Sömmerringgazelle

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Sömmerringgazelle

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Gazellenartige (Antilopinae)
Gattung: Gazellen (Gazella)
Art: Sömmerringgazelle
Wissenschaftlicher Name
Gazella soemmerringii
Syn. Nanger soemmerringii
Cretzschmar, 1828

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Die Sömmerringgazelle (Gazella soemmerringii, Syn. Nanger soemmerringii) zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung der Gazellen (Gazella). Im Englischen wird die Sömmerringgazelle Soemmerring's Gazelle genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Sömmerringgazelle erreicht eine Körperlänge von 122 bis 150 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 78 bis 88 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 20 bis 28 Zentimeter, eine Hornlänge von 38 bis 58 Zentimeter sowie ein Gewicht von 30 bis 55 Kilogramm. Weibchen bleiben insgesamt ein wenig kleiner und leichter als Männchen. Zudem sind ihre Hörner deutlich kürzer. Das Fell ist überwiegend blass-gelblichbraun gefärbt. Die Bauchseite, der Kehlbereich, der Schwanz, Teile der Hinterschenkel sowie die Innenseite der Extremitäten sind weißlich bis cremefarben gefärbt. Der Schwanz ist durch eine schwarz gefärbte Schwanzspitze gekennzeichnet. Der Rücken kann auch eine leicht rotbraune Färbung aufweisen. Die Tiere tragen eine markante Gesichtszeichnung. Das Rostrum ist schwärzlich gefärbt, ein weiterer Streifen verläuft vom Hornansatz über die Augen bis zur Spitze der Schnauze. Ein kleiner Bereich hinter den Augen sowie zwischen dem Nasenrücken und dem zweiten schwarzen Streifen ist weißlich gefärbt. Die Ohren sind im Verhältnis zum recht großen Kopf relativ klein. Sie sind spitz zulaufend und innen weißlich behaart. Die Hörner entspringen im Stirnbereich und sind leierförmig stark nach innen gebogen. Die Extremitäten sind kräftig gebaut und relativ lang. Die drei Unterarten sind durch markante Zeichnungen leicht zu unterscheiden. So sind die Hörner bei der Nominatform deutlich verkürzt und das Gesicht ist bräunlich gezeichnet. Bei Gazella soemmeringii berberana ist die Gesichtszeichnung schwarz. Gazella soemmeringii butteri zeichnet sich durch dunkle Flanken aus.

Lebensweise

Sömmerringgazellen sind ausgesprochen gesellig. Die Tiere leben in kleinen gemischten Gruppen mit 5 bis 20 (10 - 15) Individuen. Gelegentlich schließen sich mehrere Gruppen zu einigen Dutzend oder gar mehr als 100 Tieren zusammen. Dies ist vor allem auf den saisonalen Wanderungen der Fall. Augrund der Gefährdung sind sehr große Herden freilich selten geworden. Eine Gruppe setzt sich aus mehreren Weibchen, einem Männchen und Jungtieren zusammen. Die Herden, insbesondere die Männchen, verhalten sich vor allem während der Paarungszeit ausgesprochen territorial. Die Reviermarkierung erfolgt durch die Abgabe von Kot und Urin. Nicht selten kommt es unter rivalisierenden Männchen zu heftigen Duellen, bei denen die Hörner als Waffen eingesetzt werden. Dabei verhaken sich die nach innen verdrehten Hörner ineinander. Ziel ist es, einen Kontrahenten aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Unterarten

Verbreitung

Sömmerringgazellen sind am Horn von Afrika endemisch. Sie sind insbesondere mehr oder weniger häufig in Dschibuti, Eritrea, Äthiopien, Kenia, Somalia und im Sudan anzutreffen. Aride und halbarides Weide- und Grasland, offene Savannen und Buschland gehören zu den natürlichen Lebensräumen. Sie sind sowohl in der Ebene als auch im Hügelland zu beobachten.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern gehören insbesondere Tüpfelhyänen (Crocuta crocuta), Löwen (Panthera leo), Geparden (Acinonyx jubatus) und Leoparden (Panthera pardus). Ursprünglich gehörte auch der Afrikanische Wildhund (Lycaon pictus) zu den Fleischfressern der Sömmerringgazelle. Dieser ist jedoch in weiten Teilen seines Verbreitungsgebietes ausgestorben und spielt daher nur noch eine untergeordnete Rolle.

Ernährung

Neben Gräsern und Kräutern gehört auch das Laub der Akazien zur natürlichen Nahrung der Sömmerringgazellen. Blätter werden nur selten gefressen. Der Wasserbedarf wird fast ausschließlich über die Nahrung gestillt. Sömmerringgazellen legen vor allem während der Trockenzeit weite Wanderungen auf der Suche nach Nahrung zurück. Auf Nahrungssuche gehen die Tiere vorzugsweise in den frühen Morgen- und Abendstunden. Zur warmen Mittagszeit ruhen sie an schattigen Plätzen.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreichen Sömmerringgazellen mit rund 18 Monaten. Die Paarungszeit der meisten Populationen beginnt im September und kann sich bis in den November erstrecken. Während der Paarungszeit legen Männchen ein besonderes territoriales Verhalten an den Tag und kämpfen mit Artgenossen um das Paarungsrecht mit den Weibchen. Die Reviere werden mit Urin markiert und gegenüber Artgenossen verteidigt. Uneingeschränkter Zugang zum Revier eines Männchen haben nur empfängnisbereite Weibchen. Die Lebensweise kann daher als polygam bezeichnet werden, da sich ein Männchen mit allen Weibchen einer Herde paart. Nach einer Trächtigkeit von rund 195 bis 198 Tagen bringt das Weibchen ein, sehr selten auch zwei Jungtiere zur Welt. Hochtragende Weibchen sondern sich von ihrer Herde zum Werfen ab. Die ersten Tage bleibt das Jungtier im hohen Gras der Savanne verborgen und wird von der Mutter aus einiger Entfernung bewacht. Ist ein Feind in der Nähe, so lenkt die Mutter die Aufmerksamkeit auf sich und leitet den Räuber vom Jungtier weg. Nach 3 bis 4 Wochen ist das Jungtier kräftig genug, um der Mutter und der Herde zu folgen. Die Entwöhnung von der Muttermilch erfolgt im Alter von gut 6 Monaten. Sömmerringgazellen können in Freiheit ein Alter von 12 bis 14 Jahren erreichen.

Gefährdung und Schutz

Sömmerringgazellen gehören heute zu den gefährdeten Gazellenarten. Sie sind in weiten Teilen bereits ausgestorben. Bei den verbliebenen Populationen handelt es sich im Wesentlichen nur noch um verstreute Reliktpopulationen. Die Gründe für die aktuelle Gefährdung sind vielfältig. Zum einen wird der Lebensraum der Sömmerringgazellen zugunsten von landwirtschaftlichen Flächen und Siedlungsrum zerstört. Zum anderen stellt auch die Bejagung durch den Menschen ein großes Problem dar. Die seit Jahrzehnten anhaltenden Kriege haben die Situation zusätzlich verschärft. Einen sicheren Zufluchtsort finden Sömmerringgazellen fast nur noch in gesicherten Nationalparks. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als gefährdet (VU, vulnerable) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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