Schwarzer Kapuziner

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Schwarzer Kapuziner

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Familie: Kapuzinerartige (Cebidae)
Unterfamilie: Kapuzineraffen (Cebinae)
Gattung: Kapuzineraffen (Cebus)
Art: Schwarzer Kapuziner
Wissenschaftlicher Name
Cebus nigritus
Goldfuss, 1809

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Der Schwarze Kapuziner (Cebus nigritus) zählt innerhalb der Familie der Kapuzinerartigen (Cebidae) zur Gattung der Kapuzineraffen (Cebus). Im Englischen wird der Schwarze Kapuziner Black Capuchin genannt.

Aufgrund der großen körperlichen Unterschiede, der DNA und der Entwicklung der Kapuzinerartigen hat sich in der Gattung Cebus eine der dramatischsten taxonomischen Veränderungen innerhalb der Primaten-Welt vollzogen. Die heutige Frage stellt sich, ob es sieben oder acht Kapuziner-Arten gibt, während früher im 19. Jahrhundert nur vier bis sechs Arten erkannt wurden. Sechs der acht vorgeschlagenen Arten beinhalten zahlreiche weitere Unterarten. Alle Kapuziner-Arten weisen eine deutlich dunkle Kapuze auf dem Kopf auf, die den Kapuziner-Mönchen ähnelt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Schwarze Kapuziner erreicht eine Körperlänge von etwa 33 bis 56 Zentimeter und Gewicht von etwa 2,5 bis 3,9 Kilogramm. Wie bei allen Kapuzinerartigen, so ist auch für diese Art die große flache Nase typisch. Das Weibchen bleibt ein wenig kleiner und leichter als das Männchen, ansonsten weisen die Geschlechter keinen nennenswerten Dimorphismus auf. Der Großteil des Körpers, insbesondere der Rumpf, weite Teile der Extremitäten, der Oberkopf weisen eine schwarzbraune bis schwarze Färbung auf. Die Unterarme zeigen ebenfalls einen schwarzbraunen bis schwarzen Farbton. Der Gesichtskranz ist etwas hellgrau getönt und der Hals, der Schulterbereich, die Oberarme sowie das nackte Gesicht sind ebenfalls schwärzlich gefärbt. Der lange Schwanz dient dem Schwarzen Kapuziner als Greiforgan und ist schwarz gezeichnet. Die Hände und Füße weisen auch eine schwarze Färbung auf und enden in jeweils fünf Zehen, respektive Fingern. Die kleinen, gerundeten Ohren sitzen seitlich am Kopf und sind zumeist im Fell verborgen. Die Augen sind nach vorne gerichtet und ermöglichen ein räumliches Sehen.

Lebensweise

Schwarze Kapuziner sind tagaktive Regenwaldaffen, die die Nacht in den Bäumen verbringen. Sie leben gesellig in Gruppen von 10 bis 30 Tieren. Eine Gruppe besteht aus einem dominanten Männchen, mehreren Weibchen und dem Nachwuchs. Gegenseitige Fellpflege dient der sozialen Interaktion und stärkt den Zusammenhalt der Gruppe. Um die Versorgung und Betreuung des Nachwuchses kümmern sich alle Mitglieder einer Gruppe, auch das dominante Männchen. Schwarze Kapuziner beanspruchen ein Revier von 30 bis 100 Hektar Größe und verteidigen dies auch gegenüber Artgenossen, zeigen jedoch kein territoriales Verhalten. Die Reviere einzelner Gruppen können sich aber überlappen und werden mit Urin markiert. Zu den natürlichen Prädatoren gehören größere Greifvögel (Falconiformes), Raubkatzen (Feloidea) und größere Schlangen (Serpentes).

Der Schwarze Kapuziner lebt in einer matrilinearen Gruppe von Weibchen, die aus 10 bis 30 Individuen bestehen kann. Matrilinear bedeutet, dass die Weibchen in der Gruppe bleiben, während die Männchen spätestens bei Erreichen der Geschlechtsreife migrieren. Die Zahl der Männchen und der Weibchen ist in jeder Gruppe unterschiedlich. In jeder Gruppe ist ein dominantes Alpha-Männchen. Das Ausmaß seiner Dominanz variiert vom strengen Despotismus mit exklusiven Rechten zur Paarung. Das Männchen wirkt größer und muskuslöser als das Weibchen. Die Aufgabe des Männchens besteht darin, die Gruppe vor externen Bedrohungen zu schützen, denn Weibchen sind innerhalb der Gruppe sehr einflussreich, vor allem in der Bildung und Sicherung von Allianzen.

Die Kommunikation untereinander ist vielschichtig. Zentraler Bestandteil ist neben der Tastkommunikation die Sichtkommunikation. Die Sichtkommunikation geht mit Augenkontakt, Anheben der Augenbrauen, Bewegung mit den Lippen und Zeigen der Zähne einher. Diese Interaktion dient der Kommunikation untereinander und gegenüber Prädatoren und Eindringlingen. Ein weiterer Bestandteil der Kommunikation sind lautstarke Ausrufe, die sich durch Schreien, leises Murmeln und Grunzen manifestiert.

Unterarten

Verbreitung

Schwarze Kapuziner kommen im nordwestlichen Südamerika vor. Die Tiere sind vor allem in Brasilien: Rio de Janeiro, Sierra dos Orgaos, anzutreffen. Hauptverbreitungsgebiet ist der Tieflandregenwald im Amazonasbecken. Feuchter Tieflandregenwald sowie Trockenwälder und Hochlandregenwald bis in Höhen von gut 1.500 Meter über NN. gehören zu den natürlichen Lebensräumen der Schwarzen Kapuziner. Den Waldboden betreten Schwarze Kapuziner nur zur Nahrungssuche. Hier suchen sie nach kleinen Wirbeltieren (Vertebrata) und wirbellosen Tieren. Ansonsten halten sie sich nur in den Bäumen, meist in mittlerer Höhe auf.

Ernährung

Der Schwarze Kapuziner ernährt sich als Allesfresser sowohl von Blättern, reifen Früchten und Beeren, Nüssen als auch von Eiern, Jungvögeln (insbesondere Nestlinge), Insekten (Insecta) und deren Larven, Spinnentieren (Arachnida), kleinen Reptilien (Reptilia) und kleineren Wirbeltieren (Vertebrata). In Zeiten knapper Nahrung beansprucht das Männchen Nahrungsreserven für sich alleine. Nicht selten sterben dann auch Mitglieder der Gruppe den Hungertod. Mit ihren kräftigen Kiefern können sie auch großvolumige Früchte knacken. Zudem können sie mit ihren Zähnen selbst hartschalige Nüsse öffnen. Auf Nahrungssuche gehen Schwarze Kapuziner am Tage meist in größeren Gruppen. Bei der Nahrungsaufnahme herrscht eine strenge Hierarchie, bei der zuerst das dominierende Männchen zum Zuge kommt.

Fortpflanzung

Die Weibchen der Schwarzen Kapuziner erreichen die Geschlechtsreife mit rund vier Jahren, Männchen erst sehr viel später mit etwa sieben bis acht Jahren. Schwarze Kapuziner leben polygam, das heißt, ein Männchen paart sich mit mehreren oder allen geschlechtsreifen Weibchen seiner Gruppe. Die Paarungszeit ist an keine bestimmte Jahreszeit gebunden, jedoch fallen die meisten Geburten in die Regenzeit, in einer Zeit, in der reichlich Nahrung vorhanden ist. Nach einer Tragezeit von 155 bis 160 Tagen bringt das Weibchen ein, ganz selten auch zwei Jungtiere zur Welt. Das Geburtsgewicht liegt zwischen 300 und 500 Gramm.

Das Jungtier klammert sich instinktiv am Bauch der Mutter im Fell fest und wird von ihr die erste Zeit herumgetragen. Nach spätestens zwölf Monaten wird der Nachwuchs entwöhnt. Mit Erreichen der Geschlechtsreife verlassen junge Männchen die Gruppe, während Weibchen in ihrer Geburtsgruppe verbleiben. Die Pflege des Nachwuchses obliegt in der ersten Zeit rein der Mutter. Später helfen auch andere Weibchen und gelegentlich auch Männchen innerhalb der Gruppe bei der Aufzucht und Pflege des Nachwuchses. In Gefangenschaft können Schwarze Kapuziner ein Alter von über 40 Jahren erreichen. In Freiheit liegt die Lebenserwartung mit gut 30 Jahren deutlich darunter.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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