Südlicher Glattdelfin

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Südlicher Glattdelfin
Siehe unten: Lissodelphis peronii

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Zahnwale (Odondoceti)
Familie: Delfine (Delphinidae)
Unterfamilie: Echte Delfine (Delphininae)
Gattung: Glattdelfine (Lissodelphis)
Art: Südlicher Glattdelfin
Wissenschaftlicher Name
Lissodelphis peronii
(Lacépède, 1804)

IUCN-Status
Data Deficient (DD)

Der Südliche Glattdelfin (Lissodelphis peronii) gehört innerhalb der Familie der Delfine (Delphinidae) zur Gattung der Glattdelfine (Lissodelphis). Im Englischen wird dieser Delfin Southern Right Whale Dolphin genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Der Gattungsname Lissodelphis setzt sich aus dem griechischen Lisso für "Glatt" und delphis für "Delfin" zusammen. Der Artname peronii wurde zu Ehren des französischen Naturforschers François Péron vergeben, der die Art im Jahre 1802 südlich von Tasmanien entdeckte (Newcomer, Jefferson & Brownell, 1996).

Inhaltsverzeichnis

Erkennung und Unterschiede

Der Südliche Glattdelfin ist in der südliche Hemisphäre der einzige Wal ohne Rückenfinne. Vom Nördlichen Glattdelfin (Lissodelphis borealis) unterscheidet sich die Art in der Färbung der Haut und in der Größe. Südliche Glattdelfine sind dorsal schwarz und ventral weißlich gefärbt. Die Flipper sind ebenfalls weiß gefärbt. Der Südliche Glattdelfin ist die größere Art von beiden Glattdelfinen (Newcomer, Jefferson & Brownell, 1996).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Südliche Glattdelfine sind schlank gebaut, der Körper ist dorsoventral abgeflacht. Die Art erreicht eine nachgewiesene Länge von 297 cm und ein Gewicht von etwa 116 kg. Der Schädel ist schlank, die Condylobasallänge erstreckt sich über 441 mm. Die Breite des Schnabels erreicht 26 bis 33% der Condylobasallänge, die Länge 53 bis 57% der Condylobasallänge. Im Ober- und Unterkiefer verfügen Südliche Glattdelfine jeweils über 37 bis 50 konisch geformte Zähne.Südliche Glattdelfine verfügen über 7 Halswirbel (Cervical vertebrae),14 Brustwirbel (Thoracic vertebrae), 32 Lendenwirbel (Lumbar vertebrae) und 31 Steißbeinwirbel (Coccygeal vertebrae). Neugeborene Kälber sind mehr graubraun bis gräulich gefärbt. Die adulte Hautfärbung stellt sich mit Ende des ersten Lebensjahres ein (Newcomer, Jefferson & Brownell, 1996).

Lebensweise

Wie alle Delfine, so sind auch Südliche Glattdelfine ausgesprochen gesellige Meeressäuger. Sie leben in Schulen, die üblicherweise eine Stärke von 100 oder mehr Tieren aufweisen. Typische Schulen weisen rund 210 Individuen auf, größere leicht über 1.000 Tiere. Es sind aber auch Sichtungen von einigen Tausend Individuen bekannt. Nicht selten schließen sich Südliche Glattdelfine auch den Gruppen anderer Meeressäuger (siehe Biozönose), so dass sich zu große Vergesellschaftungen bilden. Südliche Glattdelfine gelten als gute und schnelle Schwimmer, die leicht Schwimmgeschwindigkeiten von über 22 km/h erreichen können. Auch weite und hohe Sprünge aus dem Wasser sind keine Seltenheit. Tauchgänge während der Nahrungssuche erstrecken sich über bis zu 6,5 Minuten. Ein durchschnittlicher Tauchgang dauert 10 bis 75 Sekunden. Die Kommunikation untereinander erfolgt durch Klicklaute und Pfeifgeräusche. Die Echoortung ist auch bei der Nahrungssuche und der Orientierung in der Nacht hilfreich (Newcomer, Jefferson & Brownell, 1996).

Verbreitung und Lebensraum

Die Vorkommen erstrecken sich über die südliche Hemisphäre zwischen dem 30. und 65. Grad südlicher Breite. Die Art ist in Argentinien, Australien, Bouvetinsel, Brasilien, Chile, Falklandinseln, Uruguay, Mosambik, Namibia, Neuseeland, Peru, St. Helena, Tristan da Cunha, Südafrika , Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln nachgewiesen. Die Tiere besiedeln kaltgemäßigte bis subarktische Gewässer. Die Wassertemperature liegen je nach Vorkommen zwischen 1 und 20°C. Die Nähe zur Küste wird gemieden. Die Tiere leben demnach offshore auf hoher See. Südliche Glattdelfine erreichen Tauchtiefen von bis zu 200 m (Newcomer, Jefferson & Brownell, 1996).

Biozönose

Südliche Glattdelfine treten nicht selten in gemischten Schulen auf, in denen sie mit Großen Tümmlern (Tursiops truncatus), Grindwalen (Globicephala melas), Schwarzdelfinen (Lagenorhynchus obscurus) und Gemeine Delfinen (Delphinus delphis) zusammenleben. Nachgewiesen sind Parasiten wie Nasitrema sp. in den Luftnebenhöhlen, Stenurus sp. in den Lungen, Anisakis simplex im Magen, strobilocephalus triangularis im Grimmdarm (Colon), Orthosplanchnus antarcticus und Delphinicola tenuis in der Leber. Zu den natürlichen Feinden zählen beispielsweise Schlafhaie (Somniosidae) und bei Jungtieren auch Schwarze Seehechte (Dissostichus eleginoides). Dies haben Magenanalysen bei den Prädatoren ergeben (Newcomer, Jefferson & Brownell, 1996).

Ernährung

Südliche Glattdelfine ernähren sich in großen Wassertiefen von Kalmaren (Teuthida) der Familien Ommastrephidae, Mastigoteuthidae und Gallertkalmare (Cranchiidae) sowie und von Fischen wie Tiefseestinte (Bathylagidae), Leuchtfische (Phosichthyidae), Laternenfische (Myctophidae), Seehechte (Merlucciidae), Altweltliche Ährenfische (Atherinidae), Stachelmakrelen (Carangidae) und Sardellen (Engraulidae). Dies habenn Magenanalysenn gestrandeter oder gefangener Tiere ergeben (Newcomer, Jefferson & Brownell, 1996).

Fortpflanzung

Über das Fortpflanzungsverhalten ist so gut wie nichts bekannt. Die Geschlechtsreife wird mit einer Länge von 218 bis 250 cm erreicht. Gestandete Weibchen, die trächtig waren, wiesen einen lebensfähigen Fötus in einer Länge von rund 86 bis 87 cm auf. Diese Länge von Kälbern ist auch belegt durch Funde in Mägen von natürlichen Feinden (Newcomer, Jefferson & Brownell, 1996).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Der Bestand und auch der Gefährdungsgrad der Südlichen Glattdelfine ist weitestgehend unbekannt. Dies liegt vor allem an der heimlichen Lebensweise auf hoher See. Direkt bejagt werden die Tiere heute nur in kleinen Mengen von Fischern aus Peru und Chile. Eine mögliche Gefahr geht vom Beifang aus. Gelegentlich verfangen sich Südliche Glattdelfine in Treib- oder Schleppnetze. Die Tiere sind wahrscheinlich wie alle Delfine anfällig für anthropogene Geräusche, dass heißt Geräusche, die durch den Menschen verursacht werden. Die Tiere werden in ihrer Orientierung gestört, was letztlich die zahlreichen Strandungen zur Folge hat (IUCN, 2014; Newcomer, Jefferson & Brownell, 1996).

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Mark Carwardine: Wale und Delfine in europäischen Gewässern. Delius Klasing Verlag, 2003 ISBN 3768814564
  • Karl Müller: Wale und Delfine. Karl Müller Verlag, Kön (2004) ISBN 3833601329
  • Mark Simmonds: Wale und Delfine der Welt. Delius Klasing Verlag, 2006 ISBN 3768817660

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