Schmuckreiher

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Schmuckreiher

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Stelz- und Schreitvögel (Ciconiiformes)
Familie: Reiher (Ardeidae)
Unterfamilie: Tagreiher (Ardeinae)
Gattung: Egretta
Art: Schmuckreiher
Wissenschaftlicher Name
Egretta thula
Molina, 1782

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Schmuckreiher (Egretta thula) zählt innerhalb der Familie der Tagreiher (Ardeinae) zur Gattung der Egretta.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Der Schmuckreiher erreicht eine Körperlänge von 56 bis 66 Zentimeter, eine Flügelspannweite von gut 100 Zentimeter sowie ein Gewicht von 350 bis 400 Gramm. Das geringe Gewicht lässt auf eine filigrane Statur schließen. Männchen werden etwas größer und schwerer als Weibchen. Das Gefieder ist rein weiß gefärbt. Der lange Schnabel wirkt schlank und ist gelblich bis schwärzlich gefärbt. Die Augen und die Wachshaut am Schnabelansatz sind gelb. Während der Paarungszeit zeigen sich im Brustbereich lange weiße Schmuckfedern. Auf dem Oberkopf befindet sich ein Schopf als längliche Federn. Der Schopf kann während der Balz oder bei Erregung aufgestellt werden. Die Beine sind unterhalb des Oberschenkels unbefiedert und schwarz gefärbt. Die Füße sind von gelblicher bis orangener Färbung.

Verhalten

Schmuckreiher zeichnen sich durch eine elegante Gestalt aus. Sie gehen ausgesprochen aufrecht. Die Flügel werden dicht am Körper gehalten. In dieser Körperhaltung geht der Schmuckreiher auch auf Nahrungssuche. Die Vögel sind überwiegend dämmerungsaktiv. Sie gehen erst in den Abendstunden im Flachwasser oder an Land auf Nahrungssuche. Schwimmen können Schmuckreiher nicht, aber sie sind ausgesprochen gute und ausdauernde Flieger. Während der Paarungszeit sind Männchen überaus territorial und verteidigen insbesondere Brutplatz und Weibchen gegenüber Artgenossen und Feinden. Sie nisten in Kolonien und sind auch außerhalb der Paarungszeit sehr gesellige Vögel.

Ähnliche Arten

Der Schmuckreiher ist nah mit dem

verwandt.

Verbreitung

Vorkommen

Der Schmuckreiher kommt insbesondere in Nord-, Mittel- und dem nördlichen Südamerika vor. Auch in der Karibik ist er weit verbreitet. Die Brutgebiete liegen in der Regel in Sumpfgebieten im Binnenland. In den USA liegen die meisten Brutgebiete in den südlichen Bundesstaaten. Die größten Brutgebiete und somit auch die meisten Brutpaare sind in Mexiko und Mittelamerika zu finden. In Mittel- und Südamerika gilt der Schmuckreiher als Standvogel. Die nördlichen Populationen ziehen im Herbst allerdings in südliche Gefilde, meist in die Karibik oder nach Mittelamerika. Im März ziehen diese Vögel wieder in ihre Brutgebiete.

Lebensraum

Der Schmuckreiher lebt in Sumpfgebieten mit ausgedehnten Flachwasserbereichen und angrenzenden Feuchtwiesen. Er ist sowohl in Süß- als auch in Brackgewässern anzutreffen. Auch Lagunen, Strände, flache Riffe am Meer, flache Teiche und Seen sowie Mangrovenwälder werden gerne besiedelt. Gelegentlich sind sie auch auf überschwemmten Feldern oder Reisfeldern anzutreffen. Sie sind nur im Flachland zu Hause, Hochland wird grundsätzlich nicht besiedelt.

Rolle im Ökosystem

Das Fehlen von Schmuckreihern wird im Ökosystem als Indikator für Störungen angesehen. Die Vögel reagieren ausgesprochen sensibel auf Wasser- und Umweltverschmutzung. Auch die Störung durch den Menschen in Brutgebieten wirkt sich in aller Regel negativ auf die Bestände aus. Da Reiher am Ende der Nahrungskette stehen, läßt sich anhand von Proben, insbesondere an Hand der Eier, Rückschlüsse auf die Umweltverschmutzung ziehen.

Bedrohung, Schutz

Der Schmuckreiher ist heute in weiten Teilen seiner Verbreitungsgebiete selten geworden. Wasserverschmutzung, insbesondere durch das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln, hat negative Auswirkungen auf die Bestände gehabt. Auch die Trockenlegung von ausgedehnten Sumpfgebieten hat dazu beigetragen. Auch wenn der Schmuckreiher in weiten Teilen seiner Verbreitungsgebiete geschützt ist, so nützt dieses nur wenig, wenn die Lebensräume nicht ähnlich unter Schutz gestellt werden. Schmuckreiher sind stark von nahrungsreichen Sumpfgebieten abhängig. Anfang des letzten Jahrhunderts wurden Schmuckreiher in den USA wegen ihrer Federn stark bejagt. Die Federn fanden insbesondere bei Hüten und anderen Kleidungsstücken eine Verwendung. Im Jahre 1910 wurde die Bejagung dieser Vögel jedoch gesetzlich verboten. In Mittel- und Südamerika ging die Jagd auf diese Vögel leider unvermindert weiter. Erst in den letzten Jahren hat sich auch dort die Einsicht eingestellt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen stellt den Schmuckreiher in Abhang III unter Schutz. In der Roten Liste des IUCN wird die Art als nur gering gefährdet geführt.

Prädatoren

Zu den natürlichen Hauptfeinden zählt insbesondere der Waschbär (Procyon lotor), der Virginia-Uhu (Bubo virginianus), der Streifenkauz (Strix varia), die Amerikanerkrähe (Corvus brachyrhynchos) und der Krabbenbussard (Buteogallus anthracinus). Insbesondere die Eier und die Jungvögel sind für diese Räuber eine begehrte Beute.

Nahrung

Der Schmuckreiher sucht zumeist im Flachwasser oder auf Feuchtwiesen nach Nahrung. Auf Nahrungssuche geht er nicht selten in kleineren Gruppen. In der Regel geschieht dies in den frühen Abendstunden. Zu seiner bevorzugten Nahrung gehören insbesondere Würmer, Insekten und deren Larven, Raupen, Krebstiere wie Garnelen, Schnecken und kleinere Fische. Auch Schlangen, Frösche und kleinere Reptilien werden nicht verschmäht. Er kann sowohl in Süß- als auch in Brackgewässern auf Nahrungssuche gehen. Das Nahrungsaufkommen besteht jedoch zu rund drei Viertel aus Fisch. Der Schmuckreiher watet langsam durch seinen Lebensraum und stößt bei Sichtung einer potentiellen Beute blitzschnell mit seinem Schnabel zu und packt ein Beutetier. Die Beute wird grundsätzlich im Ganzen verschlungen.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird mit rund zwei Jahren erreicht. Die Paarungszeit der Schmuckreiher beginnt in den meisten Verbreitungsgebieten im März oder April. Während der Paarungszeit kommt es seitens des Männchens zu kunstvollen Balzflügen und -tänzen. Dabei spreizt er seine Flügel und reckt seinen Hals in die Höhe. So zeigt er seine eindrucksvollen Brustfedern. Die Füße sind während der Paarungszeit orange gefärbt, ansonsten sind sie gelblich. Hat sich ein Paar gefunden, so wird zugleich mit dem Bau des Nestes begonnen. Die Nester werden in Wassernähe in hohen Bäumen errichtet. Sie befinden sich meist in Höhen von gut zehn Metern. Sie werden aus kleinen Ästen und Reisig gebaut. Gelegentlich werden auch alte Nester übernommen und nur ausgebessert. Einzelne Nester können durchaus nah beieinander liegen, da Schmuckreiher reine Kolonienbrüter sind. Ist das Nest fertig, so erfolgt in ihm die eigentliche Kopulation. Die Kopulation dauert in der Regel nicht länger als zehn Sekunden.

Nach einiger Zeit legt das Weibchen zwischen drei und sechs Eier, die eine blaugrüne Färbung aufweisen. Die Eier werden von beiden Elternteilen über einen Zeitraum von etwa 24 Tagen bebrütet. Unmittelbar nach dem Schlupf werden die Eierschalen von den Altvögeln aus dem Nest entfernt. In den Brutpausen des Männchens wird das Gelege von ihm beschützt. Auch die Versorgung der Jungvögel mit Nahrung wird von beiden Elternteilen vorgenommen. Dazu wird vorverdaute Nahrung hochgewürgt und im Nest fallen gelassen. Feste Nahrung in Form von ganzen Tiere wie kleinen Fischen bekommen die Jungvögel ab der dritten Lebenswoche. Nach etwa sechs bis sieben Wochen sind die Jungvögel dann flügge. Die Jugendsterblichkeit ist im ersten Lebensjahr mit etwa 30 bis 35 Prozent sehr hoch. In Freiheit können Schmuckreiher ein Alter von bis zu 15 Jahren erreichen. Der älteste Ringfund belief sich bisher auf 17 Jahre.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Links

'Persönliche Werkzeuge