Schwarze Riesenvogelspinne

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Schwarze Riesenvogelspinne

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
Unterfamilie: Theraphosinae
Gattung: Grammostola
Art: Schwarze Riesenvogelspinne
Wissenschaftlicher Name
Grammostola grossa
(Ausserer, 1871)

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:002016]

Die Schwarze Riesenvogelspinne (Grammostola grossa) zählt innerhalb der Familie der Vogelspinnen (Theraphosidae) zur Gattung Grammostola. Im Englischen wird die Art pampas tawnyred tarantula genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Schwarze Riesenvogelspinne erreicht eine Körperlänge von etwa 7 bis 8 Zentimeter bei einer Beinspannweite bis zu 17 Zentimetern. Beide Geschlechter ähneln sich in der Grundfärbung des Körpers. Die Grundfärbung ist braun bis fast schwarz. Bei günstigem Lichteinfall schimmert der Körper etwas grünlich. Die längeren Haare des Opisthosoma und der Beine weisen eine hellbraune Färbung auf. Die Jungspinnen ähneln in ihrem Aussehen etwas der Kraushaar-Vogelspinne (Brachypelma albopilosum), jedoch sind die Haare nicht gekräuselt. Typisch für diese Art und für alle Arten aus der Gattung Grammostola ist der markante abdominale Spiegel, eine Fläche sehr feiner Reizhaare auf der Oberseite des Opisthosoma, die durch Lichtbrechung metallisch schimmert. Der Metatarsus I beim Männchen ist ohne basoventralen Fortsatz. Das Stridulationsorgan befindet sich retrolateral an den Coxen der Taster und prolateral an den Coxen I. Der Embolus ist lang und apikal zugespitzt. Die Tibiaapophysen sind beim Männchen vorhanden. Die Spermathek besteht aus zwei weit getrennten aufrecht stehenden längeren Receptacula seminis (Organe zur Aufbewahrung des Spermas beim Weibchen, Teile der weiblichen Geschlechtsorgane). Bei beiden Geschlechtern ist der gesamte Körper mit einer Behaarung bedeckt und überwiegend sind die Härchen mit Nervenzellen verbunden und dienen somit als Tasthaare, die auf Berührung und Vibrationen empfindlich reagieren. Hauptsächlich weisen die Beine eine starke Behaarung auf. Die übrigen Härchen werden in Brennhaare, Hörhaare, Geschmackshaare und Hafthaare unterschieden. Im Allgemeinen ist das Männchen kleiner als das Weibchen und ist meist an seinen langen Beinen und an seinem schlankeren Körper gut zu erkennen. Die Lebenserwartung des Weibchens kann bis zu 25 Jahre betragen, während das Männchen nach der letzten Reifehäutung nur noch ein paar Wochen oder Monate lebt.

Lebensweise

Die Schwarze Riesenvogelspinne ist eine bodenbewohnende Vogelspinne und lebt wie fast alle Vogelspinnen einzelgängerisch. Ferner ist sie eine nachtaktive Spinne, die sich nie weit von ihrer Höhle entfernt. Die Schwarze Riesenvogelspinne zählt wie fast alle Vogelspinnen zu den sogenannten Bombadierspinnen. Bei Gefahr kann sie ihre Brennhaare, die sich auf dem Opisthosoma (Hinterleib) befinden, einsetzen. Die Brennhaare können ein Jucken und Brennen der Haut und der Atemwege verursachen. Allerdings zieht die Spinne es vor zu flüchten, bevor sie ihre Brennhaare abstößt. Diese Art ist eine sehr flinke Spinne und gelegentlich kann sie auch aggressiv reagieren. Kommt es doch zu einem Biss, muss die Wunde sofort desinfiziert werden, da sich auf den Cheliceren häufig Bakterien befinden, die eine Infektion auslösen können. Der Giftbiss selbst ist nicht so gefährlich wie die Infektion durch Bakterien.

Schwarze Riesenvogelspinne
vergrößern
Schwarze Riesenvogelspinne

Verbreitung

Die Verbreitungsgebiete der Schwarzen Riesenvogelspinne befinden sich in Brasilien, Paraguay, Uruguay und Argentinien und umfassen in Argentinien den gesamten Norden, in Brasilien Parana, Santa Catarina, Rio Grande do Sul, in Uruguay das Grenzgebiet zu Brasilien und in Paraguay das Grenzgebiet zu Brasilien und Argentinien. Die Art führt eine versteckte Lebensweise und hält sich die meiste Zeit in ihrer Wohnhöhle auf. Exemplare, die im nördlichen Argentinien vorkommen, halten eine zweimonatige winterliche Ruhezeit bei deutlich herabgesetzten Temperaturen von etwa 10 bis 15 Grad Celsius.

Ernährung

Die Schwarze Riesenvogelspinne ernährt sich hauptsächlich von Insekten (Insecta) wie beispielsweise Schaben (Blattodea), Langfühlerschrecken (Ensifera) und Kurzfühlerschrecken (Caelifera). Kleinere Wirbeltiere wie Eidechsen (Lacertidae) und junge Schlangen (Serpentes) sowie Mäuse (Mus) stehen ebenfalls auf dem Speiseplan. In Gefangenschaft werden auch Wachsmotten (Galleriinae), die Larven der Mehlkäfer (Tenebrio molitor) und diverse Würmer verfüttert. Dabei wird über die Chelizerenklauen ein Gift in das Beutetier injiziert, das die Beute von innen her auflöst. Nach einiger Zeit saugt die Vogelspinne das Beutetier aus. Übrig bleiben lediglich die leere Hülle und die Knochen.

Fortpflanzung

Die Schwarze Riesenvogelspinne ist etwa mit fünf Jahren geschlechtsreif. Bis zur Geschlechtsreife durchläuft die Schwarze Riesenvogelspinne mehrere Häutungen. Bereits zu diesem Zeitpunkt webt das Männchen ein sogenanntes Spermanetz, in das es sein Sperma füllt. Dieses Sperma wird in die Bulben aufgenommen, indem das Männchen mit seinen Pedipalpen die Spermaflüssigkeit in die Bulben pumpt. Nun geht es auf die Suche nach einem Weibchen. Das Männchen ermittelt die Anwesenheit eines Weibchens, indem es die chemischen Substanzen (Pheromone) des Weibchens wahrnimmt. Hat das Männchen ein Weibchen ausgemacht, umwirbt das Männchen das Weibchen mit seinen Tastern durch kräftiges Trommeln und spasmodischen Bewegungen des dritten Beinpaares, teilweise trommelt das Männchen auch noch mit dem ersten und zweiten Beinpaar und prüft zugleich die Paarungsbereitschaft des Weibchens. Vermutlich wird die seismische Kommunikation über den Boden durch Stridulation einiger Organe produziert. Die durch das Trommeln ausgelösten Vibrationen (seismische, akustische Signale) werden über die Hörhaare wahrgenommen.

Nach ungefähr drei bis sechs Wochen nach der Kopulation versiegelt das Weibchen die Zugänge des Nestes und webt mit Seide innerhalb des Nestes einen Kokon. Ungefähr drei Monate nach der Kopulation legt sie in der Regel 130 bis 380 Eier im natürlichen Lebensraum in den Kokon ab. Im Innern des Kokons durchlaufen die Nymphen mehrere Entwicklungsstadien, in denen sie sich zweimal häuten. Die Nymphen schlüpfen noch im Innern des Kokons. Dies geschieht bereits nach drei Wochen. Nach insgesamt rund zehn Wochen schlüpfen die jungen Spiderlinge, wie sie nach dem Schlupf genannt werden. Die Spiderlinge sind schon beim Schlupf mit einem Zentimeter Spannweite recht stattlich. Sie häuten sich in der Folge alle zwei bis drei Wochen und leben in der ersten Zeit von Kleinstinsekten. Wenige Tage nach dem Schlupf verlassen sie das Nest. Die Spiderlinge sind während dieser Zeit sehr verletzbar.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Update 4. November 2008 <1>

  • Grammostola grossa - (Ausserer, 1871)
  • Lasiocnemus grossus - Ausserer, 1871a
  • Lasiopelma grossum - Simon, 1892a
  • Grammostola grandicola - Strand, 1908b
  • Grammostola ferruginea - Mello-Leitão, 1921a
  • Grammostola fasciata - Mello-Leitão, 1921a
  • Grammostola ferruginea - Mello-Leitão, 1923a
  • Grammostola ferruginea - Smith, 1986b
  • Grammostola ferruginea - Smith, 1987d
  • Grammostola grandicola - Schmidt, 1993d
  • Grammostola grossa - Schmidt, 1994e
  • Grammostola grossa - Schmidt, 1994g
  • Grammostola grossa - Schmidt, 1994h
  • Grammostola grossa - Schmidt, 1997g, 1998h
  • Grammostola grossa - Peters, 2000a
  • Grammostola grossa - Peters, 2003

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

'Persönliche Werkzeuge