Schleichkatzen

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Schleichkatzen
Binturong (Arctictis binturong)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Katzenartige (Feloidea)
Familie: Schleichkatzen
Wissenschaftlicher Name
Viverridae
Gray, 1821

Schleichkatzen (Viverridae) zählen innerhalb der Klasse der Säugetiere (Mammalia) zur Ordnung der Raubtiere (Carnivora) und der Überfamilie der Katzenartigen (Feloidea). Es werden in 4 (6) Unterfamilien und 16 (20) Gattungen rund 30 (35) rezente Arten geführt. Die Werte in Klammern betreffen die Anzahl der Arten, Gattungen und Unterfamilien vor der Revision.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Schleichkatzen erreichen je nach Art und Geschlecht eine Körperlänge von 33 bis 88 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 32 bis 55 Zentimeter sowie ein Gewicht von 600 Gramm bis 13 Kilogramm. Die geringste Körpergröße erreicht der Pojana (Poiana richardsoni), der auch als Afrikalinsang genannt wird, die größte Körpergröße der Sulawesi-Roller (Macrogalidia musschenbroekii). Das geringste Gewicht weist der Fleckenlinsang (Prionodon pardicolor) auf. Die Afrikanische Zibetkatze (Civettictis civetta) bringt mit bis zu 13 Kilogramm das höchste Gewicht auf die Waage. Das mehr oder weniger dichte Fell weist eine sehr variable Färbung bis hin zu facettenreichen Mustern auf. Rein einfarbige Arten treten jedoch nur selten auf, obligatorisch sind dunkle Flecken, Streifen, Bänder und ähnliche Muster meist auf hellen Grund. Einfarbig ist beispielsweise der Binturong (Arctictis binturong). Der Schwanz ist bei vielen Arten mit einer hellen und dunklen Ringelung versehen.

Die Unterfamilie der Palmenroller (Paradoxurinae) zeichnet sich durch zur Hälfte rückziehbare Krallen aus. Die asiatischen Palmenroller verfügen über völlig rückziehbare Krallen. Ihre Sohlen weisen weiche Ballen auf und die dritte und vierte Zehe ist bei einigen Arten zusammengewachsen. Sie sind dadurch ausgesprochen geschickte Kletterer. In einer einfachen Hautfalten im Analbereich liegt bei den Palmenrollern eine Perinealdrüse. Das austretende Sekret dient im Wesentlichen der Reviermarkierung und über den olfaktorischen Sinn der Kommunikation untereinander. Bei den Zibetkatzen (Viverrinae) ist die Hautfalte in Form einer Tasche geformt. Der Sulawesi-Roller (Macrogalidia musschenbroekii) verfügt über sehr bewegliche Füße, die sich durch kleine Häute zwischen den Zehen auszeichnen. Auch diese Art gilt als guter Kletterer. Die Vertreter der Unterfamilie der Bänder- und Otterzivetten (Hemigalinae) leben in tropischen Regenwäldern in Südostasien.
Fleckenmusang (Paradoxurus hermaphroditus)
vergrößern
Fleckenmusang (Paradoxurus hermaphroditus)
Die Bezeichnung Bänderzivetten beschreibt die lateralen Längsbänder treffend. Die Ohren der Schleichkatzen sind meist groß und von stehender Form. Die Otterzivetten weisen jedoch deutlich kleinere Ohren auf. Auch ihre Schnauze ist deutlich kürzer als bei anderen Schleichkatzen. Sie zeichnen sich auch durch kompaktere und einen kürzeren Schwanz aus. Otterzivetten sind optimal an das Leben am und im Wasser angepasst. Bei den Tauchgängen können Nasenlöcher verschlossen werden. Die Füße weisen Schwimmhäute zwischen den Zehen auf. Sie gelten nicht nur als ausgezeichnete Schwimmer, sondern auch als gute Kletterer.

Zibetkatzen (Viverrinae) aus Afrika und Asien ähneln sich trotz der gegebenen Unterschiede in Zeichnung des Felles und des Körperbaues. Im Körperbau ähneln Zibetkatzen eher den Hunden (Canoidea) als den Katzen (Feloidea). Der Rücken ist durch eine aufstellbare verlängerte Mähne gekennzeichnet. Aufgestellt verleiht die Mähne den Tieren bei Bedrohung ein größeres Aussehen. Wasserzivetten (Osbornictis piscivora) leben in Wäldern an Flüssen und Seen. Trotz der Wassernähe verfügen die Tiere über keine Schwimmhäute zwischen den Zehen. Dennoch gelten sie als gute Schwimmer. In der Regel suchen sie am Gewässerrand nach Nahrung.

Ginsterkatzen (Genetta) sind schlanke, lang gestreckte Schleichkatze, die ausgesprochen kurzbeinig sind. Sie treten vor allem in Ostafrika, im Nahen Osten und auf der arabischen Halbinsel auf. Einige Ginsterkatzen sind auch im Südwesten Europas, insbesondere in Spanien, Portugal und Frankreich beheimatet. Das Fell der Katzen weist artabhängig Streifen oder Flecken auf. Der in etwa körperlange Schwanz ist meist geringelt. In Europa waren Ginsterkatzen ursprünglich nicht heimisch. Man geht davon aus, dass die Mauren die Tiere im Mittelalter als Haustiere in Europa eingeführt haben. Die europäischen Populationen sind insgesamt kleiner und leichter als die afrikanischen Populationen.

Ein weiteres wichtiges Verbreitungsgebiet ist Madagaskar. Hier leben drei endemische Arten, die heute jedoch nicht mehr zu den Schleichkatzen gehören. Dies sind die Fossa (Cryptoprocta ferox), der Falanuk (Eupleres goudotii) und der Fanaloka (Fossa fossana). Einige Arten auf Madagaskar haben sich völlig ihrer Umgebung angepaßt: Der Falanuk verfügt über ein speziell geformtes Gebiss, dass zum Verzehr speziell von Würmern, Insektenlarven und Schnecken geeignet ist. Fanalokas haben in etwa das Aussehen eines Fuchses und weisen eine markante Fleckung auf. Eine weitere Anpassung sind die ausgesprochen scharfen Krallen. Die monogame Lebensweise der Fanalokas ist unter Schleichkatzen einmalig. Fossas sind auf Madagaskar die größten Raubtiere. Ausgewachsene Fossas gehören überdies zu den größten Schleichkatzenarten. Die deutlichen Übereinstimmungen in der Anatomie zu den Katzen sind mit der konvergenten Evolution zu erklären.

Großfleck-Ginsterkatze (Genetta tigrina)
vergrößern
Großfleck-Ginsterkatze (Genetta tigrina)
Schleichkatzen verfügen artabhängig über 32 bis 40 Zähne, die zahnmedizinische Formel lautet i3/3, c1/1, p3-4/3-4, m1-2/1-2. Das Gebiss jeder Art der Schleichkatzen ist angepasst an die jeweilige Nahrung. Bei den Zibetkatzen (Viverrinae) sind die Schneidezähne gut entwickelt. Sie verfügen in jeder Unter- und Oberkieferhälfte über 2 Molaren. Eine Ausnahme bildet hier nur die Gattung Poiana, die im Oberkiefer nur über einen Molar verfügen. Palmenroller (Paradoxurinae) ernähren sich überwiegend von Früchten und Mischkost. Daher sind ihre Eckzähne nur mäßig entwickelt und die Molaren im Ober- und Unterkiefer sind eher flach entwickelt. Bänder- und Otterzivetten (Hemigalinae) verfügen je Kieferhälfte über nur einen Molar.

Zibet

Schleichkatzen produzieren ein Drüsensekret, das als Zibet bekannt ist und in der Parfümherstellung eine Rolle spielt. Der Begriff Zibet kommt aus dem Arabischen und wird vom Wort zabad (dt. = Moschus) abgeleitet. Zibet ist eine ölige Flüssigkeit und wird über die sogenannte Perinealdrüse abgesondert. Die Drüse liegt im Analbereich und ist eng mit den Genitalien verbunden. Je nach Art wird pro Woche mehr als ein Gramm Zibet produziert. Der Geruch des Zibet reicht je nach Unterfamilie von zart und angenehm (bei Ginsterkatzen) bis kräftig und aufdringlich (bei Zibetkatzen). Der Hauptbestandteil des Zibet ist das moschusartige Civeton. Andere Komponenten sind beispielsweise das Skatol (C9H9N) oder Indol (C8H7N). Beide Stoffe verändern den Geruch in der Regel negativ. Vor allem bei den Zibetkatzen (Viverrinae) dient das Sekret zu den wichtigsten Kommunikationsmethoden. Einige Arten, wie beispielsweise dem Binturong (Arctictis binturong), versprühen ihr Sekret eher passiv. Zur Abgabe des Sekretes kommt es bei diesen Arten bereits durch eine flüchtige Berührung. Die meisten Arten setzen Markierungen mit dem Sekret ab. Dabei streifen sie mit den Drüsen an markante Stellen oder hocken sich beim Abgeben des Sekretes hin. Die Indische Zibetkatze (Viverra zibetha) gibt das Sekret ab, indem sie ihren Schwanz hebt und durch Muskelkontraktion einen feinen Strahl des Zibet produziert. Die relative Nähe der Perinealdrüse zu den Genitalien legt den Schluss nahe, dass das Zibet auch während der Paarungszeit eine Rolle spielt. Man hat festgestellt, dass das Zibet die Gerüche der Genitalien brünftiger Weibchen deutlich verstärkt.

Das Sekret Zibet spielt in der Parfümherstellung eine große Rolle. Bereits seit dem 10. Jahrhundert vor Chr. ist die Wirkung des Zibet bekannt und wird genutzt. Zibet wird wegen des angenehmen Geruchs sowie wegen der Eigenschaft sich mit anderen Gerüchen zu verbinden geschätzt. Auch hält der Geruch ungewöhnlich lange an. Ein weiterer Bereich ist die Medizin. Hier wird das Zibetöl gegen Schweißausbrüche, gegen Hautkrankheiten und als Aphrodisiakum eingesetzt. Heute spielt das natürliche Zibet keine große Rolle mehr, da man auf künstlich hergestelltes Zibet zurückgreifen kann.

Lebensweise

Schleichkatzen leben überwiegend einzelgängerisch. Weibchen bilden jedoch gelegentlich kleine Familiengruppen. Die meisten Arten leben auf dem Boden, einige Arten wie die afrikanischen Palmroller leben überwiegend in den Baumkronen, wo sie auch auf Nahrungssuche gehen.
Kleinfleck-Ginsterkatze (Genetta genetta)
vergrößern
Kleinfleck-Ginsterkatze (Genetta genetta)
Der Schwanz dient beim Klettern als Stütze. Der Binturong nutzt als einzige Art seinen Schwanz als Greiforgan. Schleichkatzen sind territorial und verteidigen je nach Art ein Revier in einer Größe von 100 Hektar und mehr. Die Reviere der Männchen sind deutlich größer als die der Weibchen. Die Außengrenzen werden bei beiden Geschlechtern mit Duftmarken markiert. Einige Arten, auch hier ist der Binturong zu nennen, sind gute Schwimmer und gehen mitunter auch auf die Jagd nach Fischen. Während der Ruhephase halten sich Schleichkatzen meist an geschützter Stelle auf. Dies kann eine Baumhöhle, aber auch Dickicht, eine Felsspalte oder eine Erdhöhle sein. Viele Arten der Zibetkatzen (Viverrinae) teilen die Angewohnheit, feste Latrinen als Kot- und Urinplätze zu nutzen.

Schleichkatzen wie die Palmenroller (Paradoxurinae) patroullieren alle 5 bis 10 Tage durch ihr Revier. Dies gilt vor allem für dominante Männchen. Sie dulden in ihren Revier jedoch auch andere Männchen, jedoch nur untergeordnete Männchen, Jungtiere oder alte und schwache Tiere. Diese gehen dem dominanten Männchen stets aus dem Weg und nur selten kommt es bei Aufeinandertreffen zu Rivalenkämpfen. Die Kämpfe sind durchaus heftig und enden nicht selten für einen unterlegenen Rivalen aufgrund von schweren Bissverletzungen tödlich. Dominante Männchen beanspruchen das Paarungsrecht mit allen Weibchen im eigenen Revier. In der Regel leben 1 bis 3 Weibchen im Revier eines Männchens. In den meisten Regionen des großen Verbreitungsgebietes beträgt die Populationsdichte 1 bis 2 Tiere je Quadratkilometer.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Afrika südlich der Sahara, Madagaskar, über den Nahen Osten und Teile der Arabischen Halbinsel, Indien, Südost- und Ostasien. Augrund des großen Verbreitungsgebietes werden zahlreichen Lebensräume bewohnt. Sie reichen von lichten Wäldern bis hin zu tropischen Regenwäldern, von Buschland bis hin zu offenen Savannen. Schleichkatzen sind sowohl in der Ebene als auch in Höhenlagen anzutreffen. So kommen Schleichkatzen in den Hochebenen Spaniens bis in Höhen von gut 2.000 Metern vor. Der Fleckenmusang (Paradoxurus hermaphroditus) weist von allen Arten das größte Verbreitungsgebiet auf. Es erstreckt sich über weite Teile Südostasiens.

Prädator: der Pardelluchs (Lynx pardinus)
vergrößern
Prädator: der Pardelluchs (Lynx pardinus)

Prädatoren

Aufgrund ihrer nachtaktiven und verschwiegenen Lebensweise stellen den Schleichkatzen nur wenige natürliche Fleischfresser nach. Im Südwesten Europas stellen vor allem Pardelluchse (Lynx pardinus) und Haushunde den Ginsterkatzen nach. Eher selten fallen die Tiere auch Eulen (Strigiformes) und Greifvögeln (Falconiformes) wie dem Uhu (Bubo bubo) oder dem Steinadler (Aquila chrysaetos) zum Opfer. In Asien gehört auch der Affenadler (Pithecophaga jefferyi) zu den natürlichen Fleischfressern.

Ernährung

Die meisten Arten sind nachtaktive, opportunistische Lauerjäger, die in der Regel aus dem Hinterhalt heraus jagen. Die Jagd erfolgt je nach Art in den Bäumen oder am Boden. Eine der größten Arten, die Afrikanische Zibetkatze (Civettictis civetta), jagt aufgrund ihrer Größe ausschließlich am Boden. Palmenroller ernähren sich überwiegend von allerlei Früchten. Zu einem deutlich geringerem Anteil fressen sie auch kleine Nagetiere (Rodentia), Vögel (Aves), Skorpione (Scorpiones) sowie Schnecken (Gastropoda) und ähnliches Getier. Das tierische Eiweiß wird zum Ausgleich der stark kohlenhydrathaltigen Nahrung benötigt. Bei fast allen anderen Schleichkatzenarten ist speziell das Gebiss an die jeweilige Kost angepasst. So verfügen beispielsweise Streifenroller nur über kleine und flache Molaren. Sie sind speziell für weiche Früchte gut geeignet. Die Ginsterkatzen (Genetta) sind überwiegend Fleischfresser und nehmen nur zu einem kleinen Teil auch Früchte und Insekten (Insecta) zu sich. Eine Ausnahme bildet die Johnston-Ginsterkatze (Genetta johnstoni): Sie ernährt sich ausschließlich von Insekten. Ginsterkatzen ernähren sich hauptsächlich von kleineren Säugetieren (Mammalia), wobei Nagetiere weit oben auf der Speisekarte stehen. Ebenfalls zu den Fleischfressern zählt man die Fleckenmusangs (Paradoxurus hermaphroditus). Auch bei ihnen werden überwiegend Nagetiere gefressen. Binturongs (Arctictis binturong) gelten aus Allesfresser, sie nehmen neben Früchten, jungen Trieben und Blättern vor allem Aas, kleine wirbellose Tiere, Fische (Osteichthyes), Vögel und deren Eier zu sich. Andere Arten fressen auch Krebstiere (Crustacea), Schlangen (Serpentes), Eidechsen (Lacertidae), Tausendfüßer (Myriapoda) und Lurche (Amphibia). An Insekten stehen bei den meisten Arten Käfer (Coleoptera), Langfühlerschrecken (Ensifera) und Kurzfühlerschrecken (Caelifera) auf der Speisekarte.

Die auch in Europa verbreitete Kleinfleck-Ginsterkatze (Genetta genetta) gilt als opportunistische Allesfresserin, wobei die aufgenommene Nahrung saisonal stark schwanken kann. Im Sommer und Herbst stehen zu einem Großteil Früchte und Insekten auf dem Speiseplan, in Winter und Frühjahr überwiegend Vögel und Lurche. Das ganze Jahr über werden kleine Nagetiere wie die Waldmaus (Apodemus sylvaticus) und Ratten (Rattus) sowie kleinere Reptilien gefressen. Bei Gelegenheit wird auch Aas nicht verschmäht.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreichen die Schleichkatzen mit 1 bis 2 Jahren. Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten Regionen, vor allem in subtropischen und tropischen Regionen über die Regenzeit, mitunter auch ganzjährig.
Afrikanische Zibetkatze (Civettictis civetta)
vergrößern
Afrikanische Zibetkatze (Civettictis civetta)
In den gemäßigten Regionen erstreckt sich die Paarungszeit über das Frühjahr. In einer Saison kann es zu 1 bis 2 Würfen kommen. Das Paarungsverhalten der Schleichkatzen kann als polygam bezeichnet werden, da sich die Geschlechter im Wesentlichen nur zu Paarung treffen und Männchen meist mehrere Weibchen begatten. Kurz nach der Paarung trennen sich die Geschlechter wieder. Die Aufzucht des Nachwuchses obliegt ausschließlich dem Weibchen.

Nach einer Tragezeit von rund 70 bis 90 Tagen bringt das Weibchen zwischen 1 und 4 (2-3) Jungtiere im einem Erdbau, einem Baumnest oder einem Blätternest zur Welt. Die mit 90 Tagen längste Tragezeit weisen Palmenroller auf, die kürzeste Tragezeit entfällt auf die Ginsterkatzen. Die Jungtiere sind katzentypisch noch nackt und blind. Ihre Augen öffnen sich im Alter von gut 8 bis 10 Tagen, das Geburtsgewicht liegt bei rund 70 bis 120 Gramm, die Körperlänge beträgt 13 bis 15 Zentimeter. Im Alter von etwa 3 bis 5 Monaten werden die Jungtiere von der Muttermilch entwöhnt und beginnen mit der Aufnahme fester Nahrung. Mit gut einem Jahr sind die Jungtiere unabhängig und verlassen ihre Mutter. Die Lebenserwartung liegt in Freiheit bei 15 bis 20 Jahren. Ein Alter von mehr als 30 Jahren kann in Gefangenschaft erreicht werden.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Zahlreiche Arten der Schleichkatzen gehören heute zu den gefährdeten oder sogar stark gefährdeten Arten. Zu den gefährdeten (VU, Vulnerable) Arten gehören Fleckenroller (Chrotogale owstoni), Schlichtroller (Diplogale hosei), Sulawesi-Roller (Macrogalidia musschenbroekii) und Jerdon-Musang (Paradoxurus jerdoni). Stark gefährdet (EN, Endangered) sind Otterzivetten (Cynogale bennettii). Die Malabar-Zibetkatze (Viverra civettina) steht kurz vor der Ausrottung und wird in der Roten Liste der IUCN als kritisch gefährdet geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) führt zahlreiche Arten im Anhang I und II des Abkommens.

Schleichkatzen werden auch heute noch lokal gejagt. Dies ist beispielsweise in weiten Teilen Afrikas und Asiens der Fall. Begehrt ist neben dem Fell vor allem das Sekret aus den Perinealdrüsen, das in der Parfümherstellung Verwendung findet. Gejagt werden die Tiere auch aufgrund der Tatsache, dass sie sich über das Geflügel der Bauern hermachen. Neben der Bejagung durch den Menschen stellt in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes die Vernichtung der natürlichen Lebensräume ein großes Problem dar. Ginsterkatzen werden im Südwesten Europas nicht selten als Haustier gehalten. Die Tiere sollen sich leicht zähmen lassen. Fleckenmusangs werden zwar nicht getötet, aber gefangen und in Gefangenschaft mit Kaffeefrüchten überfüttert. Ziel ist es, möglichst eine hohe Zahl an fermentierten Kaffeebohnen zu gewinnen. Bei den Tieren stellen sich zuweilen deutliche Mangelerscheinungen ein und sterben. Fleckenmusangs nehmen auch die Früchte des Kaffee (Coffea) zu sich. Verdaut wird jedoch nur das Fruchtfleisch. Die Kaffeebohne im Innern der Frucht bleibt erhalten und durchläuft während der Verdauung durch bestimmte Enzyme im Verdauungstrakt eine Fermentation. Die ausgeschiedenen Kaffeebohnen werden von der einheimischen Bevölkerung gesammelt. Daraus entsteht dann der regional in Südostasien geschätzte Kaffee Kopi Luwak. Der Begriff "Kopi" steht für Kaffee, der Begriff Luwak bezeichnet den Fleckenmusang in der Landessprache und eine Region auf Jawa. Dieser Kaffee wird auch als "Katzenkaffee" bezeichnet. Ein Kilogramm dieses "Kaffees" soll rund 1.200 Euro kosten. <1>

Systematik der Schleichkatzen

Indische Zibetkatze (Viverra zibetha)
vergrößern
Indische Zibetkatze (Viverra zibetha)
Großfleck-Zibetkatze (Viverra megaspila)
vergrößern
Großfleck-Zibetkatze (Viverra megaspila)
Binturong (Arctictis binturong)
vergrößern
Binturong (Arctictis binturong)

Familie: Schleichkatzen (Viverridae)

Unterfamilie: Zibetkatzen (Viverrinae)
Gattung: Viverra
Art: Indische Zibetkatze (Viverra zibetha)
Art: Malabar-Zibetkatze (Viverra civettina)
Art: Großfleck-Zibetkatze (Viverra megaspila)
Art: Tangalunga (Viverra tangalunga)
Gattung: Civettictis
Art: Afrikanische Zibetkatze (Civettictis civetta)
Gattung: Viverricula
Art: Kleine Indische Zibetkatze (Viverricula indica)
Gattung: Ginsterkatzen (Genetta)
Art: Kleinfleck-Ginsterkatze (Genetta genetta)
Art: Großfleck-Ginsterkatze (Genetta tigrina)
Art: Riesenginsterkatze (Genetta victoriae)
Art: Panther-Ginsterkatze (Genetta maculata)
Art: Serval-Ginsterkatze (Genetta servalina)
Art: Äthiopische Ginsterkatze (Genetta abyssinica)
Art: Haussa-Ginsterkatze (Genetta thierryi)
Art: Angola-Ginsterkatze (Genetta angolensis)
Art: Johnston-Ginsterkatze (Genetta johnstoni)
Art: Wasserzivette (Genetta piscivora)
Gattung: Poiana
Art: Pojana (Poiana richardsoni)
Unterfamilie: Palmenroller (Paradoxurinae)
Gattung: Musangs (Paradoxurus)
Art: Fleckenmusang (Paradoxurus hermaphroditus)
Art: Goldmusang (Paradoxurus zeylonensis)
Art: Jerdon-Musang (Paradoxurus jerdoni)
Gattung: Paguma
Art: Larvenroller (Paguma larvata)
Gattung: Macrogalidia
Art: Sulawesi-Roller (Macrogalidia musschenbroekii)
Gattung: Arctogalidia
Art: Streifenroller (Arctogalidia trivirgata)
Gattung: Arctictis
Art: Binturong (Arctictis binturong)
Unterfamilie: Bänder- und Otterzivetten (Hemigalinae)
Gattung: Hemigalus
Art: Bänderroller (Hemigalus derbyanus)
Gattung: Chrotogale
Art: Fleckenroller (Chrotogale owstoni)
Gattung: Diplogale
Art: Schlichtroller (Diplogale hosei)
Gattung: Cynogale
Art: Otterzivette (Cynogale bennettii)

Ursprünglich rechnete man 3 weitere Unterfamilien zu den Schleichkatzen. Die Pardelroller werden heute in einer eigenen Familie unter dem wissenschaftlichen Namen Nandiniidae geführt. Die 3 Arten, die auf Madagaskar endemisch sind, werden heute ebenfalls in einer eigenen Familie, den Madagassischen Raubtiere (Eupleridae) geführt.

Unterfamilie: Pardelroller (Nandiniinae) - Siehe auch: Nandiniidae
Gattung: Nandinia
Art: Pardelroller (Nandinia binotata)
Unterfamilie: Fossas (Cryptoproctinae) - Siehe auch: Madagassische Raubtiere (Eupleridae)
Gattung: Cryptoprocta
Art: Fossa (Cryptoprocta ferox)
Unterfamilie: Euplerinae - Siehe auch: Madagassische Raubtiere (Eupleridae)
Gattung: Eupleres
Art: Falanuk (Eupleres goudotii)
Gattung: Fossa
Art: Fanaloka (Fossa fossana)

Anhang

Literatur und Quellen

Einzelnachweise

'Persönliche Werkzeuge