Schlingnatter

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Schlingnatter

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Familie: Nattern (Colubridae)
Unterfamilie: Colubrinae
Gattung: Glattnattern (Coronella)
Art: Schlingnatter
Wissenschaftlicher Name
Coronella austriaca
Laurenti, 1768

Die Schlingnatter (Coronella austriaca), die auch Glattnatter genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Nattern (Colubridae) zur Gattung der Glattnattern (Coronella). Im Englischen wird die Schlingnatter smooth snake genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) wählte die Schlingnatter zum Reptil des Jahres 2013.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Schlingelnatter ist die kleinste einheimische Schlangenart und erreicht eine Körperlänge von 60 bis 80 Zentimeter. Der Körperbau wirkt recht muskulös. Je nach Vorkommen unterscheidet sich die Grundfärbung deutlich. Die Oberseite weist eine gelbliche bis rotbraune oder eine gräuliche bis fast braune Färbung auf. Dorsal zeigen sich zwei Reihen mit dunkelbraunen Flecken. Die Reihen können teilweise zusammenlaufen. Ventral ist die Beschuppung gräulich bis graubraun. Hier zeigen sich weißliche, unregelmäßige Flecken. Von der Nasenspitze verläuft ein dunkelbrauner schmaler Streifen in Höhe der Augen bis zum Mundwinkel. Die Beschuppung ist insgesamt, daher auch das Synonym Glattnatter. Die Pupillen weisen eine rundliche Form auf.

Lebensweise

Die überwiegend tagaktive Schlingelnatter hält während der kalten Jahreszeit eine mehrmonatige Winterruhe. Die Schlangen überwintern in der Regel alleine, nur selten in kleinen Gruppen. Zur Winterruhe werden frostsichere Plätze aufgesucht. Dies sind zumeist Nagerbauten, Felsspalten oder ähnliche Verstecke. In Höhenlagen dauert die Winterruhe gemeinhin etwas länger als in Tallagen. Die Schlingnatter ist eine wärmeliebende Art und liegt meist an exponierter Lage in der Sonne oder auch unter Büschen im Halbschatten. Sie ist ungiftig und für den Menschen völlig ungefährlich. Nur selten ergreift die Schlingelnatter bei Bedrohung die Flucht. Sie versucht zumeist ruhig liegend die Gefahr zu überstehen.

Verbreitung

Die Schlingnatter ist in weiten Teilen Europas und im westlichen Teil von Asien weit verbreitet. Im Norden reicht das Verbreitungsgebiet bis ins südliche Skandinavien, im Süden bis in den Nordwesten Afrikas. In der Ostwest-Ausrichtung ist sie von den britischen Inseln bis nach Kasachstan verbreitet. Im Südosten reicht das Verbreitungsgebiet von der Türkei bis in den nördlichen Teil des Iran. Auf den meisten Mittelmeerinseln ist sie nicht verbreitet. Die Schlingnatter lebt sowohl in der Ebene als auch im Hochgebirge bis in Höhen von gut 2.000 Metern. Sie ist auf Feuchtwiesen, Magerrasen, Auenlandschaften, Heide- und Moorlandschaften, an Waldrändern und in lichten, trockenen Wäldern sowie auch in größeren Naturgärten anzutreffen. Eine sonnige Hanglage oder sonnenbeschienene Geröllfelder werden eindeutig bevorzugt.

Prädatoren

Schlingnattern stehen zwar in der oberen Region der Nahrungskette, dennoch haben auch sie einige Feinde. Zu den natürlichen Feinden adulter Ringelnattern gehören unter anderem Wildkatzen, Greifvögel, Ratten, Dachs, Rotfuchs, Marderartige Räuber und andere Schlangen. Jungschlangen werden von Greifvögeln, vom Graureiher, Storch, Igel sowie größeren Fische wie Hechte und Barsche. Junge Schlingnattern fallen auch oft adulten Artgenossen zum Opfer. Oftmals werden Schlingnattern auch in ihren Winterquartieren von Fressfeinden aufgespürt und gefressen.

Ernährung

Die Schlingnatter ernährt sich hauptsächlich von anderen Reptilien in passender Größe. Zur bevorzugten Beute gehören unter anderem Eidechsen, kleine Schlangen und Blindschleichen. Aber auch kleine Säuger wie Mäuse oder auch Jungvögel werden gelegentlich gefressen. Beutetiere werden durch Umschlingen erdrosselt und dann mit dem Kopf voran im Ganzen verschlungen. Auf Nahrungssuche geht die Schlingnatter am Tage oder den frühen Abendstunden.

Fortpflanzung

Die Schlingnatter erreicht die Geschlechtsreife mit drei bis vier Jahren. Die Paarungszeit beginnt mit Beendigung der Winterruhe. Dies ist in der Regel ab Mai der Fall. Das Männchen umschlingt das Weibchen bei der Begattung und hält sie zumeist am Hals oder am Kopf fest. Die Schlingnatter gehört zu den ovoviviparen, also zu den lebendgebärenden Schlangen. Nach einer Tragezeit von 90 bis 120 Tagen bringt das Weibchen zwischen vier und neun, selten bis 15 Jungtiere zur Welt. Die Jungschlangen befinden sich beim Schlupf in einer dünnen Eischale, die unmittelbar nach dem Schlupf verlassen wird. Die Geburtslänge beträgt zwischen 13 und 17 Zentimeter. Die Lebenserwartung beträgt unter günstigen Umständen in Freiheit zwischen 15 und 17 Jahren.

Bedrohung und Schutz

Die Schlingnatter ist zwar nicht akut vom Aussterben bedroht, jedoch ist die Art in weiten Teilen ihrer Verbreitungsgebiete stark rückläufig. Neben der Zerstörung und Entwertung geeigneter Lebensräume und die Entwässerung von Mooren und deren Randbereichen gilt insbesondere auch die intensive Landwirtschaft, die Viehwirtschaft und die Freizeitnutzung zu den Hauptgefahren. Auch die Zerschneidung und Fragmentierung der Habitate führt zu einem Rückgang und beschneidet die Wanderwege der Schlingnatter. Die Schlingnatter ist auf unberührte, strukturreiche Landschaften angewiesen.

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Claus-Peter Hutter: Schützt die Reptilien. Das Standardwerk zum Schutz der Schlangen, Eidechsen und anderer Reptilien. Weitbrecht-Verlag in K. Thienemanns Verlag, Stuttgart und Wien, 1994 ISBN 3522304608
  • Dr. Wolf-Eberhard Engelmann, Jürgen Fritzsche, Dr. sc. Rainer Günther, Dipl.-Biol. Fritz Jürgen Obst: Lurche und Kriechtiere Europas (Beobachten und Bestimmen). Neumann Verlag GmbH, Radebeul, 1993 ISBN 3-7402-0094-4
  • Dr. Josef Blab, Hannelore Vogel: Amphibien und Reptilien erkennen und schützen. Alle mitteleuropäischen Arten. Biologie, Bestand, Schutzmaßnahmen. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich, 1996 ISBN 3-405-14936-3
  • Ralf Blauscheck: Amphibien und Reptilien Deutschlands. Landbuch-Verlag GmbH, Hannover, 1985 ISBN 3784203175
  • Das Tierreich nach Brehm. Buch und Bildverlag
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