Schneeschuhhase

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Schneeschuhhase

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Familie: Hasen (Leporidae)
Unterfamilie: Leporinae
Gattung: Echte Hasen (Lepus)
Art: Schneeschuhhase
Wissenschaftlicher Name
Lepus americanus
Erxleben, 1777

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Schneeschuhhase (Lepus americanus) zählt innerhalb der Familie der Hasen (Leporidae) zur Gattung der Echten Hasen (Lepus). Im Englischen wird der Schneeschuhhase Snowshoe Hare genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Schneeschuhhase erreicht eine Körperlänge von 36 bis 52 (45) Zentimeter, eine Schwanzlänge von 4 bis 5 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 11,7 bis 14,7 Zentimeter, eine Ohrlänge von 6,2 bis 7 Zentimeter sowie ein Gewicht von 900 bis 2.200 (1.300) Gramm. Männchen bleiben ein wenig kleiner und leichter als Weibchen. Das dichte Fell weist saisonal eine unterschiedliche Färbung auf. Das Sommerfell weist eine graubraune bis leicht rötlichbraune Färbung auf. Dorsal zeigt sich beim Sommerfell mittig eine schwärzliche Längslinie, die sich vom Nacken bis zum Schwanzansatz erstreckt. Die Flanken sind deutlich heller, meist hellbraun gefärbt. Das Gesichtsfeld und die Extremitäten weisen eine zimtbraune Färbung auf, ventral zeigt sich eine weißliche Färbung. Die Ohren sind bräunlich, die Ränder der Ohren zeigen einen feinen weißen Saum. Der Fellwechsel vollzieht sich zweimal im Jahr über einen Zeitraum von jeweils 8 bis 10 Wochen. In Winter ist das Fell schneeweiß gefärbt. Einziger Farbtupfer sind im Winter die schwärzlichen Spitzen der Ohren. Die Färbung, egal ob im Winter oder Sommer, dient im Wesentlichen der Tarnung. Im Winter sind die Sohlen der Füße mit dichten Pelz besetzt. Diese Eigenschaft war für die Art namensgebend.

Lebensweise

Schneeschuhhasen sind ausgesprochen dämmerungs- und nachtaktiv. Ihre Hauptaktivität entfalten sie mit Einbruch der Dämmerung. Nur selten sind sie auch am Tage aktiv. In ihrem Lebensraum legen sie sowohl im Winter als auch im Sommer regelrechte Trampelpfade an, auf denen sie sich regelmäßig während der Nahrungssuche bewegen. Ihre Reviere sind eher klein und erstrecken sich allenfalls über einige Hundert Quadratmeter. Am Tage ruhen die Tiere oder widmen sich ausgiebig der Fellpflege. Als Ruhelager dienen einfache Vertiefungen an geschützter Stelle wie unter Büschen oder Sträuchern, im Gebirge auch in Felsspalten oder Felshöhlen. Nur selten ziehen sie sich in verlassene Erdbauten von beispielsweise Stummelschwanzhörnchen (Aplodontia rufa) zurück. Im Sommer nehmen Schneeschuhhasen besonders gerne Staubbäder. Durch die Staubbäder entledigen sich die Hasen lästiger Parasiten. Schneeschuhhasen gelten als exzellente Schwimmer. Nicht überqueren sie Flüsse und Bäche. Auch auf der Flucht vor Fleischfressern flüchten sie häufig ins Wasser. Die Sinne der Schneeschuhhasen sind gut entwickelt. Das Gehör ist besonders gut entwickelt und warnt die Tiere meist frühzeitig vor Fleischfressern.

Unterarten

Verbreitung

Schneeschuhhasen sind in weiten Teilen Kanadas und in Teilen der nördlichen US-Bundesstaaten verbreitet. Südlich sind die Hasen bis in die Ausläufer der Rocky Mountains im Westen und der Appalachen im Osten der USA anzutreffen. Montane Wälder, Sumpfgebiete, die bewaldete Tundra und in der Nähe des Menschen auch landwirtschaftliche Flächen gehören zu den natürlichen Lebensräumen. Völlig offene Flächen werden strikt gemieden. Eine dichte Strauchschicht ist in allen Lebensräumen der Schneeschuhhasen zu finden. Die Wälder sind zumeist von Douglasien (Pseudotsuga menziesii), Erlen (Alnus), Sitka-Fichten (Picea sitchensis), Thujas (Thuja) und Weinblatt-Ahorn (Acer circinatum) geprägt.

Wichtigster Bestandteil im Lebensraum der Schneeschuhhasen sind zum einen ein ausreichender Sichtschutz in Form von Sträuchern und Büschen, zum anderen ein ausreichendes Angebot an Futterpflanzen. Dies ist in der Regel in Wäldern mit jungem Baumbestand zu finden. Im Winter graben Schneeschuhhasen zum Teil tiefe Tunnel in den Schnee, um am Waldboden nach spärlich vorhandener Nahrung zu suchen. Nicht selten graben sie im Schnee bis in Tiefen von mehr als 200 Zentimeter mehr oder weniger diagonale Tunnel. Wenn Nahrung knapp ist, können Schneeschuhhasen pro Tag bis zu 8 Kilometern weit wandern.

Die Populationsdichte der Schneeschuhhasen unterliegen zum Teil starken Schwankungen. Im Durchschnitt liegt der Zyklus bei etwa 10 Jahren. Die Dichte schwankt dabei zwischen 2 und 140 Tieren pro Hektar.
Prädator: Kojote (Canis latrans)
vergrößern
Prädator: Kojote (Canis latrans)
Die Schwankungen sind in nördlichen Regionen deutlich größer als in südlichen Verbreitungsgebieten. Insgesamt liegen die Gründe für die Schwankungen in der Populationsdichte weitestgehend im Dunkeln. <2>

Prädatoren

Schneeschuhhasen dient vielen räuberisch lebenden Säugetieren (Mammalia) als Primärnährung. Zu den bekanntesten Fleischfressern gehören Katzen (Felidae) wie Pumas (Puma concolor), Kanadische Luchse (Lynx canadensis) und Rotluchse (Lynx rufus) sowie hundeartige Räuber (Canidae) wie der Rotfuchs (Vulpes vulpes), der Wolf (Canis lupus), der Graufuchs (Urocyon cinereoargenteus) und der Kojote (Canis latrans). Zu den eher kleineren Raubtieren (Carnivora) gehören Marder und Wiesel wie Fischermarder (Martes pennanti), Fichtenmarder (Martes americana), Langschwanzwiesel (Mustela frenata) und der Amerikanische Nerz (Mustela vison). Aber auch verwilderte Haushunde und verwilderte Hauskatzen (Felis silvestris forma catus) stellen den Schneeschuhhasen regelmäßig nach. Eher selten fällt ein Schneeschuhhase auch einem Amerikanischen Schwarzbären (Ursus americanus) zum Opfer. Zahlreiche Räuber sind auch unter Eulen (Strigiformes) und Greifvögeln (Falconiformes) zu finden. Hier sind insbesondere Virginia-Uhus (Bubo virginianus), Streifenkäuze (Strix varia), Fleckenkäuze (Strix occidentalis), Rotschwanzbussarde (Buteo jamaicensis), Habichte (Accipiter gentilis), Steinadler (Aquila chrysaetos) sowie Raben und Krähen (Corvus) zu nennen. Schneeschuhhasen haben Fleischfressern kaum etwas entgegenzusetzen. Ihr einziger Schutz ist die nachtaktive und verschwiegene Lebensweise sowie die Flucht bei Bedrohung. Jungtiere werden nicht selten auch von Gemeinen Rothörnchen (Tamiasciurus hudsonicus) oder Arktischen Erdhörnchen (Spermophilus parryii) erbeutet. <3>

Ernährung

Als reine Pflanzenfresser ernähren sich Schneeschuhhasen von einer breiten Palette Pflanzen. Saisonal kommt es dabei zu starken Schwankungen der Nahrung. Im Frühjahr und im Sommer stehen vor allem saftige Gräser und Kräuter, Knospen, jungen Trieben, Rinde und Nadel von verschiedenen Nadelbäumen zur Verfügung. Im Winter dienen der eher kargen Ernährung vor allem Zweige, Rinde und ähnliches. Bei massenhaftem Auftreten kann es dabei durchaus zu erheblichen Schäden an der Vegetation kommen. Vor allem die Rinde von Birken und Weiden, insbesondere der Drüsigen Birke (Betula glandulosa) werden gerne gefressen. An Strauchpflanzen und Büschen stehen vor allem die Blätter und Zweige der Büffelbeeren (Shepherdia), Schneebeeren (Symphoricarpos), Felsenbirnen (Amelanchier), Gefäßsporenpflanzen (Pteridophyta), Haseln (Corylus), verschiedene Sumachgewächse (Anacardiaceae), Heidelbeeren (Vaccinium), Erdbeeren (Fragaria), Schachtelhalme (Equisetum), Weidenröschen (Epilobium) auf der Speisekarte. Auch Hemlocktannen (Tsuga), Amerikanische Rot-Kiefern (Pinus resinosa), verschiedene Ahorne (Acer), Buchen (Fagus) stehen lokal hoch im Kurs. In Mangelzeiten werden selbst die Nadeln der Weiß-Fichten (Picea glauca) gefressen. <4>

Fortpflanzung

Schneeschuhhasen erreichen die Geschlechtsreife mit acht bis zwölf Monaten. In Abhängigkeit vom Verbreitungsgebiet erstreckt sich die Paarungszeit von Januar bis in den August hinein. Während dieser Zeit kann es zu zwei, selten zu drei oder vier Würfen kommen. In der Regel beginnt die Paarungszeit, wenn sich im Frühjahr die erste üppige Vegetation zeigt und Nahrung im Überfluss vorhanden ist. Männchen versammeln sich in der Nähe der Weibchen und fechten für gewöhnlich in Kommentkämpfen das Recht auf Paarung mit den Weibchen aus. Nach der Paarung scheuchen die Weibchen die Männchen fort.

Der erste Wurf zeigt sich meist im April. Schneeschuhhasen sind ausgesprochen polygam. Ein Männchen paart sich in der Regel mit mehreren Weibchen und hat mit der Aufzucht des Nachwuchses nichts zu tun. Je nach Verbreitungsgebiet und klimatischen Bedingungen erstreckt sich die Trächtigkeit über 35 bis 40 (37) Tage. Ein Weibchen bringt je nach Alter und Ernährungszustand zwischen einem und sieben (drei) Jungtiere zur Welt. Das durchschnittliche Geburtsgewicht liegt bei etwa 60 Gramm. Die Geburt erfolgt in einer Sasse an geschützter Stelle. Die Jungtiere verfügen bereits über ein voll entwickeltes Fell und sind auch sonst weit entwickelt. Sie bewegen sich bereits nach einem Tag, halten sich aber grundsätzlich in der Nähe des schützenden Nestes auf. Der Nachwuchs wird vier Wochen von der Mutter gesäugt. Spätestens nach zwei Monaten verlassen sie die Mutter. Die Mortalität ist unter den Jungtieren sehr hoch. Dies liegt in der Regel an der Unvorsichtigkeit der Jungtiere. Fleischfresser haben hier ein leichtes Spiel. Bis zu 45 Prozent der Jungtiere erleben nicht den zweiten Lebensmonat. Bis zu 85 Prozent der Schneeschuhhasen erreichen nicht die Geschlechtsreife. Unter günstigen Umständen liegt die Lebenserwartung in Freiheit bei etwa fünf Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Als unterstes Glied in der Nahrungskette spielen Schneeschuhhasen eine durchaus wichtige Rolle in ihrem jeweiligen Ökosystem. Sie gelten als Nahrungsgrundlage für zahlreiche Fleischfresser. Insbesondere Kanadische Luchse ernähren sich fast ausschließlich von Schneeschuhhasen. Je nach Populationsdichte üben sie auch einen mehr oder weniger großen Einfluss auf die Vegetation aus. Bei massenhaftem Auftreten können sich Schneeschuhhasen durchaus zu einer Plage entwickeln und mitunter erhebliche Schäden anrichten. Schäden entstehen sowohl in Wäldern als auch auf landwirtschaftlichen Flächen. Da ein Abschuss meist zu teuer und wenig effektiv ist, werden in der Regel Giftköder ausgelegt, die jedoch nicht überall zugelassen sind. Schneeschuhhasen sind auch ein beliebtes Ziel von Trophäenjägern und Sportschützen. Auch wegen des Fleisches werden die Tiere gejagt. Eine Bejagung ist sowohl in Kanada als auch in den USA nicht verboten. Schneeschuhhasen gehören noch nicht zu den bedrohten Arten. Daher wird die Art in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt. <5>

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Familie der Hasen (Leporidae)

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge