Schwarzspecht

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Schwarzspecht
Russia, Moscow region, Chelobit'evo

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Teilklasse: Neoaves
Parvklasse: Picae
Ordnung: Spechtvögel (Piciformes)
Teilordnung: Picides
Familie: Spechte (Picidae)
Gattung: Dryocopus
Art: Schwarzspecht
Wissenschaftlicher Name
Dryocopus martius
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Schwarzspecht (Dryocopus martius) zählt innerhalb der Familie der Spechte (Picidae) zur Gattung Dryocopus.

Als im Jahre 1981 vom Waldsterben, zumindest in der Öffentlichkeit, kaum die Rede war, wurde der Schwarzspecht vom Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) im Jahre 1981 zum Vogel des Jahres erklärt.

Der Schwarzspecht zeigt in Größe und Aussehen Ähnlichkeiten mit der Dohle (Corvus monedula) und mit dem Grünspecht (Picus viridis). Allerdings ist der Nacken bei der Dohle (Corvus monedula) grau gefärbt und der Schnabel erscheint stumpfer. Der Grünspecht (Picus viridis) ist kleiner und das Männchen sowie das Weibchen ähneln sich in der Silhouette. Der Schwarzspecht ist zwar der größte Specht, doch deshalb nicht leichter zu sehen als jeder andere Vogel.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Schwarzspecht ist knapp krähengroß und schwarz. Er erreicht eine Körperlänge von etwa 40 bis 46 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 67 bis 73 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa 250 bis 370 Gramm. Zwischen dem Männchen und dem Weibchen besteht ein leichter Dimorphismus, indem bei dem Männchen deutlich ein kräftiger rot gefärbter Scheitel oder eine rote Kappe von der Stirn bis zum Nacken zu sehen ist, während bei dem Weibchen nur ein roter Nackenfleck sichtbar ist. Im Gesicht sieht man markante kräftig weiß gefärbte Augen. Das Gefieder zeigt eine glänzend schwarze Farbe. Der Schnabel ist besonders kräftig und ist dolchartig geformt und weist eine weißgelbliche Färbung auf. Als unser größter einheimischer Specht kann nur der Schwarzspecht mit seinem außerordentlich kräftigen Meißelschnabel regelmäßig seine Bruthöhle in das harte Buchenholz zimmern. Beim Klettern halten nicht nur die kräftigen Krallen den Vogelkörper, auch die besonders widerstandsfähigen Schwanzfedern stützen ihn ab. Mit ihren harten Federstrahlen verhindern die Schwanzfedern ein Abrutschen. Die Extremitäten sind hellgrau bis dunkelgrau geschönt und enden in vier Zehen, von denen zwei Zehen nach hinten zeigen und zwei Zehen nach vorn. Die Zehen sind kurz und kräftig und sind mit gebogenen festen, scharfen Krallen ausgestattet. Mit diesen Krallen kann er sich fest in der rauen Rinde oder auch an glattrindigen Baumstämmen verkrallen sowie geschickt und gewandt an den Bäumen hoch klettern, der Schwanz bietet Stütze und Gleichgewicht. Im Flug erkennt man bei dem Männchen deutlich ausgeprägte gerundete Flügel mit gefingerten Enden. Der Hals erscheint im Flug sehr schlank. Wie schon oben erwähnt sind die Geschlechter nur durch die rote Kappe und den roten Nackenfleck zu unterscheiden, sonst sind das Männchen und das Weibchen in Größe, Färbung und Aussehen identisch. Die Jungvögel sind in ihrem jugendlichen Federkleid mehr durch ihre braunschwarze Färbung zu erkennen. Der Schwarzspecht zeigt einen kräftigen Flug. Obwohl er groß und schwer ist, so wirkt der Schwarzspecht mit seinen breiten Flügeln und seinem dünnen Hals recht schlank in der Luft. Der Flug ist mehr geradlinig. Dabei werden keine Wellenbahnen ausgeführt. Der Kopf ist im Flug hoch gereckt. Die Flügelschläge sind meist unterhalb der Körperlinie. Vor der Landung schwenkt der Schwarzspecht mit kurzem Flügelschwirren nach oben. Der Flug des Schwarzspechtes ähnelt eher dem des Eichelhähers (Garrulus glandarius).

Schwarzspecht - Russia, Moscow region, Chelobit'evo
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Schwarzspecht - Russia, Moscow region, Chelobit'evo

Meist kann man den Schwarzspecht an Hand seiner lauten Rufe entdecken oder an seinem explosiven Trommeln wie ein Maschinengewehr. Gewöhnlich ist der Schwarzspecht aber sehr scheu und man kann sich ihm nicht so leicht nähern. Das Trommeln besteht meist aus einer Reihe von Serien, die mit wenigen bis höchstens 20 Schlägen ausgeführt werden, im Höchstfall etwa 100 pro Minute. Weithin hörbar ist allerdings sein Flugruf, der wie ein einsilbiges "kürr-kürr-kürr ..." oder wie ein "krrü-krüü ..." klingt. Ein abfallendes klagendes wie "kijäh" oder wie "kliööh" ist ebenfalls weit zu hören. Zur Fortpflanzungszeit hört man, jedoch weniger häufig als bei dem Grünspecht (Picus viridis) und bei dem Grauspecht (Picus canus), eine Reihe von raschen Lauten etwa "kwoih-kwih-kwih-kwih-kwikwikwi...", am Ende werden die Laute schneller. Mit dieser Rufreihe wird der Revierbesitz und der Höhlenbesitz angezeigt. Hin und wieder hört man auch ein lautes Lachen ähnlich wie bei dem Grünspecht (Picus viridis), jedoch lauter und unregelmäßiger. Der Schwarzspecht kann unter günstigen Umständen in der Natur ein Alter von bis zu 10 Jahren erreichen.

Unterarten

Verbreitung

Schwarzspecht - Russia, Moscow district, Veshki
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Schwarzspecht - Russia, Moscow district, Veshki

Der Schwarzspecht ist in geschlossenen Hochwäldern mit Buche, Fichte oder Kiefer nicht selten. Im Winter kommt der Schwarzspecht auch in Gärten oder Vorstadtparks. In vielen Gebieten Europas ist das Vorkommen des Schwarzspechtes vor allem mit Bergland verbunden, in Nordwesteuropa ist er aber auch im Tiefland häufig. Der Schwarzspecht brütet von Nordspanien nach Osten über Frankreich nordwärts bis Skandinavien, Sibirien sowie Ostasien und Nordasien sowie bis Japan. Er fehlt aber in den meisten Teilen Italiens, in Großbritannien, Griechenland und in Island. In Deutschland ist der Schwarzspecht in großen Waldungen weit verbreitet. Im Norden Mitteleuropas und in Frankreich ist eine Tendenz der Zunahme und Arealerweiterung zu beobachten. Der Schwarzspecht ist ein Standvogel und ein Strichvogel. Er brütet mit Vorliebe in großen Altholzbeständen mit großen, glattrindigen Stämmen wie zum Beispiel Buchen, Tannen, Pinien und alte Kiefern, vorausgesetzt, dass zwischen den Bäumen ein großer Abstand besteht. Als Nahrungsgebiete bevorzugt der Schwarzspecht aufgelockerte Nadelwälder und Mischwälder mit alten, kranken und abgestorbenen Bäumen sowie vermodernden Baumstümpfen. Des weiteren findet man den Schwarzspecht in der Taiga, die Hölzer aller Größen und Arten aufweist.

Ernährung

Der Schwarzspecht lebt sowohl vegetarisch als auch insektenfressend. Er ernährt sich hauptsächlich von Ameisen (Formicidae) und von holzfressenden Insekten (Insecta), die er entnimmt, indem er Perforationen in der Rinde dank seines dolchartigen Schnabels durchführt.
Schwarzspecht - Russia, Moscow district, Veshki
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Schwarzspecht - Russia, Moscow district, Veshki
Des weiteren gräbt der Schwarzspecht Insektenlarven aus Baumästen und Baumstrünken sowie aus gefallenen Stämmen. In einigen Regionen umfaßt seine Ernährungsweise etwa 99 Prozent der Ameisen (Formicidae), die er von den Baumstämmen oder vom Boden aufnimmt. Anderswo werden holzbewohnende Käfer (Coleoptera) und deren Larven in großer Anzahl, ebenso wie die Raupen der Schmetterlinge (Lepidoptera) und die Maden der Fleischfliegen (Sarcophagidae) erbeutet. Bei Gelegenheit nimmt er auch Früchte, Beeren und sogar Eier anderer Vögel (Aves) zu sich. Hin und wieder werden auch junge Vögel (Aves) erbeutet.

Die Spuren der Nahrungssuche des Schwarzspechtes kann man leicht im Wald entdecken. Morsche Baumstrünke werden regelrecht zerhackt und insektenbefallene Bäume entrindet. Besonders auffällig sind die Spuren in kernfaulen Fichten. Meist beginnt der Schwarzspecht am Grunde des Stammes und folgt der von unten aufsteigenden Rotfäule des Baumes nach oben. Die Löcher sind länglich und rechteckig, manchmal sind es regelrechte lange Schlitze, die bis zu einem Zentimeter lang sein können. Sie führen bis zu den Nestkammern der im faulen Holz lebenden Ameisen (Formicidae) und sind manchmal über 20 Zentimeter tief.


Fortpflanzung

Schwarzspecht - Russia, Moscow
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Schwarzspecht - Russia, Moscow

Schwarzspechte führen eine monogame Einehe. Die Paarungszeit und die Brutsaison finden in den Monaten von April bis Juni statt. Während dieser Zeit kommt es nur zu einer Jahresbrut. Das Männchen beeindruckt das Weibchen durch zarte Balzrufe und durch eine Reihe sehr schneller Schnabelhiebe auf trockenen Baumstämmen, wodurch ein sonores Trommeln erzeugt wird. Wenn sich das Weibchen und das Männchen gefunden haben, dann veranstalten sie gemeinsam ein Konzert, balancieren den Kopf kreisend hin und her und Reiben die Schnäbel aneinander. Schließlich führt das Männchen das Weibchen zum Nistplatz, den das Männchen vorher ausgesucht hat. Das Nest wird in einem Stamm eines gesunden oder kranken Baumes gezimmert. Es handelt sich im allgemeinen um eine Nesthöhle, die eine große ovale Öffnung, etwa 9 mal 12 Zentimeter, aufweist. Die Nisthöhle befindet sich meist in einer Höhe zwischen vier und 15 Metern und wird vor allem in Buchen, aber auch in Kiefern und seltener in anderen Bäumen wie Tanne, Fichte oder Lärche angelegt. Manchmal bezieht der Schwarzspecht auch alte Höhlen, die er nur etwas zu säubern braucht. Der Schwarzspecht benötigt zum Fertigstellen einer neuen Bruthöhle in Weichhölzern etwa 14 Tage, in Buchen dauert es etwa 23 bis 28 Tage. Beim Außenbau wechseln sich das Männchen und das Weibchen meist zu gleichen Teilen ab, der Innenausbau ist meistens die Aufgabe des Weibchens. An Buchen sind bis zu 17 Schnabelhiebe notwendig, um einen einzigen Span zu lösen. Beim Bau einer Buchenhöhle werden etwa 10.000 Späne produziert. Die größten Bruthöhlen sind etwa elf Zentimeter lang, zwei Zentimeter breit und drei bis fünf Millimeter dick. Der eigentliche Legebeginn ist frühestens ab Anfang April.

Schwarzspecht - Russia, Moscow region, Veshki
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Schwarzspecht - Russia, Moscow region, Veshki

Das Weibchen legt drei bis fünf weißliche Eier oder zwei bis sechs weißliche Eier. Das Weibchen und das Männchen wärmen abwechselnd die Eier, meistens wärmt das Männchen die Eier mehr. Die Inkubation der Eier beträgt etwa 12 bis 14 Tage lang. Die Nestlingszeit dauert bis zum Flüggewerden der Jungvögel ungefähr 27 bis 28 Tage, manchmal sogar länger. Das Weibchen und das Männchen kümmern sich um die Aufzucht der Jungvögel. Sie werden während dieser Zeit reichlich mit Nahrung in Form von allerlei Insekten versorgt. Die Jungvögel weisen im Gegensatz zu den Altvögeln ein braunschwarzes Gefieder auf. Die Lebenserwartung des Schwarzspechtes kann unter günstigen Umständen in der Natur von bis zu zehn Jahren betragen.

Gefährdung und Schutz

Der Bestand ist in einigen Regionen gesichert und in anderen Regionen ist der Bestand schon gefährdet. Trotz der Gefährdung in einigen Teilen Europas wird der Schwarzspecht in der Roten Liste der IUCN als least concern (nicht gefährdet) geführt. Der Schwarzspecht ist insbesondere durch das Verschwinden seiner Lebensräume, die Senkung der großen Forstmassive und das Entsorgen alter Bäume massiv bedroht. Des weiteren ist der Schwarzspecht Symbol für die auf Altholzbestände angewiesenen Tierarten, deren Fortbestand durch die moderne Waldbewirtschaftung gefährdet ist, da alte und morsche Baumstämme frühzeitig aus unseren Wäldern entfernt werden. Zu einem weiteren Problem zählt unter anderem die illegale Jagd nach diesem schönen Vogel.

Galerie


Anhang

Literatur und Quellen

  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072

Links

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