Rotfussvogelspinne

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Rotfussvogelspinne
Weibchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
Gattung: Avicularia
Art: Rotfussvogelspinne
Wissenschaftlicher Name
Avicularia metallica
Ausserer, 1875

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:001816]

Die Rotfussvogelspinne (Avicularia metallica) zählt innerhalb der Familie der Vogelspinnen (Theraphosidae) zur Gattung Avicularia. Im Englischen wird die Rotfussvogelspinne pink-toe tarantula oder white-toe tarantula genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Rotfussvogelspinne erreicht als Weibchen eine Körperlänge von etwa 6 bis 8 Zentimeter und als Männchen eine Körperlänge von etwa 5 bis 6 Zentimeter. Die adulte Rotfussvogelspinne weist eine schwarze Grundfärbung auf. An den Beinen zeigen sich rote bis rosafarbene Fussspitzen. Diese Farbgebung war auch für die Namensgebung der Rotfussvogelspinne ausschlaggebend. Gelegentlich findet man aber auch Exemplare mit weißlichen bis cremefarbenen Fussspitzen. Des Weiteren befinden sich an Tarsus und Metatarsus sehr kräftige Haftpolster. Die Spiderlinge weisen schwarze Fussspitzen und einen schwarzen Carapax auf. Das Opisthosoma bei den Spiderlingen ist orange schimmernd und weist zusätzlich gezackte schwarze Linien auf. Mit zunehmenden Alter bzw. nach der fünften Häutung ist der Körper einheitlich blau-schwarz gefärbt. Bei beiden Geschlechtern ist der gesamte Körper mit einer dichten, samtartigen, blau schimmernden Behaarung bedeckt und überwiegend sind die Härchen mit Nervenzellen verbunden und dienen somit als Tasthaare, die auf Berührung und Vibrationen empfindlich reagieren. Hauptsächlich weisen die Beine eine starke Behaarung auf. Die übrigen Härchen werden in Brennhaare, Hörhaare, Geschmackshaare und Hafthaare unterschieden. Im Allgemeinen ist das Männchen kleiner als das Weibchen und ist meist an seinen langen Beinen und an seinem schlankeren Körper gut zu erkennen. Die Lebenserwartung der weiblichen Rotfussvogelspinne kann etwa 15 Jahre betragen, während das Männchen nach der letzten Reifehäutung nur noch mehrere Wochen oder Monate lebt.

Lebensweise

Die Rotfussvogelspinne ist eine baumbewohnende Vogelspinne und zählt wie fast alle Vogelspinnen zu den sogenannten Bombadierspinnen. Bei Gefahr kann sie ihre Brennhaare, die sich auf dem Opisthosoma (Hinterleib) befinden, einsetzen. Die Brennhaare können ein Jucken und Brennen der Haut und der Atemwege verursachen. Allerdings zieht die Spinne es vor zu flüchten, bevor sie ihre Brennhaare abstößt. Kommt es doch zu einem Biss, muss die Wunde sofort desinfiziert werden, da sich auf den Cheliceren häufig Bakterien befinden, die eine Infektion auslösen können. Der Giftbiss selbst ist nicht so gefährlich wie die Infektion durch Bakterien. Im Grunde genommen ist die Rotfussvogelspinne eine sehr friedliche und ruhige Spinnenart. Sie kann sich aber auch sehr schnell bewegen und bis zu 30 Zentimeter springen.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Rotfussvogelspinne befindet sich in Surinam. In freier Wildbahn halten sich die Spiderlinge der Rotfussvogelspinne gerne in Bromeliengewächsen (Bromeliaceae) auf, auch Ananasgewächse genannt. Bromeliengewächse sind immergrüne, ausdauernde krautige Pflanzen. Dieses Gewächs bietet einen gewissen Schutz für die Spiderlinge vor Fressfeinden, da die Blattränder mit Dornen bestückt sind. Für die ausgewachsene Rotfussvogelspinne ist die Pflanze zu klein. Entweder bezieht sie dann die Bromelientrichter oder wandert dann ab und sucht größere Verstecke auf. Meist sucht sie dann alte Bäume auf, die große Astlöcher und Risse aufweisen und somit der Rotfussvogelspinne Unterschlupf bieten. In diesen Astlöchern, Rissen oder Spalten in der Rinde legt sie extrem dichte Wohngespinste an, die sie ihr Leben lang nicht mehr verläßt. Die Rotfussvogelspinne ist am Tage und auch in der Nacht aktiv.

Ernährung

Zum Nahrungserwerb verläßt sich die Rotfussvogelspinne auf ihren Tastsinn. Nachts sitzt sie, mit dem Wohngespinst immer in Kontakt, vor ihrer Höhle und wartet auf Beute. Ihrer baumbewohnenden Lebensweise entsprechend erbeutet die Rotfussvogelspinne häufig Frösche (Rana), Geckos (Gekkonidae), kleine Vögel (Aves) wie zum Beispiel Kolibris (Trochilidae) und andere kletternde oder fliegende Wirbeltiere.

Fortpflanzung

Bis zur Geschlechtsreife durchläuft die Rotfussvogelspinne mehrere Häutungen. Bereits zu diesem Zeitpunkt webt das Männchen ein sogenanntes Spermanetz, in das es sein Sperma füllt. Dieses Sperma wird in die Bulben aufgenommen, indem das Männchen mit seinen Pedipalpen die Spermaflüssigkeit in die Bulben pumpt. Nun geht es auf die Suche nach einem Weibchen. Das Männchen ermittelt die Anwesenheit eines Weibchens, indem es die chemischen Substanzen (Pheromone) des Weibchens wahrnimmt. Hat das Männchen ein Weibchen ausgemacht, umwirbt das Männchen das Weibchen mit seinen Tastern durch kräftiges Trommeln und spasmodischen Bewegungen des dritten Beinpaares, teilweise trommelt das Männchen auch noch mit dem ersten und zweiten Beinpaar und prüft zugleich die Paarungsbereitschaft des Weibchens. Vermutlich wird die seismische Kommunikation über den Boden durch Stridulation einiger Organe produziert. Die durch das Trommeln ausgelösten Vibrationen (seismische, akustische Signale) werden über die Hörhaare wahrgenommen.

Nach ungefähr drei bis sechs Wochen nach der Kopulation versiegelt das Weibchen die Zugänge des Nestes und webt mit Seide innerhalb des Nestes einen Kokon. Ungefähr drei Monate nach der Kopulation legt sie in der Regel 150 bis 200 Eier im natürlichen Lebensraum in den Kokon ab. Im Innern des Kokons durchlaufen die Nymphen mehrere Entwicklungsstadien, in denen sie sich zweimal häuten. Die Nymphen schlüpfen noch im Innern des Kokons. Dies geschieht bereits nach drei Wochen. Nach insgesamt rund zehn Wochen schlüpfen die jungen Spiderlinge, wie sie nach dem Schlupf genannt werden. Die Spiderlinge sind schon beim Schlupf mit einem Zentimeter Spannweite recht stattlich. Sie häuten sich in der Folge alle zwei bis drei Wochen und leben in der ersten Zeit von Kleinstinsekten. Wenige Tage nach dem Schlupf verlassen sie das Nest. Die Spiderlinge sind während dieser Zeit sehr verletzbar.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Update 4. November 2008 <1>

  • Avicularia metallica - Ausserer, 1875
  • Avicularia metallica - Ausserer, 1875
  • Avicularia metallica - Peters, 2003

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

'Persönliche Werkzeuge