Rotkehlchen

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Rotkehlchen

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Fliegenschnäpper (Muscicapidae)
Unterfamilie: Eigentliche Fliegenschnäpper (Muscicapinae)
Tribus: Saxicolini
Gattung: Erithacus
Art: Rotkehlchen
Wissenschaftlicher Name
Erithacus rubecula
(Linnaeus, 1758)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Rotkehlchen (Erithacus rubecula), auch unter den Synonymen Dandalus rubecula, Lusciola rubecula, Motacilla rubecula und Sylvia rubecula sowie unter den Bezeichnungen Rotbrüstchen, Kehlröschen, Waldröschen, Winterröschen oder Rotkröpfchen bekannt, zählt innerhalb der Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae) zur Gattung Erithacus. Im Englischen wird das Rotkehlchen european robin oder nur robin genannt.

Der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV) haben das Rotkehlchen zum Vogel des Jahres 1992 gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Rotkehlchen erreicht eine Körperlänge von etwa 12,5 bis 14,0 Zentimeter, ein Gewicht von etwa 16,0 bis 18,0 Gramm und eine Flügelspannweite von etwa 20,0 bis 22,0 Zentimeter. Das Rotkehlchen wirkt oft recht großköpfig, plustert mitunter das Gefieder stark auf, so dass es rund und kompakt aussieht, häufiger erscheint das Rotkehlchen aber recht schlank. Das lockere, weiche Gefieder ist am ganzen Oberkörper dunkel olivenbraun gefärbt. Die Flügel und der Schwanz erscheinen etwas dunkler und heller gesäumt. Beim Männchen zeigen sich auf den grossen Flügeldeckfedern rostgelbe dreieckige Flecken. Die Brust, Kehle, Wangen und Stirn sind von einer orangeroten Färbung, welches von der Farbe des Rückens und den Halsseiten durch einen aschgrauen Anflug getrennt ist. Ferner zeigt sich eine schmale gelbliche Flügelbinde. Bei den Jungen ist die gelbliche Flügelbinde am deutlichsten zu erkennen. Der übrige Unterleib ist schmutzig weiss gefärbt und in den Weichen olivenfarbig angeflogen. Der Schnabel ist ganz schwarz und an der Wurzel mit vorwärts gerichteten Bartborsten besetzt. Die Iris der großen Augen weist eine dunkelbraune Färbung auf. Die Beine sind recht lang und dünn. Die Füße sind dunkel fleischbraun geschönt.

Den Weibchen und den jungen Männchen fehlen im ersten Frühjahr die rostgelben Flecken an den Flügeln und die Füsse sind etwa heller getönt. Die flüggen Jugendlichen sind oben olivenbraun gefärbt und mit hellen rostfarbenen Flecken versehen. Des Weiteren ist die Brust gelbbraun und mit olivenbraunen Flecken besetzt und der Bauch ist schmutzig weiss gefärbt. Ferner sind Füsse der Jugendlichen fleischfarben geschönt.
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Das Rotkehlchen lockt mit kurzen, harten "tick"-Rufen, bei Bunruhigung, aber auch zur Morgen- und Abenddämmerung in schneller Folge gereiht "tick-ick-ick-ick..." ("Schnickern"). Warnt mit sehr feinem, spitzem, schwer lokalisierbarem "tsiiih" (Luftalarm). Auf dem nächtlichen Zug vernimmt man ein feines, rauhes "tsi". Der Gesang ist stimmungsvoll, beginnt oft mit einigen feinen, hohen Tönen, worauf die Strophe abfällt, schneller und lauter wird und sich bei wechselndem Tempo und veränderter Tonhöhe in vorwiegend perlenden, klaren Tonreihen fortsetzt.

Lebensweise

Das Rotkehlchen ist über ganz Europa häutig verbreitet und hält sich bei uns in Laub- und Nadelwäldern auf, besonders wo viel dichtes Unterholz vorkommt. Während der Zugzeit findet man das Rotkehlchen in allen Feldhölzern, Gebüschen und Gärten, wo es die Insekten (Insecta), die auf der Erde vorkommen und deren Larven aufsucht. Im Herbst nimmt das Rotkehlchen auch Beeren zu seiner Nahrung. Das Rotkehlchen ist ein guter Fliegenfänger. Es kommt bei uns Anfang März an und zieht Ende Oktober oder Anfang November weg. Das Rotkehlchen nistet zweimal, im März und Juli. Sein Nest baut das Rotkehlchen zwischen Baumwurzeln, in alten Holzstämmen oder auf Moos. Das ziemlich einfache Nest besteht aus trockenen Grashalmen, zarten Wurzeln und Blättern und ist mit etwas Wolle und Haaren ausgefüttert. Man findet darin im Mai 5 bis 6 und im Juli 4 bis 5 gelblichweisse, blassbräunlich und rostgelb gefleckte, mit zerflossenen und verwaschenen Punkten und Strichen gezeichnete Eier. Das Rotkehlchen hüpft rasch und mit hängenden Flügeln auf dem Boden, knickst und stelzt kurz den Schwanz, sitzt still, macht eine plötzliche Bewegung, sitzt wieder still usw. Rotkehlchen haben ein ausgeprägtes Revierverhalten. Das Revier wird durch einen Gesang verteidigt, mitunter wird der Eindringling aber auch durch Aggressionsgehabe vertrieben (Spreizen der Flügel, Aufplustern etc.). In der Balz sowie beim Brüten wird das Weibchen vom Männchen mit Nahrung versorgt. Rotkehlchen sind sehr reinliche Tiere und baden daher täglich. Des Weiteren ist das Rotkehlchen dämmerungsaktiv, daher die großen Augen.

Unterarten

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  • Erithacus rubecula rubecula - (Linnaeus, 1758)
  • Erithacus rubecula balcanisus - Vaurie, 1959
  • Erithacus rubecula whiterbyi - Hartert, 1910
  • Erithacus rubecula melophilus - Hartert, 1901
  • Erithacus rubecula tataricus - Grote, 1928
  • Erithacus rubecula valens - Portenko, 1954
  • Erithacus rubecula caucasicus - Buturlin, 1907
  • Erithacus rubecula hyrcanus - Blanford, 1874
  • Erithacus rubecula sardus - Kleinschmidt, 1906

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN ist das Rotkehlchen in folgenden Ländern verbreitet: Albanien, Algerien, Andorra, Armenien, Österreich, Aserbaidschan, Bahrain, Belorussland, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, China, Kroatien, Zypern, Tschechische Republik, Dänemark, Ägypten, Estland, Färöer Inseln, Finnland, Frankreich, Georgien, Deutschland, Gibraltar, Griechenland, Ungarn, Islamische Republik Iran, Irak, Irland, Israel, Italien, Jordanien, Kasachstan, Kuwait, Kirgisistan, Lettland, Libanon, Libyen,
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Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Moldau, Malta, Montenegro, Marokko, Niederlande, Norwegen, palästinensische Autonomiegebiete, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Saudi-Arabien, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden, Schweiz, Arabische Republik Syrien, Tadschikistan, Tunesien, Türkei, Turkmenistan, Ukraine, Vereinigte Arabische Emirate und Vereinigtes Königreich. Als Vagrant trifft man das Rotkehlchen in folgenden Ländern an: Afghanistan, Island, Japan, Mauretanien, Oman, Katar, Spitzbergen und Jan Mayen. Im Norden ist das Rotkehlchen ein Zugvogel. In Deutschland ist das Rotkehlchen sehr weit verbreitet. Man findet es in jedem Wald bis zur Baumgrenze, in jedem Gebirge, auf Feldern, Wiesen, im offenen Gelände mit vielen Büschen, in Heckenlandschaften, in Parks, in Gärten, in Büschen und zwischen den Häusern. Meist hüpft das Rotkehlchen in kurzen Sätzen über den Boden oder zwischen den Ästen.

Ernährung

Das Rotkehlchen ernährt sich von Insekten und deren Larven sowie von Würmern und anderen Weichtieren. Im Herbst nimmt das Rotkehlchen überwiegend Samen und Früchte zu sich, die das Rotkehlchen sowohl am Boden als auch im Geäst der Bäume sucht. Zur Brutzeit wird hauptsächlich tierische Nahrung verzehrt.

Prädatoren

Das Rotkehlchen ist ein sehr geschickter Flieger und bewegt sich auch äußerst gewandt durch das dichteste Gebüsch. Allerdings fliegt das Rotkehlchen nur sehr selten in großer Höhe, da es hier zu vielen Feinden schutzlos ausgeliefert ist. Zu den natürlichen Feinden gehören unter anderem Elstern, Sperber und der Eichelhäher sowie Mäuse, Ratten und Katzen. In südlichen Ländern, in denen die Singvogeljagd noch gang und gäbe ist, auch der Mensch.

Fortpflanzung

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Anfang März trifft das Rotkehlchen gewöhnlich in seinen nördlich gelegenen Brutplätzen ein. Dabei fliegt es nur nachts - unter lautem Geschrei -, während es tagsüber in einem Wald oder Gebüsch ausruht. Hat es dann einen passenden Brutplatz gefunden, beginnt die Balz. Dabei tanzt das Männchen vor dem Weibchen. Es klappt seinen Schwanz auf und hoch über den Rücken, macht allerlei Wendungen, hält den Schnabel senkrecht in die Luft und lässt pausenlos ein gurrendes Gezwitscher hören. Hat sich ein Paar gefunden und niedergelassen, duldet das Rotkehlchen kein anderes Paar in seinem Revier. Sein Nest baut das Rotkehlchen entweder direkt auf dem Erdboden oder in sehr geringer Höhe darüber. Manchmal nutzt das Rotkehlchen auch eine Erdhöhle oder nistet zwischen Wurzeln, im Moos oder hinter Grasbüscheln. Den Nistplatz füllt das Rotkehlchen mit Baumblättern, Erdmoos, weichen Wurzeln und Tierhaaren aus. Besitzt der Nistplatz keine Decke, dann baut das Rotkehlchen eine aus den vorhandenen Baumaterialien. Ende April, Anfang Mai legt das Weibchen fünf bis sechs und im Juli vier bis fünf gelblichweisse, blassbräunlich und rostgelb gefleckte, mit zerflossenen und verwaschenen Punkten und Strichen gezeichnete Eier. Beide Vogeleltern brüten abwechselnd. Nach etwa 14 Tagen schlüpfen die Jungen. Gefüttert werden die Jungen mit Würmern, allen möglichen Insekten, Spinnentieren und Schnecken. Im Spätsommer ernähren sie sich auch mit Beeren. Sind die Jungen flügge, werden sie noch acht Tage weiter von den Eltern gefüttert. Danach trennen sich ihre Wege. Die Geschlechtsreife erreicht das Rotkehlchen mit etwa einem Jahr. Ende Juni beginnt das Rotkehlchenpaar eine neue Brut. Anfang August mausert das Rotkehlchen. Sobald das neue Federkleid gewachsen ist, beginnt zwischen September und Oktober der Flug in den Süden.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört das Rotkehlchen heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das Rotkehlchen ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt das Rotkehlchen selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird das Rotkehlchen als least concern (nicht gefährdet) geführt. In Europa wird der Brutbestand auf 43.000.000 bis 83.000.000 Brutpaare geschätzt, das entspricht 129.000.000 bis 249.000.000 Individuen (BirdLife International 2004). Die globale Reichweite in Europa beträgt 75 bis 94 Prozent, so dass eine vorläufige Schätzung der Weltpopulation 137.000.000 bis 332.000.000 Individuen beträgt, jedoch ist eine weitere Bestätigung dieser Schätzung erforderlich.

Galerie

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072

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