Schwarznatter

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Schwarznatter

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Familie: Nattern (Colubridae)
Unterfamilie: Colubrinae
Gattung: Zornnattern (Coluber)
Art: Schwarznatter
Wissenschaftlicher Name
Coluber constrictor
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Schwarznatter (Coluber constrictor) zählt innerhalb der Familie der Nattern (Colubridae) zur Gattung der Zornnattern (Coluber).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Schwarznatter erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine Körperlänge von 90 bis 165 Zentimeter. Längen von bis zu 180 oder gar 190 Zentimeter sind möglich, aber sehr selten. Auch die Färbung der Tiere ist äußerst variabel und schwankt je nach Verbreitungsgebiet und Unterart. Die Beschuppung kann schwarz, dunkelgrau, braun oder rotbraun gefärbt sein. Die Bauchseite ist meist weißlich bis leicht gelblich gefärbt. Dorsal können helle Quermuster auf dunkler Beschuppung vorhanden sein. Die Nominalform Coluber constrictor constrictor macht ihrem Namen alle Ehre und ist schwarz gefärbt. Der Körper ist insgesamt ausgesprochen schlank gebaut und endet in einem schmalen Kopf, der sich nur wenig vom Körper absetzt. Das Kinn und die Partie um das Maul sind zumeist weißlich bis leicht gelblich gefärbt. Jungschlangen weisen in den ersten Lebensjahren dorsal eine Fleckung auf, die sich mit zunehmendem Alter verliert. Beim Männchen ist die Schwanzwurzel leicht verdickt. Dies ist ein sicheres Unterscheidungsmerkmal zwischen den Geschlechtern.

Verhalten

Schwarznattern gehören zu den ungiftigen Nattern. Sehr wohl können die Tiere schmerzhaft zubeißen. Bei Gefahr suchen Schwarznattern ihr Heil jedoch eher in der Flucht. Sie beißen nur, wenn sie sich in die Enge getrieben fühlen. Zudem geben sie bei Gefahr über ihre Postanaldrüsen ein übelriechendes Sekret ab, das vor allem Fressfeinde abschrecken soll. Schwarznattern sind gute Kletterer, die durchaus oft in niedrigen Bäumen oder Büschen anzutreffen sind. Die überwiegend tagaktiven Schwarznattern halten während der kalten Jahreszeit eine mehrmonatige Winterruhe. Die Schlangen überwintern in der Regel alleine, nur selten in kleinen Gruppen. Zur Winterruhe werden frostsichere Plätze aufgesucht. Dies sind zumeist Nagerbauten, Felsspalten oder ähnliche Verstecke. In Höhenlagen dauert die Winterruhe gemeinhin etwas länger als in Tallagen.

Unterarten

Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Coluber constrictor anthicus Cope, 1862 n/a Arkansas, Louisiana, Texas
Coluber constrictor constrictor Linnaeus, 1758 n/a Maine bios Alabama
Coluber constrictor etheridgei Wilson, 1970 n/a Louisiana, Texas
Coluber constrictor flaviventris Say, 1823 n/a Saskatchewan, Montana bis Iowa, südlich bis Texas
Coluber constrictor foxii Baird & Girard, 1853 n/a Michigan, Wisconson, Minnesota und Ohio bis nach Illinois
Coluber constrictor helvigularis Auffenberg, 1955 n/a Florida, Georgia
Coluber constrictor latrunculus Wilson, 1970 n/a Texas, Louisiana, Mississippi
Coluber constrictor oaxaca Jan, 1863 n/a Mexiko
Coluber constrictor paludicola Auffenberg & Babbitt, 1955 n/a Florida
Coluber constrictor priapus Dunn & Wood, 1939 n/a Florida, Texas, nördlich bis Minnesota, östlich bis Maine

Verbreitung

Schwarznattern kommen in weiten Teilen Nordamerikas vor. Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom südlichen Kanada über weite Teile der USA und Mexiko bis ins zentrale Mittelamerika. Die südlichsten Vorkommen sind in Guatemala anzutreffen. Die genaue Verteilung der einzelnen Unterarten kann der Tabelle entnommen werden. Zu den natürlichen Lebensräumen zählen insbesondere Sumpfgebiete, lichte Wälder und deren Ränder und landwirtschaftliche Flächen. Auch in Höhenlagen von 500 bis 800 Metern über NN. ist die Schwarznatter durchaus anzutreffen.

Prädatoren

Schwarznattern stehen zwar am oberen Ende der Nahrungskette, dennoch haben auch sie einige Feinde. Zu den natürlichen Feinden adulter Schwarznattern gehören unter anderem Wildkatzen (Felis silvestris), Greifvögel (Falconiformes), Rotfüchse (Vulpes vulpes) und andere Schlangen. Jungschlangen werden vor allem von Greifvögeln und räuberisch lebenden Vögeln gefressen. Oftmals werden Schwarznattern auch in ihren Winterquartieren von Fressfeinden aufgespürt und gefressen.

Ernährung

Die Schwarznatter ernährt sich als reiner Fleischfresser von Vögeln, deren Brut und Eier, kleinere Säugetiere sowie kleinen Reptilien wie Echsen und kleine Schildkröten. Auch Schlangen stehen durchaus auf ihrer Speisekarte. Auf Nahrungssuche gehen sie sowohl in Bäumen als auch auf dem Erdboden. Größere Beute wird durch Konstriktion (Umschlingen und Erwürgen) getötet, kleine Beute zwischen den Kiefern zerquetscht. Mit dem Kopf voran wird die Beute dann im Ganzen verschlungen. Jungschlangen ernähren sich im wesentlichen von kleineren Reptilien, Amphibien, Insekten, Spinnentieren sowie Kleinsäuger wie Mäuse und dergleichen.

Fortpflanzung

Leeres Gelege
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Leeres Gelege

Schwarznattern erreichen die Geschlechtsreife mit zwei bis drei Jahren. Weibchen brauchen in der Regel ein Jahr länger als Männchen. Je nach Verbreitungsgebiet beginnt die Paarungszeit nach der Winterruhe. In südlichen Verbreitungsgebieten ist dies ab April der Fall. In nördlichen Regionen hingegen erst ab dem Frühsommer. Als eierlegende Art beginnt das Weibchen einige Wochen nach der Paarung einen passenden Ort für die Eiablage zu suchen. Geeignete Plätze sind in der Regel hohle Baumstümpfe, Baumhöhlen oder verlassene Erdbauten anderer Tiere. Das Weibchen legt je nach Alter und Ernährungszustand zwischen 4 und 30 weißliche Eier, die eine Länge von durchschnittlich drei bis vier Zentimeter aufweisen. Gelegentlich kommt es auch zu Gemeinschaftsgelegen. Nach einer temperaturabhängigen Inkubationszeit von 60 bis 80 Tagen schlüpfen die Jungschlangen, die eine Schlupflänge von 30 bis 35 Zentimeter aufweisen. Die Lebenserwartung der Schwarznatter liegt bei rund zehn Jahren.

Gefährdung und Schutz

Die Schwarznatter ist in weiten Teilen ihrer Verbreitungsgebiete noch häufig anzutreffen. Lokal können jedoch sinkende Populationen beobachtet werden. In den betreffenden Landesteilen der USA (beispielsweise Maine) und auch in den südwestlichen Provinzen Kanadas steht die Art unter Schutz. Die Hauptbedrohung ist die weitreichende Umweltverschmutzung und Vernichtung der natürlichen Lebensräume. Insbesondere die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln setzt der Schwarznatter nachhaltig zu. In der Landwirtschaft gilt die Schwarznatter als Nützling, da sie große Menge an Schädlingen vertilgt. In der Roten Liste der IUCN ist die Art nicht verzeichnet.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Roland Bauchot: Schlangen, Weltbild Verlag, 1999, ISBN 3-8289-1501-9
  • Dieter Schmidt: Nattern faszinierend & exotisch, Gräfe & Unzer, Auflage 1 (Februar 2005), ISBN 3774269475

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