Rotrückenmeise

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Rotrückenmeise

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Überfamilie: Sylvioidea
Familie: Meisen (Paridae)
Unterfamilie: Parinae
Gattung: Poecile
Art: Rotrückenmeise
Wissenschaftlicher Name
Poecile rufescens
Townsend, 1837

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Rotrückenmeise (Poecile rufescens; Syn. Parus rufescens) zählt innerhalb der Familie der Meisen (Paridae) zur Gattung Poecile. Gelegentlich wird die Art auch in der Gattung Parus unter dem Namen Parus rufescens (Sibley & Monroe, 1996 und Howard & Moore 2003) geführt. Die American Ornithologists' Union (AOU) preferiert aufgrund vieler morphologischer und genetischer Übereinstimmungen die Zuordnung zur Gattung Poecile. Die englische Bezeichnung dieses Singvogels lautet Chestnut-backed Chickadee.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Rotrückenmeise erreicht eine Körperlänge von 11 bis 13 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 19 bis 22 Zentimeter sowie ein Gewicht von 9 bis 10 Gramm. Die Geschlechter weisen keinen Dimorphismus auf, weder in der Größe noch in der Gefiederfärbung. Der Oberkopf, der Stirnbereich und der Nacken sind schwarz gefärbt, die Kopfseiten weisen vom Schnabelansatz, unterhalb der Augen bis in den Nacken eine weiße Färbung auf. Namensgebendes Merkmal ist die rotbraune bis kastanienbraune Färbung des Rückens. Die Flügel sind graublau gefärbt und weisen eine feine, hellgraublaue Längssäumung auf. Der Schwanz ist ähnlich, jedoch etwas heller gefärbt. Der Kehlbereich weist eine schwarze Färbung auf, die oberen Teile der Brust sind dunkel blaugrau gefärbt. Die untere Brust und die gesamte Bauchseite sind weißlich bis leicht gräulich gefärbt. Abweichend hiervon zeigt sich im Bereich des Bürzels eine hellbraune Färbung. Der spitze und konisch geformte Schnabel zeigt sich in einer schwarzen Färbung. Die Nasenlöcher liegen am Schnabelansatz in der Regel unter kleinen Federchen verborgen. Die Augen weisen im Bereich der Iris und der Pupille eine dunkle Färbung auf. Die Extremitäten weisen eine dunkle blaugraue Färbung auf. Die Füße enden in vier Zehen, von denen drei nach vorne und eine Zehe nach hinten zeigen.

Lebensweise

Rotrückenmeisen halten sich fast ausschließlich im Geäst der Bäume und Sträucher auf, nur selten sind sie auch am Erdboden zu beobachten. Sie gelten als ausgezeichnete Kletterer, die sich mühelos in luftiger Höhe bewegen können. Diese Eigenschaft machen sich Rotrückenmeisen auch bei der Nahrungssuche zu nutze; sie lesen mühelos Insekten und Larven von Ästen, Stämmen und der Unterseite der Blätter auf. Im Winter schließen sich Rotrückenmeisen zu kleinen Gruppen zusammen und verbringen die Nächte in Schlafbäumen. Während der Paarungszeit ziehen sich Paare in kleine Brutreviere zurück und führen ein ausgesprochen territoriales Leben. Die Reviere weisen je nach Lebensraum in der Regel eine Größe von einigen Hektar auf. Die kleinen Gruppen im Winter können durchaus auch eine gemischte Zusammensetzung aufweisen. Nicht selten treten in den Gruppen unterschiedliche Meisenarten oder anderen Vögel in Erscheinung.

Unterarten

Verbreitung

Rotrückenmeisen leben in lichten Nadel-, Laub- und Mischwäldern an der westlichen Küste Nordamerikas. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich je nach Unterart von Kalifornien bis hinauf nach Alaska und über die kanadischen Provinzen Alberta, British Columbia und Yukon. Rotrückenmeisen gelten in allen Verbreitungsgebieten als Standvögel. Dies gilt durchaus auch für die Regionen der nördlichen USA und der westlichen kanadischen Provinzen. Nur in Höhenlagen ziehen sie im Winter in tiefere Lagen.

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Rotrückenmeisen, sowie deren Gelegen und Küken zählen insbesondere Raben und Krähen (Corvus), Eulen (Strigiformes), Greifvögel (Falconiformes), Nordamerikanische Waschbären (Procyon lotor), Eichhörnchen (Sciurus) wie Kleine Chipmunks (Tamias minimus) und Purpur-Grackeln (Quiscalus quiscula) sowie andere räuberisch lebende Vögel (Aves). Bei Gefahr für das Gelege oder die Küken greifen Schwarzkopfmeisen potentielle Angreifer aktiv an und versuchen sie vom Nest wegzulocken.

Ernährung

Rotrückenmeisen sind eifrige Insektenfresser, die ihre Nahrung fast ausschließlich im Geäst von Laubbäumen suchen. Hier hüpfen sie geschickt am Stamm oder von Ast zu Ast und lesen Insekten (Insecta), Spinnentiere (Arachnida) sowie Raupen und Larven und andere wirbellose Tiere von Blättern, Ästen und Stämmen ab. Tierische Nahrung wird zumeist zu rund 70 Prozent gefressen. Im Winter werden in Ermangelung von Insekten und anderer tierischer Nahrung Sämereien und ähnliches gefressen. Während der Brutzeit stehen ausschließlich Insekten, deren Larven und Raupen, sowie Spinnentiere auf der Speisekarte. Damit wird auch der Nachwuchs gefüttert.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht die Rotrückenmeise mit gut einem Jahr. Die Paarungszeit beginnt in den gemäßigten Regionen bereits im März, spätestens Anfang oder Mitte April und erstreckt sich meist bis in den Juli hinein. Rotrückenmeisen leben in einer monogamen Einehe, die gelegentlich auch mehrere Jahre oder gar ein Leben lang hält. Die Regel ist eher eine Saisonehe. Die napfartigen Nester entstehen in der Regel in verlassenen Baumhöhlen anderer Vögel. Auch vom Menschen bereitgestellte Nistkästen werden gerne angenommen. Das Nestinnere wird zumeist mit weichen Pflanzenteilen wie Moosen und Flechten sowie Tierhaaren und Federn ausgepolstert. Am Bau oder Ausbau einer Bruthöhle sind beide Geschlechter beteiligt. In einer Saison kommt es auch in den gemäßigten Regionen nur zu einem Gelege, in Kalifornien nicht selten zu zwei Gelegen.

In das fertige Nest legt das Weibchen vier bis sieben, selten auch bis neun Eier, die eine weißliche bis cremefarbene Färbung aufweisen. Gelegentlich zeigen sich auf den Eiern rötliche bis rotbraune Sprenkel. Die Brutzeit erstreckt sich über rund 12 bis 13 Tage, dabei bebrütet ausschließlich das Weibchen die Eier. Sie wird während dieser Zeit vom Männchen mit Nahrung versorgt. Die Nestlingszeit erstreckt sich über einen Zeitraum von knapp 16 bis 18 Tagen. Die Brut wird von beiden Elternteilen mit Insekten, Raupen, Larven und Spinnentieren gefüttert. Nach dem Erreichen der Flugfähigkeit bleiben die Jungvögel noch weitere zwei Wochen bei den Eltern und werden auch noch mit Nahrung versorgt. Danach fliegen sie aus, bleiben aber meist im Revier der Eltern und schließen sich nicht selten den gleichen Trupps wie die Eltern an. Während der Brutzeit sind die Küken sehr gefährdet, Gelege werden nicht selten von Eichhörnchen (Sciurus) und räuberisch lebenden Vögeln geplündert. Die Lebenserwartung der Rotrückenmeise liegt unter günstigen Umständen bei fünf bis sieben Jahren.

Gefährdung und Schutz

Die Rotrückenmeise gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vögeln. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet geführt. Das Verbreitungsgebiet im westlichen Nordamerika wird auf rund 960.000 Quadratkilometer geschätzt. In dieser Region leben nach Schätzungen von Rich et al., 2003 rund 6,9 Millionen Individuen. In den letzten Jahrzehnten sind die Bestände aufgrund weitreichender Vernichtung der natürlichen Lebensräume leicht gesunken. Die Abnahme ist jedoch nicht als dramatisch einzustufen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge