Rundschwanzsperber

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Rundschwanzsperber

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Habichte und Sperber (Accipitrinae)
Gattung: Habichte und Sperber (Accipiter)
Art: Rundschwanzsperber
Wissenschaftlicher Name
Accipiter cooperii
Bonaparte, 1828

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Rundschwanzsperber (Accipiter cooperii) zählt innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zur Gattung der Habichte und Sperber (Accipiter).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Rundschwanzsperber erreicht eine Körperlänge von 38 bis 46 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 75 bis 95 Zentimeter sowie ein Gewicht von 300 bis 650 Gramm. Männchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Weibchen. Das Rückengefieder und die Flügel sowie der Schwanz sind überwiegend blaugrau gefärbt. Der Schwanz ist durch schwärzliche Querbänder gekennzeichnet. Der Oberkopf ist schwarz gefärbt und setzt sich deutlich vom heller gefärbten Nackenbereich ab. Die Kopfseiten, die Brust und die Bauchseite sind hellbraun und weißlich gemustert gefärbt. Der Schwanz ist ausgesprochen lang und am Ende von leicht eckiger Form. Die langen Flügel sind deutlich gerundet. Über den Augen kann ein weißlicher Augenstreif vorhanden sein. Rundschwanzsperber jagen auf Sicht. Demzufolge ist ihr Sehsinn ausgesprochen gut ausgeprägt. Die Augen sind nach vorne gerichtet und ermöglichen so ein räumliches Sehen. Eine Beutetier wird nach einem kurzen und schnellen Flug mit den Fängen gepackt und zumeist mit einem Biss getötet. Der Schnabel weist eine schwarze Färbung auf. Die Extremitäten und die Fänge sind gelblich gefärbt.

Verhalten

Die tagaktiven Rundschwanzsperber kann man oft auf einer Ansitzwarte beobachten. Sie fliegen meist nur wenn sie gerade auf der Jagd sind. Rundschwanzsperber sind territorial, die ein Revier von einigen Quadratkilometer für sich beanspruchen. Sie leben während der Paarungszeit paarweise, außerhalb der Paarungszeit meist einzelgängerisch. Sie sind außergewöhnlich gute und gewandte Flieger. Mit ihrem langen Schwanz steuern sie in der Luft und sind so zu abrupten Richtungsänderungen in der Lage.

Verbreitung

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Der Rundschwanzsperber ist in weiten Teilen Nordamerikas verbreitet. Sein Verbreitungsgebiet reicht vom südlichen Kanada bis in die Südstaaten der USA. Die nördlichen Populationen ziehen im Herbst in südliche Gefilde. Sie überwintern zumeist in den südlichen Staaten der USA, in Mexiko oder im nördlichen Mittelamerika. Rundschwanzsperber leben vor allem in lichten und geschlossenen Wäldern. Dabei werden Laubwälder eindeutig bevorzugt, jedoch sind sie auch in Mischwäldern durchaus häufig anzutreffen. Auf die Jagd gehen die Vögel sowohl im Wald als auch an dessen Rändern. Offene Flächen werden in aller Regel gemieden.

Prädatoren

Ausgewachsene Rundschwanzsperber haben keine natürlichen Feinde. Jedoch fallen Eier und Nestlinge gelegentlich anderen Greifvögeln (Falconiformes), Eulen (Strigiformes) und anderen räuberisch lebenden Vögeln zum Opfer. Zu den bekanntesten Fressfeinden in der Vogelwelt gehören der Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis), der Habicht (Accipiter gentilis), die Amerikanerkrähe (Corvus brachyrhynchos) und der Virginia-Uhu (Bubo virginianus). Aber auch Säuger wie Waschbären (Procyon) machen sich gerne über das Gelege her.

Ernährung

Streifenbackenhörnchen (Tamias striatus)
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Streifenbackenhörnchen (Tamias striatus)

Der Rundschwanzsperber ist ein reiner Fleischfresser. Weit oben auf seiner Speisekarte stehen kleinere Säugetiere und Vögel. Bei Gelegenheit werden aber auch Frösche, Kröten und kleinere Reptilien nicht verschmäht. Die Jagd erfolgt in der Regel von einer Ansitzwarte aus. Ist ein Beutetier in erreichbarer Nähe, so fliegt der Rundschwanzsperber kraftvoll auf und schlägt blitzschnell zu. Zu seiner bevorzugten Nahrung gehören beispielsweise Streifenbackenhörnchen (Tamias striatus), Kleines Chipmunk (Tamias minimus) und Vögel bis in Größe eines Stars (Sturnus vulgaris).

Fortpflanzung

Der Rundschwanzsperber erreicht die Geschlechtsreife mit etwa zwei Jahren, Weibchen können gelegentlich schon mit einem Jahr die Geschlechtsreife erreichen. Während der Balzzeit kommt es insbesondere bei den Männchen zu kunstvollen Balzflügen. Damit will ein Männchen dem Weibchen beeindrucken und sie in sein Revier locken. Die Balzflüge gehen zumeist mit lautstarkem Geschrei einher. An den Balzflügen nehmen beide Partner teil. Hat sich ein Paar gefunden, so wird sogleich mit dem Bau eines Horstes begonnen. Dabei wählt das Männchen den Nistplatz und das Weibchen ist für den Bau des Horstes zuständig. Die Paarbildung hält im übrigen ein Leben lang. Ist bereits ein Nest vorhanden, so wird dieses lediglich ausgebessert. Bevorzugt werden hohe und alte Bäume, die entweder an einer Lichtung stehen oder sich nicht weit entfernt vom Waldrand befinden. Das Nest wird in der Nähe des Stammes in einer Astgabel errichtet. Als Baummaterial dienen Reisig und auch größere Äste oder Rinde. Die eigentliche Paarungszeit erstreckt sich je nach Verbreitungsgebiet von März bis in den Juni hinein.

Das Weibchen legt zumeist drei bis fünf Eier, die in einem Zeitraum von zwei bis drei Tagen belegt werden. Die Eier sind bläulichweiß bis grünlichweiß gefärbt. Je nach Lebensraum erfolgt die Ausbrütung der Eier über einen Zeitraum von 32 bis 35 Tagen. Während dieser Zeit brütet in der Regel das Weibchen. Das Männchen brütet nur in den Brutpausen des Weibchens und versorgt sie im wesentlichen mit Nahrung. Den geschlüpften Küken wächst sehr schnell ein dichter Flaum, der sie vor Kälte schützt. In den ersten Lebenstagen werden die Küken zudem vom Weibchen gehudert. Um die Versorgung der Jungvögel kümmern sich abwechselnd beide Geschlechter. Aber vor allem in den ersten drei Wochen besorgt hauptsächlich das Männchen die Nahrung. Die Flugfähigkeit erlangen die Jungtiere mit gut 35 bis 38 Tagen. Sie bleiben aber noch weitere drei Wochen bei den Eltern und werden von ihnen auch noch weiter gefüttert. In der ersten Zeit nach Erreichen der Flugfähigkeit entfernen sich die Jungvögel selten weiter wie einige hundert Meter vom Nest. Die Lebenserwartung liegt unter günstigen Umständen bei 10 Jahren.

Gefährdung und Schutz

Insgesamt ist der Rundschwanzsperber noch nicht gefährdet. Dennoch ist der Rundschwanzsperber in vielen seiner Verbreitungsgebiete mittlerweile selten geworden. Aufgrund des Washingtoner Artenschutzabkommens, Anhang II, stehen Rundschwanzsperber daher weltweit unter Schutz. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet geführt. Die Abholzung der angestammten Wälder stellt dabei die größte Bedrohung für die Art dar. Wälder werden fast in allen Verbreitungsgebieten heute gerodet. Zwar werden die Wälder in einigen Gebieten wieder aufgeforstet, nur kann der Rundschwanzsperber mit jungen Bäumen wenig anfangen. Ein weiterer Gefährdungsfaktor war in der Vergangenheit die Ausbringung non Pestiziden wie DDT. In fast allen Verbreitungsgebieten ist dieses mittlerweile geächtet und wird nicht mehr ausgebracht.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • David Attenborough: Das geheime Leben der Vögel. Verlag: Scherz (1999) ISBN 3502150303

Links

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