Rapfen

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Rapfen

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Zwischenklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Ostariophysi
Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
Überfamilie: Karpfenähnliche (Cyprinoidea)
Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
Gattung: Aspius
Art: Rapfen
Wissenschaftlicher Name
Aspius aspius
(Linnaeus, 1758)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Rapfen (Aspius aspius), auch als Schied und unter dem Synonym Cyprinus aspius bekannt, zählt innerhalb der Familie der Karpfenfische (Cyprinidae) zur Gattung Aspius. Im Englischen wird der Rapfen Asp genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Laut fishbase kann der Rapfen eine max. Körperlänge von etwa 100,0 Zentimeter bei einem max. Gewicht von etwa 9.000 Gramm erreichen. Die Normallänge beträgt etwa 55,0 Zentimeter. <1>

Laut fishbase weist der Rapfen insgesamt 3 Rückenflossenstacheln, insgesamt 7 bis 9 Rückenflossenweichstrahlen, 3 Afterflossenstacheln und 12 bis 15 Afterflossenweichstrahlen auf. <1>

Flossenformel
Die Flossenformel setzt sich aus dem ersten Buchstaben der lateinischen Flossenbezeichnung, der Anzahl der Hartstrahlen und der Anzahl der ungeteilten und geteilten Weichstrahlen zusammen. Hartstrahlen werden dabei mit römischen, Weichstrahlen mit arabischen Zahlen angegeben.
D. (Dorsale = Rückenflosse) 3/8, A. (Anale = Afterflosse) 3/14, V. (Ventrale = Bauchflosse) 2/8-9, P. (Pectorale = Brustflosse) 1/16, C. (Caudale = Schwanzflosse) 19, Squ. (Scalar) 11-12/67-70/4-5. <2>

Charakteristisch für die Arten aus der Gattung Aspius sind die Schlundzähne, die in zwei Reihen zu 3 und 5 stehend angeordnet sind. Des Weiteren weisen sie konisch verlängerte und hakenförmig umgebogene Kronen ohne Einkerbungen auf. Der mit einem vorstehenden Kinn versehene Unterkiefer greift in eine Vertiefung der Zwischenkiefer ein. Die kurze Rückenflosse steht hinter den Bauchflossen und die Afterflosse mit langer Basis beginnt hinter dem Ende der Rückenflosse. Der Bauch bildet zwischen den Bauchflossen und dem After eine Kante. <2>

Bei dem Rapfen ist die Mundöffnung nach oben gerichtet und die Mundspalte wirkt sehr weit. Der Körper erscheint seitlich etwas zusammengedrückt. Die Augen und Schuppen wirken klein und die letzteren weisen deutlich erhabene Radien auf. Der Rapfen ist die Riesenform unter den Weißfischen (Alburnus), mit denen Agassiz diesen Fisch in einer und derselben Gattung Aspius vereinigt hatte. Die Anordnung und der Bau der Schlundzähne ist aber so von einer eigentümlichen Art, dass sich die Trennung der beiden Gattungen Aspius und Weißfische (Alburnus) sehr gut rechtfertigen läßt. Die kleinen Augen des Rapfen sowie die kleinen Schuppen geben diesem Fisch ein einmaliges charakteritisches Aussehen, dass die Art auch in ganz jungen Entwicklungsstadien leicht von den großäugigen und großschuppigen Weißfischen (Alburnus) unterschieden werden kann. Außerdem zeichnet sich dieser Fisch von allen Weißfischen (Alburnus) noch durch seine tief ausgeschnittene Afterflosse aus, welche nach hinten zurückgeschlagen zweispitzig erscheint. Seine sehr weite Mundspalte verrät auf den ersten Blick die räuberische Lebensweise, durch welche sich der Rapfen von den übrigen Karpfenfischen (Cyprinidae) auffallend abweicht. <2>

Rapfen - Profilaufnahme
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Rapfen - Profilaufnahme

Der Rapfen erinnert durch die Körperform und durch die verlängerte Schnauze etwas an den Zander (Sander lucioperca). Die größte Höhe über den Bauchflossen beträgt nahezu das Doppelte der größten Breite zwischen den Deckeln. Der Durchmesser des Auges macht höchstens 1/7 der Kopflänge aus. Nach seiner relativen Größe steht das Auge bald beinahe 2 Diameter von der herausragenden Spitze des Unterkiefers ab und 2 bis 2,5 vom anderen Auge ab. Die Narinen (Nasenöffnungen) stehen dem letzteren viel näher als dem Schnauzenrand. Die Winkel des unter 45 Grad geneigt stehenden Mundes reichen mindestens bis unter den vorderen Augenrand. Der verdickte, in der Mitte knopfähnlich erhöhte Unterkiefer greift über den Oberkiefer vor, dessen Mitte zu diesem grubig vertieft ist. Die Achse verläuft fast durch die Mitte der Mundspalte, etwas unterhalb der Augenhöhe und über der Deckelspitze und an der 7. oder 8. Schuppenreihe schneidet sie die Seitenlinie. Das Profil erhebt sich von der Nasenspitze bis zum Hinterhaupt geradlinig und steigt dann in einem flachen Bogen noch bis zur Rückenflosse auf und senkt sich längs an der Basis ab. Die Dorsale beginnt etwas hinter der halben Körperlänge und ist auffallend höher als lang. Ihre Basis erreicht aber nicht die halbe Kopflänge, jedoch entspricht ihre Höhe die Länge der Deckelspitze und erstreckt sich bis zu den Narinen. Sie ist nach hinten zu stark abgestutzt und ihr Rand ist konkav geformt. Der letzte Strahl ist 2,5 mal kürzer als der längste Strahl. Die Afterflosse ist fast gleich hoch und lang und ihre Basis entspricht gleich der Länge und reicht von der Deckelspitze bis zum hinteren Augen- oder Pupillenrand. Ihr letzter Strahl ist 2 1/3 mal kürzer als der längste Strahl und ihr Rand ist ebenfalls konkav geformt. Die vor der Dorsale und auch vor halber Körperlänge stehenden Bauchflossen reichen bis zur Analgrube zurück und die Brustflossen sind zwar etwas länger, jedoch stoßen ihre Spitzen zurückgelegt nicht bis an die Bauchflossen. Die längsten Endstrahlen der fast gleichlappigen, tief gabeligen Caudale erreichen nahezu eine Kopflänge. <3>

Die Schuppen sind insgesamt weich und äußerst fein und sind kaum sichtbar konzentrisch gestreift. Die Schuppen am Rücken und am Bauch zeigen zahlreiche reguläre Radien, während die Schuppen längs der Seiten stets wenige, oft nur 2 bis 4 Radien aufweisen. Die größten Schuppen über der Seitenlinie erreichen bei weitem kaum einen Augendurchmesser. Der Bauch ist zwar zwischen dem After und den Ventralen stumpf gekielt, jedoch wird der Kiel nicht wie bei den Weißfischen (Alburnus) durch die nebeneinander liegenden Schuppen gebildet, sondern die in der Mittellinie befindlichen Schuppen selbst sind winklig gebrochen. Die Seitenlinie senkt sich über den Bauchflossen bis zum untersten Viertel der Höhe und erhebt sich erst am Schwanzende wieder. Der Verlauf der Kopfkanäle ist besonders auffallend, sowohl der Stirnzweig, wie jener längs des Vordeckels gegen den Unterkiefer herablaufende Ast bildet in regelmäßigen Abständen zahlreiche Poren. Auch der besonders am Anfang weite Suborbitalzweig zeichnet sich bis zu den Narinen deutlich ab und zahlreiche Nebenröhrchen verlaufen vom Suborbitalzweig nach unten. Die fransenförmigen Nebenkiemen sind sehr groß und die Rechenzähne der weit nach vorn sich anheftenden Kiemenbögen wirken ziemlich kurz, mäßig spitz und stehen weit auseinander. <3>

Rapfen - Laichgrund
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Rapfen - Laichgrund

Der Rücken des Rapfen weist eine schwarzblaue Färbung auf. Ferner sind die Seiten von einer bläulich-weißen Tönung und der Bauch ist weißlich gezeichnet. Die Rücken- und die Schwanzflosse sind ebenfalls von einer bläulichen Färbung und die übrigen Flossen weisen einen rötlichen Schimmer auf. Die Iris ist gelblich getönt und oben mit einem grünlich gefärbten Streifen versehen. <3>

Lebensweise

Laut fishbase lebt der adulte Rapfen im Unterlauf der Flüsse und der Flussmündungen. Er bevorzugt die Nähe von Brückenpfeilern und verweilt in der Nähe von Zuflüssen. Des Weiteren hält sich der Rapfen unter Wehren, in tiefen Strömen sowie in überwucherten Teilen des Flusses und in ruhigen Buchten von Flussbiegungen auf. Der Rapfen liebt klares, nicht schnell fließendes Wasser. Während der Laichzeit, die in den Monaten von April bis Juni stattfindet, wandert der Rapfen dann stromaufwärts in die Nebenflüsse. Der Rapfen bildet in der Ernährung unter den Karpfenfischen (Cyprinidae) eine Ausnahme, indem er sich von kleinen Wasservögeln ernährt. Die Jugendlichen und die Erwachsenen ernähren sich in der Regel von Fischen, vor allem gehören zum Nahrungsspektrum des Rapfen der Ukelei (Alburnus alburnus) oder der Stint (Osmerus eperlanus). Des Weiteren nimmt der Rapfen auch pflanzliche Stoffe und Würmer zu sich. Der Rapfen wächst sehr schnell und kann ein Lebensalter von etwa 7 bis 8 Jahren erreichen. Die Lebenserwartung kann aber auch unter günstigen Umweltbedingungen 11 Jahre betragen. <1>

Unterarten

Verbreitung

Oberlauf des Terek im Norden von Georgien
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Oberlauf des Terek im Norden von Georgien

Laut fishbase kommt der Rapfen in den europäischen Gewässern vor, mit Ausnahme von Dänemark, Großbritannien und der südlichen Regionen. Der Rapfen lebt in den großen Zuflüssen der Nordsee wie Weser und Elbe sowie der Ostsee in den südlichen Zuflüssen und in Norwegen östlich von Oslo, Südschweden und im Kokemären-Zufluß im Süden Finnlands. Des Weiteren findet man den Rapfen im Schwarzen Meer, Asowschen Meer, im Kaspischen Meer, in der Ägäis sowie in dem Fluss Maritza und im Volvi-See. Eingeführt wurde der Rapfen im Rhein, Main, in der Nördlichen Dwina (Russland), im Balchaschsee (abflussloser See in der wüstenhaften Steppe des östlichen Kasachstans (Asien)). <1>

Laut der Roten Liste der IUCN weist der Rapfen ein großes Verbreitungsgebiet auf. Dazu zählen unter anderem Afghanistan, Armenien, Österreich, Aserbaidschan, Belorussland, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, China, Kroatien, Tschechien, Estland, Finnland, Georgien, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Iran, Islamische Republik, Italien, Kasachstan, Kirgisistan, Lettland, Litauen, Mazedonien, Moldau, Montenegro, Norwegen, Pakistan, Polen, Rumänien, Russische Föderation, Serbien, Slowakei, Slowenien, Schweden, Schweiz, Tadschikistan, Türkei, Turkmenistan, Ukraine und Usbekistan.

Ernährung

Laut fishbase bildet der Rapfen in der Ernährung unter den Karpfenfischen (Cyprinidae) eine Ausnahme, indem er sich von kleinen Wasservögeln ernährt. Die Jugendlichen und die Erwachsenen ernähren sich in der Regel von Fischen, vor allem gehören zum Nahrungsspektrum des Rapfen unter anderem der Ukelei (Alburnus alburnus) oder der Stint (Osmerus eperlanus). Des Weiteren verspeist der Rapfen auch pflanzliche Stoffe und Würmer. <1>

Fortpflanzung

Rogen vom Rapfen
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Rogen vom Rapfen

Laut der Roten Liste der IUCN laicht der Rapfen zum ersten Mal mit 3 bis 5 Jahren. Die Reproduktion erfolgt bei niedrigem Wasserstand und hohen frühlingshaften Temperaturen. Der Rapfen laicht mehr als eine Saison im März/Anfang April und in der Wolga Mitte Mai und im Rhein bei Temperaturen unter 8 Grad Celsius oder sogar noch weniger bei 4 bis 6 Grad Celsius im Terek (Fluss am Nordostrand des Kaukasus) und an Orten mit steigender starker Strömung. Das Ablaichen dauert etwa zwei Wochen. Die Eier werden zwischen Kies oder an Wasserpflanzen abgesetzt. Semi-anadrome Individuen oder Populationsgruppen vom Terek suchen die Futterplätze überwiegend in Flussmündungen und in aufgefrischten Teilen des Meeres auf. Nur zur Laichzeit migriert der Rapfen stromaufwärts in die Flüsse. Die Laichwanderung beginnt in der zweiten Oktoberhälfte im Terek und die Überwinterung findet im unteren Teil des Flusses statt. Die Jugendlichen sind gesellige Raubfische und die Erwachsenen jagen in kleinen Gruppen oder sind Einzelgänger. Die juvenilen und die adulten Fische ernähren sich hauptsächlich von Fischen, vor allem gehören zum Nahrungsspektrum der Ukelei (Alburnus alburnus) oder der Stint (Osmerus eperlanus). Die Jungfische wachsen sehr schnell und erreichen eine Körperlänge von etwa 80 bis 100 Millimeter. Eine regelmäßige Hybridisierung zwischen dem Rapfen und der Orfe (Leuciscus idus) wurde nachgewiesen.

Die männlichen Individuen zeigen während der Laichzeit einen sehr auffallenden Hautausschlag. Der Rücken des Cephalothorax, die Unterkieferäste sowie die Wangen und die Kiemendeckel sind mit kleinen, dicht stehenden, halbkugelförmigen Körnern bedeckt. Ähnliche dicht aneinander gereihte Körner umfassen den Hinterrand der Rückenschuppen. Ganz merkwürdig nehmen sich die Schuppen des Schwanzes aus, deren freie Fläche mit einer Schwarte von dicht stehenden Körnern überzogen ist, während die Schuppen der Brust nur am Hinterrand mit einer dichten Körnerreihe und auf der freien Fläche mit einzelnen Körnern besetzt sind. Auch auf der Innenfläche der Brustflossen-Strahlen befinden sich dichte mehrreihige Körnermassen. <2>

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Der Rapfen wird als geschützte Art in der Anlage III des Übereinkommens von Bern geführt. Laut der Roten Liste der IUCN ist der Rapfen noch nicht gefährdet und wird aufgrund dessen in der Roten Liste der IUCN als least concern (nicht gefährdet) gelistet.

Anhang

Literatur und Quellen

  • [1] Aspius aspius (Linnaeus, 1758)
  • [2] Die Süsswasserfische von Mitteleuropa. Bearbeitet von Carl Theodor Ernst von Siebold. Professor der Zooologie und Vergleichenden Anatomie in München. Mit 64 Holzschnitten und 2 Farbigen Tafeln. Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann. 1863.
  • [3] Süsswasserfische der Östreichischen Monarchie mit Rücksicht auf die angränzenden Länder. Bearbeitet von Jakob Heckel und Dr. Rudolf Kner. Leipzig. Verlag von Wilhelm Engelmann. 1858.
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 1. Vierter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • Bent J. Muus: Süßwasserfische Europas. BLV Verlagsgesellschaft mbH. München Wien Zürich, 1990 ISBN 3-405-11867-0
  • Jiri Cihar: Süßwasserfische. Aventinum nakladatelstvi s.r.o., Praha, 1990 ISBN 3-8112-1287-7
  • Fritz Terofal: Süßwasserfische in europäischen Gewässern. Mosaik Verlag GmbH München, 1984 ISBN 01274-0
  • Alwyne Wheeler: Süßwasserfische". Delphin Verlag GmbH, München und Zürich, 1983 ISBN 3-7735-2418-8
  • Peter S. Maitland, Keith Linsell: Süßwasserfische. Alle Arten Europas gezeichnet". Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. Kg, Stuttgart, 2007 ISBN 978-3-440-10962-5

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