Schomburgk-Hirsch

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Schomburgk-Hirsch

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hirsche (Cervidae)
Unterfamilie: Echte Hirsche (Cervinae)
Gattung: Rucervus
Art: Schomburgk-Hirsch
Wissenschaftlicher Name
Rucervus schomburgki
(Blyth, 1863)

IUCN-Status
Extinct (EX)

Der Schomburgk-Hirsch (Rucervus schomburgki; veraltet: Cervus schomburgki) zählt innerhalb der Familie der Hirsche (Cervidae) zur Gattung der Rucervus. Im Englischen wird die Art Schomburgk's Deer genannt. Benannt wurde der Schomburgk-Hirsch nach Sir Robert H. Schomburgk (1804-1865). Schomburgk war von 1857 bis 1864 britischer Konsul in Bangkok (Hauptstadt vom Königreich Thailand).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Schomburgk-Hirsch erreichte eine Körperlänge von rund 180 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 104 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 10,3 Zentimeter sowie ein Gewicht von 100 bis 120 Kilogramm (Novak, 1999). Das grob wirkende Fell wies eine dunkelbraune bis schokoladenbraune Färbung auf. Ventral zeigte sich eine deutlich hellere Färbung. Die Beine und der Stirnbereich wiesen meist eine rötlichbraune Färbung auf. Die Schwanzunterseite war weiß gefärbt. Das Fell erreichte im Bereich der Mähne eine Länge von bis zu 5 Zentimeter. Die Männchen verfügten über ausladende Geweihe mit jeweils 5 oder mehr Enden. Die Länge des Geweihes erreichte eine Länge von 32 bis 83 Zentimeter (Novak, 1999).

Lebensweise

Schomburgk-Hirsche waren überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, wobei die Nahrungssuche hauptsächlich in den frühen Morgen- und Abendstunden erfolgte. Am Tage ruhten die Tiere an schattigen und geschützten Plätzen. Dichte Wälder wurden gemieden, die Tiere waren überwiegend in halboffenen Sumpfgebieten anzutreffen. Während der Regenzeit zogen Schomburgk-Hirsche in höher gelegene Habitate, um dem Hochwasser zu entgehen. Schomburgk-Hirsch lebten in kleinen Herden. Eine Herde wies ein adultes Männchen sowie mehrere Weibchen und deren Nachwuchs auf (Nowak, 1999).

Verbreitung

Schomburgk-Hirsche waren in Thailand endemisch. Eine Verbreitung in den umliegenden Ländern konnte trotz zahlreichen Hinweisen nicht nachgewiesen werden. Denkbar wäre jedoch ein Verbreitungsgebiet, das sich auch über Myanmar, Yunnan (Provinz in China) und Laos erstreckt. Schomburgk-Hirsche lebten in sumpfigen Lebensräumen in der Ebene. Die Lebensräume sind durch mittelhohe Pflanzen wie hohe Gräser, Zuckerrohr und Büschen gekennzeichnet. Saisonale Wanderungen traten während der Regenzeit auf. Zu dieser Zeit mussten die Tiere wegen des steigenden Wasserpegels in höheres Gelände ziehen (Nowak, 1999).

Ernährung

Schomburgk-Hirsche lebten rein vegetarisch und ernährten sich hauptsächlich von Gräsern und Kräutern. Zu einem kleinen Teil bestand die Nahrung auch aus Früchten, Blättern und jungen Trieben. Auf Nahrungssuche gingen Schomburgk-Hirsche vor allem nachts mit dem Schwerpunkt der frühen Abend- und Morgenstunden.

Systematik

Der nächste Verwandte des Schomburgk-Hirsches ist nach einhelliger Meinung der Barasingha (Rucervus duvaucelii). Es verwundert daher nicht, dass einige Forscher den Schomburgk-Hirsch als Unterart des Barasingha sahen. Zwischenzeitlich wurde der Schomburgk-Hirsch in der Gattung Thaocervus unter Cervus geführt. Heute wird die Art zusammen mit den Barasingha (Rucervus duvaucelii) und dem Leierhirsch (Rucervus eldii) in der Gattung Rucervus geführt (Corbet & Hill, 1992; Haltenorth, 1963; Giles, 1937; Pocock, 1943).

Aussterben

Schomburgk-Hirsche starben erst in jüngster Zeit aus. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als ausgestorben geführt. Das letzte in Freiheit lebende Exemplar wurde im Jahre 1932 von Jägern oder Wilderern geschossen. Das letzte in Gefangenschaft gehaltene Tier starb im Jahre 1938. Das Tier lebte als Haustier in einem Tempel in der Provinz Samut Sakhon in Thailand. Im späten 19. Jahrhundert wurden weite Teile des natürlichen Verbreitungsgebietes des Schomburgk-Hirsches in Agrarland, insbesondere in Reisfelder umgewandelt. Dies führte zum Verlust des gesamtes Lebensraumes der Tiere. Zur endgültigen Ausrottung führte jedoch der hohe Jagddruck. Begehrt war zum einen das Fleisch der Tiere, zum anderen war das Geweih in der traditionellen asiatischen Medizin ein wichtiger Bestandteil. Im Jahre 1991 tauchte ein frisch abgeworfenes Geweih in Laos auf, von dem einige Forscher davon ausgehen, dass es dem Schomburgk-Hirsch zugeordnet werden kann. Eine Validierung konnte jedoch bis heute nicht erfolgen.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Familie der Hirsche (Cervidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Links

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