Schwarzer Stummelaffe

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Schwarzer Stummelaffe
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Schlank- und Stummelaffen (Colobinae)
Gattung: Schwarz-weiße Stummelaffen (Colobus)
Art: Schwarzer Stummelaffe
Wissenschaftlicher Name
Colobus satanas
Waterhouse, 1837

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Schwarze Stummelaffe (Colobus satanas) zählt innerhalb der Meerkatzenverwandten (Cercopithecidae) zu Gattung der Schwarz-weißen Stummelaffen (Colobus). Im Englischen wird die Art Black Colobus genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der schlank gebaute Schwarze Stummelaffe erreicht eine Körperlänge von 580 bis 710 mm, eine Schwanzlänge von 600 bis 950 mm sowie ein Gewicht von 6.000 bis 10.000 g. Das lange und dichte Fell ist völlig schwarz gefärbt, die nackte Haut im Gesicht und an den Händen und Füßen ist ebenfalls schwarz. Die Finger sind lang und zum Schwinghangeln geeignet. Die Finger weisen kurze Nägel auf. Die Daumen sind rückgebildet und mehr oder weniger ohne Funktion (Nowak, 1999).

Lebensweise

Schwarze Stummelaffen leben hauptsächlich auf dem Waldboden und sind tagaktiv. Die Tiere steigen gelegentlich auch in Bäume hinauf. Schwarze Stummelaffen sind gesellig und leben in Gruppen von bis zu 15 Individuen. Das Revier einer Gruppe kann sich über eine Fläche von bis zu 60 ha erstrecken. Zum Sozialleben gehört die gegenseitige Fellpflege, die insbesondere unter den Weibchen stattfindet. Schwarze Stummelaffen bewegen sich im Geäst der Bäume und am Waldboden hauptsächlich quadrupedal (von Quadrupedie, lat. quadrus = vier und pes = Fuß) auf allen vier Extremitäten fort (Nowak, 1999).

Unterarten

Unterarten nach Grubb et al. (2003) sowie Wilson & Reeder (2005).

Verbreitung

Die Art ist in Afrika in Kamerun, im Kongo, in Äquatorialguinea und in Gabun verbreitet. Die Unterart C. s. satanas kommt ausschließlich auf der Insel Bioko in Äquatorialguinea vor. C. s. anthracinus besiedelt das restliche Verbreitungsgebiet. Schwarze Stummelaffen kommen in Höhen von 500 bis 2.250 m über NN vor. Als Lebensraum dienen meist tropische Regenwälder und montane Sumpfwälder (IUCN, 2011).

Biozönose

Zu den natürlichen Feinden der Schwarzen Stummelaffen zählen insbesondere der Leopard (Panthera pardus) und der Kronenadler (Stephanoaetus coronatus). Schwarze Stummelaffen leben im Verbreitungsgebiet je nach Region sympatrisch mit zahlreichen anderen Primaten. Dies sind der Gemeine Schimpanse (Pan troglodytes), der Mandrill (Mandrillus sphinx), der Goldene Bärenmaki (Arctocebus aureus), der Südliche Kielnagelgalago (Euoticus elegantulus), verschiedene Zwergmeerkatzen (Miopithecus), der Gorilla (Gorilla gorilla), der Allen-Galago (Galago alleni), der Nördliche Kielnagelgalago (Euoticus pallidus), der Mantelaffe (Colobus guereza) und die Südliche Zwergmeerkatze (Miopithecus talapoin) (vergl. Oates, 1996).

Ernährung

Schwarze Stummelaffen ernähren sich als Pflanzenfresser hauptsächlich von Sämereien. Diese werden für gewöhnlich vom Waldboden aufgelesen. Neben Sämereien werden in kleineren Mengen auch Früchte, Blätter, Körner und Blüten gefressen. Die Nahrungssuche und -aufnahme erfolgt am Tage (Nowak, 1999).

Fortpflanzung

Das Paarungssystem der Schwarzen Stummelaffen kann als polygam bezeichnet werden. Innerhalb einer Gruppe paart sich das dominante Männchen mit allen geschlechtsreifen Weibchen. Eine Gruppe besteht aus einem Männchen, mehreren Weibchen sowie deren Nachwuchs. Die Paarungszeit erstreckt sich in den natürlichen Lebensräumen über das ganze Jahr, eine Saisonalität ist nicht zu erkennen. Die Jungtiere kommen mit einem braunen Fell zur Welt. Im Alter von etwa 3 Monaten stellt sich die adulte Fellfärbung ein. Jungtiere werden von der Mutter in den ersten Lebenswochen am Bauch getragen. Um die Aufzucht des Nachwuchses kümmert sich im Wesentlichen die Mutter. Die Tragezeit, die Säugezeit und die Lebenserwartung sind unbekannt (Nowak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Schwarze Stummelaffen gehören heute zu den gefährdeten Primaten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art in der Kategorie VU, Vulnerable geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) listet die Art in Anhang II des Abkommens. Die größte Bedrohung geht von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume aus. Die Wälder werden vor allem zugusten von landwirtschaftlichen Flächen gerodet. Ein weiterer Gefährdungsfaktor ist die Bejagung durch den Menschen. Das Fleisch der Tiere landet als Bushmeat auf den traditionellen Fleischmärkten (IUCN, 2011).

Synonyme

Nach Wilson & Reeder (2005) ist die Art unter den nachstehenden Synonymen bekannt: C. metternichi (Krumbiegel, 1943), C. limbarenicus (Matschie, 1917), C. municus (Matschie, 1917) und C. zenkeri (Matschie, 1917). Die genannten Synonyme sind ungültig (Wilson & Reeder, 2005).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • J. F. Oates. African Primates Status Survey and Conservation Action plan. IUCN/SSC Primate Specialist Group. 1996
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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