Südliches Zwergmeerschweinchen

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Zwergmeerschweinchen

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricognatha)
Teilordnung: Hystricognathi
Überfamilie: Meerschweinchenartige (Cavioidea)
Familie: Meerschweinchen (Caviidae)
Unterfamilie: Eigentliche Meerschweinchen (Caviinae)
Gattung: Zwergmeerschweinchen (Microcavia)
Art: Südliches Zwergmeerschweinchen
Wissenschaftlicher Name
Microcavia australis
(Geoffroy & d'Orbigny, 1833)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Südliche Zwergmeerschweinchen (Microcavia australis) gehört innerhalb der Familie der Meerschweinchen (Caviidae) zur Gattung der Zwergmeerschweinchen (Microcavia). Im Englischen wird die Art Southern Mountain Cavy genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das robust gebaute Südliche Zwergmeerschweinchen weist je nach Unterart und Geschlecht eine unterschiedliche Größe auf. Männchen erreichen eine Körperlänge von 170 bis 245 (203,5) mm, eine Hinterfußlänge von 35 bis 50 (41,9) mm und eine Ohrlänge von 14 bis 20 (17,9) mm. Weibchen erreichen eine Körperlänge von 176 bis 220 (190,7) mm, eine Hinterfußlänge von 38,8 bis 43 (40,9) mm und eine Ohrlänge von 15 bis 22 (17,9) mm. Das Gewicht variiert bei den Geschlechtern je nach Jahreszeit von 200 bis 326 Gramm. Die Schädellänge liegt bei rund 48 bis 49 mm, die Jochbeinbreite bei 27,5 bis 28,3 mm. Der Kopf ist ausgesprochen groß und weist rund ein Drittel der Körperlänge auf. Ein Schwanz ist nicht vorhanden. Das kurze Fell weist eine bräunliche bis graubraune Färbung auf. In der Fellfärbung zeigt sich zwischen den Geschlechtern kein Dimorphismus. Ein Markantes Merkmal des Südlichen Zwergmeerschweinchens ist der gut sichtbare weißliche Augenring. Die Augen sind relativ große und die großen, rundlich geformten Ohren liegen weit hinten am Schädel. Die Augen liegen seitlich, Mittag am Schädel. Die Vorderfüße enden in vier Zehen, die Hinterfüße in 3 Zehen. Jede Zehe weist eine kräftige Kralle auf. Das Gebiss besteht aus 20 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i1/1, c0/0, p1/1, m3/3. Die Weibchen verfügen zum Säugen des Nachwuchses über 2 Paar Zitzen. Die Inneren Organe sind gut entwickelt. Die Lunge wiegt 2,41 bis 3,43 (2,92) Gramm, das Herz 1,07 bis 1,49 (1,28) Gramm, die Leber 8,47 bis 11,25 (9,86) Gramm, die Nieren 2,63 bis 3,65 (3,14) Gramm und der Magen-Darm-Trakt 69,28 bis 80,42 (74,85) Gramm (Tognelli, Campos & Ojeda, 2001).

Lebensweise

Die tagaktiven Südlichen Zwergmeerschweinchen leben in geselligen Gruppen. Die Größe einer Gruppe und des Reviers richtet sich nach der Lebensraumqualität. Weibchen leben in Revieren mit einer durchschnittlichen Größe von etwa 3.200 m², Männchen beanspruchen mit mehr als 7.000 m² ein deutlich größeres Revier. Die Tiere sind das ganze Jahr über aktiv. Ein Winterschlaf oder eine Winterruhe wird demnach nicht gehalten. Die Hauptaktivitäten erstrecken sich über die frühen Morgen- und Abendstunden. Im Sommer halten sich die Tiere bei Temperaturen von mehr als 35°C an schattigen Plätzen oder in Erdbauten auf. In der Nacht ruhen die Tiere in der Regel in selbst gegrabenen Erdbauten. Hier bringen Weibchen auch ihren Nachwuchs zur Welt (Tognelli, Campos & Ojeda, 2001; Nowak, 1999).

Unterarten

Verbreitung

Prädator: Kaninchen-Eule (Athene cunicularia)
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Prädator: Kaninchen-Eule (Athene cunicularia)

Südliche Zwergmeerschweinchen sind in Südamerika in weiten Teilen Argentiniens, im südlichen Bolivien und im südlichen Chile verbreitet. Die Tiere leben im Tiefland in ariden und semiariden Lebensräumen wie Dornbuschsavannen, Wüsten und Halbwüsten. Feuchtgebiete und geschlossene Wälder werden strikt gemieden. Die Lebensräume sind hauptsächlich durch Gewächse wie Pfefferbäume (Schinus) und Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae) geprägt (Tognelli, Campos & Ojeda, 2001; Nowak, 1999).

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Südlichen Zwergmeerschweinchen zählen vor allem der Kleingrison (Galictis cuja), der Pampasfuchs (Pseudalopex gymnocercus), der Patagonische Skunk (Conepatus humboldtii) sowie verschiedene Greifvögel (Falconiformes) und Eulen (Strigiformes) wie die Kaninchen-Eule (Athene cunicularia) oder der Rotrückenbussard (Buteo polyosoma). Südliche Zwergmeerschweinchen sind ausgesprochen vorsichtig und wagen sich selten mehr als ein paar Meter von ihrem Unterschlupf weg (Tognelli, Campos & Ojeda, 2001).

Ernährung

Südliche Zwergmeerschweinchen sind reine Pflanzenfresser. Sie ernähren sich im Wesentlichen von Wurzeln, Knollen, Sämereien, Körnern und grünen Pflanzenteilen. Weit oben auf der Speisekarte stehen beispielsweise Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae), Mesquite-Sträucher (Prosopis) und Kapernsträucher (Capparis). Auf Nahrungssuche gehen die Tiere ausschließlich am Tage (Tognelli, Campos & Ojeda, 2001).

Fortpflanzung

Südliche Zwergmeerschweinchen erreichen die Geschlechtsreife bereits im Alter von 40 bis 50 Tage. In den natürlichen Verbreitungsgebieten konzentriert sich die Paarungszeit im Wesentlichen von August bis in den April hinein. Die meisten Geburten treten zwischen September und Oktober auf. Während der jährlichen Fortpflanzungszeit kommt es zu zahlreichen Würfen, nicht selten im Abstand von gut 6 Wochen. Das Paarungsverhalten kann als polygam bezeichnet werden. Während der Paarungszeit kommt es unter rivalisierenden mitunter zu heftigen Kommentkämpfen. Ein Männchen paart sich mit allen empfänglichen Weibchen in einer Gruppe. Der Östrus erstreckt sich über einen Zeitraum von 15 Tagen. Ein Weibchen bringt nach einer Tragezeit von 51 bis 52 Tagen 1 bis 5 (2,8) Jungtiere in ihrem Bau zur Welt. Das Geburtsgewicht liegt bei etwa 30 bis 31 Gramm, die Geburtslänge bei 81 bis 116 mm. Die Säugezeit erstreckt sich über 21 Tage, die Selbständigkeit erreicht der Nachwuchs im Alter von 4 Wochen. Die Lebenserwartung liegt in Freiheit unter günstigen Umständen bei bis zu 4 Jahren, in Gefangenschaft auch bei 8 Jahren (Tognelli, Campos & Ojeda, 2001; Nowak, 1997, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Südliche Zwergmeerschweinchen gehören noch nicht zu den bedrohten Nagetierarten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Die Tiere spielen in ihrem Ökosystem eine durchaus wichtige Rolle. Sie sorgen zum einen für ein ausgewogenes Pflanzenwachstum und bilden auf der anderen Seite die Nahrungsgrundlage für zahlreiche räuberisch lebende Tiere (Tognelli, Campos & Ojeda, 2001).

Synonyme

Nach Wilson & Reeder, 2005, ist das Südliche Zwergmeerschweinchen unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind joannia (Thomas, 1921), kingii (Bennett, 1836) und nigricana (Thomas, 1921). Alle genannten Synonyme sind ungültig.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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