Schwarzer Brüllaffe

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Schwarzer Brüllaffe
Junges Männchen

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Familie: Kapuzinerartige (Cebidae)
Gattung: Alouatta
Art: Schwarzer Brüllaffe
Wissenschaftlicher Name
Alouatta caraya
Humboldt, 1812

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Schwarze Brüllaffe (Alouatta caraya) zählt innerhalb der Familie der Kapuzinerartige (Cebidae) zur Gattung Alouatta.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Schwarze Brüllaffe erreicht eine Körperlänge von 50 bis 65 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 55 bis 60 sowie ein Gewicht von 4.000 bis 8.500 Gramm. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen. Die Geschlechter unterscheiden sich nicht nur in der Größe sondern auch in der Fellfärbung. Das Fell der Männchen ist schwarz, das der Weibchen ist gelblichbraun bis braun gefärbt. Juvenile Tiere ähneln dem Weibchen. Die adulte Fellfärbung stellt sich spätestens mit der Geschlechtsreife ein. Der sehr lange Schwanz, der in etwa die Länge des Körpers erreicht, dient im Geäst der Bäume als Steuer-, Balancier- und Greiforgan. Das Gesicht ist unbehaart und bei beiden Geschlechtern von schwarzer Färbung. Die Augen sind dunkel gefärbt und nach vorne gerichtet. Die Schnauze ist leicht in die Länge gezogen.

adultes Männchen
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adultes Männchen

Verhalten

Schwarze Brüllaffen sind gesellige Tiere, die in größeren Gruppen leben. Eine Gruppe besteht aus mehreren Männchen und Weibchen sowie deren Nachwuchs. Es sind aber auch reine Familiengruppen bekannt. Es ist demnach von einer polygamen wie auch monogamen Lebensweise auszugehen. Geschlechtsreife Männchen verlassen mit Erreichen der Geschlechtsreife die Gruppe, die Weibchen hingegen verbleiben in ihrer Gruppe. Der Nachwuchs wird alleine von den Weibchen großgezogen, Männchen werden kaum oder nur selten mit einbezogen. In den Gruppen oder Familiengruppen geht es in Regel sehr friedlich zu, zu größeren Streitereien kommt es nur selten. Schwarze Brüllaffen sind ausgesprochen territorial. Vor allem die Männchen verteidigen ihr Revier vehement gegenüber Eindringlingen. Zur Reviermarkierung und Kommunikation untereinander dienen das charakteristische Heulen. Die Töne werden mittels eines blasenförmigen Kehlkopfes erzeugt und liegen im Frequenzbereich von rund 200 Hertz. Im Dschungel sind diese Töne über viele Kilometer zu hören.

Verbreitung

Männchen
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Männchen

Der Schwarze Brüllaffe lebt in den tropischen Regenwäldern des zentralen und südöstlichen Südamerikas. Er ist insbesondere im südlichen Brasilien, im nördlichen Argentinien sowie in Bolivien und in Paraguay anzutreffen. Gelegentlich kann man den Schwarzen Brüllaffen auch an den Rändern der Regenwälder in halboffenen Baumsavannen beobachten. Dies ist allerdings eher selten der Fall. Trockene Habitate werden strikt gemieden.

Ernährung

Schwarze Brüllaffen ernähren sich von Blättern, jungen Trieben, Knospen, Blüten und reifen Früchten. Auf Nahrungssuche gehen sie ausschließlich in den Bäumen, den Waldboden betreten sie allenfalls, um einen Baum zu wechseln. Trinkwasser benötigen die Tiere nicht oder nur selten, da der Wasserbedarf hauptsächlich über die Nahrung gestellt wird. Nur während der Trockenzeit nehmen sie gelegentlich Wasser zu sich.

Fortpflanzung

Männchen
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Männchen

Schwarze Brüllaffen erreichen die Geschlechtsreife mit fünf bis sechs Jahren. Die Paarungszeit erstreckt sich aufgrund des tropischen Lebensraumes über das ganze Jahr. Zu Geburten kommt es in der Regel alle 18 bis 24 Monate. Schwarze Brüllaffen leben in gemischtgeschlechtlichen Gruppen, die keine monogame Paarbindung kennen. Ein Weibchen paart sich mit mehreren Partnern und umgekehrt. Um den Nachwuchs kümmert sich demzufolge auch nur die Mutter. Nach einer Tragezeit von 185 bis 195 Tagen bringt das Weibchen ein einzelnes Jungtier zur Welt. Die Geburt erfolgt an einem geschützten Platz, meist in einem Nest in den Baumkronen. Das Jungtier wird für etwa vier bis sechs Monate gesäugt, die Unabhängigkeit wird mit etwa einem Jahr erreicht. Mit Erreichen der Geschlechtsreife verlassen die Männchen die Gruppe, Weibchen verbleiben ein Leben lang in ihrer Geburtsgruppe. Die Lebenserwartung liegt bei rund 20 Jahren, in Gefangenschaft auch deutlich mehr.

Gefährdung und Schutz

Schwarze Brüllaffen sind zwar noch nicht vom Aussterben bedroht, jedoch steht seit Jahrzehnten der natürliche Lebensraum unter Druck. Die Abholzung der Regenwälder geht in einem hohen Tempo voran, und auch die nachrückende Bevölkerung mit ihren Monokulturen bringen den Schwarzen Brüllaffen nichts Gutes. Heute ist im Südosten Brasiliens nur noch ein Bruchteil der alten Primärwälder vorhanden. Und auch die letzten noch vorhandenen Flächen stehen kurz vor dem Aus. In der Vergangenheit wurden die Schwarzen Brüllaffen von der einheimischen Bevölkerung wegen ihres Fleisches gejagt. Dies geschieht in abgelegenen Regionen im südlichen Brasilien auch heute noch. Ein weiterer trauriger Umstand ist die Tatsache, dass diese Primaten in die USA exportiert werden und hier als Laboraffen dienen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

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