spinne sich provoziert fühlt, kann sie blitzschnell mit ihren Giftklauen angreifen bzw. sich verteidigen. Die Art ist eine nachtaktive Spinne und kommt erst in den Abendstunden aus der Höhle. Ihre Hauptaktivität liegt in der Regenzeit. Die Lebensdauer der Roten Usambra Vogelspinne beträgt etwa 8 bis 12 Jahre.

Verbreitung

Die Verbreitungsgebiete der Roten Usambara-Vogelspinne sind Südwestafrika, Zentralafrika, Ostafrika und Südafrika. Der natürliche Lebensraum der Roten Usambara-Vogelspinne sind die trockenen Buschsavannen. Wahrscheinlich ist diese Art eine der opportunistischen Vogelspinnen (Theraphosidae) überhaupt. Sie kann sich in niedrigen Büschen und Bäumen, in Höhlen unter Steinen sowie unter Häusern und unter Bürgersteigen sowie in der Nähe von menschlichen Behausungen aufhalten. Gelegentlich trifft man die Rote Usambara-Vogelspinne in Elendsvierteln an, wo sie sich von der Gemeinen Küchenschabe (Blatta orientalis) ernährt, die dort zahlreich vorkommt.

Ernährung

Die Rote Usambara-Vogelspinne ernährt sich in freier Wildbahn von Insekten (Insecta) wie zum Beispiel Gemeine Küchenschabe (Blatta orientalis), von Eidechsen (Lacertidae), Mäusen (Mus) und von anderen kleinen Tieren. In Gefangenschaft kann die Ernährung vielfältig sein und besteht meist aus Grillen (Gryllidae), Heuschrecken wie Langfühlerschrecken (Ensifera) und Kurzfühlerschrecken (Caelifera) und aus Larven vom Mehlkäfer (Tenebrio molitor). Gelegentlich können ein- oder zweimal pro Monat auch Mäuse (Mus) verfüttert werden.

Fortpflanzung

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Rote Usambara-Vogelspinne

Bis zur Geschlechtsreife durchläuft die Rote Usambara-Vogelspinne mehrere Häutungen. Bereits zu diesem Zeitpunkt webt das Männchen ein sogenanntes Spermanetz, in das es sein Sperma füllt. Dieses Sperma wird in die Bulben aufgenommen, indem das Männchen mit seinen Pedipalpen die Spermaflüssigkeit in die Bulben pumpt. Nun geht es auf die Suche nach einem Weibchen. Das Männchen ermittelt die Anwesenheit eines Weibchens, indem es die chemischen Substanzen (Pheromone) des Weibchens wahrnimmt. Hat das Männchen ein Weibchen ausgemacht, umwirbt das Männchen das Weibchen mit seinen Tastern durch kräftiges Trommeln und spasmodischen Bewegungen des dritten Beinpaares, teilweise trommelt das Männchen auch noch mit dem ersten und zweiten Beinpaar und prüft zugleich die Paarungsbereitschaft des Weibchens. Vermutlich wird die seismische Kommunikation über den Boden durch Stridulation einiger Organe produziert. Die durch das Trommeln ausgelösten Vibrationen (seismische, akustische Signale) werden über die Hörhaare wahrgenommen.

Nach ungefähr drei bis sechs Wochen nach der Kopulation versiegelt das Weibchen die Zugänge des Nestes und webt mit Seide innerhalb des Nestes einen Kokon. Ungefähr drei Monate nach der Kopulation legt sie etwa 75 bis 100 Eier im natürlichen Lebensraum (schwacher Reproduktionssatz) in den Kokon ab. Im Innern des Kokons durchlaufen die Nymphen mehrere Entwicklungsstadien, in denen sie sich zweimal häuten. Die Nymphen schlüpfen noch im Innern des Kokons. Dies geschieht bereits nach drei Wochen. Nach insgesamt rund zehn Wochen schlüpfen die jungen Spiderlinge, wie sie nach dem Schlupf genannt werden. Die Spiderlinge sind schon beim Schlupf mit einem Zentimeter Spannweite recht stattlich. Sie häuten sich in der Folge alle zwei bis drei Wochen und leben in der ersten Zeit von Kleinstinsekten. Wenige Tage nach dem Schlupf verlassen sie das Nest. Die Spiderlinge sind während dieser Zeit sehr verletzbar.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Update 4. November 2008 <1>

Rote Usambra Vogelspinne
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Rote Usambra Vogelspinne
  • Pterinochilus murinus - Pocock, 1897
  • Harpactira elevata - Karsch, 1878a
  • Pterinochilus murinus - Pocock, 1897b
  • Pterinochilus mamillatus - Strand, 1906h
  • Pterinochilus vosseleri - Strand, 1907l
  • Pterinochilus hindei - Hirst, 1907b
  • Pterinochilus murinus - Hirst, 1907b
  • Pterinochilus hindei - Berland, 1917
  • Pterinochilus murinus - Roewer, 1953b
  • Pterinochilus hindei - Smith, 1986b
  • Pterinochilus hindei - Smith, 1987d
  • Pterinochilus murinus - Smith, 1988a
  • Pterinochilus murinus - Hancock & Hancock, 1989
  • Pterinochilus hindei - Smith, 1990c
  • Pterinochilus murinus - Smith, 1990c
  • Pterinochilus murinus - Schmidt, 1993d
  • Pterinochilus murinus - Charpentier, 1993
  • Pterinochilus hindei - Peters, 1998
  • Pterinochilus murinus - Peters, 1998
  • Pterinochilus mamillatus - Schmidt, Peters & Samm, 2000
  • Pterinochilus hindei - Peters, 2000b
  • Pterinochilus mamillatus - Peters, 2000b
  • Pterinochilus murinus - Peters, 2000b
  • Pterinochilus murinus - Gallon, 2002
  • Pterinochilus leetzi - Schmidt, 2002d
  • Pterinochilus leetzi - Schmidt, 2002g
  • Pterinochilus leetzi - Peters, 2005b
  • Pterinochilus murinus - Gallon, 2008

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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