Runcinia grammica

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Runcinia grammica
Runcinia grammica auf Breitblättrigem Lavendel (Lavandula latifolia)

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Thomisoidea
Familie: Krabbenspinnen (Thomisidae)
Gattung: Runcinia
Art: Runcinia grammica
Wissenschaftlicher Name
Runcinia grammica
(C.L. Koch, 1837)

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:031065]

Die Spinnenart Runcinia grammica gehört innerhalb der Familie der Krabbenspinnen (Thomisidae) zur Gattung Runcinia.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Runcinia grammica erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 2,5 bis 3,5 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 4 bis 6 Millimeter. Der Vorderkörper und der Hinterkörper sind auffallend abgeflacht und die Beine sind flach seitlich ausgebreitet. Der Vorderkörper weist eine graue Färbung auf, oben ist der Vorderkörper mit einer schmalen, weißen Längslinie versehen und seitlich davon ist er mit zwei dunklen Binden gezeichnet. Der weiße Hinterkörper trägt oberseits zwei nach vorn zusammenlaufende, rötlich bis grau gefärbte Längsbinden und seitlich erkennt man die gleiche Färbung. Ferner besitzt der Hinterkörper fünf deutliche Rückenlöcher und ist - vor allem bei dem Weibchen - von fast dreieckiger Form und klar und kräftig gefärbt. Die Beine entsprechen der Grundfärbung des Vorderkörpers. Die beiden vorderen Beinpaare sind deutlich länger und kräftiger als die übrigen Beinpaare. Die Spinne kann mit den zur Seite gerichteten Vorderbeinen auch seitwärts und rückwärts laufen, ganz in Krabbenmanier. Das Männchen ähnelt weitgehend in der Färbung dem Weibchen, ist aber deutlich schwächer ausgefärbt. Sein Hinterkörper weist fast eine einheitliche braune Färbung auf. Die reifen Tiere sind im Sommer anzutreffen.

Lebensweise

Anhand der Grundfärbung ist die Spinne meistens auf Blüten und Sträuchern zu finden. Allerdings ist die Spinne selbst an ihrem exponierten Lauerplatz vielen Freßfeinden ausgesetzt. Sie besitzt jedoch einen guten Gesichtssinn, so dass die Spinne sich bei Annäherung eines Feindes im Rückwärts- oder Seitwärtsgang rasch unter einer Blüte oder unter einem Blatt in Sicherheit bringen kann.

Verbreitung

Runcinia grammica lebt an sonnigen, warmen Stellen im Gras, auf blühenden Pflanzen und Sträuchern wie zum Beispiel auf dem Breitblättrigen Lavendel (Lavandula latifolia). Dieser Strauch kommt vor allem im westlichen und im zentralen Mittelmeergebiet sowie östlich bis Jugoslawien vor. Er wächst auf trockenen und sonnigen Hängen. Im Mittelmeergebiet ist die Spinne weit verbreitet und stellenweise ist sie nicht selten, vereinzelt kommt sie im südlichen Mitteleuropa vor. Sehr selten ist Runcinia grammica auch nördlich der Alpen zu finden. Des Weiteren ist die Spinne auch in Südafrika sowie auf St. Helena - einer Insel im Südatlantik - verbreitet.

Ernährung

Runcinia grammica betätigt sich als typische Ansitzjägerin, indem die Spinne wartet, bis sich ein Beutetier ausreichend dicht angenähert hat und dann blitzschnell zugreift. Die Spinne lauert oft tage- und wochenlang am selben Platz unbeweglich mit seitwärts abgespreiztem Vorder- und zweitem Beinpaar auf ihre Beute. Sobald sich ein Insekt zum Blütenbesuch niederläßt, greift sie blitzschnell mit ihren langen Beinen zu und versetzt ihrer Beute einen Giftbiß, meist in die Nackenregion. Das Gift scheint recht wirksam zu sein, denn auch große Insekten (Insecta), zum Beispiel Schmetterlinge (Lepidoptera) werden mühelos überwältigt. Auch die wehrhaften Honigbienen (Apis mellifera), gehören zu ihren regelmäßigen Opfern. Da die Spinne fast immer unmittelbar hinter dem Kopf zubeißt und ihre Beute bis zum Eintreten der Giftwirkung in dieser Position festhält, hat die Biene keine Möglichkeit, sich noch mit ihrem Giftstachel zur Wehr zu setzen. Die Spinne saugt dann das Beutetier aus und zurück bleibt dann nur noch die leere Hülle. Die geringe Größe der Kieferklauen bei der Spinne weist auf die Tatsache hin, dass das Gift sehr wirksam sein muß. Des Weiteren verspeist die Spinne auch Spinnentiere (Arachnida).

Fortpflanzung

Die Paarung findet im Sommer statt. Das Männchen, das man wegen seiner geringen Größe und unauffälligen Färbung nur selten zu sehen bekommt, nähert sich furchtlos dem deutlich größeren Weibchen und steigt von vorn auf seinen Rücken. Von dort kriecht das Männchen über das Hinterleibsende hinweg auf dessen Unterseite und führt jetzt in Bauch-an-Bauch-Position abwechselnd seine beiden Taster in die Epigyne (äußeres weibliches Geschlechtsorgan) des Weibchens ein. Danach klettert das Männchen wieder auf den Rücken der Partnerin und legt eine längere Pause ein. Von Zeit zu Zeit paart das Männchen sich erneut und geht schließlich wieder seines Weges. Die Eiablage findet offenbar an verborgenen Orten statt. Den Rest seines Lebens verbringt das Weibchen mit der Bewachung seiner Eier. Sobald die Spinne merkt, dass die Jungen ausschlüpfen, beißt sie den dichten Kokon durch, um dem Nachwuchs das Ausschlüpfen zu erleichtern. Die ganze Zeit hindurch nimmt das Weibchen keine Nahrung zu sich und läßt sich auch durch Störungen nicht von der Bewachung des Kokons abhalten. Die geschlüpften Jungspinnen erreichen bis zum Herbst eine Größe von etwa 4 bis 5 Millimeter und suchen sich dann ein Überwinterungsversteck am Erdboden. Im Mai des folgendes Jahres häuten sie sich zum letzten Mal.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Update 18. Juni 2008 <1>

Runcinia grammica
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Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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