Schleie

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Schleie

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Zwischenklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Ostariophysi
Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
Überfamilie: Karpfenähnliche (Cyprinoidea)
Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
Gattung: Schleien (Tinca)
Art: Schleie
Wissenschaftlicher Name
Tinca tinca
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Schleie (Tinca tinca), die auch unter der Bezeichnung Schlei bekannt ist, zählt innerhalb der Familie der Karpfenfische (Cyprinidae) zur Gattung der Schleien (Tinca). Im Englischen wird die Schleie tench oder doctor fish genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Gemeinsame Aktion in Deutschland und in Österreich
Der Verband der Deutschen Sportfischer (VDSF), Sitz in Offenbach, und das Österreichische Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz (ÖKF) sowie der Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) haben die Schleie zum Fisch des Jahres 2007 gewählt. Mit dieser Wahl soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Bestände der Schleie fast im gesamten Verbreitungsgebiet erheblich zurückgegangen sind und dass es gilt, diesen außergewöhnlichen und einzigartigen Fisch besser zu schützen.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Schleie erreicht eine Maximal-Länge von etwa 70 Zentimeter bei einem Gewicht von etwa 7.500 Gramm. Der Körper der Schleie erscheint ziemlich untersetzt, kräftig und seitlich etwas zusammengedrückt. Der Schwanzansatz ist charakteristisch tief und kurz ausgebildet. Die Haut ist verdickt und schleimig und die Schuppen sind klein und liegen eingebettet. Insgesamt variiert die Färbung der Schleie zwischen olivgrün, dunkelgrün und fast schwarz. Auf der ventralen Fläche zeigen sich goldene Reflexe. Der Kopf weist eine dreieckige Form auf. Die Augen wirken sehr klein und weisen eine orange-rote Tönung auf. Die Schnauze ist relativ lang und der Schädel wirkt ziemlich breit. Die Mundöffnung ist klein und weist dicke Lippen auf. Ferner zeigen sich im Bereich der Mundwinkel je ein Paar gut entwickelte Barben.

Die Schleie weist insgesamt 4 Rückenflossenstacheln, insgesamt 8 bis 9 Rückenflossenweichstrahlen, 3 bis 4 Afterflossenstacheln, 6 bis 8 Afterflossenweichstrahlen, 19 Schwanzflossenstrahlen und 39 bis 41 Rückenwirbel auf. Die Beckenstrahlen wirken robust und bei den Männchen sind die Beckenstrahlen im Gegensatz zum Weibchen länger und reichen bis zum After. Die Schleie kann unter günstigen Lebensbedingungen ein Alter von etwa 20 Jahren erreichen.

Lebensweise

In der Regel hält sich die Schleie in flachen, dicht bewachsenen Seen und im Brackgewässer, in einer Tiefe von etwa einem Meter auf. Oft überwintert die Schleie begraben im Schlamm. Die Schleie leicht unter dichter Vegetation in ruhigem Gewässer. Je nach Verbreitungsgebiet laicht die Schleie zum ersten Mal mit 2 bis 6 Jahren. Die Weibchen sind ein Jahr später geschlechtsreif als die Männchen. Gelaicht wird in den Monaten von Mai bis Oktober, in Zentral-Europa in der Regel im Juni/Juli, bei Temperaturen von über 19 Grad Celsius, meist aber bei Temperaturen von 22 bis 24 Grad Celsius. Während der Laichzeit folgen mehrere Männchen einem Weibchen. Die klebrigen grünen Eier werden in mehreren Portionen in dichter Vegetation an Wasserpflanzen befestigt. Das Weibchen kann 1- bis 9mal pro Jahr laichen. Wenn das Wetter ausreichend warm anhaltend ist, kann das Weibchen alle 11 bis 15 Tage laichen. Bei starken Temperaturschwankungen tritt eine hohe embryonale Sterblichkeitsrate auf. Die Larven und Jungtiere halten sich in dichter Vegetation auf. Die Schleie toleriert niedrige Sauerstoff-Konzentrationen und einen Salzgehalt bis zu 12 Prozent. Die Nahrung besteht aus Schwebstoffen, benthischen Tieren und aus pflanzlicher Kost. Die adulten Tiere ernährend sich überwiegend von Weichtieren.

Verbreitung

Juvenile Schleie
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Juvenile Schleie

Laut der Roten Liste der IUCN weist die Schleie ein sehr großes Verbreitungsgebiet auf, darunter zählen unter anderem Albanien, Andorra, Armenien, Österreich, Aserbaidschan, Belarus, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, China, Kroatien, Tschechische Republik, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Deutschland, Gibraltar, Griechenland, Heiliger Stuhl (Vatikanstadt) , Ungarn, Iran, Islamische Republik, Italien, Jersey, Kasachstan, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Mazedonien, die ehemalige jugoslawische Republik, der Republik Moldau, Monaco, Mongolei, Montenegro, Niederlande, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Russische Föderation, San Marino, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden, Schweiz, Türkei, Turkmenistan, Ukraine, Vereinigtes Königreich und Usbekistan. Laut der Roten Liste der IUCN ist die Schleie ein Süßwasserfisch und ihre Lebensräume sind die Feuchtgebiete (Inland) wie Süßwasserseen über 8 Hektar und Süßwasserseen unter 8 Hektar.

Laut der Roten Liste der IUCN war die Schleie seit Jahrhunderten ursprünglich in ganz Europa verbreitet. In den meisten Ländern Europas ist der Bestand der Schleie jetzt rückläufig. Normalerweise kommt die Schleie in Irland nicht vor. Eingeführt wurde die Schleie nördlich von Skandinavien 61°30'N, im Osten des Adriatischen Meeres sowie westlich und südlich von Griechenland. Ferner wurde die Schleie in Asien östlich und westlich des Jenissei-Flusses sowie südlich 60° N eingeführt. Des Weiteren wurde die Schleie auch in Nord- und Südafrka, Tasmanien, Neuseeland, Indien, Nordamerika, Chile und wahrscheinlich auch anderswo eingeführt.

Ernährung

Die Schleie ist ein Allesfresser. Die adulten Tiere suchen ihre Nahrung am Boden nach wirbellosen Tieren und Insektenlarven. Gelegentlich nimmt die Schleie auch pflanzliche Kost zu sich. Die juvenilen Tiere ernähren sich überwiegend von Algen. Im Winter vergräbt sich die Schleie im Schlamm und nimmt auch in dieser Zeit keine Nahrung zu sich.

Fortpflanzung

Die adulten Tiere leben in warmen Seen und Teichen, die eine dichte Vegetation und Schlamm aufweisen. Während der Laichzeit folgen mehrere Männchen einem Weibchen. Das Ablaichen findet im flachen Wasser inmitten dichter Vegetation statt. Das Weibchen kann 1- bis 9mal pro Jahr laichen. Wenn das Wetter ausreichend warm anhaltend ist, kann das Weibchen alle 11 bis 15 Tage laichen. Bei starken Temperaturschwankungen tritt eine hohe embryonale Sterblichkeitsrate auf. Das Weibchen laicht in dichter Vegetation zahlreiche klebrige, grüne Eier ab, die an Wasserpflanzen haften bleiben. Nach dem Schlüpfen bleiben die Larven noch mehrere Tage im Laichgebiet und halten sich versteckt in dichter Vegetation auf.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN ist die Schleie aufgrund von Flussbegradigungen in den meisten Ländern Europas bedroht. Die Schleie wird gerne als Fischfutter verwendet. Des Weiteren ist die Schleie bei Amateursportfischern sehr beliebt. Das Fleisch der Schleie wird sehr geschätzt. Die Schleie wird als frischer Speisefisch oder auch als gefrorener Speisefisch genutzt und in der Pfanne gebraten, gegrillt und gebacken zubereitet.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Bent J. Muus: Süßwasserfische Europas. BLV Verlagsgesellschaft mbH. München Wien Zürich, 1990ISBN 3-405-11867-0
  • Fritz Terofal: Süßwasserfische in europäischen Gewässern. Mosaik Verlag GmbH München, 1984 ISBN 01274-0
  • Alwyne Wheeler: Süßwasserfische. Delphin Verlag GmbH, München und Zürich, 1983 ISBN 3-7735-2418-8
  • Harald Gebhardt, Andreas Ness: Fische. Die heimischen Süßwasserfische sowie Arten der Nord- und Ostsee. BLV Verlagsgesellschaft mbH., München, Wien, Zürich, 1990 ISBN 3-405-13816-7
  • Peter S. Maitland, Keith Linsell: Süßwasserfische. Alle Arten Europas gezeichnet. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. Kg, Stuttgart, 2007 ISBN 978-3-440-10962-5
  • John R. Paxton, William N. Eschmeyer & David Kirshner: Enzyklopädie der Tierwelt: Fische. Bassermann, Auflage 1, 2003, ISBN 3572013771

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