Samoa-Flughund

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Samoa-Flughund
Skelett

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Flughunde (Megachiroptera)
Familie: Flughunde (Pteropodidae)
Tribus: Eigentliche Flughunde (Pteropodini)
Gattung: Pteropus
Art: Samoa-Flughund
Wissenschaftlicher Name
Pteropus samoensis
Peale, 1848

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Der Samoa-Flughund (Pteropus samoensis) gehört innerhalb der Familie der Flughunde (Pteropodidae) zur Gattung Pteropus. Im Englischen wird der Samoa-Flughund Samoan Flying Fox oder Samoa Flying-fox genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Samoa-Flughund erreicht je nach Geschlecht und Unterart eine Flügelspannweite von etwa 82 bis 90 (86) Zentimeter, eine Unterarmlänge von 12 bis 15,5 Zentimeter, eine Schädellänge von 5,70 bis 6,4 Zentimeter, eine Condylobasallänge von 5,6 bis 6,18 Zentimeter, eine Hirnschädelbreite von 2,13 bis 2,24 Zentimeter, eine Hirnschädellänge von 3,8 bis 4,17 Zentimeter, eine Schnauzenlänge von 2,2 bis 2,5 Zentimeter, eine Jochbogenbreite von 3,12 bis 3,61 Zentimeter sowie ein Gewicht von 220 bis 440 Gramm. Die Unterart Pteropus samoensis samoensis ist ein wenig kleiner und leichter als die Nominatform. Das dichte Fell weist eine überwiegend hellbraune, zuweilen auch gelblichbraune, rötlichbraune oder graubraune Färbung auf. Der Oberkopf ist deutlich heller gefärbt als das restliche Fell. Zudem zeigt sich hier ein meist sehr heller Fleck. Die Haare des Felles weisen ventral eine Länge von 18 bis 24 mm, dorsal eine Länge von 16 bis 18 mm auf. Das Patagium (Flughaut) weist eine dunkelbraune Färbung auf. Die Flügel weisen eine Fläche von 0,10 bis 0,12 (0,11) m² auf. Das Gebiss besteht aus 34 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i2/2, i1/1, p3/3, m2/3 (Banack, 1996, 2001; Richmond et al., 1998).

Lebensweise

Während der Ruhephasen und in der Nacht halten sich Samoa-Flughunde in ihren Schlafbäumen auf. Hier sind sie einzeln, paarweise, in Familiengruppen oder seltener in kleinen Gruppen von bis zu 9 Tieren anzutreffen. Innerhalb der Gruppen gibt es keine Aggressionen oder Rangkämpfe. Samoa-Flughunde sind tagaktiv, die Hauptaktivitäten entfalten die Tiere jedoch in den frühen Morgenstunden und am späten Nachmittag. Auf den Fiji-Inseln sind die Tiere jedoch auch in der Dämmerung, auf den Samoa-Inseln gelegentlich auch in der Nacht aktiv. Samoa-Flughunde sind durchaus gute Flieger. Ist genügend Aufwind vorhanden, so schlagen sie pro Minute kaum 2 mal. Die Schlagfrequenz kann jedoch auch bei bis zu 180 Schlage/min. liegen. Dies entspricht 3 Flügelschlägen je Minute. Vor allem an den Küsten herrschen meist günstige Winde, die den Tieren zu einem energetisch optimalen Flug verhelfen. Samoa-Flughunde sind durchaus territorial. Sie verteidigen ihr Revier vokal, olfaktorisch und auch visuell. Zu territorialen Auseinandersetzungen kommt es vor allem in den frühen Morgenstunden und am späteren Nachmittag. Nicht selten kommt es auch zu regelrechten Verfolgungsjagden zwischen 2 Kontrahenten. Duftdrüsen sitzen bei den Männchen am Hals und im Bereich des Kinnes. Durch Reiben an Ästen, Blättern und ähnlichem wird ein markanter Duft verteilt. Vokales Territorialverhalten ist von beiden Geschlechtern bekannt. Drohgebärden mit ausgebreiteten Flügeln hingegen meist nur von den Männchen (Banack, 1996, 2001; Pierson et al., 1996; Thomson, et al., 1998).

Unterarten

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Samoa-Flughundes erstreckt sich im Stillen Ozean über die Inselgruppen Samoa und Fiji. Es werden insbesondere die Inseln Nauai, Ovalau, Taveuni, Vanua Levu und Viti Levu besiedelt, die zu den Fiji-Inseln gehören, sowie Savaii, Upolu, Tutuila, Ofu, Olosega und Ta'u , die zu Westsamoa und Amerikanisch-Samoa gehören. Samoa-Flughunde besiedeln hauptsächlich tropische Regenwälder. Hier liegen zum einen ihre Schlafplätze in den Bäumen, zum anderen auch die Nahrungsgründe. Die Schlafplätze liegen üblicherweise in hohen Bäumen, die leicht zugänglich sind. Lokal sind Samoa-Flughunde auch in Sekundärwäldern und in Plantagen und ähnlichem anzutreffen (Mickleburgh et al., 1992; Banack, 1996, 2001; Palmeirim et al., 2005; Mickleburgh et al., 1992; Flannery, 1995; Koopman& Steadman, 1995).

Prädatoren

Samoa-Flughunde werden zwar hauptsächlich vom Menschen verfolgt, jedoch stehen sie auch auf der Speisekarte zahlreicher natürlicher Feinde. Zu den Prädatoren kann man die Schleiereule (Tyto alba) und den Wanderfalken (Falco peregrinus) rechnen. Weitere natürliche Feinde sind nicht dokumentiert (Grant und Banack, 1995 in Banack, 2001).

Ernährung

Samoa-Flughunde ernähren sich generalistisch von Früchten, Blüten und Blättern. Nachgewiesen sind laut Banack (2001) rund 32 Futterpflanzen. Mit mehr als 90% wird die Nahrung in primären Regenwäldern gefunden. Die restlichen 10% entfallen auf Sekundärwälder und Plantagen. Zu den Futterpflanzen gehören Ylang-Ylang (Cananga odorata), Myrobalanen (Terminalia catappa), Diospyros samoensis aus der Ebenholzgewächse (Ebenaceae), Elaeocarpus ulianus, Inocarpus fagifer, Cyrtandra samoensis, Calophyllum inophyllum, Fagraea berteroana, Dysoxylum maota, Dysoxylum samoense, Artocarpus altilus aus der Gattung der Brotfruchtbäume (Artocarpus), verschiedene Feigen (Ficus) wie F. obliqua, F. prolixa, F. scabra, F. tinctoria und F. uniauriculata, Syzygium inophylloides aus der Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae), Pfeffer (Piper graeffei), Cupaniopsis samoense, Pometia pinnata, Planchonella samoensis aus der Gattung der Guttaperchabäume (Palaquium), Freycinetia reineckei aus der Familie Schraubenbaumgewächse (Pandanaceae). Von den genannten Pflanzen werden überwiegend nur die Früchte gefressen (Banack, 1998, 2001).

Blüten, Pollen und Nektar werden vor allem von Ylang-Ylang (Cananga odorata), Kapokbaum (Ceiba pentandra), Elaeocarpus ulianus, Erythrina variegata aus der Gattung der Korallenbäume (Erythrina), Barringtonia asiatika aus der Familie der Topffruchtgewächse (Lecythidaceae), Syzygium inophylloides aus der Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae), Alphitonia zizyphoides aus der Familie der Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae), Neonauclea forsteri aus der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae), Guttaperchabäume (Palaquium stehlinii) und Planchonella samoensis aus der Familie der Sapotengewächse (Sapotaceae), Kokosnusspalme (Cocos nucifera), Eria robusta aus der Familie der Orchideengewächse (Orchidaceae), Freycinetia reineckei und Pandanus tectorius aus der Familie der Schraubenbaumgewächse (Pandanaceae) gefressen (Banack, 1998, 2001; Cox, 1982). Auch Blätter werden nicht selten verzehrt. Hier sind folgende Futterpflanzen zu nennen: Erythrina variegata aus der Gattung der Korallenbäume (Erythrina), Feigen (Ficus) wie Ficus tinctoria, Eria robusta aus der Familie der Orchideengewächse (Orchidaceae), Pipturus argenteus aus der Familie der Brennnesselgewächse (Urticaceae) und Elaeocarpus ulianus (Banack, 1998, 2001).

In den natürlichen Lebensräumen überschneiden sich weite Teile der Nahrungshabitate mit denen der Tonga-Flughunde (Pteropus tonganus). Nicht selten kommt es unter den beiden Arten zu regelrechten Raufereien um die Nahrung. Samoa-Flughunde gehen als tagaktive Flughunde ausschließlich am Tage auf Nahrungssuche (Banack, 1998, 2001).

Fortpflanzung

Der Samoa-Flughund erreicht die Geschlechtsreife mit rund 18 bis 24 Monaten. Die Jungen werden zwischen März und Oktober geboren. Während dieser Zeit kommt es lediglich zu einem Wurf. Bei der Kopulation, die mit lautem Geschrei der Weibchen einhergeht, versucht sich das Männchen dem Weibchen von hinten zu nähern. Dabei kommt es zu einem Nackenbiss und einer Umklammerung mit den Vorderbeinen. Der reine Geschlechtsakt dauert dabei kaum eine Minute. Nach einer Tragezeit von etwa 150 Tagen bringt das Weibchen meist ein Jungtier zur Welt. Die Jungtiere sind bei der Geburt nackt und werden in den ersten Wochen von der Mutter getragen. Dies gilt auch während der Nahrungssuche. Zum Säugen verfügen Weibchen über zwei Zitzen, die sich seitlich im Brustbereich befinden. Mit etwa 3 Monaten beginnen die Jungtiere mit den ersten Flugübungen. Zu diesem Zeitpunkt haben die Jungtiere die Hälfte der adulten Größe erreicht. Das Absetzen von der Muttermilch erfolgt nach 3 bis 5 Monaten. Im Alter von 4 bis 6 Monaten erreichen die Jungtiere die adulte Größe. Die Väter spielen bei der Aufzucht der Jungen keine Rolle (Pierson und Rainey, 1992; Banack 1996, 2001).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In den letzten 3 Jahrzehnten hat der Bestand der Samoa-Flughunde um bis zu 80% abgenommen. In der Roten Liste der IUCN wird der Samoa-Flughund in der Kategorie NT, Near Threatened geführt. Die Hauptgefahr geht auf allen Inseln von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume aus. Aber auch die Bejagung stellt ein ähnlich großes Problem dar. Die Tiere werden getötet und landen in Restaurants auf Guam und den Nördlichen Marianen als Delikatesse für Gutbetuchte. Die Bejagung ist allerdings verboten, da die Art im Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) in Anhang I geführt wird. Auch periodisch auftretende Wirbelstürme und andere Unwetter schaden den Populationen zum Teil erheblich (Pierson et al., 1996; Palmeirim et al., 2005).

Synonyme

Nach Wilson & Reeder, 2005, ist der Samoa-Flughund unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind vitiensis Gray (1870), whitmeei Alston (1874), fuscicollis Nicoll (1904) und ruficollis Nicoll (1908). Alle genannten Synonyme gelten als veraltet.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera)

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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