Roter Pfeifhase

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Roter Pfeifhase

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Familie: Pfeifhasen (Ochotonidae)
Gattung: Ochotona
Art: Roter Pfeifhase
Wissenschaftlicher Name
Ochotona rutila
(Severtzov, 1873)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Rote Pfeifhase (Ochotona rutila) zählt innerhalb der Familie der Pfeifhasen (Ochotonidae) zur Gattung Ochotona. Im Englischen wird die Art turkestan red pika genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Rote Pfeifhase erreicht eine Körperlänge von etwa 21,5 bis 23,0 Zentimeter und ein Gewicht von etwa 100,0 bis 400,0 Gramm. Weibchen sind während der Aufzucht der Jungen nur geringfügig schwerer als die Männchen. Männchen und Weibchen sind monomorphisch, d. h. es besteht kein Dimorphismus. Das dichte und weiche Fell weist im Sommer eine rost-rötliche Färbung auf dem Rücken mit einem gelben zimt- bis sandfarbenen Hauch an den Flanken auf. Des Weiteren hat das Fell einen unverwechselbaren breiten, cremefarbenen Kragen hinter den Ohren, der sich dorsal dann verengt. Im Sommer ist das Fell deutlich kürzer. Im Frühjahr und im Spätherbst kommt es jeweils zum Fellwechsel. Das Winterfell ist insgesamt etwas länger und verfügt über eine dichte Unterwolle und weist eine graue Färbung mit dunkelbraunen Flecken auf. Anders als Hasen (Leporidae) verfügen Rote Pfeifhasen über kleine, rundlich geformte Ohren. Diese sind üblicherweise nur spärlich mit Fell besetzt. Im Bereich der Schnauze zeigen sich relativ lange Tasthaare, mit einer Länge von 8,0 bis 9,4 mm, die sogenannten Vibrissen, die der Orientierung dienen. Rote Pfeifhasen sind optimal an kalte Lebensräume angepasst. Warme Temperaturen von mehr als 25 Grad Celsius sind für Rote Pfeifhasen letal. Daher sind Rote Pfeifhasen im Sommer meist in der Dämmerung aktiv, um hohen Temperaturen zu entgehen. Das Gebiss besteht aus 26 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet 2/1, 0/0, 3/2, 2/3. Rote Pfeifhasen produzieren ähnlich den Hasen (Leporidae) zwei Arten von Kot. Dies sind zum einen die bekannten kleinen Kügelchen in Pfefferkorngröße und zum anderen eine schleimige, dunkelgrüne Flüssigkeit. Letztere wird von den Tieren gefressen, da dieser Kot reich an B-Vitaminen ist. Rote Pfeifhasen gehören somit zu den Koprophagen und hier speziell zu den Autokoprophagen, da sie ausschließlich ihren eigenen Kot zu sich nehmen.

Lebensweise

Rote Pfeifhasen sind für ihre asoziale und territoriale Lebensweise bekannt. In der Regel haben kleine, stabile Populationen große Reviere. Sie können paarweise oder in Familienverbänden auftreten, aber nie bilden sie große Gruppen oder Kolonien. Gebiete werden häufig von einem Brutpaar bewohnt. Einzelne Individuen, Paare oder Familien halten einen Abstand von 50 bis 100 m von ihren Nachbarn. Die Roten Pfeifhasen verwenden natürliche vorkommende Spalten zwischen Felsen für ihr Obdach. Das physikalische Verhalten der Roten Pfeifhasen kann stark von der Temperatur beeinflusst werden. Während der heißen Sommertage können Rote Pfeifhasen, um eine Erhöhung der Körpertemperatur zu minimieren, inaktiv sein. In der Tat vermeiden Rote Pfeifhasen Aktivitäten während des Tages und sind am aktivsten in der Dämmerung (Ognev, 1940). Während der Wintermonate halten Rote Pfeifhasen keinen Winterschlaf, sondern reduzieren ihre Aktivitäten im Winter. Während dieser Zeit ernähren sie sich vom Heu gesammelter Gräser. Sehr wenig ist über die täglichen Aktivitäten oder Energieausgaben der Roten Pfeifhasen während des Winters (Angermann, 1975) bekannt.

Verbreitung und Lebensraum

Laut der Roten Liste der IUCN tritt der Rote Pfeifhase in isolierten Bereichen im Pamir in Tadschikistan und Tien Shan im Südosten von Usbekistan und Kirgisistan sowie im Südosten von Kasachstan (Smith et al., 1990. Hoffmann und Smith, 2005) und in der östlichen Region Xinjiang von China (Smith und Xie, 2008) auf. Die Arten können auch im Norden Afghanistans (Smith et al., 1990) auftreten. Der Rote Pfeifhase hält sich in der Regel nicht über 3.000 m in der Höhe (Smith et al., 1990) auf. Habitat-Typen reichen von Fichtenwäldern bis zu subalpinen Wiesen. Die Verbreitung ist lückenhaft. Einzelne Individuen, Gruppen oder Paare besetzen große Reviere. Im Allgemeinen bewohnt die Art zwei unterschiedliche Lebensräume, die sich zum Teil überlappen. Häufig werden Rote Pfeifhasen auf steilen, felsigen Hängen gefunden, jedoch halten sie sich auch auf Wiesen, in strauchbewachsenen Bereichen oder in Wäldern auf. Das Wetter in ihrer Region ist von kalten und regnerischen Sommern und schneereichen Wintern (Angermann, 1975) gekennzeichnet. Schneehöhen können einen erheblichen Einfluss auf das Überleben der Roten Pfeifhasen im Winter haben. Dies würde auch erklären, warum Rote Pfeifhasen sich nicht in Höhen von mehr als 3.000 m (Ognev 1940, Bernstein, 1963 in Smith et al., 1990) aufhalten. Allerdings werden moderate Mengen an Schnee für die Isolierung während der Wintermonate (Angermann, 1975) benötigt. Bevorzugte Lebensräume für Rote Pfeifhasen sind moderate, felsige Hänge mit Vegetation zwischen großen Steinen in einer Höhe zwischen 2.000 und 3.000 m.

Ernährung

Rote Pfeifhasen sind Pflanzenfresser und ernähren sich von Blüten, grünen Blättern und von jungen Trieben verschiedener Gräser und anderer Pflanzen, wenn verfügbar. Ferner wurde beobachtet, dass sie auch Weidenröschen (Epilobium) und wilde Storchschnäbel (Geranium) (Ognev, 1940) verzehren. Im Herbst, wenn grüne Pflanzen und Gräser nicht mehr verfügbar sind, ernähren sie sich von Totholz. Als Nicht-Winterschläfer, brauchen Rote Pfeifhasen genügend Nahrung während der Wintermonate und sammeln im Spätsommer und im Frühherbst genügend Gräser, die sie während der Wintermonte als Heu zu sich nehmen.

Fortpflanzung

Sowohl die Männchen als auch die Weibchen erreichen die Geschlechtsreife mit etwa einem Jahr. Sobald die Roten Pfeifhasen sexuell aktiv sind, bilden sie Paare. Es ist nicht bekannt, ob die Paare monogam bleiben. Rote Pfeifhasen reproduzieren saisonal im Frühjahr und in den Sommermonaten (Smith et al, 1990; Smith, 1981). Bezeichnenderweise haben Rote Pfeifhasen eine niedrige Reproduktionsrate. Rote Pfeifhasen bringen üblicherweise 2 bis 3 Würfe pro Jahr mit 2 bis 6 Junge (durchschnittlich 4,2) pro Wurf zur Welt (Smith et al. 1990). Die Jungen weisen gleich nach der Geburt ein Fell auf. Nach neun Tagen ist das Gehör der Jungen entwickelt und sie sind in der Lage, nach 13 bis 14 Tagen zu sehen. Juvenile Rote Pfeifhasen erhalten eine biparentale Pflege, sowohl das Männchen als auch das Weibchen beteiligt sich gleichermaßen an der Aufzucht der Jungen. Etwa nach 20 Tagen sind die Jungen entwöhnt und unabhängig und sind im nächsten Frühjahr geschlechtsreif. Rote Pfeifhasen können bis zu 6 Jahre alt werden. Etwa nur 22 Prozent der Jugendlichen überleben den zweiten Winter (Angermann, 1975).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die Art gehört noch nicht zu den gefährdeten Spezies. In der Roten Liste der IUCN wird die Art in der Kategorie LC, Least Concern geführt. Auf landwirtschaftlichen Flächen gilt der Rote Pfeifhase als Ernteschädling. Vor allem bei massenhafter Ausbreitung können die Tiere erhebliche Schäden verursachen (IUCN, 2011).

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Familie der Pfeifhasen (Ochotonidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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