Schleiereule

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Schleiereule

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Eulen (Strigiformes)
Familie: Schleiereulen (Tytonidae)
Unterfamilie: Schleiereulen i.e.S. (Tytoninae)
Gattung: Schleiereulen (Tyto)
Art: Schleiereule
Wissenschaftlicher Name
Tyto alba
Scopoli, 1769

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Schleiereule (Tyto alba) zählt innerhalb der Familie der Schleiereulen (Tytonidae) zur Gattung der Schleiereulen (Tyto). Im Englischen wird die Schleiereule Barn Owl genannt. Die Schleiereule wurde zum Vogel des Jahres 1977 gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Die Schleiereule erreicht je nach Geschlecht und Unterart eine Körperlänge von 32 bis 39 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 90 bis 105 Zentimeter sowie ein Gewicht von gut 450 bis 560 Gramm. Weibchen sind im allgemeinen größer und schwerer als Männchen. Die 35 Unterarten unterscheiden sich insbesondere in der Größe und der Gefiederfärbung. Mit ihren Maßen gehört die Schleiereule zu den mittelgroßen Eulen-Arten. Das Gefieder ist überwiegend bräunlich gefärbt und weist insbesondere an den Flügeln und dem kurzen Schwanz deutlich eine dunkle Bänderung auf. Der Rücken ist dabei deutlich dunkler als die Flügel, zudem fehlt dem Rücken die Bänderung. Die Beine der Schleiereule sind ausgesprochen lang und spärlich bis zu den Füßen mit kleinen Federchen bedeckt. Der Kopf erscheint im Vergleich zum Körper sehr groß. Er ist rundlich geformt und ihm fehlen die für Eulen typischen Federohren. Oberkopf, Nacken und Rücken können mit feinen weißlichen Punkten bedeckt sein. Die Brust- und Bauchseite sind cremefarben bis fast weiß deutlich heller als das restliche Gefieder. Markant ist der Federkranz, der das Gesicht umgibt. Dieser Gesichtsschleier fängt bei der Jagd Töne wie ein Trichter auf und leitet sie zu den Ohren. Der Schnabel ist von leicht gelblicher Färbung, die Krallen sind hornfarben. Die Iris der Augen weist eine dunkelbraune bis schwärzliche Färbung auf.

Verhalten

Schleiereulen leben entweder einzelgängerisch oder paarweise. Als monogames Paar bleiben sie für gewöhnlich ein Leben lang zusammen. Sie sind nachtaktiv und ruhen am Tage in Schlafbäumen oder an ähnlich geschützten Plätzen wie Klippen und Dachstühle. Aktiv werden sie mit Einsetzen der Dämmerung. Dann gehen sie auch auf die Jagd nach Beute. Sie gelten als überaus standorttreu und verlassen ihr Gebiet nur bei akutem Nahrungsmangel oder in strengen Wintern. Sie bewohnen ein Revier in Größen von fünf bis zehn Quadratkilometern. Schleiereulen sind reinliche Tiere. Während der Dämmerung ist Putzzeit angesagt. Mit ihrer verlängerten Mittelzehe, die ihnen als eine Art Putzkralle dient, pflegen sie ihr Gefieder. Mit einem Sekret aus der Bürzeldrüse wird das Gefieder eingefettet. Die Bürzeldrüse befindet sich im Bereich des Schnabels.

Verbreitung

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Die Schleiereule besiedelt mit ihren vielen Unterarten weite Teile der tropischen, subtropischen und gemäßigten Regionen der Erde. Sie ist sowohl in Nord-, Mittel und Südamerika, in weiten Teilen Afrikas mit Ausnahme der Sahara, in weiten Teilen Europas als auch in Vordern-und Mittleren Orient zu Hause. Zudem ist sie auch in weiten Teilen von Südostasien und in Australien verbreitet. Sie kommt lediglich in sehtr heissen und in sehr kalten Regionen nicht vor. Dazu gehören das nördliche Nordamerika, Grönland, die Polarregionen, die Sahara in Afrika sowie Mittel-, Nord- und Ostasien. In Europa reicht das Verbreitungsgebiet im Osten bis ins westliche Rußland. In weiten Teilen von Ozeanien wurden sie auf vielen Inseln eingeführt, um dort die Nagerpopulationen in Schach zu halten.

Schleiereulen leben an Waldrändern, in offenem Gelände und sind hier und da auch in der Nähe von menschlichen Siedlungen anzutreffen. Auch reine Steppen, Savannen und Mittelgebirge werden in einigen Verbreitungsgebieten besiedelt. Selbst der tropische Regenwald und dessen Ränder sind den Schleiereulen nicht fremd. Für die Paarungszeit suchen sie sich in Wäldern hohle Bäume oder siedeln in der Nähe des Menschen in dessen verfallenen Gebäude. Nicht selten sind sie inmitten von Dörfern in Kirchtürmen anzutreffen, wo sie ihre Nester errichten.

Prädatoren

Unterm Strich haben Schleiereulen nur wenige Fressfeinde (Prädatoren). Junge Vögel werden des öfteren von Greifvögeln wie Adler, Falken oder anderen Eulenarten gerissen. Befindet sich noch das Weibchen im Nest, so versucht sie durch ausgebreitete Flügel größer zu erscheinen wie sie ist. Diese visuelle Drohung wird mit zischenden Lauten noch verstärkt. Läßt sich ein Feind nicht abschrecken, so ist das Weibchen durchaus in der Lage sich zur Wehr zu setzen. Sie läßt sich dann auf den Rücken fallen und schlägt mit den langen Beinen nach dem Angreifer. Aber auch kleine, scheinbar unsichtbare Feinde, setzen insbesondere der Brut zu. Verschiedene Gefiederfliegen der Familie Carnidae, insbesondere die Falkenlausfliege (Carnus hemapterus) setzen den Jungvögeln als Parasiten zu. Auch verschiedene Läuse können den Kleinen arg zusetzen.

Ernährung

Schleiereulen sind nachtaktive Fleischfresser, die mit Einbruch der Dunkelheit auf die Jagd gehen. Zu ihrer bevorzugten Nahrung gehören insbesondere Mäuse (Mus), Wühlmäuse (Arvicolinae), Spitzmäuse (Soricidae), Ratten (Rattus) sowie [[Echte Hasen]|Hasen] (Lepus) und Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus). Im Südwesten der USA stehen vor allem Gebirgs-Taschenratten (Thomomys bottae) auf dem Speiseplan. Gelegentlich werden aber auch kleinere Vögel (Aves) gerissen. Sie jagen aus einem niedrigen Suchflug heraus. Ihr Flug ist dabei sehr leise und wird von den meisten Beutieren nicht wahrgenommen. Die Schleiereulen orientieren sich dabei mittels ihres hochentwickelten Gehörs. Haben sie ein Beutetier entdeckt, so stürzen sie sich auf dieses und packen es mit den kräftigen Klauen. Kleine Beutetiere wie Mäuse werden im Ganzen verschlungen. Größere Beute wird mit den Klauen festgehalten und mit dem Schnabel in mundgerechte Stücke zerteilt. Vor allem während der Brutzeit sind sie unermüdlich unterwegs, um Nahrung für den Nachschub zu beschaffen. Während dieser Zeit kann man sie öfters auch am Tage jagen sehen.

Fortpflanzung

Jungtier
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Jungtier

Die Geschlechtsreife wird bereits mit einem Jahr erreicht. Die Schleiereule lebt monogam und verpaart sich in der Regel für ein Leben lang. Während der Paarungszeit vollführt das Männchen aufwendige Balzflüge, um sein Weibchen zu beeindrucken. Es können aufwendige Verfolgungsjagten entstehen. Die eigentliche Kopulation erstreckt sich nur über wenige Sekunden. Bei der Kopulation befindet sich das Männchen mit den Flügeln balancierend auf dem Weibchen. Pro Jahr kommt es bei den Schleiereulen meist nur zu einer Jahresbrut. In einigen Verbreitungsgebieten kann es auch zu zwei Jahresbruten kommen. Der Zeitpunkt der Eiablage richtet sich dabei stark an das Nahrungsangebot aus. In mageren Zeiten findet keine Brut statt, um den Bruterfolg nicht zu gefährden. Als Nest wird in der Regel ein vorhandenes Nest genutzt und spärlich ausgepolstert. Die Nester befinden sich meist in alten Gebäuden wie Ruinen, Scheunen, Kirchtürmen oder dergleichen. Das Auspolstern übernimmt für gewöhnlich das Weibchen.

Das Weibchen legt zwischen zwei und zehn, selten auch mehr Eier. Durchschnittlich sind es allerdings zwischen vier und sieben Eier. Die Eier werden über einen Zeitraum von gut drei Tagen gelegt. Das Ausbrüten übernimmt alleine das Weibchen über einen Zeitraum von 29 bis 34 Tagen. Die geschlüpften Jungvögel werden in den ersten Tagen von der Mutter gehudert. Während der ersten Wochen übernimmt alleine das Männchen die Versorgung der Brut und seines Weibchens. Das Weibchen zerkleinert die herangebrachte Nahrung des Männchens und verfüttert sie im folgenden an die Brut. Einen Teil frisst sie auch selber. Ab der vierten Lebenswoche sorgt auch das Weibchen für Nahrungsnachschub für die unersättlichen Jungtiere. Die Nestlingszeit beträgt durchschnittlich 60 bis 70 Tage. Nach dem Ausfliegen werden die Jungvögel noch zwei weitere Monate von den Eltern mit Nahrung versorgt. In Freiheit ist die Lebenserwartung sehr gering. Nur die wenigsten Schleiereulen erreichen ein Alter von vier bis acht Jahren. In Gefangenschaft können sie bei guter Pflege aber durchaus ein Alter von über 30 Jahren erreichen.

Gefährdung, Schutz

In den USA steht die Schleiereule in den meisten Bundesstaaten unter strengem Schutz. Zudem stellt das Washingtoner Artenschutzabkommen, Anhang II, die Art unter weltweitem Schutz. In den meisten Staaten der USA gilt die Art als bedroht. Insbesondere die Ausbringung von Pestiziden und Dünger in der Landwirtschaft sowie dramatische Wetterumschwünge setzen den Vögeln besonders zu. In harten Wintern sterben dadurch nicht selten ein großer Teil der Populationen. Über ihre Nahrung nehmen sie Pestizide auf, die sich insbesondere auf die Eier auswirken. Die Schalen sind dann besonders dünn und brechen leicht auf.

In Europa sieht es nicht viel anders aus. Vor allem durch die moderne landwirtschaftliche Produktionsmethoden wird der Raum für die Schleiereule immer kleiner. Auf intensiv genutzten Ackerflächen finden sie kaum noch Nahrung. Auch die Zersiedelung ihrer Lebensräume durch den Bau von Straßen, Neubaugebieten und ähnlichem werden Ödlandstreifen immer seltener. Die Modernisierung von verfallenen Häusern oder der Abriss von alten Häusern und Ruinen fördert zudem den Nistplatzmangel in weiten Teilen der europäischen Verbreitungsgebiete. Dennoch hat sich die Schleiereule bis heute behaupten können. Dank weitreichender Schutzmaßnahmen, die insbesondere von Natur- und Tierschutzverbänden durchgeführt werden, sollte die Schleiereule auch in Zukunft ihr Auskommen in Europa finden.

Unterarten

Anhang

Literatur und Quellen

  • Theodor Mebs, Wolfgang Scherzinger, Die Eulen Europas, Franckh-Kosmos Verlag, 2000 - ISBN 3440070697
  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072

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