Schuhschnabel

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Schuhschnabel

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Ruderfüßer (Pelecaniformes)
Familie: Schuhschnäbel (Balaenicipitidae)
Gattung: Schuhschnäbel (Balaeniceps)
Art: Schuhschnabel
Wissenschaftlicher Name
Balaeniceps rex
Gould, 1850

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Schuhschnabel (Balaeniceps rex), auch unter der Bezeichnung Abu Markub bekannt, zählt innerhalb der Familie der Schreitvögel (Ciconiiformes) zur Gattung der Schuhschnäbel (Balaeniceps). Im Englischen wird der Schuhschnabel shoebill oder whale-headed stork genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Schuhschnabel erreicht eine Körperhöhe von bis zu 110 bis 140 Zentimeter und eine Körperlänge von rund 100 bis 120 Zentimeter sowie ein Gewicht von vier bis sieben Kilogramm. Weibchen bleiben insgesamt kleiner und leichter als Männchen. Das Gefieder weist eine einheitlich blaugraue Färbung auf. Besonders markant ist sein riesiger Schnabel, der ein Länge von 20 Zentimeter erreicht und beinahe genauso breit ist. Der Schnabel endet in einer kleinen hakenförmigen Spitze, die der Jagd dient. Insgesamt hat der Schnabel eine hellbraune Färbung und weist stellenweise einen grünlichen Schimmer auf. Der Schuhschnabel hat den größten Schnabel aller heute noch lebenden Vögel. Am Hinterkopf ist eine kleine Federhaube zu erkennen. Trotz seiner Größe ist der Schuhschnabel ein eleganter Flieger, der ohne großen Energieaufwand durch die Luft segelt und Höhen von bis zu 500 Metern erreichen kann. Beim Flug sind Kopf und Hals wie bei den Reihern nach hinten gelehnt.

Lebensweise

Schuhschnäbel sind scheue Einzelgänger, die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander. In den tropischen Lebensräumen gelten die Tiere als Standvögel, die das ganze Jahr in ihrem Brutgebiet verweilen. Schuhschnäbel gelten dabei als ausgesprochen standorttreu.

Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet des Schuhschnabels erstreckt sich in Zentralafrika über ausgedehnte Sumpfgebiete vom Sudan, über Uganda bis nach Sambia. Aufgrund der abgelegenen und unzugänglichen Lebensräume ist der Schuhschnabel kaum erforscht. Schuhschnäbel leben in ausgedehnten Sumpfgebieten oder anderen ausreichend feuchten Habitaten und Überschwemmungsflächen. Hir geht er im Flachwasser oder an Land auf Nahrungssuche. Dabei schreitet er langsam und aufmerksam durch seinen Lebensraum.

Ernährung

Schuhschnäbel fressen hauptsächlich Fische (Pisces) in passender Größe, Amphibien (Amphibia), kleine Reptilien (Reptilia) wie Wasserschlangen sowie kleinere Vögel (Aves). Aber auch Weichtiere (Mollusca) wie Schnecken (Gastropoda) werden nicht verschmäht. Auch Aas nimmt er durchaus gerne an. Schuhschnäbel gelten als Lauerjäger und stehen bei der Jagd oft stundenlang regungslos im Sumpf oder schreiten langsam durch ihren Lebensraum. Ist Beute in Sicht, so schnellen sie mit ihrem schweren Kopf vor und fassen nach der Beute. Ihre Flügel dienen dabei zur Stabilisierung.

Fortpflanzung

Schuhschnäbel sind nach rund vier Jahren geschlechtsreif. Die Vögel leben in einer monogamen Einehe. Sie brüten während der Trockenzeit in Sümpfen und bauen ihre Erdnester aus Schilf, Sumpfgras und anderen weichen Pflanzenteilen. Das Nest kann einen Durchmesser von gut einem Meter aufweisen. In das fertige Nest legt das Weibchen zwischen ein und drei weißliche Eier, die von beiden Elternteilen abwechselnd über einen Zeitraum von rund 30 Tagen gewärmt werden. Nach dem Schlupf haben die Jungvögel ein graues Dunenkleid. Der Nachwuchs wird von beiden Elternteilen mit Nahrung versorgt. Aufgrund des Konkurrenzkampfes unter den Küken überlebt in freier Wildbahn meist nur das kräftigste Jungtier. Die Jungtiere werden über einen Zeitraum von etwa vier Monaten von den Altvögeln mit Nahrung versorgt. Erst im Alter von gut 90 Tagen sind sie flugfähig. Die Selbständigkeit wird hingegen erst Anfang des fünften Lenemsmonates erreicht. Die Lebenserwartung in Freiheit ist nicht bekannt, in Gefangenschaft kann ein Schuhschnabel ein Alter von rund 30 Jahren erreichen.

Gefährdung und Schutz

Der Schuhschnabel steht zwar noch nicht vor der Ausrottung, jedoch gilt die Art bereits als gefährdet. In der Roten Liste der IUCN wird der Schuhschnabel aus gefährdet (VU, vulnerable) geführt. In freier Wildbahn soll der Gesamtbestand kaum 11.000 Exemplare betragen. Hauptgründe liegen wahrscheinlich in der Vernichtung und Trockenlegung der natürlichen Lebensräume und in der sehr niedrigen Reproduktionsrate. Ein großes Problem stellt auch der Wildfang für den internationalen Tierhandel dar.

Systematik

Der Schuhschnabel wird allgemein in eine eigenen Familie (Balenicipidae), manchmal auch in eine eigene Ordnung (Balenicipitiformes) gestellt. Nähere Verwandschaft besteht zu den Störchen (Ciconiformes), mit denen sie ihren Ordnung teilen. Ob nun konvergent oder nähere Verwandschaftsbeziehungne zu den Pelikanen besteht ist noch nicht ganz geklärt. Zumindest genetisch ist eine Verbindung zu den Pelikanen zu erkennen.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Klasse der Vögel (Aves)

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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