Südgeorgienscharbe

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Südgeorgienscharbe

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Ruderfüßer (Pelecaniformes)
Familie: Kormorane (Phalacrocoracidae)
Gattung: Kormorane (Phalacrocorax)
Art: Südgeorgienscharbe
Wissenschaftlicher Name
Phalacrocorax georgianus
Lönnberg, 1906

Die Südgeorgienscharbe (Phalacrocorax georgianus), auch unter dem Synonym Leucocarbo georgianus bekannt, zählt innerhalb der Familie der Kormorane (Phalacrocoracidae) zur Gattung der Kormorane (Phalacrocorax). Im Englischen wird die Südgeorgienscharbe south georgia shag genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt. Dieser Taxon wird von einigen Autoren als Subspezies von Phalacrocorax atriceps im weiteren Sinne (sensu-lato) betrachtet.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Die Südgeorgienscharbe erreicht eine Körperlänge von etwa 72,0 Zentimeter und eine Flügelspannweite von etwa 120,0 Zentimeter. Das adulte Männchen weist im Prachtkleid eine schwarze Stirn, einen schwarzen Kamm und einen schwarzen Nacken mit einem blauen Glanz auf. Die Unterkante der schwarzen Kappe beginnt knapp unterhalb des Auges und durchläuft die Ohrunterdecken. Der schwarze Kamm auf der Stirn wirkt ziemlich zottig und ist etwa 5 bis 6 Zentimeter lang. Oberhalb und hinter dem Auge zeigen sich weiße Fadenfedern. Auf den schwarzen oberen Flügeldecken schimmert ein grünlicher Glanz. Die Schulterfedern setzen sich vom hoch glänzenden blauen Mantel ab. Die weißen Flecken auf den Flügeln sind oft prominent, aber manchmal auch klein oder fehlen gänzlich. Der dunkel eingefärbte Schnabel weist zwei prominente gelbe Fleischwarzen ober an der Basis auf. Die Iris der Augen ist braun gefärbt. Ferner zeigt ein ultramarinblauer Augenring. Das Gesicht und der Hals wirken ziemlich dunkel. Die Beine und die Füße sind rosafarben geschönt, manchmal sind mit schwarzen Flecken gezeichnet. Der ultramarinblau gefärbte Augenring bei dieser Art deutet auf die Verwandtschaft mit anderen Blauaugen-Kormoranen. Blauaugen-Kormorane sind eine Gruppe von eng verwandten Taxa Kormorane (Phalacrocoracidae). Alle haben einen blauen, violetten oder roten Ring um das Auge (nicht eine blaue Iris). Andere gemeinsame Merkmale sind die weiß gefärbte Brust und die Unterseite (zumindest bei einigen Individuen) sowie die rosafarbenen Beine und Füße. Nach der Brutzeit ist das Gefieder blass und stumpf und der Kamm fehlt gänzlich. Die juvenilen und immaturen Vögel weisen ein mattbraunes Gefieder auf. Der Schnabel ist hellgrau-braun mit dunkler Oberschnabelhälfte und heller Spitze. Die Fleischwarzen sind lacksfarben oder violett. Die Iris der Augen ist hellbraun.
South Georgia
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Die Beine und Füße sind pinkfarben. Nach ersten Mauser ist der Augenring mattblau. Der Ruf des Männchens klingt ziemlich rau und der Ruf des Weibchens ist ein Zischen. Die Küken geben ein tiefes Pfeifen von sich, das einige Male wiederholt wird. Der Hals ist insgesamt lang und ausgesprochen dünn. Zwischen den Zehen hat die Südgeorgienscharbe Schwimmhäute, die sie zu einer hervorragenden Taucherin machen. Schwimmt die Südgeorgienscharbe an der Wasseroberfläche, so sind in der Regel nur ihr Hals und Kopf zu sehen. Der Körper befindet sich knapp unter der Wasseroberfläche. Das Gefieder saugt sich bei Kontakt mit Wasser voll und hält den Körper unter Wasser. Die Südgeorgienscharbe verfügt über keine Bürzeldrüse, mit der andere Wasservögel ihr Gefieder einfetten und mehr oder weniger wasserdicht machen. In diesen kaltem Klima, breiten die Vögel nicht ihre Flügel nach dem Tauchen zum Trocknen aus in der Art und Weise wie es die Vögel in den gemäßigten und tropischen Regionen machen. Die Südgeorgienscharben weisen ein extra dichtes inneres Gefieder auf.

Lebensweise

Südgeorgienscharben suchen einzeln oder in kleinen Gruppen, oft 10 bis 20 Vögel, nach Nahrung, jedoch liegen keine Beweise für eine Kooperation bei der Nahrungssuche vor. 75 Prozent verbringen für die Nahrungssuche, die Jugendlichen etwas weniger als die Erwachsenen). Im tiefen Wasser tauchen sie fast senkrecht nach unten und tauchen dann springend an die Wasseroberfläche nach oben. Die Population auf South Georgia tauchen öfter und bleiben etwa 3 Minuten länger unter Wasser. Die Vögel erreichen Tiefen von mehr als 80 Meter mit individuellen Unterschieden beim Tauchen. Dieselben Individuen weisen am Tag unterschiedliche Tauchzeiten auf, kurze Tauchgänge dauern weniger als 120 Sekunden und lange Tauchgänge dauern mehr als 120 Sekunden. Während der Küken-Aufzucht erfolgen 2,3 Fütterungen pro Tag und sind 6,22 Stunden pro Tag unterwegs auf Nahrungssuche. 86,7 Prozent der Zeit verbringen sie für die Nahrungssuche. Die Vögel tauchen lange Zeit, erholen sich dann an der Wasseroberfläche und diese zusammen mit der Wegezeit ergeben nur 1,06 Stunden pro Tag, die sie zur Verfügung für die Erfassung der Beute am Meeresboden haben. Paare mit 2 oder 3 Küken brauchen etwa 6,42 Stunden pro Tag für die Nahrungssuche und Brutpaare mit einem einzelnen Küken brauchen etwa 4,74 Stunden für die Nahrungssuche. Obwohl die Kormorane einzelner Gruppen nahe beieinander weniger als 2,5 Kilometer jagen, so sind dennoch die Fütterungsbereiche unterschiedlich, wobei es keine Überschneidug gibt.

Verbreitung

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Die Südgeorgienscharbe bewohnt die Inseln der Schottischen See. Die Schottische See liegt teilweise im Südlichen Ozean und vor allem im Atlantik zwischen Feuerland (Mitre-Halbinsel), der Isla de los Estados, der Burdwood Bank (Banco Namuncurá), den Shag Rocks, Black Rock, Südgeorgien, den Clerke Rocks, den Südlichen Sandwichinseln, den Südlichen Orkneyinseln und der Antarktischen Halbinsel. Im Westen wird sie von der Drakepassage begrenzt. Im Nordwesten schließt sich die Argentinische See an, und im Süden die Weddell-See. Diese Inselgruppen stellen alle Gipfel der Scotia Ridge dar, die die Schottische See im Norden, Osten und Süden begrenzt. Die Populationszahl beträgt vermutlich weniger als 9.000 Paare. Auf Südgeorgien befinden sich viele kleine Kolonien mit deutlich weniger als 100 Paare, in vielen Kolonien leben nur 10 bis 20 Paare. Insgesamt leben wohl weniger als 4.000 Paare auf Südgeorgeien. Auf den Südlichen Sandwichinseln befinden sich etwa 100 bis 1.000 Paare, auf Orkney leben ínsgesamt 2.000 Paare in 10 Kolonien und auf Signy Island befinden sich etwa über 830 Paare. Innerhalb der Kolonien schwankt die Anzahl der Individuen von Jahr zu Jahr.

Ernährung

Die Südgeorgienscharben ernähren sich hauptsächlich von Fisch, vor allem von Notothenia rossi, aber auch andere Arten aus der Gattung Notothenia werden gejagt. Auf Signy Island ernähren sich die Südgeorgienscharben vorwiegend von Notothenia nudifrons, etwa 75 Prozent. Des Weiteren zählen zum Nahrungsspektrum Kraken (Octopoda), Zehnfußkrebse (Decapoda) und Flohkrebse (Amphipoda). Die gefangenen Fische sind bis zu 27 Zentimeter lang und weisen ein Gewicht bis zu 201 Gramm auf. In 93 Prozent der Paare beginnen zuerst die Weibchen mit der Nahrungssuche. Die Südgeorgienscharben sind ebenfalls ausgezeichnete Taucher. Bei ihren Tauchgängen setzen sie ihre kräftigen Füße als Antrieb ein und nutzen ihren Schwanz zum Steuern.

Fortpflanzung

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Auf Signy werden einige Nester im Schnee und im Eis gebaut. Die Nester befinden sich flachen oder geneigten Flächen, oft unter Grasbüschel und auf Vorsprüngen von steilen Klippen Richtung Meerseite. Die Brutkolonien bestehen aus mehr als 100 Gruppen. Es gibt kein Nachweis für Nachbruten, wenn auch die eng verwandte Blauaugenscharbe (Phalacrocorax atriceps) zweimal innerhalb eines Jahres brütet. Manche Erwachsene haben bis Mitte Mai ihr Prachtkleid, obwohl sie schon Mitte Juni vor der Rückkehr zur Kolonie werben. Selbst im Juli beginnen die Vögel schon mit der Balz, die im Grunde genommen erst Anfang September erfolgt. Ende Oktober bis Anfang November erfolgt der Nestbau und werden die ersten Eier gelegt. Auf Südgeorgien werden die ersten Eier November oder Anfang Dezember gelegt und die Küken schlüpfen im Januar und im März verlassen sie das Nest. Die Brutzeit ist sehr langwierig und nur wenige Wochen des Jahres verbleiben für die Erwachsenen für die Paarung oder für die Brut. Vor der Paarung balzen beide Partner, indem sie wiederholt die Köpfe nach unten neigen und dann sich gegenseitig zuerst auf einer Seite die Wangen berühren, dann auf der anderen Seite die Wangen berühren, weiterhin vollführen sie für Minuten einen kreisförmigen Flug. Das Brutverhalten ist weitgehend unbeschrieben, ähnelt jedoch den anderen Blauaugen-Kormoranen. Das Nest ist ein steiler Kegelstumpf mit einer kleinen tassenförmigen Vertiefung. Der obere Rand ist mit Grasbüscheln ausgepolstert und die Vertiefung mit Pinguin-Federn. Die Höhe beträgt 20 bis 5 Zentimeter. Das Weibchen legt 2 bis 3 Eier in das Nest. Beide Geschlechter inkubieren 28 bis 31 Tage lang die Eier, jedoch bebrütet das Männchen überwiegend die Eier. Als Nesthocker verbleiben die Küken für 47 bis 50 Tage im Nest und werden von den Eltern gefüttert. Die Flugfähigkeit wird zwar mit 60 Tagen erreicht, die Jungvögel verbleiben aber noch einige Wochen bei den Eltern. Die Jugendlichen halten sich meist in geselligen Gruppen auf Eisschollen auf. Ihr Gefieder ist überwiegend bräunlich und an der Unterseite hellbraun gefärbt. Nach der ersten Mauser weisen die Jungvögel das gleiche Gefieder wie die adulten Vögel auf. Viele Eier und Küken fallen den Raubmöwen (Stercorariidae) zum Opfer. Einige Jungvögel werden auch vom Seeleoparden (Hydrurga leptonyx) gejagt. Der Bruterfolg hängt stark mit der relativen Häufigkeit der verfügbaren Nahrung ab.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X
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