Südafrikanisches Stachelschwein

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Südafrikanisches Stachelschwein

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricognatha)
Teilordnung: Hystricognathi
Familie: Altweltliche Stachelschweine (Hystricidae)
Unterfamilie: Hystricinae
Gattung: Eigentliche Stachelschweine (Hystrix)
Art: Südafrikanisches Stachelschwein
Wissenschaftlicher Name
Hystrix africaeaustralis
Peters, 1852

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Südafrikanische Stachelschwein (Hystrix africaeaustralis) zählt innerhalb der Familie der Altweltlichen Stachelschweine (Hystricidae) zur Gattung der Eigentlichen Stachelschweine (Hystrix). Im Englischen wird die Art Cape Porcupine genannt.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die ältesten Vertreter der Eigentlichen Stachelschweine (Hystrix) stammen aus miozänen Ablagerungen. Das Südafrikanische Stachelschwein ist fossil seit dem Pliozän und dem frühen Pleistozän in Südafrika belegt (Barthelmess, 2006).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das kräftig gebaute Südafrikanische Stachelschwein erreicht eine Gesamtlänge von 630 bis 805 mm, eine Schwanzlänge von 105 bis 130 mm eine Hinterfußlänge von 89 bis 114 mm, eine Ohrlänge von 39 bis 48 mm sowie ein Gewicht von 10,0 bis 24,1 (17,5) kg. Südafrikanische Stachelschweine sind die größten Nagetiere in Afrika. Sie sind in Tansania sympatrisch mit der nah verwandten Art dem Gewöhnlichen Stachelschwein (Hystrix cristata). Das Fell weist hauptsächlich eine bräunliche Färbung auf. Die Stacheln sind hohl und weisen einen Durchmesser von 5 bis 7 mm und eine Länge von 50 bis 60 Zentimeter auf. Die langen Stacheln im hinteren Bereich des Rückens weisen weißliche Spitzen auf. An der Basis sind sie schwarz, ansonsten bräunlich. Die taktilen Borsten sind ausgesprochen flexibel. Die Stacheln dienen in ersten Linie der Verteidigung. Die Beine rund relativ kurz, jedoch kräftig. Im Bereich der stumpf endenden Schnauze zeigen sich lange Vibrissen. Die Augen sind klein und liegen mittig, seitlich am Schädel. Die kleinen und rundlich geformten Ohren liegen deutlich hinter den Augen, jedoch etwa auf gleicher Höhe. Das Gebiss besteht aus 20 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i1/1, c0/0, p1/1, m3/3. Die Schneidezähne sind kräftig und mit einer gelblichen Emaille-Schicht überzogen. Die Prämolaren und Molaren sind hypsodont (hochkronig). Die Weibchen verfügen zum Säugen ihres Nachwuchses über 2 Paar seitlich platzierte Zitzen. Den Männchen fehlt ein echtes Skrotum (Hodensack). Die Hoden weisen ein mittleres Gewicht von 6,6 Gramm auf. Der Magen der Südafrikanischen Stachelschweine ist einkammrig und ist an die herbivore Ernährung angepasst. Er weist ein maximales Volumen von 1.019 cm³ auf. Der Dünndarm ist mit 670 Zentimeter sehr lang, der Blinddarm (Cecum) ist mit 62 Zentimeter deutlich kürzer. Die Endfermentation der Nahrung erfolgt hauptsächlich im Dünndarm (Nowak, 1999; Barthelmess, 2006).

Lebensweise

Südafrikanische Stachelschweine leben in monogamen Familiengruppen, die aus einem Pärchen und deren Nachwuchs bestehen. Der Nachwuchs kann aus mehreren Würfen stammen. Bewohnt werden Erdbauten, die von einer Familiengruppe genutzt werden. Innerhalb des Reviers werden in der Regel 1 bis 6 Höhlen unterhalten. Südafrikanische Stachelschweine sind nachtaktiv und halten sich am Tage in ihren Bauten auf. Die Nahrungssuche erfolgt trotz geselliger Lebensweise meist einzelgängerisch. Das eigene Revier wird von beiden Geschlechtern mit Duftmarken markiert. Männchen setzen Duftmarken häufiger als Weibchen. Die Erdbauten werden meist von anderen Tieren wie dem Erdferkel (Orycteropus afer) übernommen, seltener auch selbst gegraben. Auch ausgediente Termitenbauten dienen mitunter als Unterschlupf. Die Siedlungsdichte der Südafrikanischen Stachelschweine liegt je nach Region und Lebensraumqualität bei 8 bis 25 Tiere je km². Die Reviergrößen richten sich nicht nur nach der Lebensraumqualität, sondern auch nach der Jahreszeit. Im Winter sind die Reviere einer Familiengruppe durchschnittlich 116 Hektar groß, im Sommer lediglich um die 67 Hektar. (Nowak, 1999; Barthelmess, 2006; Skinner & Smithers, 1990; Skinner & Chimimba, 2005).

Verbreitung

Das Südafrikanische Stachelschwein ist im südlichen Afrika endemisch. Nach Angaben der IUCN kommt die Art in Botswana, Burundi, in der Republik Kongo, in der Demokratischen Republik Kongo, in Kenia, Lesotho, Malawi, Mosambik, Namibia, Ruanda, Südafrika, Swasiland, Tansania, Uganda, Sambia und Simbabwe. Die Tiere kommen sowohl in der Ebene als auch in Höhenlagen bis in Höhen von gut 2.000 Metern über NN vor. Je nach Verbreitungsgebiet werden höchst unterschiedliche Lebensräume besiedelt. Südafrikanische Stachelschweine zeichnen sich dabei durch eine große ökologische Toleranz aus. Besiedelt werden sowohl tropische Regenwälder als auch Savannen, Baum- und Strauchsteppen bis hin zu reinen Wüsten (Nowak, 1999; Barthelmess, 2006; Skinner & Smithers, 1990; Skinner & Chimimba, 2005).

Prädatoren

Prädator: Löwen (Panthera leo)
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Prädator: Löwen (Panthera leo)

Zu den natürlichen Feinden zählen insbesondere Löwen (Panthera leo) und Leoparden (Panthera pardus). Südafrikanische Stachelschweine sind jedoch keineswegs wehrlos. Sie positionieren sich seitlich zu einem Angreifer und drohen mit ihren langen Spießen. Dieses Verhalten entwickeln die Tiere bereits wenige Tage nach der Geburt. Der größte Feind der Südafrikanischen Stachelschweine ist der Mensch, der den Tieren lokal massiv nachstellt (Nowak, 1999; Barthelmess, 2006).

Ernährung

Südafrikanische Stachelschweine ernähren sich primär als Pflanzenfresser. Zur bevorzugten Nahrung gehören beispielsweise Wurzeln und Knollen, Zwiebeln, Baumrinde, Blätter und junge Triebe sowie Früchte und ähnliches. Beliebte Futterpflanzen sind Kassien (Cassia), Kasuarinen (Casuarina), Kiefern (Pinus), Zürgelbäume (Celtis) und Myrobalanen (Terminalia). Lokal wurde beobachtet, dass Südafrikanische Stachelschweine Knochen verzehren. Dies wird als Osteophagie gezeichnet. Knochen werden vor allem in Regionen verzehrt, in denen in der Nahrung wenig Phosphor vorhanden ist. Neben Knochen fressen Südafrikanische Stachelschweine gelegentlich auch Aas. In der Nähe des Menschen werden die Tiere als Ernteschädling angesehen. Auf landwirtschaftlichen Flächen werden vor allem Getreide wie Mais gefressen (Nowak, 1999; Barthelmess, 2006).

Fortpflanzung

Die Weibchen der Südafrikanischen Stachelschweine erreichen die Geschlechtsreife im Verlauf des zweiten Lebensjahres, Männchen sind im Alter von 8 und 18 Monaten geschlechtsreif. Bei Weibchen konnte der erste Zyklus im Alter von 273 und 552 (413; n=5; Barthelmess, 2006) Tagen nachgewiesen werden. Der Zyklus der Weibchen erstreckt sich über 17 bis 42 (31,2; n=12) Tage. Dies entspricht einem Körpergewicht von gut 11 Kilogramm. Die Paarungszeit erstreckt sich zwar über das ganze Jahr, die meisten Geburten konzentrieren sich jedoch auf die Regenzeit. In einer Saison kommt es lediglich zu einem Wurf. Zu Beginn des Östrus weitet sich die häutige Vagina. Dieser Zustand dauert durchschnittlich 8,8 (n=34) Tage an. Zur Kopulation kommt es meist zwischen dem zweiten und achten Tag nach Beginn des weiblichen Östrus und erstreckt sich durchschnittlich über 154 Sekunden. Ein Weibchen bringt nach einer durchschnittlichen Tragezeit von 94 Tagen 1 bis 3 (1) Jungtiere in ihrem Erdbau zur Welt. Die Milchproduktion beginnt etwa 42 bis 60 Tage nach der Kopulation. Der Nachwuchs weist bei der Geburt ein Gewicht von 300 bis 440 Gramm (351) auf. Dies entspricht rund 2,1% vom Körpergewicht der Mutter. Die Säugezeit erstreckt sich über etwa 100 Tage. Im Alter von gut einem Jahr erreichen die Jungtiere das adulte Gewicht. Die Lebenserwartung der Südafrikanischen Stachelschweine liegt in Freiheit bei etwa 10 Jahren, in Gefangenschaft können die Tiere durchaus ein Alter von bis zu 20 Jahren erreichen (Nowak, 1999; Barthelmess, 2006).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Südafrikanische Stachelschweine zählen heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. In den meisten Regionen kommen die Tiere noch recht häufig vor und es handelt sich meist um stabile Populationen. In den Regionen, in denen der Mensch den Tieren nachstellt, sind jedoch deutlich Populationsrückgänge zu verzeichnen. In der Nähe des Menschen sind die Tiere keine gern gesehenen Gäste und man stellt ihnen als Ernteschädling nach. Südafrikanische Stachelschweine werden weltweit in vielen Zoos und ähnlichen Einrichtrungen gehalten. Auch Zuchterfolge stellen sich regelmäßig ein (Nowak, 1999; Barthelmess, 2006).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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