Ruprechtskraut

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Ruprechtskraut
Ruprechtkraut

Systematik
Klasse: Zweikeimblättrige (Magnoliopsida)
Unterklasse: Rosenähnliche (Rosidae)
Ordnung: Storchschnabelartige (Geraniales)
Familie: Storchschnabelgewächse (Geraniaceae)
Gattung: Storchschnäbel (Geranium)
Art: Ruprechtskraut
Wissenschaftlicher Name
Geranium robertianum
Linnaeus, 1753

Das Ruprechtskraut (Geranium robertianum), auch Stinkender Storchschnabel und Ruprechts-Storchschnabel genannt, ist eine Pflanze aus der Familie der Storchschnabelgewächse (Geraniaceae) und zählt zur Gattung der Storchschnäbel (Geranium). Es wird im Englischen als Herb Robert bezeichnet. Erstmals beschrieben wurde das Ruprechtskraut im Jahre 1753 von dem schwedischen Naturwissenschaftler Carl von Linné.

Inhaltsverzeichnis

Botanik

Pflanzenbeschreibung

Das Ruprechtskraut fällt oftmals durch seinen etwas unangenehmen Geruch auf, welcher vor allem dann bemerkbar wird, wenn man einige der Laubblätter in der Hand zerreibt. Das Kraut erreicht eine Höhe von etwa 20 bis 50 Zentimetern. Im Frühjahr, noch vor der Blüte, bildet sich am Boden ein Gebüsch aus grünen und stark gefiederten Laubblättern, die zarten Sprossen, also die jungen Triebe, sind grün, häufig auch mehr oder weniger stark karminrot bis rotgrün gefärbt und besitzen Drüsenhaare. Die Laubblätter sitzen sehr zahlreich an den Stängeln, sie sind gegenständig angeordnet, gestielt, handförmig geteilt und doppelt fiederspaltig. Die Blüten, welche während der Blütezeit zwischen Mai, seltener bereits ab April, bis September zum Vorschein kommen und je Stiel zu zweit sind, sind kräftig rot, über lila bis hin zu karminrot gefärbt und häufig mit hellen Streifen versehen. Sie haben fünf Blütenblätter. Nach der Blüte entwickeln sich aus den Blüten schnabelförmige zweiklappige Springfrüchte, die Samen können bis zu sechs Meter weit weggeschleudert werden. Nicht nur im deutschen Namen Storchschnabel wird auf die auffällige Schnabelform der Frucht hingedeutet, auch die wissenschaftliche Bezeichnung "Geranium" tut dies, sie kommt aus dem griechischen von "geranos", was so viel wie Kranich heißt, ein Vogel mit ebenfalls langem Schnabel.

Heilpflanze

Wirksame Pflanzenteile, Wirkstoffe

Zu den arzneilich verwendeten Pflanzenteilen gehören das Kraut unter der Drogenbezeichnung Herba Geranii Robertiani sowie das Wurzelwerk als Geranii Robertiani Radix. Wirksam ist jedoch die gesamte Pflanze (als Geranii Robertiani Herba). Zu den Wirk- und Inhaltsstoffen zählen Gerbstoffe, welche vor allem in der Wurzel vorkommen, Bitterstoffe, organische Säuren sowie ätherische in der frischen Pflanze. Die ätherischen Öle sind auch für den etwas unangenehmen Geruch verantwortlich.

Ernte und Zubereitung

Im Regelfall wird das Ruprechtskraut zur Zeit der Blüte abgesammelt. Dazu schneidet man es so knapp wie möglich über dem Boden ab. Anschließend wird das Kraut gebündelt und so zum trocknen mit den Blüten nach unten weisend an einem trocknen, warmen und hellen aber nicht zu sonnenbestrahlten Ort aufgehängt. Die Wurzel wird bei Bedarf im zeitigen Frühjahr oder im Herbst aus der Erde geholt, von Erde befreit und dann im Schatten getrocknet.

Nach dem Trocknen kann das Ruprechtskraut zu einem Tee verarbeitet werden. Dazu wird ein Teelöffel getrocknete und zerschnittene Wurzelsubstanz oder es werden zwei Teelöffel getrocknetes und zerschnittenes Kraut mit 250 Millilitern kochendem Wasser übergossen. Beim Kraut lässt man den Tee fünf Minuten und bei der Wurzel 15 Minuten ziehen. Dann wird der Tee abgeseiht und es kann zwei mal täglich eine Tasse heiß bis lauwarm getrunken werden.

Ruprechtskraut im April, also noch vor der Blüte
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Ruprechtskraut im April, also noch vor der Blüte

Heilwirkung und Anwendung

Die Schulmedizin verwendet das Ruprechtskraut nicht, auch wenn die Wirkung der Inhaltsstoffe sicher ist. In der Homöopathie wird das Homöopathikum Geranium maculatum verwendet, es wird jedoch nicht aus dem bei uns heimischen Ruprechtskraut, sondern aus dem nordamerikanischen Gefleckten Storchschnabel gewonnen. Sein Wurzelwerk wird zur Urtinktur verarbeitet. Es wird zur Blutungsstillung aller inneren Organe verwendet, wobei die Urtinktur und die Potentierung D1. Die empfehlenswerte Dosierung liegt bei fünf bis fünfzehn Tropfen drei mal pro Tag.

Ruprechtskraut als Hausmittel

Als Hausmittel findet auch das heimische Ruprechtskraut Verwednung. Die mittelalterlischen Ärzte schwärmten förmlich von dem Heilkraut, wie es aus Schriftzügen zu erfahren ist. Vielfach wurde der Name Gottesgnadenkraut gebraucht. W. Ryffius schrieb 1573: "Die herrlich namen Gottes Genad / darmit dises kraut bei den gemeinen man sonderlichen wol bekant ist / gibt anzeigung das sein wuerkung / tugend vnd krafft sehr gross vnd vilfaltig seind. Wie dann solchs die täglich erfahrungohn vnderlass beweiset." Danach folgten Heilpflanzen-Beschreibungen wie sie auch von P. A. Matthiolus und 1731 von Tabernaemontanus-Bauhinus schriftlich wiedergelegt wurden. Das Kraut wird in der traditionellen Volksheilkunde oftmals wirksam gegen Blutungen verschiedenster Art, beispielsweise bei Nasenbluten, Menstruationsblutungen, Hämorrhoidenblutungen und bei Blutenden Wunden, eingesetzt. Auch bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum sowie gegen Zahnschmerzen kann man Ruprechtskraut verwenden, in diesem Fall durch Kauen des Krautes. Bei Entzündungen am Auge nimmt man in Tee getränkte Mullbinden oder Ähnliches, gleiches bei der Anwendung auf der Hautoberfläche bzw. in offenen Wunden. Gegen Halsschmerzen, Durchfälle, Wassersucht, Gelbsucht und Steinleiden wird es im Tee getrunken.

  • Zu beachten ist, dass eine Selbstbehandlung mit diesem Kraut als nützliche Ergänzung dienen kann, ein Arzt sollte dennoch aufgesucht werden. Er kann entscheiden, ob die Anwendung des Ruprechtkrautes ausreichend ist, oder ob zusätzliche Medikamente gegeben werden müssen.

Vorkommen

Das Ruprechtskraut ist eine sehr häufige Pflanze. Es wächst bevorzugt im Halbschatten, beispielsweise zwischen Sträuchern und an Hecken auf Wiesen. Auch auf feuchten Felsen und Mauern, an Weg- und Waldrändern, auf Schotter in Bahn- und Industriegeländen, in Schluchten und selbst in allen heimischen Waldtypen kommt das Ruprechtskraut vor. Gelegentlich schaut es sogar aus den Ritzen alter Bäume heraus und schlägt ihre Wurzeln in diese, das Kraut kommt also so gut wie überall vor, sofern etwas Schatten sowie genügend Feuchtigkeit und Stickstoff im Untergrund oder im Boden vorhanden ist. In Gärten wird es oft als "Unkraut" angesehen, wobei die meisten Menschen die Heilwirkung und die während der Blütezeit schönen Blüten wahrscheinlich außer Acht lassen. Verbreitet ist das Kraut in weiten Teilen Europas, Asiens und Afrikas, in Teilen Noramerikas ist es als importiert, mancherorts ist die Ausbreitung so heftig, dass das Ruprechtskraut als "Unkraut" angesehen wird.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • M. Pahlow: Das grosse Buch der Heilpflanzen, Bechtermünz Verlag, ISBN 3-8289-1839-5
  • W. Stichmann, U. Stichmann-Marny: Der Kosmos Pflanzenführer, Franckh Kosmos, ISBN 3-440-07364-5
  • W. Eisenreich, A. Handel und U. Zimmer: BLV-Handbuch Tier und Pflanzen, BLV Verlagsgesellschaft mbH, ISBN 3-405-16740-X
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