Sandfuchs

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Sandfuchs

Systematik
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Familie: Hundeartige (Canidae)
Gattung: Echte Füchse (Vulpes)
Art: Sandfuchs
Wissenschaftlicher Name
Vulpes rueppellii
(Schinz, 1825)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Sandfuchs (Vulpes rueppellii), der auch Rüppellfuchs genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Hundeartigen (Canidae) zur Gattung der Echten Füchse (Vulpes). Im Englischen wird die Art Rüppell's Sand Fox genannt.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die ältesten caniden Funde in Afrika stammen aus dem Miozän. Die ersten Vertreter der Echten Füchse (Vulpes) weisen ein Alter von etwa 4 Millionen Jahren auf und stammen demnach aus dem frühen Pliozän. Die Zuordnung der pliozänen Funde ist unklar, jedoch gehen Forscher davon aus, dass die Funde dem Sandfuchs (Vulpes rueppellii) oder dem Fennek (Vulpes zerda) zugeordnet werden können. Der Fennek wird zudem als direkter Vorfahre des Sandfuchses angesehen. Zu den näheren Verwandten gehört auch der Rotfuchs (Vulpes vulpes), der Bengalfuchs (Vulpes bengalensis) und der Polarfuchs (Vulpes lagopus) (vergl. Larivière & Seddon, 2001).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der kleinwüchsige Sandfuchs erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine Gesamtlänge von 66,1 bis 74,2 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 27,5 bis 29,9 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 9,8 bis 10,7 Zentimeter, eine Ohrlänge von 9,4 bis 9,8 Zentimeter, eine Schädellänge von 10,0 bis 10,5 Zentimeter, eine Condylobasallänge von 9,5 bis 10,2 Zentimeter, eine Jochbeinbreite von 5,3 bis 5,3 Zentimeter sowie ein Gewicht von durchschnittlich 1.700 Gramm. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen, wobei der Dimorphismus lokal und je nach Unterart variieren kann. Charakteristisches Merkmal der Sandfüchse sind die langen und breiten Ohren sowie die relativ kurzen Extremitäten. Das Fell weist dorsal eine überwiegend sandfarben bis gräuliche Färbung auf, die Flanken sind eher gräulich gefärbt. Ventral zeigt sich eine weißliche Färbung. Im Winter weist das Fell eine dichte Unterwolle auf, die eine Länge von 35 mm erreicht. Im Bereich der Schnauze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen, die eine Länge von bis zu 70 mm aufweisen können. Der Schwanz ist ausgesprochen buschig, die Haare des Schwanzes erreichen eine Länge von 50 bis 55 mm. Die Schwanzspitze ist weißlich gefärbt. Der Schädel ist klein und zierlich. Die Sinne, insbesondere der Sehsinn und das Gehör, sind hoch entwickelt. Die Pfoten sind im Bereich der Sohle mit weichem und langem Fell versehen. Dies verhindert zum einen das Einsinken in Sand und schützt zum anderen vor zu großer Hitze. Das kräftige Gebiss besteht aus 42 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i3/3, c1/1, p4/4, m2/3. Der Penisknochen der Männchen (Baculum) weist eine Länge von 40 mm auf (Larivière & Seddon, 2001; Novak, 1999; Murdoch et al., 2007; Cuzin & Lenain, 2004).

Lebensweise

Die nachtaktiven Sandfüchse sind durchaus gesellige Caniden. Sie leben üblicherweise in kleinen, monogamen Familiengruppen. Außerhalb der Paarungszeit gehen sich die Geschlechter jedoch eher aus dem Weg. Die tägliche Aktivität beginnt mit beginnender Dunkelheit und endet im Morgengrauen. Sandfüchse sind durchaus territorial. Während der Ruhephasen halten sich die Tiere in Erdbauten auf. Innerhalb eines Reviers werden bis zu 5 Erdbauten unterhalten. Die Bauten werden meist alle 4 bis 5 Tage gewechselt. Beide Geschlechter sind an der Reviermarkierung beteiligt. Die Markierung erfolgt mit Urin, Kot und einem Sekret aus Analogenitaldrüsen. Je nach Lebensraumqualität erstreckt sich die Reviergröße über 13 und 84 km². Die Kommunikation im Nahbereich erfolgt visuell, taktil, akustisch und chemisch (olfaktorisch) (Larivière & Seddon, 2001; Novak, 1999; Murdoch et al., 2007; Cuzin & Lenain, 2004).

Unterarten

Verbreitung

Der Sandfuchs ist im nördlichen Afrika und im Nahen Osten weit verbreitet. Nach Angaben der IUCN ist die Art insbesondere in Afghanistan, Algerien, im Tschad, in Dschibuti, Ägypten, Eritrea, Äthiopien, im Iran, Irak, in Israel, Jordanien, Libyen, Mali, Mauretanien, Marokko, im Niger, in Oman, Pakistan, Saudi-Arabien, Somalia, im Sudan, in Syrien, Tunesien, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Jemen verbreitet. Die Tiere besiedeln hauptsächlich Steppen, Halbwüsten und reine Wüstengebiete wie Stein- und Sandwüsten (Larivière & Seddon, 2001; Novak, 1999; Murdoch et al., 2007; Cuzin & Lenain, 2004).

Biozönose

Sympatrie und Konkurrenz

Sandfüchse teilen sich ihren Lebensraum lokal mit anderen Caniden, insbesondere Echten Füchse (Vulpes) und Echten Hunde (Canis). Dies sind je nach Vorkommen und Lebensraum der Goldschakal (Canis aureus), der Wolf (Canis lupus), der Rotfuchs (Vulpes vulpes) und der Afghanfuchs (Vulpes cana).
Prädator: Steppenadler (Aquila nipalensis)
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Prädator: Steppenadler (Aquila nipalensis)
Im Gegensatz zu den genannten Arten ist der Sandfuchs überwiegend in sehr wasserarmen Regionen zu finden. Tritt eine zu große Konkurrenz mit anderen Caniden auf, so kommt es zur Abwanderung der Sandfüchse. Vor allem die Lebensraum- und Nahrungskonkurrenz zum Rotfuchs drängt den Sandfuchs immer weiter zurück (Larivière & Seddon, 2001).

Prädatoren

In den ausgesprochen ungastlichen Lebensräumen hat der Sandfuchs nur wenige natürliche Feinde. Zu den wenigen Feinden zählen Eulen (Strigiformes) und Greifvögel (Falconiformes) wie der Steppenadler (Aquila nipalensis) und der Uhu (Bubo bubo). Aus der Luft sind Sandfüchse aufgrund der guten Tarnung jedoch kaum auszumachen. In der Regel fallen nur unerfahrene und junge Tiere einem Feind zum Opfer (Larivière & Seddon, 2001; Novak, 1999; Murdoch et al., 2007).

Ernährung

Sandfüchse ernähren sich als opportunistische Allesfresser sowohl von pflanzlicher Nahrung als auch von tierischer Kost. Die Nahrung variiert je nach Lebensraum und der lokalen Verfügbarkeit. An pflanzlicher Nahrung werden Früchte wie Echte Dattelpalmen (Phoenix dactylifera), Gräser, Wurzeln und Knollen gefressen. Zu den bevorzugten Beutetieren gehören Nagetiere (Rodentia), Vögel (Aves), deren Eier, Eidechsen (Lacertidae), Insekten (Insecta) und andere Gliederfüßer (Arthropoda). Beliebte Nagetiere sind beispielsweise die Libysche Rennmaus (Meriones libycus) und die Kleine Ägyptische Rennmaus (Gerbillus gerbillus). Unter den Eidechsen konnten Ägyptische Dornschwänze (Uromastyx aegyptia) und ähnliche Beutetiere nachgewiesen werden. Bei Gelegenheit werden auch kleinere Schlangen (Serpentes) wie ungiftige Nattern (Colubridae) gefressen. Während der Nahrungssuche legen Sandfüchse pro Tag bis zu 9 Kilometer zurück (Larivière & Seddon, 2001; Novak, 1999; Murdoch et al., 2007; Cuzin & Lenain, 2004).

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht der Sandfuchs im Alter von einem Jahr. In den natürlichen Verbreitungsgebieten erstreckt sich die Paarungszeit im Winter von November bis in den Januar hinein. Während dieser Zeit kommt es zu einem Wurf. Wie alle Füchse leben auch Sandfüchse in einer monogamen Einehe. An der Aufzucht des Nachwuchses ist demnach auch das Männchen beteiligt. Außerhalb der Aufzuchtzeit leben die Tiere hingegen eher einzelgängerisch. Die Kopulation findet in der Regel nur einmal in einer Saison statt und erstreckt sich über bis zu 11 Minuten. Nach einer Tragezeit von 52 bis 53 Tagen bringt ein Weibchen 2 bis 6 (3,3) Jungtiere zur Welt. Das Geschlechterverhältnis liegt bei den Geburten zwischen 1,6:1 bis 1,7:1 (male/female). Der Nachwuchs kommt blind und taub zur Welt. Die Entwöhnung von der Muttermilch erfolgt im Alter von 6 bis 8 Wochen. Die Selbständigkeit erreicht der Nachwuchs im Alter von gut 4 Monaten. Die Lebenserwartung der Sandfüchse liegt bei 6 bis 7 Jahren, unter günstigen Umständen auch bei 12 Jahren (Larivière & Seddon, 2001; Novak, 1999; Murdoch et al., 2007; Cuzin & Lenain, 2004).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Sandfüchse gehören noch nicht zu den bedrohten Beuteltierarten. Die Art wird in der Roten Liste der IUCN daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Die Tiere spielen in ihren natürlichen Lebensräume eine durchaus wichtige Rolle. Sie regulieren vor allem die Populationen an Nagetieren und Insekten. In der Nähe des Menschen sind Sandfüchse dennoch keine gern gesehenen Gäste. Es wird ihnen nachgesagt, sie würden sich am Hausgeflügel und ähnlichem vergreifen. Zudem gilt der Sandfuchs als Überträger der Tollwut. Regional stellt der Mensch den Tieren wegen des Felles nach. Gelegentlich werden gefangene Welpen auch als Haustiere verkauft (Larivière & Seddon, 2001; Novak, 1999; Murdoch et al., 2007).

Synonyme

Nach Wilson & Reeder, 2005, ist der Sandfuchs unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind Vulpes famelicus (Cretzschmar, 1826) und Vulpes somalize (Thomas, 1918). Beide Synonyme sind ungültig.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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