Schwarzer Knochenzüngler

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Schwarzer Knochenzüngler

Taxonomie
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Zwischenklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Knochenzünglerartige (Osteoglossomorpha)
Ordnung: Knochenzünglerartige (Osteoglossiformes)
Unterordnung: Knochenzüngler (Osteoglossoidei)
Familie: Knochenzüngler (Osteoglossidae)
Unterfamilie: Osteoglossinae
Gattung: Osteoglossum
Art: Schwarzer Knochenzüngler
Wissenschaftlicher Name
Osteoglossum ferreirai
Kanazawa, 1966

Der Schwarze Knochenzüngler (Osteoglossum ferreirai), auch Schwarzer Gabelbart oder Schwarzer Arowana genannt, zählt innerhalb der Familie der Knochenzüngler (Osteoglossidae) zur Gattung Osteoglossum. Im Englischen nennt man ihn Black Arowana.

Der Schwarze Knochenzüngler ist ein lebendes Fossil, der schon wie der Südamerikanische Lungenfisch (Lepidosiren paradoxa) nach den neuesten wissenschaftlichen genetischen Studien vor 220 Millionen Jahren in der Triaszeit (Obertrias) vorkam.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Schwarze Knochenzüngler ist ein Meeresfisch. Sein Körper ist verhältnismäßig lang gestreckt und weist zahlreiche grosse Schuppen auf. Der Schwarze Knochenzüngler erreicht in der freien Natur eine Körperlänge von 120 bis 140 cm, in der Gefangenschaft beträgt die Körperlänge nur 80 cm. Der Körper weist seitlich eine komprimierte Form auf. Aufgrund der Körperform ist der Schwarze Knochenzüngler sehr beweglich, und seine schlängelnden Bewegungen erinnern an eine Schlange. Die Rückenflosse besitzt 52 bis 58 Strahlen und die Analflosse weist 61 bis 67 Strahlen auf. Des Weiteren befinden sich seitlich am Körper 37 bis 40 Schuppen und vertikal 96 bis 100 Schuppen. Markantes Merkmal sind die zwei langen fleischigen Barteln, die sich am unteren Kiefer befinden, daher war auch der Name Schwarzer Gabelbart für den Fisch namensgebend. Die zwei langen fleischigen Barteln, oder auch Fühler genannt, dienen dem Schwarzen Knochenzüngler als Geruchs- und Geschmacksorgan sowie als Echolot. Die Grundfärbung des Schwarzen Knochenzünglers zeigt eine bläulich schimmernde Farbe, die je nach Lichteinfall und Bewegung des Fisches in ein irisierendes sattes Silber übergeht und ihm ein metallisch glänzendes Aussehen verleiht. Die Beckenflosse zeigt eine silberne Färbung, während die Rückenflosse etwas dunkelbraun bis schwarz erscheint. Die Brustflossen wirken gegenüber dem lang gestreckten Körper eher klein und sind ebenfalls silber gefärbt. Das Männchen und das Weibchen sind in ihrer Körperlänge und Körperfärbung kaum zu unterscheiden. Das Männchen bekommt erst im zunehmenden Alter einen über den Oberkiefer hinausragenden Unterkiefer, dessen Ende rechts und links etwas verdickt erscheint. Das Maul ähnelt dann im Aussehen einer Schaufel und das adulte Männchen kann nach der Befruchtung die Eier sowie die Jungfische mit dem Maul besser aufnehmen. Des weiteren besitzt das adulte Männchen eine größere Beflossung.

Lebensweise

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Schwarzer Knochenzüngler

Während der Paarungs- und Brutzeit ist das Männchen sehr territorial und konkurrenzfähig gegenüber Artgenossen und anderen Fischen und verteidigt sein Revier vehement gegen Eindringlinge. Ansonsten ist der Schwarze Knochenzüngler ein ruhiger und friedlicher Fisch, er kann aber auch auf geringsten Stress sehr empfindlich reagieren.

Verbreitung

Der Schwarze Knochenzüngler kommt häufig in Südamerika in den Zuflüssen Rio Branca und Rio Negro vor. Das Wasser ist etwas säurehaltig und der pH-Wert liegt zwischen 5,0 und 7,0. Die Wassertemperaturen schwanken zwischen 24 und 30 Grad Celsius. Der Schwarze Knochenzüngler liebt sauberes und langsam fließendes Gewässer mit dichter Vegetation wie überhängende Bäume und hält sich vorwiegend nahe der Wasseroberfläche auf. Gelegentlich kommt er auch in geschlossenen Gewässern vor, die vom Flusslauf abgetrennt wurden.

Ernährung

Der Schwarze Knochenzüngler lebt räuberisch und ist zugleich auch eine Gesundheitspolizei, der Insekten und deren Larven vertilgt. Er ist in der Lage, aus dem Wasser herauszuspringen, um so das Beutetier zu ergreifen. Das Nahrungsspektrum des Schwarzen Knochenzünglers ist sehr vielseitig. Überwiegend ernährt er sich von kleineren Fischen, Garnelen, Spinnen, Insekten wie Fliegen (Brachycera) und Echte Grillen (Gryllidae) und deren Larven, von Amphibien (Amphibia) und deren Kaulquappen sowie vom Schlammröhrenwurm (Tubifex tubifex). Hin und wieder kommt es vor, dass er auch Fledertiere (Chiroptera) und Vögel (Aves) verspeist. Hat der Schwarze Knochenzüngler sich einmal überfressen oder fühlt er sich unwohl, so kann er die Nahrung wie eine Schlange wieder hervorwürgen. Des Weiteren kann er mit seiner knöchernen, harten Zunge hartschalige Beutetiere wie Garnelen oder Krebse aufnehmen und deren Panzer mühelos knacken.

Fortpflanzung

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Schwarzer Knochenzüngler

In der Wildnis wächst einmal im Jahr eine Generation heran. Der Schwarze Knochenzüngler ist ein Maulbrüter, das heißt, dass das Männchen nach der Eiablage die kirschgroßen Eier ins Maul nimmt und sie dort ausbrütet. Die Brutdauer der Eier beträgt sechs bis acht Wochen. Die Jungfische schlüpfen im Maul und tragen einen farblosen, großen Dottersack, der jedoch beim Verlassen des Mauls gänzlich resorbiert wird. Die Jungfische sind beim Verlassen der Eier schon neun Zentimeter lang. Sie schwimmen in der ersten Zeit als Schwarmfische sofort frei und ernähren sich selbstständig. Während dieser Zeit wachsen die Jungfische sehr schnell heran und fressen alles, was ihnen vor das Maul kommt.

Die Jungfische weisen ein bräunliches Grau auf. Ein breiter gelber Streifen läuft von der Kiemenabdeckung bis hin zur Spitze der Schwanzflosse. Der Kopf zeigt ebenfalls einen gelben bis schwarzbraunen Streifen, der vom Maul, durch das Auge bis zur ersten Kiemenöffnung in einen silberbraunen Streifen übergeht. Der Kiemenbereich ist mit einem schwarzbraunen vertikalen Streifen gekennzeichnet. Die Beckenflossen sind silber gefärbt, während die Flossen eine braune bis schwarze Färbung aufweisen. Die Analflosse und die Rückenflosse zeigen einen weißlichen bis orangefarbenen Saum.

Die Jungfische werden in den ersten Wochen von dem Männchen noch betreut und bewacht. Bei Gefahr schwimmen die Jungfische sofort in das Maul des Männchens zurück. Während dieser Zeit nimmt das Männchen keine Nahrung zu sich und ist nach der Aufzucht der Jungfische sehr geschwächt. Der Schwarze Knochenzüngler kann in der Gefangenschaft ein Alter von etwa zwanzig Jahren erreichen. Genaue Angaben über die Lebenserwartung des Fisches in der freien Natur sind nicht bekannt.

Gefährdung und Schutz

Auch wenn der Schwarze Knochenzüngler weder in der Roten Liste der IUCN noch im Washingtoner Artenschutzübereinkommen als gefährdet geführt wird, so ist doch die Population des Fisches rapide zurückgegangen, da er auf der Speisekarte der einheimischen Bevölkerung steht. Des Weiteren erschiessen skrupellose Wilderer die adulten Männchen, um an die Jungfische, die sich im Maul des Männchens befinden, heranzukommen. Die Jungfische, die sogar noch den Dottersack tragen, werden dann für den Export verkauft.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 1. Vierter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
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