Schneider (Fisch)

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Schneider

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Ostariophysi
Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
Überfamilie: Karpfenähnliche (Cyprinoidea)
Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
Gattung: Alburnoides
Art: Schneider
Wissenschaftlicher Name
Alburnoides bipunctatus
(Bloch, 1782)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Schneider (Alburnoides bipunctatus), auch als Alandblecke oder Breitblecke und unter dem Synonym Cyprinus bipunctatus bekannt, zählt innerhalb der Familie der Karpfenfische (Cyprinidae) zur Gattung Alburnoides. Im Englischen wird der Schneider Spirlin genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Der Verband Deutscher Sportfischer (VDSF) e.V., Sitz in Offenbach, hat den Schneider zum Fisch des Jahres 1986 gewählt. Der Schneider ist weit verbreitet und regional reichlich vorhanden. Lokal ist der Schneider jedoch bedroht durch die Flussregulierung, durch die Besatzdichte der Forelle (Salmo trutta) und durch die Umweltverschmutzung.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Laut fishbase kann der Schneider eine max. Körperlänge von etwa 16,0 Zentimeter erreichen. Die Normallänge beträgt 9,0 Zentimeter und das Gewicht etwa 30,0 Gramm. <1>

Laut fishbase weist der Schneider insgesamt 3 Rückenflossenstacheln, insgesamt 7 bis 8 Rückenflossenweichstrahlen, 3 Afterflossenstacheln, 13 bis 18 Afterflossenweichstrahlen, 38 bis 40 Wirbel sowie 19 Schwanzflossenstrahlen auf. <1>

Der Mund ist endständig und die Mundspalte wirkt etwas schief. Das Kinn ist kaum verdickt und sehr wenig vorstehend. Der Körper ist seitlich zusammengedrückt, aber nur wenig gestreckt. Die Kronen der inneren Zahnreihe sind ohne Einkerbungen. Die nach hinten nicht auffallend verjüngte Afterflosse weist 15 bis 17 weiche, geteilte Strahlen auf, die hinter dem Ende der Rückenflosse beginnt. Die Seitenlinie ist mit schwarzen Pigmenten eingefaßt und darüber erkennt man eine breite, schwarze Binde, die sich vom Auge bis zur Schwanzflosse erstreckt. <2>

Flossenformel
Die Flossenformel setzt sich aus dem ersten Buchstaben der lateinischen Flossenbezeichnung, der Anzahl der Hartstrahlen und der Anzahl der ungeteilten und geteilten Weichstrahlen zusammen. Hartstrahlen werden dabei mit römischen, Weichstrahlen mit arabischen Zahlen angegeben.
D. (Dorsale = Rückenflosse) 3/7-8, A. (Anale = Afterflosse) 3/15-17, V. (Ventrale = Bauchflosse) 2/7-8, P. (Pectorale = Brustflosse) 1/14, C. (Caudale = Schwanzflosse) 19, Squ. = 9/47-50-4. <2>
Kieselalgen (Bacillariophyta)
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Kieselalgen (Bacillariophyta)

Der Schneider, welcher in manchen Gegenden von Bayern bis nach Österreich auch Schusslaube genannt wird, bevorzugt fließende und stehende Gewässer wie der Ukelei (Alburnus alburnus), aber während die letztgenannte Art sich stets an der Oberfläche des Wassers aufhält, zieht der Schneider den Bodengrund der Gewässer vor. Der Fisch zeichnet sich während der Laichzeit durch seine auffällig intensive Färbung aus. Die Seitenlinie ist oben und unten durch einen schmalen schwärzlichen Pigmentsaum eingefaßt, wodurch die Seitenlinie auf dem Grund der silberglänzenden Seiten gleich einer Naht in die Augen fällt. Diese auffallende Zeichnung war für den Fisch namensgebend. Zu beiden Seiten des bräunlichen Rückens verläuft vom Auge an bis zur Schwanzflosse ein breites, gerades, schwarz gefärbtes Band. Zwischen diesem Band und der Seitenlinie ist oft noch ein dreifacher, aus dreieckigen schwarzen Pigmentflecken gebildeter Streifen sichtbar, der sich zuweilen auch unterhalb der Seitenlinie in dreifacher Reihe wiederholt. Solche dreieckige schwarze Pigmentflecke zeigen sich bisweilen auch ausgeprägt auf dem schwarzen Band. Die Basis der Afterflosse sowie alle paarigen Flossen sind orangegelb gefärbt. Diese Färbungen treten während der Laichzeit, welche Anfang Mai beginnt, besonders intensiv hervor, wodurch dieser Fisch im Hochzeitskleid ein recht schönes Ansehen erhält. Nach der Laichzeit verliert sich die Färbung, so dass kaum an den Seitenlinien, die für den Schneider sonst so charakteristische Pigment-Einfassung wahrgenommen wird. <2>

Lebensweise

Laut fishbase ist der Schneider ein benthopelagischer, potamodromer Süßwasserfisch. Der Schneider bewohnt stehende und schnell fließende Gewässer und ernährt sich von Insektenlarven und von toten Insekten (Insecta). Des Weiteren nimmt er auch Krebstiere (Crustacea) und Kieselalgen (Bacillariophyta) zu sich. Die Laichzeit erfolgt in den Monaten von April bis Juni. <1>

Verbreitung

Vjosa- oder Aoos-Fluss, entspringt im Epirus im Nordwesten Griechenlands und mündet in Albanien in die Adria.
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Vjosa- oder Aoos-Fluss, entspringt im Epirus im Nordwesten Griechenlands und mündet in Albanien in die Adria.

Laut der Roten Liste der IUCN weist der Schneider ein großes Verbreitungsgebiet auf, dazu zählen unter anderem Afghanistan, Albanien, Armenien, Österreich, Aserbaidschan, Belarus, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, China, Kroatien, Tschechische Republik, Estland, Frankreich, Georgien, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Iran, Islamische Republik, Irak, Italien, Kuwait , Kirgisistan, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Mazedonien, Moldavien, Montenegro, Niederlande, Pakistan, Polen, Rumänien, Russische Föderation, Serbien, Slowakei, Slowenien, Schweiz, Arabische Republik Syrien, Tadschikistan, Türkei, Turkmenistan, Ukraine und Usbekistan.

Laut der Roten Liste der IUCN kommt der Schneider ostwärts der Loire (Frankreich), in fast allen Zuflüsse bis zum Nordmeer, Schwarzen Meer, Asowschen Meer und bis zum Kaspischen Meer sowie in der oberen Wolga und südwärts in der Flussmündung der Kura, in den iranischen Nebenflüssen des Kaspischen Meeres vor. Des Weiteren hält er sich im Mittelmeerraum, nur in der Rhône und in einigen kleinen Nebenflüssen der Provence (Frankreich) ostwärts bis Genova (Italien), im Aoos-Fluss (Griechenland, Albanien), im westlichen Griechenland weit bis nach Mittelgriechenland in der Flussmündung Sperchios auf. Ferner ist der Schneider im Marmara-Meer, in West-Anatolien südwärts bis zum Gediz-Fluss (Izmir) und im oberen Euphrat sowie im Tigris, im Aral-See, im oberen Amu Darja und in der Flussmündung von Karakumskij (Turkmenistan, Afghanistan) zu finden.

Laut der Roten Liste der IUCN lebt der Schneider in stehende und schnell fließenden Gewässern im Vorland, die gut mit Sauerstoff versorgt sind.

Ernährung

Der Schneider ernährt sich von Plankton und von wirbellosen Bodentieren wie zum Beispiel Würmer, kleine Krebstiere (Crustacea) sowie Insektenlarven und auch tote Insekten (Insecta). Des Weiteren nimmt der Schneider auch Kieselalgen (Bacillariophyta) zu sich.

Fortpflanzung

Laut der Roten Liste der IUCN laicht der Schneider zum ersten Mal mit zwei Jahren und in der Regel nur einmal oder zweimal im Jahr. Die Laichzeit erfolgt in den Monaten von Mai bis Juli, wenn die Temperatur über 12 Grad Celsius beträgt. Einzelne Weibchen laichen mehr als einmal während einer Saison. Sie laichen meist in kleinen Schwärmen und legen die Eier tief in den Kies ab. Die Jugendlichen findet man in einer Vielzahl nahe der Küstenstreifen. Alle Altersklassen bewohnen offenes Wasser der Bäche und der kleinen Flüsse. Die Nahrung besteht aus terrestrischen und treibenden wirbellosen Tieren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN ist der Schneider weit verbreitet und regional reichlich vorhanden. Lokal ist der Schneider jedoch bedroht durch die Flussregulierung, durch die Besatzdichte der Forelle (Salmo trutta) und durch die Umweltverschmutzung. Der Bestand ist aber insgesamt noch nicht gefährdet und wird deshalb in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet (least concern) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • [1] Alburnoides bipunctatus (Bloch, 1782)
  • [2] Die Süsswasserfische von Mitteleuropa. Bearbeitet von Carl Theodor Ernst von Siebold. Professor der Zooologie und Vergleichenden Anatomie in München. Mit 64 Holzschnitten und 2 Farbigen Tafeln. Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann. 1863.
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 1. Vierter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • Bent J. Muus: Süßwasserfische Europas. BLV Verlagsgesellschaft mbH. München Wien Zürich, 1990 ISBN 3-405-11867-0
  • Jiri Cihar: Süßwasserfische. Aventinum nakladatelstvi s.r.o., Praha, 1990 ISBN 3-8112-1287-7
  • Fritz Terofal: Süßwasserfische in europäischen Gewässern. Mosaik Verlag GmbH München, 1984 ISBN 01274-0
  • Alwyne Wheeler: Süßwasserfische". Delphin Verlag GmbH, München und Zürich, 1983 ISBN 3-7735-2418-8
  • Peter S. Maitland, Keith Linsell: Süßwasserfische. Alle Arten Europas gezeichnet". Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. Kg, Stuttgart, 2007 ISBN 978-3-440-10962-5

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