Saatkrähe

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Saatkrähe

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Rabenvögel (Corvidae)
Tribus: Corvini
Gattung: Raben und Krähen (Corvus)
Art: Saatkrähe
Wissenschaftlicher Name
Corvus frugilegus
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Saatkrähe (Corvus frugilegus) zählt innerhalb der Familie der Rabenvögel (Corvidae) zur Gattung der Raben und Krähen (Corvus). Im Englischen wird die Saatkrähe Rook genannt. Die Saatkrähe wurde zum Vogel des Jahres 1986 gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Saatkrähe erreicht eine Körperlänge von 45 bis 47 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 84 bis 95 Zentimeter sowie ein Gewicht von 400 bis 500 Gramm. Das Gefieder ist völlig schwarz bis schwarzbraun gefärbt. Stellenweise schimmert das Gefieder leicht bläulich bis violett. Der lange und kräftige Schnabel ist an der Basis hellgrau gefärbt, zur Spitze hin weist der Schnabel eine dunkelgraue bis fast schwarze Färbung auf. Der Bereich um den Schnabelansatz ist unbefiedert und ist leicht weißlich gefärbt. Dies ist auch das sicherste Unterscheidungsmerkmal zur Aaskrähe. Die Stirn und der Oberkopf zeigen eine auffällig erhöhte Form. Die kleinen Augen liegen unmittelbar am Schnabelansatz. Die Beine sind bis zu den Oberschenkeln befiedert und weisen an den übrigen Stellen eine dunkelgraue bis schwarze Färbung auf. Die Geschlechter sind sowohl in der Größe als auch in der Gefiederfärbung völlig identisch.

Verhalten

Saatkrähen sind Koloniebrüter. Die Saatkrähenpaare lernen sich vorwiegend in den Nichtbrütertrupps kennen und halten ein Leben lang zusammen. Hierarchien gibt es wie bei allen Schwarmtieren. Sie gehen gemeinsam auf Nahrungssuche, viele Augenpaare sehen mehr als eins oder zwei. An den Schlafstellen können sich unter Umständen einige Tausend Vögel zusammenfinden. Je nach Verbreitungsgebiet gilt die Saatkrähe als Standvogel, Teilzieher oder Zugvögel. Die Saatkrähe ist eine gute und elegante Fliegerin. Im Flug können sie Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h erreichen.

Die Aktivitätsphase der Saatkrähe beginnt bereits in den frühen Morgenstunden und endet meist mit Einbruch der Dunkelheit. Die meiste Zeit des Tages wird für die Nahrungssuche und -aufnahme aufgewandt. Saatkrähen gehören wie alle Raben und Krähen zu den ausgesprochen intelligenten Vögeln. Wie alle sozial ausgerichteten Vögel, so verfügen auch Saatkrähen über ein breites Vokabular, das im wesentlichen der Kommunikation dient. Als Singvögel beherrschen sie auch einen ausgefeilten Balzgesang, der von beiden Geschlechtern gleichermaßen vorgetragen wird.

Unterarten

Verbreitung

Typischer Lebensraum: Waldrand
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Typischer Lebensraum: Waldrand

Saatkrähen kommen in weiten Teilen des gemäßigten Europas und Asiens vor. Dabei teilen sich zwei Unterarten dieses große Verbreitungsgebiet. Die Nominalform der Saatkrähe, Corvus frugilegus frugilegus, ist im wesentlichem im westlichen Teil Asiens und in Ost, Mittel- und Südeuropa verbreitet. Sie kommen in der Regel nur in der Ebene vor. Höhenlagen von bis zu einigen Hundert Metern werden eher selten besiedelt.

In Europa reicht das Verbreitungsgebiet vom südlichen Skandinavien, über die britischen Inseln und Mitteleuropa bis in den Norden von Spanien und Italien. Im Südosten wird der Balkan, Griechenland, die Karpaten und die Türkei besiedelt. Die Europäischen Populationen gelten bis auf die Skandinavischen Vorkommen als Standvögel oder Teilzieher. Die osteuropäischen und die westasiatischen Vorkommen ziehen im Herbst nach Südosteuropa, Mitteleuropa oder gar bis ins südwestliche Europa. Die Unterart Corvus frugilegus pastinator kommt nur im zentralen und östlichen Teil Asiens vor. Ihre Winterquartiere liegen hauptsächlich in Südostasien, insbesondere in China, Korea und einigen japanischen Inseln.

Als Lebensraum werden vor allem landwirtschaftliche Flächen, Weiden und Wiesen, lichte Wälder, Parks und größere Gärten angenommen. In der Nähe des Menschen gelten sie auch als Kulturfolger und scheuen dessen Nähe keineswegs. Lichte Wälder oder größere Baumgruppen dienen als Brutrevier.

Ernährung

Saatkrähen ernähren sich vielseitig. Der Nachwuchs wird überwiegend mit Insekten und deren Larven gefüttert. Darüber hinaus werden auch Amphibien, Schnecken, Würmer, kleine Säugetiere wie Mäuse sowie kleine Reptilien gefressen. Die Eier sowie Brut anderer Vögel gehören nicht zum Nahrungsspektrum der Saatkrähen, hier werden sie oft mit den Rabenkrähen verwechselt.
Typischer Lebensraum
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Typischer Lebensraum
In der ökologischen Landwirtschaft haben die Saatkrähen eine wichtige Funktion als Vertilger von Feldschädlingen.

An pflanzlicher Nahrung werden Sämereien, Körner aller Art, Nüsse, Waldfrüchte und Beeren gefressen. In der Nähe des Menschen bilden Komposthaufen bisweilen eine willkommene Zusatznahrungsquelle für Saatkrähen. In Zeiten reichlich vorhandener Nahrung legen Saatkrähen in mehreren Verstecken Nahrungsvorräte an, von denen sie sich in Mangelzeiten ernähren. Allerdings sind Saatkrähen weitaus scheuer als Rabenkrähen, somit sind sie selbst im Umfeld der Koloniestandorte viel seltener in den Gärten anzutreffen,. Vorräte werden in Baumhöhlen, in Ritzen von Baumrinde oder unter Steinen versteckt. Die Nahrungssuche beginnt in der Regel meist in den frühen Morgenstunden. Saatkrähen gehen im Schwarm auf Nahrungssuche.

Fortpflanzung

Saatkrähen erreichen die Geschlechtsreife mit rund zwei Jahren. Die Paarungszeit beginnt in den meisten Verbreitungsgebieten bereits im Februar, in den nördlichen Regionen meist im März oder im April. Männchen treffen in der Regel ein bis zwei Wochen früher als die Weibchen in den Brutgebieten ein und stecken als erstes ihr Brutrevier ab. Gebrütet wird in zum Teil großen Kolonien von einigen Hundert Brutpaaren. Die Kolonien befinden sich an Waldrändern oder in größeren Baumgruppen. Jedoch gilt jedes Nest dabei als kleines Revier. Die Vögel leben in monogamer Einehe, die ein Leben lang hält. In einer Saison kommt es nur zu einem Gelege, jedoch kommt es bei Gelegeverlust durchaus häufig zu einem kleineren Nachgelege. Die Nester werden meist in hohen Bäumen errichtet. Sie werden überwiegend aus Ästchen und Zweigen gebaut. Der Auspolsterung dienen Federn, Tierhaare und weiche Pflanzenteile.

Das Weibchen legt zwischen drei und fünf hellgrüne bis hellblaue, leicht ovale Eier. Die durchschnittliche Brutzeit beträgt zwischen 17 und 19 Tagen. Dabei brütet ausschließlich das Weibchen, das Männchen sorgt während dieser Zeit für Nahrung und Schutz. Die geschlüpften Küken werden in den ersten Tagen von der Mutter gehudert, da sie noch nackt und blind sind. Um die Nahrungsbeschaffung kümmern sich beide Elternteile. Flügge sind die Jungvögel nach etwa 35 Tagen, sie bleiben aber noch bis zum nächsten Jahr bei den Eltern im Familienverband oder schliessen sich Junggesellengruppen an. Saatkrähen können ein Alter von durchschnittlich 15 bis 20 Jahren erreichen.

Ökologie

Die Saatkrähe gilt in der Landwirtschaft und im Obstanbau als Plage. Wenn größere Schwärme von einigen Tausend Vögeln auf Getreidefeldern oder in Obstgärten einfallen, können sie durchaus Schaden anrichten. Jedoch wird in aller Regel der Schaden durch die betroffenen Farmer oder Obstbauern aufgebauscht. Auf der anderen Seite vertilgen Saatkrähen große Mengen an Schadinsekten und haben so auch eine positive Auswirkung auf die Landwirtschaft. Saatkrähen kommen in allen Verbreitungsgebieten häufig vor. Demzufolge werden sie in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072

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