Rotschulterbussard

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Rotschulterbussard

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Bussardartige (Buteoninae)
Gattung: Bussarde (Buteo)
Art: Rotschulterbussard
Wissenschaftlicher Name
Buteo lineatus
Gmelin, 1788

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Rotschulterbussard (Buteo lineatus) zählt innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zur Gattung der Bussarde (Buteo).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Rotschulterbussard erreicht eine Körperlänge von 43 bis 61 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 95 bis 110 Zentimeter sowie ein Gewicht von 550 bis 750 Gramm. Männchen bleiben wie bei allen Bussarden deutlich kleiner und leichter als Weibchen. Die Flügel und der lange Schwanz sind spitz zulaufend, die Flügelspitzen reichen nicht bis zum Schwanzende. Das Gefieder weist eine überwiegend braune bis dunkelbraune Färbung auf. Die Unterseite ist hellbraun gefärbt und weist eine dunkle Querbänderung auf. Dies ist aber nicht immer der Fall, da der Rotschulterbussard oftmals Farbmorphen hervorbringt. Die Extremitäten und die Zehen sowie die Wachshaut am Schnabelansatz weisen eine gelbliche Färbung auf. Die Augen sind dunkel gefärbt. Juvenile Vögel ähneln den adulten Tieren, jedoch ist die Grundfärbung etwas heller ausgeprägt. Die Färbung kann je nach Unterart und Verbreitungsgebiet leicht variieren.

Lebensweise

Der Rotschulterbussard lebt einzelgängerisch oder während der Paarungszeit paarweise und ist nur wenig territorial. Dies ändert sich allerdings während der Paarungszeit, in der ein Pärchen sich in ein Revier zurückzieht und dieses erbittert gegenüber Artgenossen verteidigt. Nichtbrüter sind deutlich weniger territorial. Je nach Geschlecht erstrecken sich die Reviere über ein bis vier Quadratkilometer. Die Reviere der Männchen sind dabei deutlich größer. Der Rotschulterbussard ist in nördlichen Regionen ein Zugvogel, der im Herbst sein Brutgebiet verlässt und in den Südwesten der USA oder nach Mexiko zieht. In der Regel fliegen die Vögel in kleinen Gruppen gemeinsam in das Winterquartier. Ende März oder Anfang April tauchen die ersten Vögel wieder in den Brutgebieten auf. Die Vögel in den südlichen Verbreitungsgebieten gelten als Standvögel. Rotschulterbussarde sind gute und ausdauernde Flieger, die auf Langstreckenflügen auch die Thermik ausnutzen. Ihre Jagd startet meist von einer Ansitzwarte aus.

Unterarten

Verbreitung

Der Rotschulterbussard ist in weiten Teilen des östlichen und nordöstlichen Nordamerikas verbreitet. Seine Brutgebiete liegen sowohl im Süden Kanadas und im Nordosten der USA. Hier gilt der Rotschulterbussard als Zugvogel. In den Brutgebieten im Osten und Westen der USA ist er ein Standvogel. Die Winterquartiere der nördlichen Populationen liegen im Südwesten der USA und im Norden Mexikos. Lichte Laub- oder Mischwälder sowie deren Ränder gehören zu den natürlichen Lebensräumen. Auch Sumpfgebiete werden durchaus häufig besiedelt. Ihre Nester errichten Rotschulterbussarde in alten Bäumen, zumeist in mittlerer Höhe.

Prädatoren

Ausgewachsene Vögel haben im Grunde keine natürlichen Feinde. Jedoch fallen die brütenden Vögel, die Nestlinge und die Eier gelegentlich Fressfeinden zum Opfer. Größere Greifvögel (Falconiformes) und Eulen (Strigiformes) haben es auf die Nestlinge abgesehen, Waschbären (Procyon) erbeuten als gute Kletterer auch das eine oder andere Ei.

Ernährung

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Rotschulterbussarde ernähren sich hauptsächlich von kleinen Säugetieren, die eine Größe eines kleinen Hasen aufweisen können. Der Rotschulterbussard ist aber kein Kostverächter und frisst auch kleinere Reptilien wie Echsen und Schlangen, Frösche und Kröten sowie andere Vögel. Lokal frisst er auch Krebstiere und größere Insekten wie Libellen. Die Jagd erfolgt von einer Ansitzwarte aus. Dabei orientiert sich der Rotschulterbussard mittels seines hochentwickelten Seh- und Hörsinnes. Der Geruchssinn spielt bei der Jagd keine Rolle. Ist ein Beutetier entdeckt, so folgt ein kurzer Flug und das Opfer wird mit den Klauen gegriffen. Beute wird entweder gleich vor Ort verspeist oder zunächst in die Nähe des Nestes verbracht. Hier legt er mitunter auch kleinere Nahrungsvorräte an.

Fortpflanzung

Der Rotschulterbussard erreicht die Geschlechtsreife mit rund einem Jahr. Die Paarungszeit beginnt in seinen natürlichen Verbreitungsgebieten für gewöhnlich im zeitigen Frühjahr, dies ist meist zwischen April und Juni der Fall. In einer Saison kommt es in allen Verbreitungsgebieten nur zu einer Jahresbrut. Außerhalb der Brutzeit nur wenig territorial, so ändert sich dieses Verhalten während der Brutzeit grundlegend. Revier und Gelege werden vehement verteidigt. Während der Balz kommt es zu kunstvollen, kreisenden Balzflügen und eindrucksvollen Sturzflügen. Rotschulterbussarde leben in monogamer Einehe. Diese Ehe hält meist über mehrere Jahre, wenn nicht sogar bis zum Lebensende. Das eigentliche Brutrevier ist mit wenigen Quadratkilometern relativ klein. Die eigentliche Kopulation dauert meist nur wenige Sekunden.

Die Horste werden von beiden Altvögeln aus Ästen, Reisig und Rinde gebaut. Er entsteht zumeist in mittlerer Höhe in alten Bäumen. Das Weibchen legt zwischen drei und vier weißliche Eier, die von beiden Elternvögeln über einen Zeitraum von rund 33 Tagen ausgebrütet werden. Die Ablage der Eier erfolgt im Abstand von einem Tag, die Brut beginnt bereits ab dem ersten Ei. Die geschlüpften Jungvögel werden vom Weibchen in den ersten Tagen gehudert. Während dieser Zeit sorgt das Männchen alleine für Nahrung. Mit 42 bis 45 Tagen sind die Jungvögel flugfähig, werden aber weiter von den Eltern mit Nahrung versorgt. Mit etwa 15 bis 18 Wochen sind sie dann endgültig selbständig. In Freiheit erreichen Rotschulterbussarde meist nur ein Alter von wenigen Jahren, in Gefangenschaft haben sie eine Lebenserwartung von 15 oder mehr Jahren.

Ökologie

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Rotschulterbussarde stehen in ihrem Lebensraum in Nahrungskonkurrenz zu einer Reihe von anderen Greifvögel und auch Eulen. Zu den wichtigsten Nahrungskonkurrenten gehören insbesondere Virginia-Uhus (Bubo virginianus), Steinadler (Aquila chrysaetos), Rotschwanzbussarde (Buteo jamaicensis) und Streifenkauze (Strix varia). Einige der aufgezählten Vögel trachten dem Rotschulterbussard oder dessen Gelege auch nach dem Leben, gehören also zu seinen Fressfeinden. In seinem Lebensraum hat der Rotschulterbussard eine wichtige Rolle, da er insbesondere die Population an Nagetieren steuert. In der Nähe des Menschen kann es aber auch vorkommen, dass er das Geflügel von Landwirten reißt. Dies macht ihn bei den Landwirten und Farmern nicht sonderlich beliebt. Jedoch ist der Nutzen deutlich höher als der verursachte Schaden.

Gefährdung und Schutz

Die Art ist zwar noch nicht akut gefährdet, jedoch sind die Bestände seit Jahrzehnten stark rückläufig. Noch vor 100 Jahren war der Rotschulterbussard in ganz Nordamerika verbreitet. Heute ist das Verbreitungsgebiet sehr zersplittert und lückenhaft. Dies gilt vor allem für die westlichen Populationen. Die Hauptgründe sind in der Zerstörung und Urbanisierung der natürlichen Lebensräume zu suchen. Ein weiterer Gefährdungspunkt ist die Ausbringung von Pestiziden und Pflanzenschutzmitteln, die vom Rotschulterbussard entweder direkt oder indirekt über die Nahrung aufgenommen werden. Die allgemeine Wasser- und Umweltverschmutzung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Der Rotschulterbussard wird durch das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) in Anhang II geschützt. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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