Schwarzfußiltis

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Schwarzfußiltis

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Marder (Mustelidae)
Unterfamilie: Mustelinae
Gattung: Wiesel (Mustela)
Art: Schwarzfußiltis
Wissenschaftlicher Name
Mustela nigripes
Audubon & Bachman, 1851

IUCN-Status
Endangered (EN)

Der Schwarzfußiltis (Mustela nigripes) zählt innerhalb der Familie der Marder (Mustelidae) zur Gattung der Wiesel (Mustela). Der Schwarzfußiltis gilt als das seltenste Säugetier in Nordamerika. In Freiheit ist die Art ausgestorben. In Gefangenschaft leben derzeit noch rund 500 Exemplare. Durch Zuchtprogramme versucht man, die Population zu stabilisieren und in naher Zukunft wieder auszuwildern.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Schwarzfußiltis erreicht eine Körperlänge von 33 bis 41 Zentimeter, eine Schwanzlänge von gut 15 Zentimeter sowie ein Gewicht von 700 bis 1.100 Gramm. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen. Markantes und namensgebendes Merkmal sind die schwarz gefärbten Extremitäten. Das übrige Fell ist hauptsächlich graubraun bis schwarzbraun, stellenweise auch gelblichbraun gefärbt. Der vordere Teil des Schwanzes weist eine weiße Färbung auf, die Spitze ist schwarz. Das Gesicht ist durch eine schwarze Gesichtsmaske geprägt, die sich über den Bereich der Augen erstreckt und seitlich der Schnauze ausläuft. Das Gesicht sowie der Kehl- und obere Brustbereich sind weißlich bis cremefarben gefärbt. Im Bereich der Nasenspitze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen. Die kleinen Ohren sitzen seitlich, weit hinten am Kopf.

Lebensweise

Der Schwarzfußiltis ist überwiegend nachtaktiv und scheu. Seine Sinne, insbesondere das Gehör sowie der Seh- und Geruchssinn sind hoch entwickelt. Am Tage und in den Ruhephasen lebt der Schwarzfußiltis in unterirdischen Bauten, die er selbst gegraben hat. Seine Füße sind dazu mit scharfen Krallen ausgestattet. An die Erdoberfläche kommt er im Grunde nur zum Jagen. In diesen Erdbauten wird auch der Nachwuchs zur Welt gebracht. Beliebte Habitate sind die Kolonien von Präriehunden (Cynomys), die gleichzeitig die Hauptnahrung darstellen. Kurz nach Sonnenuntergang wird der Schwarzfußiltis aktiv und verlässt seinen Bau und durchstöbert auf der Suche nach Präriehunden deren Bauten. Die Tiere halten keine Winterruhe, jedoch entwickeln Schwarzfußiltisse im Winter nur eine eingeschränkte Aktivität. Sie kommen einige Tage ohne Nahrung aus, ehe sie wieder auf die Jagd gehen müssen. Im Sommer legen Schwarzfußiltisse durchaus einige Kilometer in einer Nacht zurück. Dabei können sie ein Tempo von acht bis 10 km/h erreichen. Weibchen sind im Gegensatz zu den Männchen deutlich weniger aktiv. Schwarzfußiltisse leben außerhalb der Paarungszeit einzelgängerisch und gelten als ausgesprochen territorial. Die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander. Jedoch trennt sich ein Paar kurz nach der Paarung wieder. Die Aufzucht des Nachwuchses obliegt ausschließlich den Weibchen.

Verbreitung, Lebensraum

Ursprünglich waren Schwarzfußiltisse in weiten Teilen Nordamerikas von südlichen Kanada bis in den Süden der USA weit verbreitet. In Kanada wurden die Provinzen Alberta und Saskatchewan besiedelt. In den USA reichte das Verbreitungsgebiet Von North Dakota, Montana und Minnesota über die zentralen Bundesstaaten bis nach Texas. Aber bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Art fast vollständig ausgerottet. In Kanada wurde das letzte Exemplar vor rund 70 Jahren gesichtet. In den USA gilt die Art in Freiheit seit rund 25 Jahren als ausgestorben. Der natürliche Lebensraum umfasst grasreiches Hügelland und die steppenartige Prärie.

Heute lebt nur noch eine kleine Population in Gefangenschaft. Hier versucht man durch gezielte Zuchtprogramme die Population zu stabilisieren. Die Population entstammt aus der letzten frei lebenden Kolonie in Wyoming, die im Jahre 1981 teilweise der Natur entnommen wurde, um die Art zu retten. Die ersten Rückschläge ließen jedoch nicht lange auf sich warten; die meisten der eingefangenen Tiere starben an einer Krankheit. Daraufhin fing man auch die letzten Tiere in freier Natur ein. Nach einer Impfung gegen Hundestaupe überlebten diese Tiere. Anfang der 90er Jahre betrug der Gesamtbestand rund 300 Tiere. Heute liegt der Gesamtbestand bei etwa 500 Tiere. Es wurde bereits damit begonnen einige Tiere in Nationalparks auszuwildern, jedoch befindet sich der Großteil der Tiere noch in Gefangenschaft.

Ernährung

Hauptnahrung: Schwarzschwanz-Präriehund (Cynomys ludovicianus)
vergrößern
Hauptnahrung: Schwarzschwanz-Präriehund (Cynomys ludovicianus)

Die Hauptnahrung der Schwarzfußiltisse bilden Präriehunde (Cynomys) wie der Schwarzschwanz-Präriehund (Cynomys ludovicianus). Auf der Speisekarte stehen jedoch auch andere Nagetiere wie Mäuse (Mus), Harris-Antilopenziesel (Ammospermophilus harrisii), Dreizehnstreifenziesel (Spermophilus tridecemlineatus) und Eichhörnchen (Sciurus). Ein ausgewachsener Schwarzfußiltis benötigt rund 50 Gramm oder mehr an Nahrung am Tag. Beutetiere werden in der Regel in Erdbauten aufgestöbert und getötet. Nicht verbrauchte Nahrung wird zurückgelassen, Vorratsspeicher werden auch für den Winter nicht angelegt.

Fortpflanzung

Schwarzfußiltisse erreichen die Geschlechtsreife gegen Ende des ersten Lebensjahres. Außerhalb der Paarungszeit leben die Geschlechter einzelgängerisch und gehen sich aus dem Weg. Die Reviere der Männchen und Weibchen überlagern sich jedoch.
Wenige Tage alter Nachwuchs
vergrößern
Wenige Tage alter Nachwuchs
Die Paarungs- und Balzzeit beginnen in den meisten Verbreitungsgebieten im März, in nördlichen Regionen ab April. Die Lebensweise kann als polygam bezeichnet werden, da Männchen in der Regel mehrere Weibchen begatten. Eine Beziehung entsteht nicht, da das Männchen ein Weibchen unmittelbar nach der Paarung verlässt.

Nach einer Tragezeit von gut 45 Tagen bringt das Weibchen in ihrem Erdbau drei bis fünf, selten auch mehr Jungtiere zur Welt. Der Nachwuchs ist bei der Geburt hilflos, nackt und blind. Aufgrund der nahrhaften Milch wachsen die Jungtiere sehr schnell heran. Die Mutter verfügt zum Saugen über sechs Brustdrüsen. Bereits nach sechs Wochen, also Ende Juli, lassen sich die kleinen erstmals an der Erdoberfläche blicken und erkunden die nähere Umgebung. Von der Muttermilch werden sie ab diesem Zeitpunkt abgesetzt. Die Jungtiere nehmen fortan feste Nahrung zu sich, die von der Mutter herangeschafft wird. Später gehen die Jungtiere mit der Mutter gemeinsam auf die Jagd. Der kleine Familienverband löst sich in der Regel im Frühwinter auf und die Jungtiere suchen sich ein eigenes Revier. In Zeiten von Nahrungsmangel kommt es zu einer verzögerten embryonalen Entwicklung. Dabei ruht die Keimruhe, bis sich die Bedingungen gebessert haben.

Ökologie

Ähnlich wie die Präriehunde, so wurde auch die Schwarzfußiltisse als Plage angesehen. Mit der Erschließung der Prärie für die Viehwirtschaft waren den Farmern die Bauten der Tiere ein Dorn im Auge. Rinder und Pferde brachen sich gelegentlich die Beine in den Löchern. Dies war letztlich auch der Grund für die massenhafte Abschlachtung der Schwarzfußiltisse in allen Bereichen ihrer Verbreitungsgebiete. Die Bauten der Tiere wurden entweder begast oder es wurden Giftköder ausgelegt. Farmer haben dabei ganze Arbeit geleistet. In nicht einmal 100 Jahren wurde die Art vollständig ausgerottet. Dabei ist der Schwarzfußiltis ein ausgesprochener Nützling, der vor allem die Populationen von Präriehunden und anderen Nagern reguliert. Schwarzfußiltisse gelten auch als Überträger diverse Krankheiten wie der Hundestaupe (Canine distemper). Die Krankheit, die vor allem lymphatisches Gewebe zerstört, endet zumeist tödlich.

Gefährdung und Schutz

Der Schwarzfußiltis gehört zu den seltensten Säugetiere der Erde. In der Roten Liste der IUCN wird die Art seit 1996 in der Wildnis als ausgestorben geführt (EW, Extinct in the wild). Das Washingtoner Artenschutzabkommen stellt den Schwarzfußiltis in Anhang I unter weltweitem Schutz. In Freiheit ausgestorben ist die Art vor allem durch die Ausrottung durch den Menschen und Nahrungsmangel, da man gleichzeitig auch die Präriehunde bejagt hat. Seit 1987 gilt die Art in Freiheit als ausgestorben. Die letzten lebenden Exemplare wurde der Natur entnommen und Zuchtprogrammen zugeführt. Neben der Bejagung durch den Menschen beruhte das Aussterben auch auf die Vernichtung der natürlichen Lebensräume, die bis auf zwei Prozent in Weide- und Agrarland umgewandelt wurde. Ein weiterer Grund war die grassierende Hundestaupe unter den letzten verbliebenden Tieren. Die letzten Exemplare fristen ihr Dasein heute in Gefangenschaft. Man versucht die Art durch gezielte Zuchtprogramme zu stabilisieren. Ob die Rettungsmaßnahmen greifen, bleibt abzuwarten.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge