Schlupfwespe

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Schlupfwespe

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Überordnung: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
Überfamilie: Evanioidea
Familie: Schmalbauchwespen (Gasteruptiidae)
Unterfamilie: Gasteruptiinae
Gattung: Gasteruption
Art: Schlupfwespe
Wissenschaftlicher Name
Gasteruption assectator
(Linnaeus, 1758)

Die Schlupfwespe (Gasteruption assectator), auch unter dem Synonym Foenus assectator sowie unter der Bezeichnung Schmalbauchwespe bekannt, zählt innerhalb der Familie der Schmalbauchwespen (Gasteruptiidae) zur Gattung Gasteruption. Im Englischen wird die Schlupfwespe ichneumon fly oder parasitic wasp genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Schlupfwespe erreicht eine Körperlänge von etwa 8,0 bis 12,0 Millimeter. Ein charakteristisches Merkmal der Schlupfwespe ist, dass der Ansatz des Hinterleibsstieles an der Brust im Verlauf der Evolution sich nach oben entwickelt hat und dadurch der Hinterleib im Flug himmelwärts gerichtet ist. Bei Ruhe ist der Hinterleib in einem leichten Bogen nach oben oder nach unten gezogen. Des Weiteren ist typisch, dass die Beine bzw. die Oberschenkel keulenartig verdickt sind und die ansonsten schwarze Schlupfwespe eine rote Einfärbung am Rumpf aufweist. Nur die Weibchen tragen am Ende des Abdomens einen Legestachel. Zusätzlich befinden sich auf dem Kopf drei Punktaugen (Ocelli). Die Flügel sind, ähnlich wie bei den Faltenwespen (Vespidae) der Länge nach faltbar.

Im Allgemeinen befinden sich die Antennen auf der Stirn des Gesichtes. Die Brust ist gerade, fadenförmig und samtig. Die Männchen weisen 13gliedrige Fühler auf, während die Weibchen 14gliedrige Fühler besitzen. Insgesamt sind die Fühler basal eiförmig, das zweite kleinste Fühlerglied ist ein wenig verdickt und becherförmig, das vierte Fühlerglied ist länger als das dritte und die übrigen apikalen Fühlerglieder sind in der Länge abnehmend, sind aber so lang wie das vierte Fühlerglied und weisen ein linear-eiförmiges Aussehen auf.
Schlupfwespe
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Schlupfwespe
Das Labrum ist häutig und in der Mitte tief eingeschnitten, dort befinden sich auch die zungeförmigen Lappen, die gegen die Spitze etwas haarig und mit einer großen dreieckigen Membran versehen sind. Die Mandibeln sind an der Spitze akut, länglich, schräg abgeschnitten und auf der Innenseite zeigt sich ein sehr großer dreieckiger Zahn. Die Maxilla endet mit einem großen, ovalen Lappen und ist auf der Innenseite mit einem schmalen Flimmerepithel versehen. Die Palpen sind mäßig lang, leicht behaart und sechsgliedrig. Die drei Basalglieder erscheinen ziemlich dick und länglich, das dritte ist ein wenig länger als das erste und zweite. Das vierte ist das längste und ist keulenförmig, das fünfte und sechste erscheinen ein wenig kürzer und das letztere ist linear-konisch geformt. Das Mentum (Kinn) ist länglich, verschmälert, an der Basis abgerundet und verkürzt somit den vorderen Winkel und bildet einen großen fleischigen Schaft, an dem sich die Taster befinden.

Die Taster sind ziemlich lang behaart und sind von vier keulenförmigen Segmenten eingefaßt, das dritte ist ein wenig kürzer und das vierte wirkt ziemlich schlank und weist eine lineare konische Form auf. Die Lippe ist kräftig ausgebildet und kürzer als das Mentum. Der Kopf erscheint eiförmig oder kugelförmig und ist mit einem verlängerten Hals verbunden. Die Augen sind lateral eiförmig. Auf der Krone des Kopfes zeigen sich drei dreieckförmige Ocelli. Der Thorax ist schmal und komprimiert. Das Abdomen ist sehr lang, komprimiert, schmal und keulenförmig sowie leicht gewölbt. An der Basis ist der Thorax sehr schlank und besteht aus acht Segmenten. Die Legeröhre des Weibchens erscheint ziemlich lang. Die Flügel sind kurz, bestehen aus großen Marginalzellen und zwei großen halbrandstängien Zellen. In der Mitte der Flügel zeigen sich drei unregelmäßige Flecken. Die Beine sind eher kurz geraten und die Coxae (Hüften) sind posterior groß und zusammenhängend. Der Trochanter erscheint ebenfalls ziemlich lang. Die Oberschenkel wirken etwas verdickt, während die Tibiae kurz erscheinen und am hinteren Teil befindet sich ein kleiner Dorn. Die Tarsi sind fünfgliedrig und erscheinen kräftig. Das Basalglied ist das längste und das vierte das kleinste. Die Klauen und Haftballen wirken eher klein, wenn nicht sogar winzig.

Lebensweise

Prosopis-Gewächs
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Prosopis-Gewächs

Die Larven und die Puppen der Schlupfwespe leben vorwiegend parasitär bei verschiedenen Bienen-Arten, Wespen-Arten und Schmetterlings-Arten.

Verbreitung

Die Schlupfwespe ist in weiten Teilen Mitteleuropas mit etwa 12 Arten aus der Gattung Gasteruption vertreten. Ebenfalls ist die Schlupfwespe auch in Kleinasien verbreitet. Sie ist für gewöhnlich an Waldrändern, an Gebüschrainen, naturnahen Gärten und in Parks sowie auf Wiesen anzutreffen.

Ernährung

Die Imagines ernähren sich von Honigtau sowie Nektar und Pollen blütentragender Pflanzen. Hierbei werden insbesondere Doldengewächse (Apiaceae) und Mimosengewächse (Mimosoideae) wie zum Beispiel aus der Gattung Prosopis oder auch das Baltische Knabenkraut (Dactylorhiza baltica) bevorzugt. Die Larven und die Puppen ernähren sich von den Wirtstieren parasitär.

Fortpflanzung

Die Larven und die Puppen der Schlupfwespe - wie schon erwähnt - leben parasitär. Das Weibchen legt meistens ihre Eier in die Nester der Maskenbienen (Hylaeus) sowie der Grabwespen (Spheciformes) ab. Unter günstigen Bedingungen kann das Weibchen zwei Generationen pro Jahr produzieren. Die Puppe, die sich im Kokon befindet, ernährt sich vom Futtervorrat ihres Wirtes. Des Weiteren ernährt sich die Puppe auch von den Wirtslarven des Wirtes. Sie durchbrechen auch die Nachbarzellen der Wirtslarven und können mehrere Zellen gleichzeitig verzehren. Aufgrund dessen verläuft die Entwicklung des Parasiten sehr viel schneller als die des Wirtes. Sie parasitieren nicht nur bei den Maskenbienen (Hylaeus) und bei den Grabwespen (Spheciformes), sondern auch im Kokon verschiedener Edelfalter (Nymphalidae). Die Larven durchlaufen die Metamorphose im gleichen Nest wie ihre Wirtslarven des Wirtes in einem Kokon und überwintern auch dort.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann: Insekten (ohne Schmetterlinge). Erkennen und Bestimmen. 2002 by Mosaik Verlag in der Verlagsgruppe FALKEN/Mosaik, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH, 81673 München / 5 4 3 2 1. ISBN 3-576-11476-9
  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Ake Sandhall, übersetzt von Dr. Wolfgang Dierl: BLV Bestimmungsbuch 15. Insekten und Weichtiere. Niedere Tiere und ihre Lebensräume-Gliedertiere, Würmer, Nesseltiere, Weichtiere, Einzeller. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich 1984. ISBN 3-405-11390-3
  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
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